Martins Beerdigung

Immer mehr Leute möchten gern verbrannt werden, wenn es aus ist. Und dann schnell anonym vergraben. Preiswert und pflegeleicht. Am besten keine Feier. Kostet alles zu viel. Ich verstehe das nicht. Statt in den Trauergaragen auf manchen Friedhöfen kann man die Feier oft genauso teuer oder billig in der nächsten Kirche haben. Kleine oder große Gräber lassen sich heute mühelos instand halten – niemand sieht, ob die Verwandten mein Grab besuchen oder nicht. Keine Peinlichkeiten. Und mein Name soll irgendwo stehen. Er soll doch nicht verschwinden. Gott hat mich mit meinem Namen ins Leben gerufen und so ruft er mich auch zu sich. Das soll gesagt werden. Aber wenn ich nur verscharrt werde, dann geht das nicht. Warum bloß gibt es so wenig Fantasie bei Bestattungen?

Bei der Beerdigung von Martin gab es etwas Schönes: Martin war Turniertänzer gewesen und im Auto verunglückt. Zum Gottesdienst in seiner Kirche waren viele gekommen, die auch gern tanzten. Dazu seine Eltern, die Geschwister usw.. Am Anfang der Feier sind wir alle nach vorn gegangen zum Sarg und haben uns dicht um ihn gestellt und gesungen. Schön laut, damit man nicht merkt, dass wir Angst vor dem Sarg haben. Dann haben wir Kerzen angezündet, in eine Schale mit Sand gesteckt und eine Weile zugeguckt wie sie brennen. In der Mitte der Schale stand eine größere Kerze. Für Martin. Drumherum wir. Kleine Kerzen. Brennend.

Musik gab’s von einer kleinen Drei-Mann-Kapelle mit Akkordeon, Baß und Geige.

Dann hat die Pastorin dies und das gesagt, das erinnere ich nicht mehr.

Gebetet wurde auch, klar.

Und zum Schluß hat sie gesagt, wir sollen die Stühle wegräumen. In der Mitte eine leere Fläche, vorn der Sarg. Ein Tanzboden, denke ich. In der Kirche. Die Kapelle spielt einen Walzer. Martins Freunde fangen an. Dann auch andere. Andere sitzen und staunen. Walzer am Sarg. Und sie tanzen weiter. Die Kerzen flackern. Die Kapelle geigt und die Kirche wiegt sich. Und Martin ?

Ja, Martin – der schmunzelt.

Zum Schluß der Segen. Dann tragen wir ihn raus zur Erde.

Da kommt er her, da geht er hin.

Und nichts geht verloren.