Rilke, Ist es möglich?

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Collage Apg 1,8-11a und R.M. Rilke, Ist es möglich? (aus: Die Aufzeichnungen des Malte Laurids Brigge)

 

I:

Jesus sagte zu ihnen:

„Ihr werdet die Kraft des heiligen Geistes empfangen, der auf euch kommen wird, und werdet meine Zeugen sein in Jerusalem und (…) bis an das Ende der Erde.“

Und als er das gesagt hatte, wurde er zusehends aufgehoben, und eine Wolke nahm ihn auf vor ihren Augen weg.

Und als sie ihm nachsahen, wie er gen Himmel fuhr, siehe, da standen bei ihnen zwei Männer in weißen Gewändern.

Die sagten: „Ihr Männer von Galiläa, was steht ihr da und seht zum Himmel?“

 

II:

Ist es möglich, dass man Jahrtausende Zeit gehabt hat, zu schauen, nachzudenken und aufzuzeichnen, und dass man die Jahrtausende hat vergehen lassen wie eine Schulpause, in der man sein Butterbrot isst und einen Apfel?

(kurze Pause:)    Ja, es ist möglich.

 

I:

Jesus sagte zu ihnen:

„Ihr werdet die Kraft des heiligen Geistes empfangen, der auf euch kommen wird, und werdet meine Zeugen sein in Jerusalem und (…) bis an das Ende der Erde.“

Und als sie ihm nachsahen, wie er gen Himmel fuhr, siehe, da standen bei ihnen zwei Männer in weißen Gewändern.

Die sagten: „Ihr Männer (..), was steht ihr da und seht zum Himmel?“

 

II:

Ist es möglich; dass man trotz Erfindungen und Fortschritten, trotz Kultur, Religion und Weltweisheit an der Oberfläche des Lebens geblieben ist? Ist es möglich, dass man sogar diese Oberfläche, die doch immerhin etwas gewesen wäre, mit einem unglaublich langweiligen Stoff überzogen hat, so dass sie aussieht wie die Salonmöbel in den Sommerferien?

(kurze Pause:)    Ja, es ist möglich.

 

I:

„Ihr werdet die Kraft des heiligen Geistes empfangen, der auf euch kommen wird, und werdet meine Zeugen sein in Jerusalem und (…) bis an das Ende der Erde.“

„,Was steht ihr da und seht zum Himmel?“

 

II:

Ist es möglich, dass die ganze Weltgeschichte missverstanden worden ist? Ist es möglich, dass die Vergangenheit falsch ist, weil man immer von ihren Massen gesprochen hat, gerade, als ob man von einem Zusammenlauf vieler Menschen erzählte, statt von dem einen zu sagen, um den sie herumstanden, weil er fremd war und starb?

(kurze Pause:)    Ja, es ist möglich.

 

 

I:

„Ihr werdet die Kraft des heiligen Geistes empfangen, der auf euch kommen wird, und werdet meine Zeugen sein in Jerusalem und (…) bis an das Ende der Erde.“

„,Was steht ihr da und seht zum Himmel?“

 

II:

Wenn aber dieses alles möglich ist,

auch nur einen Schein von Möglichkeit hat, – dann muss ja, um alles in der Welt, etwas geschehen.

Der Nächstbeste, der, welcher diesen beunruhigenden Gedanken gehabt hat, muss anfangen, etwas von dem Versäumten zu tun;

wenn es auch nur irgendeiner ist, durchaus nicht der Geeignetste: es ist eben kein anderer da.