Vortragekreuz – getragen von Jugendlichen

…es stimmt, die Ganztagsschule bedroht auch hier alle außerschulischen Aktivitäten, und sei es das Kreuztragen. Ein Grund mehr, diese neue Doktrin zu hinterfragen.

Wir fragen zu Beginn jeden Konfer-Jahrgangs, wer gern Kreuztragen würde. Es dauert meist eine Stunde, ca. 13.45 Uhr muß man am Friedhof sein, bekommt vom Bestatter die Grabstelle gezeigt, kann noch in Ruhe seinen schwarzen Kittel überwerfen und nimmt in der Friedhofskapelle auf reserviertem Sitz Platz. Ab ca 14.25 Uhr beginnt dann der Auftritt: Gang von der Kapelle zum Grab, ca. 5 bis 10 Minuten. Ich bleibe als Pfarrer meist noch am Grab, bis der letzte Trauernde seine Erde geschmissen hat. Dann gehe ich – mit der Kreuzträgerin. Spätestens 14.45 Uhr.

Der Kreuzträger bekommt 8 Euro. Lassen wir uns von den Angehörigen bezahlen, wie das Glockenläuten, 5 Euro, die Organistin, 25 Euro und die Heizung der Kapelle, nochmal 25 Euro, macht zusammen 63 Euro für die Kirchliche Seite der Beerdigung.

Die Konfers sind ja in verschiedenen Klassen und v.a. in verschiednen Schulformen (Haupt-, Real-, Gymn., gel. Sonderschule). D.h. irgendwer hat immer frei.

Ich telefoniere meine Liste der Interessenten ab. Wenige Tage zuvor. Spätestens der dritte kann und kommt gerne.

Insgesamt steht die Tradition und machen es die Konfers gerne. Auch die Eltern unterstützen es. Selten tritt mal einer zurück und sagt, er möchte es nicht mehr. Die Gespräche mit dem kreuztragenden Jugendlichen vom Grab zurück zur Friedhofskapelle sind immer serh dicht und gut.

Es ist, wie Du sagst, ein großer Trost. Auch für mIch: vorneweg ein Jugendlicher mit seinem leichten unbeschwerten Gang und dieser Holzstock mit einem (bei uns klappernden) Blechchristus obendran. Trost der Jugend, des Lebens, der langen GlaubensTradition.

Problematisch ist das sicher in Städten, wo zu jeder Zeit beerdigt wird und Jugendliche zu irgendwelchen Großfriedhöfen hin müssen.

Wir haben 14 Uhr, manchmal 11 Uhr. Bei letzterer Uhrzeit gibts natürlich keine Jugendliche! Jeder kennt den friedhof und keiner muß mehr als 3 km anradeln.

Von: gengenbach-laubach@web.de