Überlegungen zu Gottesdiensten im Pflegeheim

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  • Widerstände
    Ich hatte keine Probleme, da Heimleitung und Pflegedienstleitung die Gottesdienste befürwortet haben und uns nach Kräften unterstützten. Wo das nicht der Fall ist, wird es schwierig.
  • Gottesdienstraum
    Ich habe eine Altarnische im Speisesaal gehabt, die hinter einer Schiebewand lag. Der Altar und die Bilder dahinter waren hässlich wie die Nacht, aber den Menschen vertraut, und dann habe ich daran nichts verändert.
  • Musik
    Ich hatte nie jemanden für die Musik, es ging auch so und hat die Gemeinde eher motiviert mitzusingen.
  • Gottesdienstgemeinde und Werbung

Es kommen nach meiner Erfahrung nicht unbedingt mehr Menschen zum Gottesdienst, wenn geworben worden ist. Aber: das Pflegepersonal muss wissen, wer zum GD will, sonst kann keine situationsgerechte Unterstützung erfolgen.

Angehörige und Mitarbeitende aus der Pflege sind aufmerksame und meist bedürftige Teilnehmende, häufig distanziert oder (trotz des kirchlichen Trägers) glaubensfremd, daher potentiell allergisch gegen jede Form von Betulichkeit. Das Schlüsselwort hieß für mich „Elementarisierung ja, aber mit Niveau“.
Grundsätzlich war die Konfession der Gottesdienstteilnehmenden nicht relevant. Die meisten wollen einen Gottesdienst, egal aus welcher Konfession, und alle wollten am Abendmahl teilnehmen.
Wenn jemand während der Austeilung des Abendmahls eingeschlafen ist, habe ich vorsichtig die Hand auf die Hände oder die Schulter gelegt und einen Segen zugesprochen.
Wer beim Gottesdienst einschläft, schläft in einer friedlichen Atmosphäre und nicht allein, das ist erst einmal nichts Schlechtes.
Demenziell Erkrankte haben es gern, wenn man sich ihnen wie z.B. im Abendmahl zuwendet, auch wenn sie bis dahin nie ein Abendmahl empfangen haben. Das hat mein Vertrauen in die nonverbale symbolische Kraft des Abendmahls gestärkt.
Die Lebenssituation, Themen wie Einsamkeit, Deprivation, Angst, Kriegstraumata habe ich, wo es nötig war, deutlich angesprochen. Ich bin keine Freundin von „Give aways.“ Eine Blume gern, aber alle anderen Sachen werden meistens vermüllt.

  • Liederbücher
    Ich habe immer mit dem Gesangbuch gearbeitet. Das Blättern dauert zwar, aber es ist ein vertrauter Vorgang, und das schafft Heimat. Ich habe immer gängige Lieder gesungen, nicht so schwere oder neue, denn dann habe ich allein gesungen.
  • Länge des Gottesdienstes: Kurz! Das Abendmahl darf gern dauern, denn es schafft eine Atmosphäre von Nähe durch die Zuwendung zu Einzelnen.
  • Besondere Themen in der Religiösität älterer Menschen
    Mein erster Gottesdienst im Heim war ein Buß- und Bettag und warf für mich die Frage auf, wie sehr ich soziale Verantwortung, Umkehr und Buße reinen Gewissens dort predigen kann. Ich habe mich dagegen entschieden. Die Menschen dort leben Buße tagtäglich. Ich habe darüber gepredigt, was es bedeutet, mit der Unumkehrbarkeit von Entscheidungen zu leben – mit einem „zu spät“.
  • Kommentare und andere (Laut-)Äußerungen von GottesdienstteilnehmerInnen
    Kommt drauf an, ob es unartikulierte Laute sind, die nicht vermieden werden können, oder Zwischenrufe, die andere irritieren können oder vielleicht sogar hilfreich sind.
  • Was ist anders, als beim Gemeindegottesdienst – und warum?
    Vor allem das Abendmahl. Predigt meist frei, weil mehr Blickkontakt möglich ist und ich besser auf die Situation reagieren kann. Eine längere Pause macht überhaupt nichts, denn hochbetagte Menschen brauchen ja auch etwas mehr Zeit beim Zuhören.
  • Was ist genau wie beim Gemeindegottesdienst – und warum?
    Uhrzeit und Tag, Lieder aus dem EG, auch die Liturgie des Wortgottesdienstes. Selbst wenn der Gesang dünn ist, ist es für diejenigen, denen die Liturgie vertraut ist, ein Vertrautheitserlebnis, und es aktivierten sich zum Teil erstaunliche Erinnerungen bei demenziell Erkrankten.