Warum ich glaube. Und was

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Als ich klein war, haben die Sterne zu mir gesprochen. Ich ging nachts los mit dem Hund und hab ihnen zugehört unter freiem Himmel. Meine Mutter war, als sie klein war, mit Bibelsprüchen gefüttert worden statt mit ausreichend Brot und Pudding. Auf Gott hätte sie deshalb gern geflucht – nur, so richtig traute sie sich das nicht. Aber den Nacht-Himmel mochte sie auch.

Ich hörte von einem anderen Gott im Radio: Geschichten aus der Bibel für Kinder. Und dass der Gott der Sterne ein Gesicht bekommen hat: Jesus. Vom Himmel hoch ist er gekommen und hat gelernt wie man liebt und isst und stirbt. Das fand ich gut.
Fragte mein frommer Klassen-Lehrer nach dem langwierigen Stimmen seiner verkratzten Geige zu Beginn der Stunde, wo Gott sei, dann wusste ich es: In jedem Gesicht. Das weiß ich bis heute. Ich sehe Gott auf der Parkbank schlafen, ich sehe, wie er spielt mit dem Hüpfseil und wie er arbeitet im Büro – manchmal bis zum Umfallen lange.

Ich glaube, dass er auch aus mir herausschaut. Wenn er in allen Menschen ist, dann auch in mir. Bisschen verrückt – aber ich glaub’s.

In jedem Leben lernt Gott dazu. In Ihrem Leben hat er vielleicht eine besondere Form der Geduld erlebt. Oder einen Schmerz, aus dem etwas Schönes wurde. Oder Ihre Art zu Lächeln. Gott hört nicht auf zu lernen. Mit jeder Geburt erfährt er mehr, jeder Herzschlag macht ihn neugieriger.

Schau ich das Kreuz an mit dem Jesus dran, dann denk ich nicht an meine Sünden oder so etwas. Ich schau ihn an und denke: Ja, du, so kann es einen zerreißen, wenn man liebt. Wenn man sagt, was vielleicht unbequem aber wahr ist. Wenn man jemanden pflegen muss bis zum Tod und nicht weiß wohin mit dem eigenen Kummer.

Und schau ich das Kreuz an ohne den Jesus dran, dann denk ich: Jetzt hast Du’s geschafft. Jetzt weißt Du wie es uns Menschen geht. Und jetzt gehst Du in mir mit und in meiner Nachbarin mit ihrem kleinen Hund und sprichst uns von innen zu: „Geh weiter, steh auf von den Toten, ich lebe in dir, und wir kommen gemeinsam in den Sternen-Himmel.“

Das glaube ich.

 

 

Thomas Hirsch-Hüffell

thh@gottesdienstinstitut-nek.de