Liebes- und Freundschafts Psalm

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Sehnsucht danach (Psalm 42) und Erfüllung darin (Psalm 27)

 

 

 

Im Psalm bekommt die private Befindlichkeit von Individuum und Gemeinde einen öffentlichen Ausdruck in geronnener Form. Menschen verwenden beim Psalmbeten alte Sprache für eigene Sprache.

Damit das synchron erleb- und nachvollziehbar ist, wird Psalm 42 als Gebet der Sehnsucht hier verschränkt mit aktuellem Ausdruck der Menschen, die Freundschaft suchen. Psalm 27 dankt für das Geleit Gottes und wird verwoben mit aktuellem Lob der Freundschaft.

Beides wird im Wechsel im Raum hin- und hergesprochen.

 

 

Liedstrophe oder Kanon (Meine Seele wartet …)

Psalm 42

Wie der Hirsch lechzt nach frischem Wasser, so lechzt meine Seele, Gott, nach dir.

3 Meine Seele dürstet nach Gott, nach dem lebendigen Gott. Wann darf ich kommen und Gottes Antlitz schauen?

Ich kenne die Zeiten des leeren Erwachens und fürchte sie. Sie sind mir zu groß, und ich möchte sie meiden. Aber sie kommen zu mir in die Stube.

4 Tränen waren mein Brot bei Tag und bei Nacht; denn man sagt zu mir den ganzen Tag: «Wo ist nun dein Gott?»

Die Nächte ohne die andere Haut sind taub wie meine Glieder. Die Tage ohne Gespräch mit Freunden sind wie verklebter Mund. Wo bist du, wann kommst du ?

— PAUSE (5 sec) —

5 Das Herz geht mir über, wenn ich daran denke: / wie ich zum Haus Gottes zog in festlicher Schar, mit Jubel und Dank in feiernder Menge.

Ich kenne es anders und sehne mich rückwärts. Ich kenne es anders und sehne mich um so mehr. Ich kenne es nicht anders als dass ich mich sehne.

6 Meine Seele, warum bist du betrübt und bist so unruhig in mir? Harre auf Gott; denn ich werde ihm noch danken, meinem Gott und Retter, auf den ich schaue.

Ich spreche vor mich hin auf meinem Lager und hoffe auf liebende Augen.

Die anderen haben scheinbar einen Halt aneinander. Ich will warten, wie es sich fügt.

 

oder/und

 

Psalm 27

Gott ist mein Licht und mein Heil: Vor wem sollte ich mich fürchten? Gott ist die Kraft meines Lebens: Vor wem sollte mir grauen?

Du bist da und bei mir. Ich halte in Händen, was unhaltbar ist. Deine Stimme trägt mich, wenn meine versagt. Ich bin verwundbar und dabei gehalten.

2 Dringen Frevler auf mich ein, um mich zu verschlingen, meine Bedränger und Feinde, sie müssen straucheln und fallen.

— PAUSE (5 sec) —

Es ist ein Wunder – ich lebe verbunden. Man kann mir das Haus nehmen, aber nicht meine Freunde. Man kann mich beschämen, aber du wirst mich halten.

4 Nur eines erbitte ich von Gott, danach verlangt mich: Im Haus Gottes zu wohnen alle Tage meines Lebens, die Freundlichkeit Gottes zu schauen und nachzusinnen in seinem Raum.

Ich sehe die Zartheit aller Verbindung. Seit ich Dich liebe, bin ich gefährdet.

Wenn ich Dich nah weiß, spür ich das Sterben, das mögliche Sterben. So bitt ich um Aufschub und sichere Ankunft.

Hinweise zur Lesart:

 

  1. Es ist sinnvoll, wenn zwei Menschen diesen Doppelpsalm vorlesen, eine den einen, der andere den anderen Psalm. Die Gemeinde hört zu und lässt sich mitnehmen.
  2. Psalmen sind ja Regungen des frommen Gemüths, die jedeR haben könnte. Also auch die Anwesenden. Daher stehen die LeserInnen vielleicht nicht am Altar, sondern der Gemeinde zur Seite. Da, wo diese Regungen zu vermuten oder zu provozieren sind. Ausgerichtet zum Altar, aber bei den Menschen. Das geht vorn vor ihnen auf der rechten und linken Seite – so dass man die LeserInnen im Profil sieht. Sie können auch mitten dazwischen sitzen, aufstehen und anfangen.
    Das ist ein anderes Symbol, als wenn von vorn ein Psalm ‚abgeliefert’ wird. Geschieht er an meiner Seite, so könnten es eher meine Worte sein oder werden. (Das gilt übrigens auch für die Fürbitte.)
  3. Versteht man die wechselseitigen Verse der Psalmen als einander korrespondierende Regungen von Zweifel und Sicherheit, so ist es wichtig, dass sich die LeserInnen wie eine Person verstehen.
  4. Natürlich kann man den ganzen Text kürzen, wenn er zu lang erscheint. Oft wird ein Text aber öde, weil er ohne Unterbrechung und ohne Gefühl verlesen wird. Wenn die LeserInnen Pausen zum Nachklingen einsetzen und sich hineinversetzen in diese Welt der alten Gebete, dann wird es nicht langweilig, sondern unter Umständen eine angenehm gedehnte Meditation eigenen Lebens vor und in Gott. Deshalb braucht man nicht hetzen, damit es schnell zuende ist mit dem vielen Text, sondern im Gegenteil – verweilen in den Versen, nachspüren. Im weiteren Verlauf der Liturgie kann das Tempo ja wieder anziehen. (So entsteht Kontrast in der Dramaturgie.)
    Es ist auch möglich, mitten in den Text eine Liedstrophe oder den Kanon vom Anfang einzufügen.