Qualität pastoraler Arbeit, ein konkreter Versuch

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Das Impulspapier der EKD[1] und die daraus entstandene Diskussion um Qualität im Pfarrberuf hat im Kirchenkreis Stormarn Pröpstin Margit Baumgarten zur Nachfrage angeregt. „Was hieße das hier bei uns, ganz konkret in einem Konvent?“

Beauftragt, dieser Frage nachzugehen,  wurde der Fachbereich Planung und Entwicklung des Kirchenkreises.

Christian Dehm und Renate Fallbrüg, die den ganztägigen Konvent im April 2007 in Zusammenarbeit mit Thomas Hirsch-Hüffell vom Gottesdienstinstitut vorbereitet haben, haben ihm die Überschrift „Qualitätssicherung – Ein fremdes Wort nachdenklich buchstabiert“ gegeben.

Qualitätssicherung im Pfarramt, das kann  ein Konzept von Qualitätsmanagement sein, wie es in Kindertageseinrichtungen und Pflegeeinrichtungen heute ganz selbstverständlich geworden ist. Qualitätssicherung kann sich zeigen in der  Formulierung von (verbindlichen?)[2] Standards für einzelne Arbeitbereiche, so wie es die Evangelische Kirche in Berlin-Brandung-schlesische Oberlausitz für den Bereich Bestattung veröffentlicht hat.[3]

  • Es kann ein Nachbuchstabieren sein, wer eigentlich welche Interessen an dieser Frage hat?[4]  Aus theologischer Perspektive ist es die Frage nach Amt und Aufgabe des Pastors/der Pastorin.
  • Aus der Perspektive einer Landeskirche/eines Kirchenkreises geht es um die Anpassung von Pfarrstellenentwicklungen und um Ressourcenoptimierung.
  • Aus der Sicht von Kirchenvorständen wäre die Frage nach Prioritäten und Profil innerhalb eines Gemeindekonzeptes möglich. Doch werden in diesem Zusammenhang auch Ansprüche an das Pfarramt formuliert, die mit Erfahrungen aus der eigenen Berufspraxis verbunden -, oder dem eigenen PastorInnenbild verknüpft werden.
  • Für die Mitglieder des  Pfarrervereins könnte es um Selbstschutz, oder um Grenzziehung zwischen „dem Eigentlichen“ im Beruf und dem, was durch Stellenreduzierungen auf allen Ebenen  an Aufgaben am Pfarramt ‚hängen geblieben ist’, gehen.

 

Für den Fachbereich P+E musste es darum gehen, die unterschiedlichen Perspektiven in den Blick zu nehmen und dabei nach dem Notwendigen und Machbaren zu gucken.

Ein Konvent, so wurde schnell deutlich, kann ein Impuls sein, für eine Richtung, einen Anfang. Für alles weitere braucht es Zeit und vor allem eine gemeinsame Verabredung darüber, worin das Ziel und das Interesse von Qualitätssicherung besteht.  Solche Prozesse, sind mühsam und vielschichtig. Doch wie sonst sollte der viel zitierte Mentalitätswechsel  oder eine zukunftsfähige Ausrichtung des Pfarrberufes gelingen?

Alle pastoralen Arbeitsfelder, alle Aspekte von Qualitätssicherung lassen sich in einem Konvent nicht bearbeiten und so haben wir ausgewählt.

 

  1. 1.     Berufsbild

Die Kolleginnen und Kollegen wurden eingeladen in kleinen Gruppen an biblischen Texten[5] „entlang zu wandern“, die für unterschiedliche Aspekte des Berufsbildes Pastor/Pastorin standen [6]. Ergänzt wurden die Texte von Formulierungen, die einen Standort bestimmen sollten[7].

 

Eindrücke „ Ja, hier finde ich mich wieder. Das genau ist mir wichtig.“

„Jetzt, wo ich hier entlang gehe, merke ich, dass mir die  Zusammenarbeit mit anderen in der Gemeinde ganz wichtig ist und ich hier viel Zeit investiere,  dabei aber der Inhalt, das Wozu  manchmal aus dem Blick gerät.“

„Mir fehlt hier noch etwas, ich kann gar nicht genau sagen, was es ist, aber es gibt noch andere Aspekte, die mir im Beruf wichtig sind.“

 

Keine Lösung, kein fertiges Berufsbild, sondern ein Impuls für die Frage: Welche Qualität will ich eigentlich sichern?  Welches Bild leitet mich in meiner Arbeit? Habe ich ein Ziel, das ich erreichen möchte?

 

  1. Lernerfahrungen

In kleinen Gesprächsgruppen ging es um die Frage, wie lerne ich?  Wodurch habe ich bisher in meinem Beruf gelernt? Was führt dazu, dass ich mich entwickeln kann?

 

Eindrücke: „ Irgendwann habe ich gemerkt, das hat sich bewährt“

„Manchmal weiß ich gar nicht, warum Menschen sagen: Das war wirklich eine schöne Beerdigung.“

„ Ich habe einfach immer wieder etwas Neues ausprobiert und schnell gemerkt, was geht und was nicht“

„Ich habe viel von anderen gelernt, mir einfach Dinge abgeguckt“

„Durch meine Vikarin lerne ich ganz viel, weil sie mich oft fragt: Warum machst du das so?“  „In der Supervision habe ich viel gelernt, über mich und aus meinen Fehlern“

 

  1. 3.     Intervision

Für eine konkrete Umsetzung haben wir uns für Bereiche entschieden, die aus unserer Sicht  zum „Herzstück“ pastoraler Arbeit gehören: Gottesdienst und Amtshandlungen.

Gerade im Bereich Gottesdienst zeigt sich, dass Qualität nicht nur etwas sehr Subjektives ist, sondern in Verbindung mit dem eigenen Glauben auch etwas sehr Persönliches. Darüber so ins Gespräch zu kommen, dass Anfragen möglich sind, ohne dass dabei die Wertschätzung für den anderen verloren geht, ist ein hoher, einzuübender Anspruch.

 

Im Gottesdienstinstitut wurde für  die Langzeitfortbildung Gottesdienst,  das Konzept der Intervision entwickelt, das mit diesem Konvent erstmalig auf Konvents-/Kirchenkreisebene erprobt wurde.

 

  1. 1.     Schritt:

Eine Freiwillige erklärte sich bereit den Eingangsteil eines Gottesdienstes „vorzutragen“. Vier BeobachterInnen wurden eingesetzt, die unter den Fragestellungen:

–       Körperhaltung und Bewegung (im Raum) im Verhältnis zu Inhalten von Liturgie oder Ansage, insbesondere auch Blick-Kontakt

–       Inhalte, Text – auch den bei Versikeln oder Gebeten

–       Dramaturgie – welcher Spannungsbogen, wo Pausen, Gleichklang oder Kontraste, Tempuswechsel?

den Eingangsteil beobachten sollten.

Der Rest der Gruppe beobachtet Freiwillige und BeobachterInnen.

 

  1. Schritt nach dem Vorstellen einer Sequenz aus dem Gottesdienst
  • Selbstwahrnehmung
    Die Handelnde  gibt ihr eigenes Gefühl wieder. ( z.B. „beobachtet werden macht nervös, gleichzeitig ist es auch ok“) und erste Eindrücke
  • Rückmeldung durch die anderen
    Die BeobachterInnen äußern, was sie gesehen und erlebt haben. (Manches wird einheitlich beobachtet, anderes zeigt, dass jede/r einen eigenen Blick hat)
  • Anweisung für die Rückmeldungen aus der Gruppe:
    • BetrachterIn wählt die Ich-Form beim Sprechen – „Ich wurde müde, als du …“, „Ich verstehe dich schlecht, wenn du singst.“ usw)
    • BetrachterIn achtet auf die vermutliche Intention der übenden Person, nicht zuerst auf die eigene Praxis („Nee, das würde ich ja níe so machen.“). An den Absichten der Person, die übt, wird gemessen, was sie dann tatsächlich tut (z.B. will jemand ein Gebet zu Gott öffentlich sprechen, guckt dabei aber die ganze Zeit in die Augen der Gemeinde, so daß niemand weiß, wohin nun dies Gebet eigentlich geht.).
    • BetrachterIn sagt neben aller Kritik auch, was Sie schätzt am Handeln der Person, die übt.
    • 2. und 3. Chance
      Die Handelnde wird gebeten,  einzelne Sequenzen noch einmal zu wiederholen, die es besonders ‚nötig haben’, weil sie unklar sind („bitte schau doch mal woanders hin, wenn du das Gebet sprichst, jedenfalls nicht in unsere Augen.“) –  bis es aus Sicht der BeobachterInnen stimmig  wirkt.
      Stimmigkeit ist dabei die Kongruenz des Handelns im eigenen Referenzraum der Person, die sie ausführt. Es geht nicht in 1. Linie darum, ob die Zuschauer es auch so machen würden, sondern darum, ob die Absicht klar ables- und nachvollziehbar wird im Handeln. ‚In sich stimmig oder nicht’ hieße dies Kriterium dann.

      Diese Sequenz der Intervision ist wichtig, weil TheologInnen es meist nicht gewöhnt sind, eine rituelle Handlung zu üben. Wenn überhaupt, dann  gibt’s Kritik (auf Predigt oder andere Teile), und man geht damit nach Haus. Hier gibt es die Übung der 2. und 3. und 4. Version – bis es stimmt. Das nimmt ernst, dass Liturgie ein Arbeitsfeld ist wie Chorsingen, Deklamation von Texten oder Tanzstunde. Man lernt es, indem man es oft wiederholt – bis es fürs erste stimmt. So ermöglichen wir einander einen weiteren Schritt und ein Erfolgserlebnis. Darin liegt der unterstützende Charakter des gemeinsamen Lernens.

 

  • Immer wieder dabei die Rückfrage an die Handelnde: „Wie ist das für dich? Macht es für dich Sinn, was wir dir vorschlagen?“ Nur dann ist gewährleistet, dass die übende Person, auch das aneignet, was sie selbst  übernehmen will. Andernfalls führt sie evtl. nur aus, was andere ihr sagen – das ist kein echtes Lernen.

 

  • Die Person vorn äußert sich am Ende, wie sie das Feed-back wahrgenommen hat. Sie spricht offen, direkt und auch kritisch, aber immer konstruktiv und nie verletzend oder unangemessen.

 

  1. Schritt:

In kleinen Gruppen werden die einzelnen Schritte ausprobiert und nachvollzogen.

 

Auswertung des Intervisions-Konventes:

Wegen der Möglichkeit,  etwas Konkretes und auch Gelerntes tun zu können, hat die Methode,  neben der Scheu sich zu zeigen, vielen Lust gemacht sich auszuprobieren. Darüber hinaus knüpft sie an das an, was zahlreiche Generationen, im Predigerseminar oder in Supervisionsgruppen,  eingeübt haben: Rückmeldung, in der eigene Beobachtungen als solche formuliert werden: Ich habe gesehen, …gehört, … wahrgenommen, ….nicht verstanden,

ein Blick auf die eigene Arbeit:  sich und „ein Werkstück“ zur Diskussion stellen:  Reflexion auf ganz unterschiedlichen Ebenen.

Diese Art ins Arbeiten zu kommen, so war zu erleben, ist erprobt und greift bei vielen sehr selbstverständlich.

Die Bereitschaft, Gruppen zu bilden oder in anderen Zusammenhängen über die Arbeit am Gottesdienst nachzudenken, war sehr hoch. Am Ende des Tages waren 2 Gruppen verabredet, eine sollte mit denen, die früher gehen mussten, oder nicht am Konvent teilnehmen konnten initiiert werden und zwei Pfarrteams wollten über einen eigenen Fortbildungstag nachdenken.

Von Seiten des Gottesdienstinstitutes gab es das Angebot, auf Anfrage zu unterstützen, dabei zu sein und mitzuarbeiten.

 

  1. Übertragung in den Alltag. Zwei Modelle

Sind Menschen  aus dem PastorInnenKonvent bereit, Intervision zu versuchen, so müssen sie entscheiden, nach welchem Modell sie das tun wollen. Dazu grundsätzlich 2. Versionen. Am Schluss dieses Artikels werden noch einfachere Varianten vorgeschlagen.

 

a. Version 1 – alle im Sonntags-Gottesdienst bei Einer/m:

 

Gruppen-Größe: 4-5 Personen – ABCDE

Zeitraum: bis zu einem Jahr

 

Form: 4-5 langfristig verabredete Treffen am Sonntag  – jeweils in einer anderen Kirche. Also Besuch der ganzen Gruppe bei KollegIn. BCDE kommen zu A usw.

 

Ablauf:

10.00 Gottesdienst – KollegInnen machen sich Notizen gemäß einem verabredeten Betrachtungs-Raster (Bewegung im Raum, Inhalte, Kongruenzen usw)

11.10   Abspann, Kaffee usw

11.30   1. Betrachtung und Reflexion

Eindrücke zum eben erlebten Gottesdienst nach bestimmten Kriterien (s.o. unter ‚Intervision’)

12.30   Essen

13.15   2. Einüben von neuen Lösungen

In der Kirche: Wiederholen bestimmter Sequenzen des Gottesdienstes, der Predigt

mit Varianten, die das jeweilige Stück optimieren

14.45      Ende

 

Vorteil:

  • Bild der Kollegin, des Kollegen und seiner, ihrer Art Gottesdienst zu leiten wird von allen immer wieder in vergleichbarer Weise gemeinsam erlebt und besprochen. Direkt nach dem Erleben, also frisch.
  • Spektrum der Aspekte, die jede betrachtende Person einbringt, ist weit. Mehr sehen mehr.
  • Gemeinsame Verabredung bindet deutlicher und schafft Vertrauen in den Vorgang.
  • Nach 4-5 Treffen ist das ganze erledigt. Man muss nicht immer überlegen, wo man nun grad hingeht um die Kollegin zu sehen.

 

Nachteil:

  • Jeder Teilnehmende muss sich 3-4 Sonntage freischaffen, um zum Treffen gehen zu können.
  • Kasualien kommen (zunächst) nicht in den Blick.
b. Version 2 –  freie Besuche nach gegenseitiger Verabredung

Gruppen-Größe: 4-5 Personen – ABCDE

Zeitraum: ein ¾ bis  1 Jahr

Form:

Es gibt verbindliche Termine für 4-5 Intervisionssitzungen im Zeitraum.

Die liegen unter der Woche bzw wann es am besten passt.

Dazu gehören gegenseitige Besuche in freier Folge, das heißt:

Nicht alle kommen zu einem, sondern nur die, die können: zb D und E kommen zu B zu einer Bestattung. Machen sich Notizen.

Ein andermal kommt A zu D.

Angesehen werden Kasualien und Gottesdienste aller Art, darin das Auftreten, die Stimmigkeit usw. – nach verabredeten Kriterien.

 

Organisation:

B ist im Fokus der nächsten Intervison an einem verabredeten Termin.

B gibt ADCE nach dem vergangenen Intervisions-Treffen  per Rundmail Gottesdienste aller Art in den nächsten 6 Wochen bekannt.

Kasualien lassen sich spontan nachreichen (Bestattung ist ein wichtiges Feld!).

ADCE tragen sich jeweils ein, wo sie hingehen möchten und gehen auch hin.

Sammeln und notieren Eindrücke.

 

Ablauf:

1. Betrachtung und Reflexion

Sammeln von Eindrücken von erlebten Gottesdiensten nach bestimmten Kriterien (s.o.) – erst Gesamteindruck von Person in den verschiedenen Situationen; dann Details

 

2. Einüben von neuen Lösungen

Wiederholen bestimmter Sequenzen des Gottesdienstes, der Predigt, der Kasualie

mit Varianten, die das jeweilige Stück optimieren

 

Zeit: ca 2 ½ h

Dazu kommt die Zeit für Besuche, die individuell organisiert sind.

 

Vorteil:

  • Umfassenderes Bild der Kollegin, des Kollegen durch verschiedene Lebenslagen, in denen man ihn, sie sieht.
  • Treffen einfacher zu organisieren. Sowohl die Intervisionstreffen wie auch die Besuche.
  • Subjektiv mehr Freiheit im gegenseitigen Besuchen

 

Nachteil:

  • Viel Disziplin erforderlich.
  • Zwischen Eindruck und Besprechung des Eindrucks liegt deutlich mehr Zeit als bei dem anderen Modell. Kann dadurch ungenauer werden.
  • Wer betrachtet wird, muss den anderen verlässlich die eigene Termine nennen, auch mal einen unangenehmen.
  • Die dran sind mit Hingehen, müssen auch hingehen. Das kommt schnell mal unter die Räder.
  • Je nach umfangreichem oder schwachem Besuch ist der Vorteil des breiten BetrachterInnen-Spektrums dahin. Vielleicht hat nur ein Kollege die Bestattung gesehen, und die anderen müssen sich auf dessen Eindrücke verlassen.

 

  1. 1/2 Jahr später. Erste Auswertung aus Intervisionsgruppen

Die Rückfrage bei allen, die sich am Ende des Konventes als AnsprechpartnerIn zu Verfügung gestellt haben, hat folgendes ergeben:

  • Ein Pfarrteam hat sich das Thema Gottesdienst vorgenommen, aber nicht in Form von Intervision unter KollegInnen, sondern als gemeinsames Thema im Kirchenvorstand unter dem Aspekt der Zusammenarbeit von PastorInnen und Laien im Gottesdienst.
  • Zwei Kollegen haben sich nach dem Konvent spontan zu einer einwöchigen Fortbildung  zum Thema Gottesdienst angemeldet. Ein Kollege nimmt an der Langzeitfortbildung teil.
  • Einzelne meldeten zurück, dass sie nach wie vor Lust zu dem Thema und auch zu der Form der Arbeit hätten, jedoch Fusionsverhandlungen, Konfirmandenfreizeiten, Festwochen oder anderer pastoraler Alltag, soviel Zeit „fressen“ würde, dass wenig Kraft da ist, die wenigen freien Wochenende gemeinsam mit KollegInnen zu verbringen. KollegInnen mit 1/2 Pfarrstelle spürten sehr deutlich ihre Grenzen für „noch mehr“.
  • Eine Gruppe von fünf KollegInnen trifft sich regelmäßig, nicht immer in voller Besetzung, aber immer sind es mehr als drei. Ein Kollege hat die Organisation in die Hand genommen und ist sehr froh darüber, auf diesem Weg KollegInnen aus der Nachbarschaft noch einmal ganz neu kennen zu lernen.
  • Ein Pfarrteam hatte für den Herbst eine gemeinsame Fortbildung angedacht. Einzelne des Teams sind durch unerwartete Zusatzarbeit so stark belastet, dass entschieden werden musste, ob Einzelne sich einer Intervisitationsgruppe anschließen, oder gemeinsam zu einem späteren Zeitpunkt gearbeitet wird. Um für die Gemeinde eine zuverlässige Gottesdienststruktur zu entwickeln und um die Gemeinschaft im Team zu stärken, hat sich die Gruppe für einen späteren Zeitpunkt entschieden.
  • Es gab den Wunsch nach einem immer mal wieder Anstoß von außen. Und die Frage, nach einem „Handzettel“, auf dem die „Regeln“ noch einmal schriftlich fixiert sind, um sich immer wieder an Vorgehen und Methode erinnern zu können.
  • Schon am Tag selbst war eine Überlegung vom Wochenende weg zu Beerdigungen in der Woche überzugehen, doch zeigte sich auch hier, dass jeder weitere ungeplante Wochentermin eher als Störung empfunden wird. Also vielleicht doch lieber ein Wochenende oder eine Kompaktwoche in ähnlicher Form?

 

  1. Was ist passiert? Erfahrungen im Detail

Die Rückmeldung aus den Gruppen lassen Zweierlei erkennen. Auf der einen Seite ist da viel Lust und Engagement, mit der Methode der Intervision an den eigenen Kompetenzen zu arbeiten.  Auf der anderen Seite haben die Pfarrstellenreduzierungen und Umstrukturierungen auf allen Ebenen zu erheblicher Zusatzarbeit geführt, so dass wenig Zeit und innerer Raum da ist, sich auf eine weitere Verpflichtung einzulassen.

Beides ist da und beides ist wichtig. Mit dem Interesse an Qualität pastoraler Arbeit kann es nur darum gehen, die Lust und das Engagement, wo immer es geht, zu stärken und zu fördern.

Angebote zu entwickeln, die die  zeitliche Belastung der PastorInnen so niedrig wie möglich hält, ohne dass die Qualität der Intervision darunter leidet.

 

Qualitätssicherung in der Arbeit von Pastorinnen und Pastoren kann kein einmaliges Projekt sein. Eher ist es ein mittelfristig angelegter Weg[8], auf den sich nach und nach alle begeben werden/müssen.

So verstanden kann die folgende Beschreibung eines Teilnehmers einer Intervisionsgruppe als ein erster Reisebericht verstanden werden:

„Es ist eine tolle Chance, „am Eigentlichen“,  der Verkündigung im Gottesdienst zu arbeiten und sich in Gegenwart von Menschen, die wir einander vertrauen, förderlicher Kritik auszusetzen.

  • Gut ist, vorher gemeinsam neben dem Zeitrahmen auch genau die Aufgaben, die wir uns stellen, abzumachen, mit der Verabredung: wir sind Gleiche unter Gleichen, Gutes und Lob nicht nur denken, sondern auch sagen
  • Kritik, appetitlich serviert, wird dann auch gern einverleibt. Das schützt vor anderen heimlichen Rollen, in die wir uns sonst leicht hinein steigern könnten, z.B. bei mir, dass ich schon mal Vikariats-Leiter war.
  • Bei uns ging es um den „Auftritt“ in Gottesdienst als LiTurgIn, den Ausdruck der Sprache, der Gesten und der Mimik, um die so genannte Präsenz, die Identität von Gemeintem und Gezeigtem,  subjektiv wahrgenommene Spannungen, Ungereimtheiten, Widersprüche und Brüche.
  • Es war gut, zu verabreden, dass wir die Predigt vor allem unter der visuellen und akustischen Erscheinungsform der/des Intervisierten  aufnehmen und davon abgelöst uns nicht über den Inhalt oder die theologische Botschaft auseinander setzen. Das taten wir dann aber doch, weil beide Intervisierten von uns ein Feed-back dazu wünschten.
  • Gut ist es, präzise an Detail-Szenen zu arbeiten, so authentisch wie möglich, also: noch einmal wieder hinein in den Talar. Etwa so: „Wiederhol bitte noch einmal den Übergang von der persönlichen Begrüßung zur liturgischen!“ Dann möglichst objektivierend nenn ich meine Beobachtung ohne Veränderungs-Vorschlag.
  • Wir waren in einem Klima zusammen, einander gut so lassen zu können, auch wenn ich als Beobachtender eine Verhaltensänderung besser gefunden hätte.
  • Das Ausprobieren  „unplugged“ und ungeschminkt ist sehr intensiv und irgendwann darf es auch genug sein, denn die Intervisierten  haben eine anstrengende Gottesdienst-Vorbereitung und den Gottesdienst selbst ja  auch noch gerade hinter sich gebracht.
  • Keine noch so nette Konvents-Gemeinschaftsveranstaltung schafft, so ist mein Eindruck,  Verstehen um die/den Konvents-Schwester/-Bruder wie die Intervision. Über die eigene Gemeinde und Region hinaus umeinander zu wissen in den gottesdienstlichen und katechetischen Vollzügen, davon brauchen wir so viel mehr“.

 

 

6. Alternative Formen der Intervision im eigenen Bereich (PastorInnenKonvent u.a.):

Intervision erfordert etwas Disziplin und für begrenzte Zeit auch Energie und Termine. Bei den steigenden Anforderungen an den Pfarrberuf erfordert das Priorität, die können manche nicht so setzen. Wenn trotzdem Interesse an Intervision besteht, so sind einfachere Formen möglich, die nicht ganz so wirkungsvoll sind wie die oben beschriebenen, aber die Qualität und die Selbstwahrnehmung doch steigern:

 

a. Lernpartnerschaften zu zweit statt Lerngruppen 

Es ist leichter zu organisisieren, dass zwei Menschen  sich besuchen und einander unterstützen.

Ein Einstieg in diese Arbeitsweise ist im PastorInnenKonvent erforderlich  – in ähnlicher Weise wie oben für die Gruppen-Intervision beschrieben. Nur wenige kennen diese erfahrungsbezogenen Formen gemeinsamer Arbeit und brauchen einen Start.

 

b. PastorInnenKonvente selbst als Übungsfeld

Die Termine stehen sowieso fest übers Jahr. Zwei Konvente im Jahr werden für die gemeinsame Intervision verwendet.

Dabei wird kollegiale  Unterstützung (s.o.)  und Gottesdienst  gleichzeitig geübt.

Dies Vorgehen erfordert evtl. die Absprache, dass Gottesdienst für 1-2 Jahre Schwerpunktthema ist.

Das Plenum teilt sich in 3 Gruppen auf und geht an verschiedene Orte zum Arbeiten.

Ein PastorInnenKonvent im Jahr mit dem Thema Sonntags-Gottesdienst, ein anderer mit dem Thema  Kasualien, Sonderformen (Krabbel- Gottesdienst, Andacht Altenkreis usw).

Alle Aspekte des Gemeindelebens können auf Gottesdienst hin bearbeitet werden (z.B. Konfirmandenarbeit – darin Konfer-Andacht oder  KiGa-Arbeit – darin KiGa-Andacht usw)

 

7. Unterstützung für diese Arbeit in Nordelbien

Wer solche Arbeit beginnt, kann dafür vom gottesdienst institut nordelbien Unterstützung erhalten

–       für den PastorInnenKonvent

–       für die Methoden der Arbeit am Gottesdienst, die weiterführen

–       für die Gruppe, die sich bildet

–       für die Lernpartnerschaft.

 

18 Pastorinnen und  Pastoren  in Nordelbien und Mecklenburg aus Stadt und Land haben beim gottesdienst institut nordelbien eine Langzeit-Fortbildung im Bereich Gottesdienst erfahren. Demnächst kommen 16 dazu, wenn die 2. Auflage dieser Fortbildung fertig ist. Auch in Ihrem Bereich gibt es sicher jemanden, der, die wir vermitteln können für Unterstützung. Alle diese KollegInnen haben längere Erfahrung in der Gottesdienst-Intervision und können auf Augenhöhe helfen.

 

Anfragen an:

 gottesdienst institut nordelbien

Dorothee Sölle Haus

Königstraße 54 . 22767 Hamburg

fax 040/ 30620–1259

 

 Dr. Ute Grümbel: 

Tel 040.30 620-1250

ug@gottesdienstinstitut-nek.de

 

 Thomas Hirsch-Hüffell:

Tel 040.30 620-1251

thh@gottesdienstinstitut-nek.de

 

 www.gottesdienstinstitut-nek.de



[1] Hier explizit S. 27 oder auch Leuchtfeuer 6

[2] Die Beschreibung von Standards ist ein erster Schritt, doch wer sorgt gegebenenfalls dafür , dass sie eingehalten werden?

[3] Die Evangelische Bestattung, Standards und Rahmenbedingungen für das pastorale Handeln,

Evangelische Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (2005) kann unter www.kkstormarn.de herunter geladen werden . (Noch klären)

[4] Vgl. Matthias Dargel, Was macht unsere Pfarrerin, unser Pfarrer eigentlich während der

Woche? Lernort Gemeinde 20. Jg.Heft 3/2002, S. 21-26

[5] 2. Korinther 4, 1-2+5-6; Römer 12,3-8; Timotheus 6,11-12; Mt.9,35-38

Entnommen aus: Der Gottesdienst, Liturgische Texte in gerechter Sprache, die Lesungen zu Ordination und Einführung, Gütersloh 2001

[6] Ausgangspunkt hierfür die Befragung von Pastorinnen und Pastoren der Hannoverschen Landeskirche 2004 und die Auswertung dazu aus dem Jahr 2005.

[7] So z.B. „ Mir ist es wichtig, den Glauben an die nächste Generation weiter zu geben“. Mir ist es wichtig,  eine Stimme für Menschen in Not zu sein.“ „Ich sehe es als meine Aufgabe, die Kirche in der Öffentlichkeit zu vertreten.“ etc.

 

 

[8] Ein Weg, auf dem die Methode der Intervision eine Wegstrecke markieren kann.