Übungen zur Gottesdienstdidaktik mit Musik

Erkläre mir, und ich vergesse.
Zeige mir, und ich erinnere.
Lass es mich tun, und ich verstehe.
Konfuzius


Gottesdienst übt man am besten wie Tanzen. Da liest man ja auch kein Buch oder bespricht die Schritte  und tanzt dann, sondern man macht die Schritte – live und im Raum. Damit Leitende mit ihrem ganzen Körper wach führen können, helfen Vorübungen, die den Menschen auf Wachheit einstellen. Z.B. ‘Führen und Folgen’, denn das ist ein elementarer Vollzug zwischen Kantorin und Pastor, zwischen den Leuten usw. Manchen Übungen  tut Musik gut.   Prinzipiell eignet sich für spielerische und körperorientierte Übung Musik, die nicht bekannt ist – die also keine biografischen Erinnerungen erzeugt, die bei der Übung stören könnten.
Instrumentale Musik eignet sich eher. Gesang 
nimmt Hörende mehr für sich ein, weil eine Stimme anders auf Menschen wirkt als Instrumente. Die Musik soll aber nicht zum Lauschen führen, sondern eigene Bewegung unterstützen.

(Herzliche Bitte uns zu verschonen mit Nachfragen, von wem die Musik ist. Das alles hier ist eh nicht ganz erlaubt. Findige Leute können selbst entdecken, was sie brauchen.)

 

Das Dritte zwischen uns

Sinn: Absichtslosigkeit üben, das ‘Zwischen’ als eigene Kraft kennenlernen (als Analogie zum Hl. Geist)

Die Übung geschieht im Schweigen. Man steht zu zweit einander ggüb. Man hält die linke Hand an die linke Hand des Gegenübers. Locker, kein Druck, nur Berührung. Handfläche an Handfläche oder auch nur Fingerkuppen an Fingerkuppen. Im weiteren geht’s darum abzuwarten, welche Impulse von diesem Zwischenraum, der  Kontaktfläche zwischen den beiden Händen ausgeht. Niemand führt, niemand hat eine Absicht (sofern man das schafft). Man kann auch die ganze Zeit so still stehen. Es kann ein heiterer Tanz werden, was immer.

Die Übung beginnt still, damit möglichst wenig Einfluss von außen kommt. Warten, was sich zeigt. Das Dritte gelten und wirken lassen. Darauf anfänglich wiederholt hinweisen, weil sie Absichtslosigkeit als körperliche Erfahrung kaum kennen. Wer die Augen zu machen will soll’s tun.

Im weiteren darauf hinweisen, dass es hier nicht um Originalität geht, z.B. die der Ideen oder der Führung oder dergl.. Es soll sein, was zwischen uns ist, mehr nicht. Was da ist darf sein. Das gern wiederholen, weil viele doch ihre aufstrebenden choreografischen Absichten anbringen wollen.

Nach ca 2-3 min kann man  Musik einspielen und als Endlosschleife weiterlaufen lassen: flirren über einer ebene

Das ganze sollte mindestens 15 min gehen, das Ende ist offen, ich habs schon 1 Stunde erlebt mit großer Seligkeit. Aber man kanns auch beenden von außen, indem man die Teilnehmenden sanft zurückholt nach dem Ende der letzten Musikschleife.

 

Vor- und zurückgehen

Sinn: Meditation im Gehen, Vertrauen vertiefen, Vor- und Rückseite des Körpers sensibilisieren, Raum-Orientierung, Schleuse auf dem Übergang vom Alltag ins Seminar

Dies – fluss – aber auch andere fließende Musik –  kann man verwenden für Hin- und Zurückgehen in einem Raum, der genug Auslauf bietet. Die Zeit, 8min, ist relativ lang, so dass man z.B. mit zwei Durchläufen eine Viertelstunde gestalten kann. Das reicht vielen am Anfang. Man geht vor und wieder zurück im je eigenen Tempo. Mein Zurückgehen schaut man sich nicht um, sondern geht blindlings in die Menge der von hinten nach vorn Gehenden. Geübte können das später bis zu 2h lang tun, was in der Regel in eine Trance führt.

Man muss darauf achten, dass die Gehfläche frei von Hindernissen an der Seite ist. Der Rückraum sollte an seinem Ende an der Seite ein optisches Zeichen (Handtuch überm Stuhl o.a.) haben, damit man weiß: gleich ist Schluss mit Rückwärtsgehen. Sie muss eng genug sein, dass man einander ausweichen muss, z.B. für 12 Leute max 6 Meter breit. Am Anfang darauf hinweisen, dass das Gehen weitergeht, auch wenn die Musik aufhört und neu startet.

Unterwegs kann man auf die Empfindungen im Rücken verweisen, besonders beim Zurückgehen. Man kann kleine Wagnisse anbieten, z.B. diagonal, schneller oder jemandem vor mir rückwärts folgend zurückgehen. Oder stehen bleiben und warten wie lang das geht. Jemanden vorwärts verfolgen, lange oder in schnelle Wechseln, vielleicht sogar zu dritt, zu viert, schauen, wie lang das geht. Neben jemandem gehen usw..

Die Rücksicht der hinten Gehenden als Bedingung für Wagnis und Vertrauen.

 

Blind dirigieren

Sinn: Imagination stärken, Spiel wieder entdecken, sich selbst als Dirigierende zu erleben (jeder Gottesdienst wird geleitet)

Orchestermusik  Jeder hat Platz für sich im Raum. Du kannst jetzt ein Orchester dirigieren. Augen zu. Musik. Dirigieren. Auftauchen. Als LeiterIn selber mitmachen.

 

Vierfüßler-Tanz

Sinn: Koordination im Raum bei gleichzeitiger Koordination des Kontakts zu anderen –  elementar wichtig beim Leiten eines Gottesdienstes

Paare stehen Rücken an Rücken, möglichst viel Fläche soll beide verbinden – bewegen sich wie Vierfüßler durch den Raum, seitlich, vor und zurück, erst 20 sec ohne, dann mit Musik Vierfüßler-Musik.

Steigerung: je zwei Paar gehen Seite an Seite, so dass sich je zwei Schultern berühren, alle vier drehen sich um 90 Grad in das Zentrum der Anordnung, so gewinnt jedeR einen neuen Partner. usw

 

Squaredance – Squaredance

Sinn: sich warm tanzen, schnelle Kombination mit wechselnden ‘Mitspielern’ lernen, verschiedene Körperspannungen erleben, Spaß

Takt der Musik ohne Musikeinspielung mit Klatschen vorgeben, dazu sollen sich alle bewegen, dann jemand anderen unterhaken und einen Moment mit dem im Kreis tanzen, sich lösen, allein tanzen, neuer Partner usw.

Dann das Ganze mit Musik laufen lassen.

Steigerung: Man tanzt gar nicht mehr für sich, sondern greift immer sofort neuen Partner.

 

 

Hüpfen  hüpfmusik 3 min

Sinn: sich warm tanzen, den Körper wecken

jeder hat eigenen Raum im Raum, auf der Stelle leicht wippen, indem man die Muskeln oberhalb der Knie arbeiten läßt.

Langsam steigern, ohne dass Füße den Boden verlassen.

Dann Hacken abheben lassen, später die Füße, so dass man zu springen beginnt,

jetzt HüpfMusik.

Am Ende Fenster auf, entspannende Bewegung im Raum.

 

 

führen und folgen mit dem Zeigefinger –   tango

Sinn: Impulse geben und aufnehmen, im Führen das Folgen und im Folgen das Führen kennenlernen

Paare: Sie berühren einander am rechten Zeigefinger. A führt B nur mit dem Zeigefinger –  nicht mit den  Füßen führen, sondern erstmal stehenbleiben und den anderen nur mit dem Finger führen, kein Druck, aber steter Kontakt. Später den ganzen Raum nutzen.
Variante: Empfänger steigert Impuls durch verstärkten Empfang, macht also mehr Bewegung im Sinne des Führungsimpulses als vielleicht nötig wäre.

Steigerung: immer schnellerer Wechsel der Führung, bis keineR mehr führt , dh. es sich von selbst führt.

 

auf Punkte zugehen – treibender puls

Sinn: dem eigenen Weg Richtung geben, Klarheit des Auftretens, Widerstand im eigenen Agieren integrieren

gehen im Raum, sich Punkte suchen mit den Augen, jeder Punkt hat Sogwirkung, strikt darauf zugehen, kurz verweilen, neues Ziel

Steigerung: Paare – A geht auf Punkte zu wie oben  und B hindert mich daran; Wechsel der Rollen

Steigerung: die ‘Behinderten’ gehen anschl ohne Hinderer im selben Gang –  ergibt Mischung aus Sog und (innerem) Widerstand, der z.B. dem Annähern an das Heilige gemäß ist

 

Einzug chaotisch und Einzug normal – gravitätisch fröhlich

Sinn: Gemeinsam Einziehen üben, das oft zu ernste Einziehen einen Moment veralbern. Also erst Chaos spielen – dann klare Ordnung, weil Gegensätze einander stärken

Langer leerer Raum (mind 10 Meter) nötig.

Drei Leute stehen an der Grundlinie des leeren Raums.

Sie sollen zusammen einziehen und enden an der gegenüberliegenden Stirnseite.

Dabei gewinnt, wer die meiste Zeit des Einzugs die Mitte hält und verteidigt.

Berührungen sind verboten. Das heißt, es geht nur mit Bewegungen vor und zurück und mit Geschicklichkeit.

Variante:

Drei gehen schweifend und verspielt nach vorn: So oft wie möglich geht  je eine zwischen den beiden anderen hindurch –  egal wer, das soll ständig wechseln. Jetzt ist nicht das schnelle Ankommen gefragt, sondern sie sollen möglichst langsam –  in einer Art Zopfmuster – spielerisch  einziehen.

Zum Schluss normaler Einzug aller drei in normalem Gang, aber gleichen Schrittes. Dabei darf keiner von den Dreien auf die Füße der anderen schauen, sondern muss sich allein aus den Augenwinkeln orientieren. Keine Eile nötig.

Am Ende gemeinsame Verbeugung nach vorn, die auch wieder ohne Seitenblick von allen dreien synchron geleistet wird. Wie sie das hinkriegen, müssen sie im Tun herausfinden.