Trauung am Karsamstag?

„Können Sie uns bitte trauen am Samstag vor Ostern?“

 

Eine mögliche Antwort:

„Ich bitte Sie beide um Verständnis:

Christen, die in Ritualen der Kirche zuhause sind, suchen nach guten Antworten. Eine große Frage ist für viele Menschen die nach dem Sinn des Todes. Auch Sie beide haben damit zu tun. Wer liebt und heiratet, holt sich auf Sicht einen zweiten Tod ins Leben. Also: Wir suchen nach Antworten. Eine mögliche ist: Wir ahnen in jedem Sterben einen Neubeginn. Das gilt für die Blumen, deren Same in den Boden fällt und neu aufgeht. Das gilt auch für Zeiten der Krankheit und der Genesung. Dies Absterben und Anfangen begehen wir symbolisch genau an den drei Tagen Karfreitag, Karsamstag und Ostern. Karfreitag erinnern wir den Tod Jesu, Karsamstag wie Jesus im Grab liegt und nichts mehr geht und noch nichts Neues zu sehen ist. Und am Ostersonntag feiern wir, dass immer wieder neues Leben entsteht – auch wenn man es nicht mehr gehofft hatte.

Sie merken: Der Karsamstag ist eigentlich unser geheimnisvollster Tag, da ist dieser Jesus einfach tot und verschwunden. In der Bibel steht: die Leute sind sehr traurig. In vielen Kirchen wird der Altar ganz leergeräumt. Man setzt sich – wie in einem ernsten Spiel – dieser Trauer aus. Jedes Jahr. Und feiert am Sonntag das Neue. So übt man unter Christen diesen Zusammenhang zwischen Tod und Leben.
Ihre Frage greift also gewissermaßen ein in die empfindlichste Stelle im ganzen sog. ‚Kirchenjahr‘, das wir begehen. Sie erwischen uns am Karsamstag mitten im – symbolischen – Trauern.

Ihr Wunsch ist sicher für sie total passend, denn die Feiertage erlauben allen zu kommen usw..

Für uns Christen paßt es leider gar nicht. Wir müßten uns verbiegen. Das wäre wie wenn sie Heiligabend am Totensonntag feiern müßten.

An jedem anderen Samstag geht es, an dem nun grad nicht. Wir finden uns ja selbst manchmal seltsam, fast als würden wir aus der Zeit fallen. Aber wir hängen so sehr an diesem großen alten Spiel um Tod und Leben.“