Stilmittel Wiederholung

Stilmittel Wiederholung

Stilregel: Wiederholung, hier auch mit dem Begriff der Redundanz verknüpft. Das ist allgemein für die Stilkunde brauchbar, jedoch nicht für die meisten Theologinnen und Theologen. Im Gegenteil. Da gilt abgewandelt, was E. Pound für die Adjektive sagte: Wiederhole keine Formulierung, die deine Aussage nicht spürbar wirksamer macht. Wenn Theologen etwas wiederholen, geschieht das meist mit schwachen Formulierungen. Sie glauben oder vermuten, daß die Wiederholung etwas verstärkt. Aber eine schwache Formulierung wird mit jeder Wiederholung schwächer, ja, sie offenbart ihre Schwäche dadurch unüberhörbar. Und die Theologinnen merken es nicht, verteidigen ihre Wiederholungsmuster mit dem Begriff der Redundanz.

 Nur eine starke Formulierung wird durch die Wiederholung wirksamer, eindrücklicher! Das ist die Regel!

Es gibt ja geradezu eine Wiederholungssucht. Dabei entstehen „Sprachmuster“ in Wortwiederholung oder in Satzteilen oft mit theologischen Redewendungen. Die lösen beim Hören „Interferenzen“ aus; ähnliches Material stört die Wahrnehmung! Danach bleibt nur ein Geräusch zurück. Das Gehirn schützt sich.

Also: Gott lädt uns ein, mehr Hoffnung zu haben. Gott lädt uns ein, Vertrauen zu wagen. Gott lädt uns ein, auch in der Dunkelheit sein Licht zu sehen. So nicht! Oder: Jesus will uns im Advent entgegenkommen. Jesus will, daß es Advent wird in uns. Jesus will, daß uns im Dunkel ein Hoffnungslicht leuchtet. Oder die Relativsatzreihungen: Die Liebe, die sich im Nächsten zeigt. Die Liebe, die den Blick verwandelt. Die Liebe, die uns im Leben begleitet. Nein, die Liebe ruft verzweifelt nach konkreten Hauptsätzen.

Z.B. konkret am Karfreitag gesagt: Siehe. Peitschenhiebe schlugen ihn wund, Dornen tief in die Kopfhaut gedrückt, blutend und angespuckt krümmt er sich vor Schmerz, so schleppt Jesus sich auf dem Weg ans Kreuz. Und wenn ich das in der Ansprache vor jedem Absatz einer Redepassage wiederhole? Dagegen: Im Anblick des leidenden Christus sind wir zusammengekommen. Im Anblick des Gottes Sohnes erkennen wir das Leid der Welt. Im Anblick des Gekreuzigten werden wir jetzt still. Oder: Jesus, der am Kreuz dem Tod die Macht genommen hat. Jesus, der mit seinem Leid unserem Leid nahe ist. Jesus, der uns in der Auferstehung vorangegangen ist.

Darunter leiden auch in der gebundenen Form etliche neue Kirchenlieder. Ja, die Wiederholung (ob im Lied, im Gedicht, im Psalm, im Gebet, in der Predigt) kann ein starkes sprachliches Mittel sein. Aber wenn – wie oft im kirchlichen Sprechen und Singen – Phrasen, Muster und schwache Gesten Gewohnheit geworden sind, dann muß vor der Wiederholung und vor Redundanz gewarnt werden.