Texte zum Abendmahl

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7 Verben aus dem Einsetzungsbericht
geben/brechen/nehmen/verraten/essen/trinken/danken

Seitenwechsel / Schwierige Mahlzeit
Sie gibt und ich nehme,
ich danke und esse.
Wer wird gebrochen?
Wer wird verraten?

Ich gebe und sie nimmt,
sie dankt und trinkt.
Wer bricht?
Wer verrät?
Wilhelm Kautter

„Besser ist das!“
Geben ist besser als nehmen
Nehmen ist besser als verraten
Verraten ist besser als zu viel trinken
Trinken zum Essen ist umso besser
Als essen nur zu erbrechen
Für Gebrochenes lässt sich besser danken
Danken kommt super zum geben
Ulrike Schulter

 

Konfi-Gebet
Manchmal möchte ich schon danken. Aber das verrate ich nicht immer. Ich möchte danken, dass ich essen und trinken kann. Dass mir so viel gegeben ist. Ich nehme mir einfach, einfach so, während andere nur Krumen brechen, nehme ich mir. Ich habe so viel. Viel zu viel eigentlich. Darum möchte ich danken – Dir verrate ich es!

Dennis Sindermann

 

Kreuz und Kelch

Kreuz-Knoten
zwischen oben und unten
zwischen damals und dann
Kreuz und Kelch
zwischen oben und unten
zwischen Himmel und Erde
Kreuz und Kelch
den schweren Kelch, den bittern
für uns gestorben
Kreuz und Kelch
daran hängt´s
am Kreuz hängt Leben
Kreuz und Kelch
hoch hinaus
am seidenen Faden festgebunden
Kreuz und Kelch
im freien Fall – halt!
vom Kelch aufgefangen
Kreuz-Knoten
zwischen oben und unten, zwischen Himmel und Erde
zwischen gestern und morgen, zwischen damals und dann

Kreuz und Kelch
zwischen gestern und morgen
zwischen damals und dann
Kreuz und Kelch
Durchgangs-
Segen
Kreuz und Kelch
Stopp! Halt! Hier gibt´s was
Stärkung für den Weg
Kreuz und Kelch
Weihwasser
zum vollen Becher
Kreuz-Knoten
zwischen gestern und morgen
zwischen Himmel und Erde
Wilhelm Kautter

 

was jemand erlebt beim Mahl
Erika hört die Stimme des Pfarrers an diesem Sonntag nur recht leise. Er steht vorn am Altar und hat die Hände an den Seiten halb gehoben. Er betet, rechnet sie sich aus, denn ihr Hörgerät funktioniert heute schon wieder nicht so richtig. Mit ihren Fingern tastet sie hinters Ohr. Schon die ganze Predigt über hatte sie es probiert. Sie versucht den Regler dort neu einzustellen. Aber irgendwie will es nicht. Der Pfarrer vorn mit dem Rücken ihr abgewandt. Abendmahl ist heute dran. Das erkennt sie an den mit Tüchern abgedeckten Kelchen. Es hilft nichts, ihr Hörgerät bleibt stumm. Sie gibt auf. Nach ein paar Momenten sieht sie sich um. Schaut zu Frau Werner drüben und fragt sich, wie es ihr wohl heute geht. Vor ein paar Wochen ist ihr Mann verstorben. Sie sieht rüber zu Herrn Köhler, der immer so grummelt, wenn man ihn anspricht. Zwei Reihen vor ihr muss ein Konfirmand sitzen, der wedelt andauernd mit seiner Unterschriftenkarte. Der Pfarrer vorn dreht sich um und hält er den Teller in der Hand und dann den Kelch. Ah ja Abendmahl. In Erikas Kopf steigt plötzlich das Bild auf, wie sie zum ersten Mal beim Abendmahl war. Ihre Mutter hatte ihr ordentlich die beiden Zöpfe gebunden und ihr erklärt: „Dann stehst du ganz allein vor dem Herrgott und bekennst deine Sünden, dann bekommst du auch das Abendmahl!“ Angst hatte Erika da damals bekommen. Mit Angst hatte sie Jahre lang in der Bank gesessen. Von Gottes Geist war da nie etwas zu spüren gewesen. Jeder saß für sich allein mit seinen Ängsten oder mit seiner Wut oder mit sonst den ganzen Dingen, die ihn beschäftigten. Der Pfarrer da vorn aus einer anderen Welt. Jetzt schlägt er das Kreuz über dem Kelch und hält dann die flache Hand über dem Kelch. Sie sieht wie sich seine Lippen bewegen. Heilig, ist es jetzt, denkt Erika. Gottes Geist da vorn am Altar. Gottes Geist beim Pfarrer. Gottes Geist im Kelch. Dann ihr Blick zu Frau Werner, dann zu Herrn Köhler auf der anderen Seite.
Ulrike Schulter

 

„Teller, Teller, du musst wandern…“
Eine große Aufgabe steht ihm nun bevor. Zögerlich greift er zum Schlüsselbund, der an seinem Gürtel hängt. „Bereiten Sie mal alles vor!“, hatte der Pfarrer gesagt. „Ok“, hatte er gedacht nicht ahnend, dass es ihm solch eine große Schwierigkeit bereiten würde. Nun also steht er oben im Amtszimmer. Vor ihm der alte Tresor. Ein Schlüssel mit viele Zacken passt. Er dreht um und öffnet. Dahinter: Glanz. Dahinter: Ehrfurcht. Dahinter Geheimnis. Mut braucht er. Der Pfarrer hats ja gesagt. Zögerlich nimmt er auch den Abendmahlsteller von einem der Kelche. Seine Finger ergreifen den Rand. Dann hält er ihn in seinem Händen. Das erste Mal. Vor zwei Tagen hat er hier angefangen. Schritt für Schritt kommt er in die Arbeit hinein. „Dieser Teller“, so denkt er. „Geht nachher durch jede Hand.“ Er dreht ihn in seinen Händen. Vielleicht eine Inschrift?
„Teller, Teller du musst wandern. Von dem einen zu dem andern.“ Doch anders als in dem Reim, bekommen wir alle den Teller in die Hand. Wir reichen ihn uns weiter, ohne dass wir befürchten müssten, das Spiel zu verlieren. Nein, denn wer ihn bekommt, hat gewonnen. Unsere leeren Hände füllen sich. Geschenkt von einem , der genug hat. Für alle. Einer gibt. Wir dürfen nehmen. Du auch! Ich auch! Sehnsucht wird gestillt. In dem Moment, in dem die Augen des Nachbarn nur mich sehen. Seine Hände mir Brot reichen.
So ist es geschafft. Mit schnellen Handgriffen wischt er mit einem weißen guten Tuch den Teller ab. Die übrigen Oblaten vorher in die Dose gelegt. Er weiß inzwischen wie es geht. Weiß, dass es geht, im Geheimnis zu sein. Fremdes ist nicht mehr fremd. Doch immer noch geheimnisvoll. Durch jede Hand ist er gegangen. Der Teller, er dreht ihn noch einmal. Lässt seinen Glanz im Licht spiegeln. Dann legt er ihn zurück auf seinen Kelch im Tresor und schließt die Tür.
Ulrike Schulter

 

anläßlich des verhüllten kelches
ja ja.
was sag ich immer
wenn alles erstickt ist
nichts mehr lebt
nichts mehr wächst
hoc est corpus meum.
stillstand sag ich dann immer
winterbegräbnis
unter perücke von schnee.
aber, sag ich immer
auch im tod ist schönheit
verdeckt
versteckt
wie das geheimnis der blüte
bei eisfrei die starre durchbrochen
und der frühling kommt
wie ein geheimnis
das schönheit verspricht
unterm velum
aus schnee.
das sag ich immer
mütze ab in der kirche.

Karsten Wolkenhauer

 

Mensch ärgere dich nicht, Jesus.
Als Gekreuzigter wirst du ein guter Sanitäter in der Not,
gefesselt gebunden bist du die Intensivstation für die Einlieferungen derer, die das das Leben zu kosten droht.

Mensch, ärgere dich, Jesus,
wenn deine Botschaft klebrig und süß wird, gleich dem Likör, den angeblich die haben, die Sorgen haben,
wenn aus der Reinigung im Licht von Kreuz und Gemeinschaft aus dir Besudeltem ein desinfizierter Jesus wird, reinlich, aspetisch.
Getränkt mit Alkohol polieren Tücher deine Wunden glatt.
Das Fest des Lebens bekommt den Hinweis: drink responsible.
Und statt aus dem Kelch des Heils zu trinken, wird beredet, ob du die Geißel Alkohol noch förderst.
Mensch, ärgere uns, Jesus!
Damit dir dich erkennen – und leben.

Hannes Gaiser

Es war einmal
Sehr gut.
Der Himmel blau
Das Wasser rein
Das Ruhen am siebten Tag
Einatmen, ausatmen
Essen, Trinken
Frieden. Leben. Feiern.

Es war einmal
Sehr gut. Von ihm gemacht.
Es war einmal
Sehr gut.
Die Vögel am Morgen den Tag begrüßen hören
Die Augen geschlossen der Sonne hinhalten
Frische Luft in die Lungen saugen
Arme spüren, die mich bergen
Eingeladen sein zum Fest
Bei Freuden zu Hause sein
Gemeinsam tragen, was allein einer nicht tragen kann
Lachen, weinen, schweigen
Die Müdigkeit, die Angst – aufgehoben sein lassen
Entdecken, wie beschenkt das Leben ist
Viel mehr als mein Sorgen, mein Können, meine Grenzen
Es war einmal
Sehr gut.
Den Duft des Essens richen
Gereicht bekommen, was stärkt
Das Brot schmecken
Den Wein kosten

Es war einmal
Sehr gut.
Besucht hat ER die, die nicht mehr konnten
Nicht mehr wollten
Die am Ende waren.
Und hat gezeigt, gegeben:

Es wird  – heute – gut. Wieder!

Hannes Gaiser

 

Abendmahlslächeln
Sauer soll ja lustig machen. Aber so ganz stimmt das nicht, denkt er, als er den Kelch wieder absetzt und sich die letzten Tropfen aus seinem Fusselbart wischt.
Er schaut gen Himmel und murmelt in sich hinein: „Wenn der Himmel so schmeckt, da dann Prost!“ Singen und froh sein … das fällt da gar nicht so leicht. Vielleicht sollte er das nächste Mal den Wein spenden; aus dem kommt dann Freude: Dornfelder im Barrique gereift.
Er schaut in die Runde. Der Pfarrer ist inzwischen weiter. Auf der anderen Seite bei den Kindern mit ihren Eltern. Die Glücklichen denkt er… Die bekommen Saft. Er unterdrückt ein Grinsen.
Er beobachtet die kleinen Kinderhände, die den Kelch staunend fassen. Er sieht …
Ihre Augen. Wow! Dem Himmel so nah, hier und jetzt. Er kann nicht anders, er lächelt. So etwas hat er selten erlebt. Abendmahl lässt lächeln.
Ein Bibelwort fällt ihm ein: „Wenn ihr nicht werdet wie die Kinder, könnt ihr nicht Ja zur Lebensfreude sagen, die aus dem Kelch ausstrahlt.“
Er blickt in die Runde. Lächeln. Überall. Keiner mehr zugeknöpft, alle offen und bestrahlt vom Kelch. Er fühlt sich gut, gestärkt: Gott sieht mich hier und jetzt an, liebevoll und ich …
Ich werde zu Christus, bin Leib Christi.
Das Abendmahl hat ein Gesicht bekommen. Sein Gesicht.

Es hat ein Gesicht. Dein Gesicht.
Er ist, du bist eine Ikone, durchlässig für Gottes Liebe.
Das ist es. Das ist das Abendmahlslächeln.

Dennis Sindermann