Lyrik Advent Weihnachten Jahreswechsel

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Advent

 

Im Dezemberdunkel

tappe ich

meiner Sehnsucht hinterher.

 

So oft schon

ins Leere gefasst.

Durch Löcher gestolpert.

An dornigen Zweigen mir

das Hoffnungskleid zerrissen.

 

Da schweift am Horizont

ein Stern.

 

Als suche jemand die Erde ab.

Als hoffe er, im Lichtkegel

einen Verlorenen zu entdecken.

 

Einer hat sich

auf den Weg gemacht

zu mir.

(Tina Willms)

 

Advent

 

In der Stille

lausche ich Gott

ein Geheimnis ab

versetzt Flügelrauschen

den Tag

ins Schwingen

 

In der Stille

atme ich

seine Nähe

zieht Stallgeruch

von weit her

durchs Haus

 

In der Stille

fällt mein Blick

nach oben

legt sich

Lichtglanz

unter die Haut

(Tina Willms)

Adventswunsch

 

Durchleuchte mich,

lass mich ein Stern sein.

 

Transparent, filigran

am Fenster zur Welt

 

will ich Sehnsucht nähren

nach Deinem Licht.

(Tina Willms)

 

Weiser werden

 

Möglich, dass

der Weg zur Krippe

durch Wüsten führt,

dass du stolperst

über Steine und Zweifel

und Dornen dir

das Gesicht zerkratzen.

 

Bitterkalt könnte es werden,

einsam und finster,

vielleicht ziehen Stürme auf

und dich hungert

nach Brot und Leben.

 

Doch wagst du es, loszugehen,

heraus aus deinem Haus,

dem Dorf, der Stadt,

ziehst du aus

aus deinen Gewohnheiten

und dem fest Gefügten:

 

so steht über dir

ein Stern. (Tina Willms)

Bei Kerzenlicht

 

Bei Kerzenlicht

spricht es sich anders,

als lege sich Wärme auf die Worte

und in die Stimme ein sanfterer Ton.

 

Kaum möglich sich zu streiten

wenn das Wachs weich wird

und sich vor den Augen verwandelt

in schimmernde Hoffnung.

 

Das Leuchten steckt an,

erfasst die die Gesichter,

glättet Wogen und Stirnen,

dringt unter die Haut

und hinterlässt eine Spur

aus Glanz.

(Tina Willms)

 

 

Während ich Geschenke einpacke, begegne ich meiner eigenen Sehnsucht. Meine Wünsche holen mich ein. Die kleinen für mein eigenes Leben. Und die großen für die Welt.

Weihnachten: Das Fest, an dem Gott meine Sehnsucht sieht. Sein Geschenk verpackt er in Windeln und Stroh. Ein Kind, mit dem der Himmel zur Erde kommt.

Fürchte dich nicht! Friede wird sein! (Tina Willms)

 

Dezemberwunsch

 

Ich wünsche dir einen, der dich aufhält,

wenn du in den adventlichen Laufschritt fällst.

Er stelle sich in deinen Weg, freundlich aber bestimmt,

so dass du innehalten und zu Atem kommen kannst.

 

Ich wünsche dir einen, der den Ton leise dreht,

wenn es um dich oder in dir lärmt und brummt.

Er öffne dein Ohr, damit du unter all den Geräuschen

die Stimme des Engels vernimmst, der von Freude singt.

(Tina Willms)

 

Heilige Nacht

Nach Hause kommen.

Gott hat

ein Licht ins Fenster gestellt.

 

Es gleicht einem Stern.

(Tina Willms)

 

 

 

 

Im Stall

 

Hirten sind gekommen. Und Könige.

Maria und Joseph. Ochse und Esel.

In der Mitte die Krippe. Darin das Kind.

Über allem ein seltsamer Glanz.

 

In Gedanken stelle ich mich dazu.

Was bringe ich mit an diesem Abend?

Was möchte ich diesem Kind schenken?

Was ablegen bei ihm?

 

Gott hat sich zu uns auf den Weg gemacht.

Ist zu uns gekommen in einem Kind.

Und ich?

Bin ich angekommen bei ihm?

(Tina Willms)

 

 

 

rosen

 

wurzeln schlagen

in diese nacht

sich strecken

zum licht

über den dunklen herzen

 

wachsen

wie das kind

das über die erde ging

als wohne gott

in ihm

 

blühen

dem himmel zu

rosenblätter streuen

auf die wunden

der welt

(Tina Willms)

Nach Weihnachten genieße ich es, in Ruhe die Post zu lesen. Ich freue mich über die Menschen, mit denen ich verbunden bin. Ich schaue mir meine Geschenke an und probiere sie aus. Wie viele freundliche Gedanken stecken in ihnen. Ich spüre die Liebe, die mir in anderen begegnet. Es ist, als lächele Gott selber mir darin zu. (Tina Willms)

 

Zwischen den Jahren lasse ich die letzten zwölf Monate noch einmal an mir vorbei ziehen. Gibt es etwas, das offen geblieben ist? Jetzt wäre Zeit, um es zu klären. Was wollte ich schon lange erledigen? Jetzt habe ich die Möglichkeit dazu. Bei wem habe ich mich schon viel zu lange nicht mehr gemeldet? Jetzt rufe ich ihn oder sie an.

Die Tage zwischen den Jahren sind voller Gelegenheiten. Ich will sie nutzen und gestalten. (Tina Willms)

 

 

Silvester

 

365 mal aufgestanden.

Gearbeitet. Ausgeruht.

Urlaub gemacht.

Gelacht. Gefeiert. Manchmal geweint.

Menschen begegnet. Allein gewesen.

Mich leicht gefühlt. Manches schwer genommen.

Viele normale Momente. Und einige ganz besondere.

365 Tage. Ein Jahr meines Lebens.

Jetzt gebe ich es zurück in Gottes Hand.

(Tina Willms)

 

Zum Jahresende

 

Die Stunden eines Jahres kommen mir vor wie kleine Steine, die ich zu einem Mosaik ineinander gefügt habe. Am Ende des Jahres schaue ich mir das Bild an, das entstanden ist: Manche Szenen sind wunderschön. Helle, fröhliche, glückliche und bunte Momente, jetzt geprägt in Vergangenheit. Manches sieht dunkler aus als ich mir vorgestellt habe. Aber die Schatten verleihen dem Bild auch Tiefe. Anderes ist offen geblieben, ich muss die leeren Stellen ertragen. Nun lege ich mein Mosaik Gott in die Hände. Er wird etwas Gutes daraus entstehen lassen. Er wird auch dieses Jahr vollenden zu einem Kunstwerk, das mich ins Staunen bringt. (Tina Willms)

Neujahr

 

Ein neues Jahr. Noch leer der Kalender.

So viele Chancen. So viele Unwägbarkeiten.

Du, Gott, hältst jeden Tag in der Hand.

Du gehst mit mir durch die Zeit.

Segne mich und lass mich zum Segen werden.

(Tina Willms)

 

Vor dem Fenster

wechseln die Zeiten.

 

Der Himmel bleibt.

(Tina Willms)