Lieblingsgebete

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Gebete, zugesandt und hingelegt.

 

Die Texte der Sammlung verdanken sich allen, die uns Texte und Gebete, die ihnen etwas bedeuten,

zukommen liessen. Beigefügt habe ich Gebete aus den Hochschulgottesdiensten in Zürich.

Herzlichen Dank für die Unterstützung!

 

Pascale Rondez, Reformiertes Hochschulforum Zürich

 

Texte und Angaben wurden übernommen, fehlende Angaben nicht ergänzt, einzig offensichtliche Fehler

korrigiert.

 

 

Ich bitte dich, Herr, um die grosse Kraft

diesen kleinen Tag zu bestehen

und auf dem grossen Weg zu dir

einen kleinen Schritt weiterzugehen.

Amen.

 

Kurzes Gebet nach langer Krankheit, Ernst Ginsberg (1904 – 1964)

 

„Es begleitet mich bei meiner Arbeit an den Kranken-und Sterbebetten

und auch persönlich“, schreibt die Einsenderin

 

 

Ohne Vorbehalt und ohne Sorgen

Leg ich meinen Tag in deine Hand.

Sei mein Heute, sei mein Morgen,

sei mein Gestern, das ich überwand.

Frag mich nicht nach meinen Sehnsuchtswegen,

bin aus deinem Mosaik ein Stein.

Wirst mich an die rechte Stelle legen –

Deinen Händen bette ich mich ein.

 

Edith Stein

 

 

Wo ich gehe – du!

Wo ich stehe – du!

Nur du, wieder du, immer du!

Du, du, du!

Ergeht`s mir gut – du!

Wenn`s weh mir tut – du!

Nur du, wieder du, immer du!

Du, du, du!

Himmel – du, Erde – du,

Oben – du, unten – du,

Wohin ich mich wende, an jedem Ende

Nur du, wieder du, immer du!

Du, du, du!

 

aus: Martin Buber, Die Erzählungen der Chassidim, Zürich 1984, 342

 

 

 

Alle, welche dich suchen, versuchen dich.

Und die, so dich finden, binden dich

an Bild und Gebärde.

 

Ich aber will dich begreifen,

wie dich die Erde begreift;

mit meinem Reifen

reift

dein Reich.

 

Ich will von dir keine Eitelkeit,

die dich beweist.

Ich weiss, dass die Zeit

anders heisst

als du.

 

Tu mir kein Wunder zulieb.

Gib deinen Gesetzen recht,

die von Geschlecht zu Geschlecht

sichtbarer sind.

 

Rainer Maria Rilke, 19.9.1901 Westerwede

 

 

mein herr und mein gott nimm alles von mir was mich hindert zu dir.

mein herr und mein gott gib alles mir was mich führe zu dir.

mein herr und mein gott nimm alles von mir und gib mich ganz zu eigen dir.

 

ohne Angaben

 

 

Der du grösser und weiter bist,

als unsere Herzen sein können,

Gott Schöpfer Geist,

führe uns

über uns selbst hinaus

in die Freiheit deines Geistes

und in die Weite des Lebens.

 

Birgit Brügge-Lauterjung, in: Gottesdienstpraxis Serie A, IV/1,

Hrsg. von E. Domay, Gütersloh 1993

 

 

höhle

dunkel leuchtende höhle

wo wir

wärme suchen und zuflucht

bei feuer und freunden

schöne höhle du gott

in der wir

immer schon gingen

und wussten es nicht

aus: Kurt Marti, meergedichte alpengedichte, 33

Das Gebet wurde im Konfunti am Lagerfeuer gelesen

Als mein Gebet

immer andächtiger

und innerlicher wurde,

da hatte ich immer weniger

und weniger zu sagen.

Zuletzt wurde ich ganz still.

Ich wurde,

was womöglich

noch ein grösserer Gegensatz

zum Reden ist,

ich wurde ein Hörer.

Ich meinte erst,

Beten sei Reden.

Ich lernte aber,

dass Beten

nicht bloss Schweigen ist,

sondern Hören.

So ist es:

Beten heisst nicht,

sich selbst reden hören.

Beten heisst:

Still werden

und still sein

und warten,

bis der Betende Gott hört.

 

Sören Kierkegaard

 

 

Der mich atmen lässt

bist Du, lebendiger Gott

Der mich leben lässt

bist Du, lebendiger Gott

Der mich schweigen lässt

bist Du, lebendiger Gott

Der mich warten lässt

bist Du, lebendiger Gott

Der mich handeln lässt

bist Du, lebendiger Gott

Der mich wachsen lässt

bist Du, lebendiger Gott

Der mich Mensch sein lässt

bist du, lebendiger Gott

Der mich atmen lässt

bist du, lebendiger Gott

 

aus: Anton Rotzetter, Gott, der mich atmen lässt.

Gebete des Lebens, Freiburg i.Br. 1994

 

 

Gott, schenke mir die Gelassenheit,

das hinzunehmen, was ich nicht ändern kann,

Mut, das zu ändern, was ich ändern kann,

und Weisheit, das eine vom andern zu unterscheiden.

 

Reinhold Niebuhr 1943

 

 

Von guten Mächten wunderbar geborgen,

erwarten wir getrost, was kommen mag.

Gott ist mit uns, am Abend und am Morgen

und ganz gewiss an jedem neuen Tag.

 

Dietrich Bonhoeffer, Textausschnitt

 

 

Gott, wir bitten dich für diesen Gottesdienst.

Wir kommen zu dir mit dem, was uns Freude macht,

mit dem, was uns ärgert;

mit dem, was uns zu dir führt,

und mit dem, was uns ablenkt.

 

Lass uns beten –

nicht, als ob es in den Wind geredet sei.

Lass uns hören –

nicht, als ob wir schon alles wüssten.

Lass uns singen –

nicht so, als ob es eine Zumutung wäre.

Lass uns aus dem Gottesdienst herausgehen –

nicht so, als ob wir gar nicht hier gewesen wären.

 

Hilf uns, dass wir uns öffnen für das,

was du geben und sagen willst.

Amen.

 

aus: Liturgische Texte in gerechter Sprache I, 240

 

„Besonders den dritten Abschnitt bete ich immer sehr bewusst“, schreibt der Absender

 

 

Unsere Mutter im Himmel

heilig ist uns deine Liebe.

Sei uns nahe und erfülle uns

wie du Himmel und Erde erfüllst.

Nähre uns täglich mit dem, was wir bedürfen.

Umarme uns, wenn wir schuldig geworden sind

und lehre uns, auch die zu umarmen, die uns weh getan haben.

Wenn wir zu fallen drohen,

fange uns auf und zeige uns die nächsten Schritte.

Denn du bist die Güte, die Liebe und das Licht – ohne Ende.

Amen.

 

ohne Angaben

 

 

Wir danken dir,

weil wir leben

morgen und heute,

weil wir gestern und alle Tage

gelebt haben aus deiner Gnade, Gott,

von dieser Erde, von Brot und Licht,

von Menschen um uns;

wir danken dir, weil wir leben

hier und jetzt, mühsam

und voller Freude.

Und wir bitten dich,

dass keine Zukunft und kein Tod

uns trenne von Jesus Christus,

der deine Liebe ist

für alle Menschen

und die ganze Erde.

Huub Oosterhuis

Ja, guter Gott,

wir alle warten auf deine Erlösung.

Und manchmal träumen wir davon,

wie es sein wird,

wenn deine Ewigkeit begonnen hat.

Ja, guter Gott,

wir alle tragen die Hoffnung in uns.

Und manchmal träumen wir davon,

wie es wäre,

wenn du unsere Wünsch erfülltest.

Ja, guter Gott,

wir alle wollen Grund zum Lachen haben.

Und manchmal träumen wir davon,

wie es wohl klingt,

wenn du in unser Lachen einstimmst.

Amen.

 

ohne Angaben

 

 

Gebet des älter werdenden Menschen

 

O Gott, Du weisst besser als ich, dass ich von Tag zu Tag älter

und eines Tages alt sein werde.

Bewahre mich vor der Einbildung, bei jeder Gelegenheit

und zu jedem Thema etwas sagen zu müssen.

 

Erlöse mich von der grossen Leidenschaft,

die Angelegenheiten anderer ordnen zu wollen.

Lehre mich, nachdenklich aber nicht grüblerisch,

hilfreich, aber nicht diktatorisch zu sein.

 

Bei meiner ungeheuren Ansammlung von Weisheit erscheint es mir ja schade,

sie nicht weiterzugeben – aber Du verstehst,

 

o Gott, dass ich mir ein paar Freundinnen erhalten möchte.

Bewahre mich vor der Aufzählung endloser Einzelheiten

und verleihe mir Schwingen, zur Pointe zu gelangen.

 

Lehre mich schweigen über meine Krankheiten und Beschwerden.

Sie nehmen zu – und die Lust, sie zu beschreiben, wächst von Jahr zu Jahr.

 

Ich wage nicht, die Gabe zu erflehen, mir die Krankheitsschilderungen anderer

mit Freuden anzuhören, aber lehre mich, sie geduldig zu ertragen.

Lehre mich die wunderbare Weisheit, dass ich mich irren kann.

 

Erhalte mich so liebenswert wie möglich.

Ich möchte keine Heilige sein

– mit ihnen lebt es sich so –,

aber eine alte Griesgrämin ist das Krönungswerk des Teufels.

Lehre mich, an anderen Menschen unerwartete Talente zu entdecken,

und verleihe mir, o Gott, die schöne Gabe, sie auch zu erwähnen.

 

Teresa von Avila (1515 – 1582)

 

 

Mein Herr und mein Gott, nimm alles von mir,

was mich hindert zu Dir.

 

Mein Herr und mein Gott, gib alles mir,

was mich fördert zu Dir.

 

Mein Herr und mein Gott, nimm mich mir

und gib mich ganz zu eigen Dir.

 

Gebet von Niklaus von Flüe

 

 

Der Herr sei vor dir,

um dir den rechten Weg zu zeigen.

 

Der Herr sei neben dir,

um dich in die Arme zu schließen

und dich zu schützen

gegen Gefahren von links und rechts.

 

Der Herr sei hinter dir,

um dich zu bewahren

vor der Heimtücke böser Menschen.

 

Der Herr sei unter dir,

um dich aufzufangen, wenn du fällst,

und dich aus der Schlinge zu ziehen.

 

Der Herr sei in Dir,

um dich zu trösten,

wenn du traurig bist.

 

Der Herr sei um dich herum,

um dich zu verteidigen,

wenn andere über dich herfallen.

 

Der Herr sei über dir,

um dich zu segnen.

 

So segne dich der gütige Gott.

Amen.

 

(altchristliches Segensgebet)

 

 

Unser Vater im Himmel!

Geheiligt werde dein Name.

Dein Reich komme.

Dein Wille geschehe,

wie im Himmel, so auf Erden.

Unser tägliches Brot gib uns heute.

Und vergib uns unsere Schuld,

wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung,

sondern erlöse uns von dem Bösen.

denn dein ist das Reich

und die Kraft und die Herrlichkeit

in Ewigkeit.

Amen.

 

Matthäus 6,9–13 (Doxologie nach 1 Chr 29,11–13)

Von vielen genannt

 

 

Gebete Hochschulgottesdienst «klagen», 25. September 2011 Predigerkirche Zürich

 

Wo ist der Raum, mein Gott,

in dem wir sein können

mit allem, was in uns lebendig ist?

 

Wo dürfen wir sein, bei dir

in heller Freude, ja,

und wo im Schmerz –

wie damals, als ich

froh drum war, dass es Nacht wurde

und Schlaf

mich von Angst und Schrecken erlöst hat.

 

Wo dürfen wir sein – bei dir …

 

Klage mit Liedruf

 

Gott, unser Gott, warum hast du uns verlassen?

Wir können nicht mehr an dich glauben, Gott.

Du bist unglaubwürdig geworden.

Zu offensichtlich erscheinst du als menschliche Projektion.

Zu blutig die Spur, die diese Projektion hinterlassen hat.

 

Wir wollen glauben.

Jede Faser unseres Körpers,

unserer Seele schreit nach dir.

Doch unsere Glaubensheimat wurde uns genommen.

Verödet, verwüstet liegt sie da. Du lässt uns verwaist zurück.

Bist du auch dann bei uns, wenn wir zweifeln?

Bist du mit uns, gerade auch dann?

 

Taizé-Lied „Dans nos obscurités“

 

Wo kann ich mich bergen, mein Gott,

und wohin zurück ziehen vor den Besserwisserinnen und Experten,

die lautstark verkünden, wie man glauben soll?

ich bin einsam in meiner Suche nach dir,

ich warte auf deine Stimme in mir

in dem Scherbenhaufen, der manchmal mein Leben ist.

Lass mich nicht länger allein.

 

Taizé-Lied „Dans nos obscurités“

 

Wo kann ich mich bergen, mein Gott,

und wohin zurückziehen vor der Banalisierung

die um sich greift in der Kirche und überall

vor Veräusserung,

die mich ratlos zurück lässt

verödet

und doch voller Sehnsucht nach dir.

 

Taizé-Lied „Dans nos obscurités“

 

 

Gebete Hochschulgottesdienst «flehen» 23. Oktober 2011 Predigerkirche Zürich

 

Wo ist der Raum, mein Gott,

in dem wir sein können

mit allem, was in uns lebendig ist?

 

Wohin mit dem, was zerbrochen ist und

nicht mehr heil wird und gut in unsrem Leben?

 

Wohin mit der Angst, nicht gehört zu werden damit

und den Urteilen andrer ausgesetzt zu sein,

anstatt zu teilen, was uns schmerzt

und doch so lebendig ist?

 

Wo können wir uns bergen, mein Gott, bei Dir?

 

Bitten für …

 

Lebendiger Gott, wir bitten Dich:

Sei mit den Menschen, die in ihrem Leben nicht die Wertschätzung erfahren,

nach der sie sich sehnen,

die sich ausgegrenzt fühlen und die Welt als gleichgültig

oder sogar als feindlich erleben:

Lass sie Deine grenzenlose Liebe erfahren,

lass sie Geborgenheit finden und schenke ihnen Menschen,

die sie verstehen und lieben.

 

Lebendiger Gott, wir bitten Dich:

Sei bei allen Menschen, die Gewalt erfahren haben und erfahren.

Weil andere Menschen sie für ihre Zwecke missbrauchen, auf ihre Kosten leben.

Sei bei ihnen und mache sie aufmerksam auf Grenzüberschreitungen im Wort,

in der Geste, im Tun anderer.

Gib ihnen Menschen an die Seite,

die den Mut haben, hinzuschauen und zu benennen.

Befreie sie und sei ihnen die bergende Hütte

und jene Hand, die Zerbrochenes aufliest, behutsam.

 

Lebendiger Gott, wir bitten Dich: Sei bei allen Menschen,

die ihr Leben im Moment als einzigen Mangel erfahren,

weil Kummer sie verzehrt

und nicht endende Sorge

und ihre Kraft an Grenzen kommt.

 

Lass sie Verbundenheit spüren mit dem Leben und den Menschen an ihrer Seite.

Hör ihr Flehen und lass sie Kraft schöpfen in dunkler Nacht.

 

Amen.

 

Gebete Hochschulgottesdienste: Anke Ramöller, Pascale Rondez, Lea Schuler