Musik im Gottesdienst für Menschen mit Demenz

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Musik wird häufig als „Königsweg“ in der Begleitung von Menschen mit Demenz bezeichnet. Sie stellt für viele Betroffene eine der letzten verbleibenden Möglichkeiten der sozialen Teilhabe und des Selbst-ausdrucks dar. Das Erleben von Gemeinschaft in der Musik, wo sonst Isolation vorherrscht, die Möglichkeit sich im Ausdruck und im Erleben von Gefühlen mit anderen zu „synchronisieren“, lösen häufig große Freude aus. Aber auch Trauer und Wut können in der Musik Raum finden. Musik kann Trost spenden und Vertrautheit und Geborgenheit vermitteln.

  • Ich lasse im Gottesdienst 4 Lieder singen, meist zu je 3 Strophen, damit die Gemeinde gut eingebunden ist.
  • Ich orientiere mich an der Strophenfolge des Gesangbuches (z.B. 317,1-3). Lieder, die auswendig gekonnt werden, wurden ja Strophe für Strophe auswendig gelernt. Für mich ist es daher wichtiger, dass die Menschen mitsingen können, als dass eine Strophe textlich besser passt, aber deutlich weiter hinten steht.
  • Ich erstelle Liedblätter, da vielen die Gesangbücher zu schwer sind und das feine Papier motorisch schwer umzublättern ist.
  • Die Lieder werden pro Halbseite so groß wie möglich gedruckt, aber noch zeilenweise, so dass man sich gut orientieren kann.
    B. 447,1

Lobe den Herren alle, die ihn ehren;

lasst uns mit Freuden seinem Namen singen

und Preis und Dank zu seinem Altar bringen.

Lobet den Herren.

  • Die Liedblätter werden gefaltet, aber nicht Ecke auf Ecke, sondern so, dass die untere Liedblatthälfte ca. ½ cm größer ist, damit das Blättern motorisch einfacher ist.
  • Ich lasse nur bekannte Lieder singen, die langsamer und tiefer gesungen werden, als sie im Gesangbuch stehen. Manchmal ergänze ich Kirchenlieder auch durch ein Volkslied, das jahreszeitlich oder thematisch gut passt.
  • Je weiter fortgeschritten der demenzielle Prozess, desto mehr sollte die Musik mit nonverbalem Kontaktangebot auf anderen Sinnesebenen einhergehen: Eindeutige Gesten, Blickkontakt, „Ansingen“, Hände halten oder bewegen, da die „bloße“ Musik von schwer Demenzbetroffenen häufig nicht mehr gut wahrgenommen werden kann.

 

Ein CD-Hinweis:
Kirchenlieder, zusammengestellt vom

Tageszentrum am Geiersberg
Geiersberg 15, 35578 Wetzlar / Tel.: 06441/ 43742, http://www.tageszentrum-am-geiersberg.de

Hierbei handelt es sich um eine CD mit 24 Kirchenliedern, die langsamer und tiefer per Orgel eingespielt sind. Von jedem Lied sind ca. 3 Strophen instrumental eingespielt, so dass man zur Orgelmusik mitsingen kann.