Meditation zu Sylvester – alles hat seine Zeit

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Meditations-Predigt zu Prediger 3 u. a.

Silvester 2004, Friedenskirche Potsdam-Sanssouci

(Stadtkirchenpfarrer Markus Schütte)

 

Gnade sei mit euch und Friede von Gott,

unserem Vater, und unserm Herrn Jesus Christus.“ Amen.

 

1. Sprecher:

– Jahreswechsel – liebe Gemeinde – Silvester, Altjahrsabend.

– Zeit der Rückschau, des Besinnens, Resümierens,

– Zeit der Fragen:

–       Was war?

–       Was bleibt?

–       Was kommt?

– Zeit der Bilder und Bilanzen:

–       des Gewesenen,

–       der kleinen Glücksfälle und großen Katastrophen,

–       der persönlichen Erfolge und privaten Trauerfälle,

–       der bleibenden Eindrücke und flüchtigen Ereignisse.

– Was bleibt,

–       wenn aus der Gegenwart Vergangenheit gebiert?

–       wenn aus dem „jetzt“ ein „damals“ wird,

o   dann ein „davor

o   schon bald ein „längst Vergangenes

–       Wenn schließlich in Vergessenheit versinkt,

o   was gerade erst geschehen,

o   was heute neu ist,

o   noch gestern ungesehn?

– Was ist dies Jahres bleibender Ertrag?

–       Erfahrung und Gewinn?

– Was gibt dem Ganzen

–       Richtung, Ziel und Sinn?

– Oder ist da nichts,

–       was das Gesamte meint und

–       die getrennten Enden eint?

 

2. Sprecher:

„Ein jegliches hat seine Zeit,

und alles Vorhaben unter dem Himmel hat seine Stunde.“

 

1. Sprecher:

– ein weises Wort – fürwahr,

– beruhigende Erkenntnis,

–       voll Weisheit, Einsicht und Erfahrung,

o   getränkt vom Alter – reif und lebenssatt,

– und doch bleibt        – Zweifel gegenwärtig,

– bohren Fragen,

– wird ein Einspruch laut:

– Ist alles, was geschah – zwangsläufig da?

–       des Zufalls Kind

–       des Lebens Lauf – ein Blatt im Wind?

– Was ist mit dem, was besser nicht geschehen?

– Was mit dem Glück, das kaum geworden, schon zerflossen

–       und mit den Tränen, die am Grab vergossen?

 

2. Sprecher:

„Geboren werden hat seine Zeit, sterben hat seine Zeit.“

töten hat seine Zeit, heilen hat seine Zeit.“

 

1. Sprecher:

– ein Wort wir Galle – jetzt in diesen Tagen,

–       da Tausende der Tod verschlingt,

o   den Wasser, Wind und Sturmflut bringt,

– Wo bleiben Schmerzen, Klagen und Geschrei,

–       wenn alles wohl geordnet,

–       vorbestimmt

–       und abgemessen sei?

– Gilt denn ein Menschenleben nichts

–       im großen Plan,

–       im steten Lauf der Zeit,

–       im Wechsel     – von Geburt und Sterben,

– von immer neuem Werden und Verderben?

– Wo bleiben all jene schuldlos Hingerafften,

–       wenn über allem göttliche Gewalt?

– Wem klingt die Klage der Verschonten in den Ohren,

–       wenn all das Plan ist,

–       Gottes Logik

–       und der Vorsehung Gestalt?

 

2. Sprecher:

„Pflanzen hat seine Zeit,

ausreißen, was gepflanzt ist, hat seine Zeit;

abbrechen hat seine Zeit, bauen hat seine Zeit.“

 

1. Sprecher:

– Zu oft – so scheint´s – wird jener Teil vergessen –

–       in dem die Worte „pflanzen“ und „erbaun“ ergehn.

– So bleiben oft nur „reißen“ und „zerbrechen“

–       Verwüstung und Zerstörung dann am dunklen Ende stehn.

– Dabei kann nichts gedeihen und entstehen,

–       wenn unbedachte Kräfte grenzenlos sich messen,

–       und schrankenlos im Kampfe um „höher, schneller, weiter“, stehn.

 

2. Sprecher:

„Suchen hat seine Zeit, verlieren hat seine Zeit,

Steine wegwerfen hat seine Zeit, Steine sammeln hat seine Zeit;

herzen hat seine Zeit, aufhören zu herzen hat seine Zeit;

klagen hat seine Zeit, tanzen hat seine Zeit,

weinen hat seine Zeit, lachen hat seine Zeit.“

 

1. Sprecher:

– Das Lachen ist den meisten längst vergangen,

–       Zu kurz gekommen in des Lebens Wechselspiel.

– Ein harter Zug sich um die Münder zieht

–       und dunkle Schatten man auf Stirn und Augen sieht.

– Wer gibt den Tränen ihre Freiheit wieder?

– Wer schenkt der Klage wirklich Raum und Zeit

–       wenn Schmerz ihm fährt in alle Glieder,

–       und angefüllt ihr Herz mit Leid und Traurigkeit?

 

2. Sprecher:

„Behalten hat seine Zeit, wegwerfen hat seine Zeit;

zerreißen hat seine Zeit, zunähen hat seine Zeit;

schweigen hat seine Zeit, reden hat seine Zeit;

lieben hat seine Zeit, hassen hat seine Zeit;

Streit hat seine Zeit, Friede hat seine Zeit.“

 

1. Sprecher:

– Wann wird sie sein – die große Zeit des Friedens?

–       die Zeit der Liebe und der Zärtlichkeit?

– Wann wird das Freudenreich erscheinen,

–       das angefüllt mit Lachen ohne Weinen

–       Bestand hat – immer und in Ewigkeit?

– Wenn schweigen wird des Hasses bitteres Geschrei

–       und jeder Mensch des Nächsten Freund und Schwester sei.

– Wenn frühlingssatt der Hoffnung Blüten stehn

–       und Kriegs Geschrei, des Todes Lied und Waffenlärm verwehn.

– Wann wird der Hoffnung Frühlingsschein

der Menschen Licht und sicheres Geleit auf ihrem Wege sein?

 

2. Sprecher:

„Als aber die Zeit erfüllt war, sandte Gott seinen Sohn,

geboren von einer Frau und unter das Gesetz getan,

damit er die, die unter dem Gesetz waren, erlöste.“

 

1. Sprecher:

– der Weihnachtsbotschaft stiller Klang,

–       von Gottes Liebe,

–       seines Wortes Treu und Menschen-Nähe

– noch leise klingt in diesem hohen Freudensang,

–       der aus der Ferne tausend Jahre alter Töne

–       herüberklingt in unser Tage unerträglich laut betösten Gang.

 

– Ein stiller Schein der Hoffnung blühet in ihm auf,

–       ein Lichtstrahl, leiser Hoffnung Schimmer

o   der unsre Tage und der Kommenden Zeiten Lauf

o   mit einem zarten Glanz von Hoffnung überzieht

o   und jenen Stern von Bethlehem am Horizont des Lebens sieht;

o   der Sprösslinge der Zuversicht in unsre bangen Herzen säht

o   und auch im harten Wind des Schicksals endlich nicht verweht.

 

– Doch bleibt die Last der schweren Zeiten ungeteilt

–       und jener Frage offne Wunde unverheilt,

– wie sich der frohen Botschafts lachend leichte Freudigkeit

–       verhält zu unsers Lebens Last und Bangigkeit.

– Sind wir auch weiterhin gefangen im steten Auf und Ab der Zeit?

–       und ausgeliefert jenes blinden Schicksals Launigkeit?

 

2. Sprecher:

„Damit er die, die unter dem Gesetz waren, erlöste,

damit wir die Kindschaft empfingen.

So bist du nun nicht mehr Knecht,

sondern Kind und Erbe durch Gott.“

 

1. Sprecher:

– so bleibt der Hoffnung freudenreicher Klang

–       und jener Zuversicht lachend-lobender Gesang,

– der vom Geheimnis jener Heilgen Nacht in unser Leben überklingt,

–       und von des Menschen Gnadenzeit

–       und seines Lebens gutem Ausklang singt.

 

– In all dem Zweifel unsrer wechselvollen Tage

–       bohrt und rumort jedoch die zagend-bange Frage,

– was der Verheißung jener Gnadenzeit

–       in unserm wechselvollen Leben

–       Bestand und Festigkeit verleiht.

– Was bleibt im Würfelspiel der Tage?,

–       die angefüllt mit Müh und Plage

– und in dem steten Wechsel von Werden und Vergehn

–       im Kommenden wie im Vergangnen stehn?

 

2. Sprecher:

Von guten Mächten treu und still umgeben,
behütet und getröstet wunderbar,
so will ich diese Tage mit euch leben
und mit euch gehen in ein neues Jahr.
Noch will das alte unsre Herzen quälen,
noch drückt uns böser Tage schwere Last,
ach, Herr, gib unsern aufgescheuchten Seelen
das Heil, für das Du uns bereitet hast.

Und reichst Du uns den schweren Kelch, den bittern
des Leids, gefüllt bis an den höchsten Rand,
so nehmen wir ihn dankbar ohne Zittern
aus Deiner guten und geliebten Hand.

Doch willst Du uns noch einmal Freude schenken
an dieser Welt und ihrer Sonne Glanz,
dann wolln wir des Vergangenen gedenken,
und dann gehört Dir unser Leben ganz.

Lass warm und still die Kerzen heute flammen,
die Du in unsre Dunkelheit gebracht,
führ, wenn es sein kann, wieder uns zusammen.
Wir wissen es, Dein Licht scheint in der Nacht.

Wenn sich die Stille nun tief um uns breitet,
so lass uns hören jenen vollen Klang
der Welt, die unsichtbar sich um uns weitet,
all Deiner Kinder hohen Lobgesang.

Von guten Mächten wunderbar geborgen,
erwarten wir getrost, was kommen mag.
Gott ist mit uns am Abend und am Morgen
und ganz gewiss an jedem neuen Tag.

 

1. Sprecher:

Amen.

„Und der Friede Gottes, welche höher ist als all unsere Vernunft,

bewahre Eure Herzen und Sinne in Christus Jesus,

der Hoffnung unseres Lebens und der Zukunft unseres Glaubens.“

Amen.