Ostern – Tina Wilms

Ostertexte

 

Ins Hoffnungsland

 

Die Schritte setzen

ins Hoffnungsland

wo einer die kargen Streifen

mit Liebe bepflanzt

und die Grenzen sprengt

durch lebendiges Wort.

 

Wo aus den Tränen

Blüten sprießen

und der Schmerz

sich wandelt

zum Freudenruf.

Wo ein Haus gebaut ist

aus Licht, in dem die Türen

weit offen stehen und er

uns umkleidet mit Leben.

(Tina Willms)

 

 

Ostern: Wir dürfen Wunder erwarten.

Oft kommen sie behutsam und leise daher.

Als entdecke man einen ersten Krokus im Schnee.

Als stärke einem plötzlich jemand den Rücken.

Als habe man in der Zeitung von Hoffnung gelesen.

Als halte der Tag ein Lächeln bereit.

Ostern: Wunder erwarten. Ja, das dürfen wir.

Gott gibt dem Leben recht.

(Tina Willms)

 

Ostern

 

Im Dunkel wartet ein Engel auf dich.

Und Trauernde trifft ein tröstendes Wort.

Einer sagt: Die Toten sind ausgeflogen,

ihre Höhlen bleiben für immer leer.

 

Über den Gräbern schimmert schon Hoffnung:

Gott hebt uns auf, wenn der Tod uns fällt.

Er ruft unsere Namen in neues Leben

und empfängt uns in einem Haus aus Licht.

(Tina Willms)

 

 

Ostern

 

Mit zarten Farben

zeichnest du

dein Leben in

meins hinein

 

Malst festen Boden

mir unter die Füße

und einen Regenbogen

hinter den Horizont

 

Skizzierst eine Hand

die meine nimmt

und Halt von weit her

in meinen Rücken

 

Zeichnest ein Leuchten

mir in die Augen

und auf meine Lippen

einen Gesang.

 

Ich tanze und lebe

und tanze

mein Leben in dir

(Tina Willms)

 

 

Ostermorgen

 

Einer ist da, der wälzt dir

den Stein vom Herzen,

einer fragt:

Warum weinst du denn?

 

Einer ist da,

der spricht von Hoffnung

und verjagt die Todessschatten

mit seinem Licht.

 

Einer ist da,

der wendet den Weg

aus der Trauer ins Leben

und führt dich zurück

nach Haus.

(Tina Willms)

 

 

Frühling

 

Es sollen wohl

Schneeberge weichen

Eishügel fallen

 

und zwischen den Wolken

Kranichschreie

erzählen vom Leben

 

das unter der Erde

sich aufmacht

ins Licht.

 

Deine Gnade

an allen Ecken und Enden

platzt sie aus Fugen

 

wuchert mir

dein Erbarmen entgegen:

Steh auf.

(Tina Willms)

  

 

Auferstehung

 

So viele Träume begraben

und Hoffnungen zu den Akten gelegt.

 

So viele Wagnisse ausgelassen

und Worte zu sagen versäumt.

 

So oft Dir nicht vertraut

und dem Himmel die Tür gewiesen.

 

Verschlossen in dunklen Kammern

liegt das, was in mir gestorben ist.

 

Gott, ich brauche den Engel,

der Steine beiseite wälzt.

 

Der mich bei meinen Namen ruft

und mein Leben ins Licht bringt.

(Tina Willms)

 

Ob deine Liebe durchdringt

Ob sie

den Boden durchwärmt

in dem meine Seele

sich schlafen gelegt hat?

 

Ob sie

mich wecken kann

mit ihrer Wärme

die mich umhüllt?

 

Ob sie

mich locken kann

wieder zu keimen

und mich zu strecken

ins Licht?

(Tina Willms)

 

 

Ostern im Alltag

Scherben bleiben Scherben. Bruchstücke bleiben Bruchstücke.

Manchmal aber fügen sich die Scherben zu einem Mosaik, in dem eine Schönheit ist. Manchmal enthüllt sich in dem, was bruchstückhaft geblieben ist, ein Kunstwerk.

Heil heißt nicht unbedingt, dass das Zerbrochene wieder ganz wird. Heil lässt aus Bruchstücken etwas Neues entstehen, in dem das Leben anders als vorher schimmert. Für mich sind das österliche Momente, in denen spürbar wird, dass die Liebe stärker ist als der Tod. (Tina Willms)

 

Die Wucht, mit der im Frühling alles ans Licht drängt, beeindruckt mich. Sie hat in unserer Sprache Eingang gefunden mit Bildern, die „gewaltsam“ sind:

Spargel schießt, Bäume schlagen aus, Knospen platzen, Grün bricht durch.

Jedoch ist hier eine sanfte „Gewalt“ am Werk, die niemanden verletzt. Eine freundliche Macht, die aber umso mehr Wirkung zeigt. Das ist die liebevolle Kraft Gottes. Leise, beharrlich, unaufhaltsam ist sie. Und so stark, dass sie sogar den Tod überwindet. (Tina Willms)