Licht im Kirchenraum – Die Erneuerung der Lichtsituation in der Auferstehungskirche Großhansdorf-Schmalenbeck

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Projekt im Rahmen der Langzeitfortbildung Gottesdienst

des Gottesdienstinstituts Nordelbien

von

Pastor Dr. Christoph Schroeder 

30. Mai 2009

 

1. Die architektonisch gestalteten natürlichen Lichtverhältnisse in der Auferstehungskirche

Die Auferstehungskirche in Großhansdorf ist 1960 gebaut worden. Sie ist eine einschiffige Hallenkirche mit einem kleinen Seitenschiff. Das Hauptschiff ist elf Meter hoch und neun Meter breit. Der Raum ist auf den Altar hin geordnet und wird von der großen, in die Altarwand eingelassenen, Rosette beherrscht, durch die zur Gottesdienstzeit das Licht einfällt. Den darunter befindlichen Altar lässt sie dann fast als nebensächlich erscheinen. So wird hier bewusst eine Dimension sichtbar gemacht, auf die hin das am Altar sich vollziehende Gottesdienstgeschehen transparent ist: Hier ist der Ort, an dem Himmel und Erde miteinander verbunden sind (vgl. Jakobs Traum in Bethel 1. Mose 28,12: “Und ihm träumte, und siehe, eine Leiter stand auf Erden, die rührte mit der Spitze an den Himmel und siehe, die Engel Gottes stiegen daran auf und nieder.”) So auch hier: Der Himmel ist offen und die Fülle der Heilsgeschichte, deren einzelne Stationen die Rosette zeigt (der Weg Jesu und die Symbole der vier Evangelisten) stärkt dem Liturgen, der den Gottesdienst zelebriert, den Rücken und lässt erahnen, dass hier ein Mehr da ist, das die Person des Liturgen transzendiert. Hier gewinnt für mich das Gestalt, was der Beter des 36. Psalms bestaunt: “Bei dir ist die Quelle des Lebens, und in deinem Lichte sehen wir das Licht.” Das Licht als Mittel, um die himmlische Dimension sichtbar zu machen, ist so zentrales Mittel der sakralen Architektur.

Licht fällt in den Kirchraum weiterhin durch sechs hohe, einfach verglaste Fenster in der Südwand, die in vier Meter Höhe beginnen und fünf Meter hoch sind. Das unterhalb der Südwand gelegene, nur 2,50 Meter hohe Seitenschiff wiederum hat kleine Fenster, durch die nur wenig Licht eindringt. Dadurch ist dieses Seitenschiff, das sich nicht über die ganze Länge des Gebäudes erstreckt, sondern dort endet, wo der Altarbereich beginnt, in ein gleichmäßiges Dämmerlicht getaucht. Die Nordwand des Hauptschiffes, an der auch die Kanzel angebracht ist, ist fensterlos. Sie wird von dem Licht beleuchtet, das durch die in der gegenüberliegenden Südwand liegenden Fenster einfällt.

Die hölzerne Decke in Haupt- und Seitenschiff, die warmen Rottöne der Rosette, der rotgeklinkerte Fussboden, die dunkelroten Läufer und die kirschholzfarbenen Bänke, Kanzel und Lesepult lassen die Kirche bei natürlichem Licht, gerade im Kontrast zu den weißgekalkten Ziegelwänden, in einem zwar nüchternen, aber dennoch warmen Licht erscheinen. Bei aller Schlichtheit atmet die Auferstehungskirche eine geistliche Atmosphäre.

 

2. Das Elektrische Licht in der Auferstehungskirche

Das ändert sich allerdings dann, wenn das natürliche Licht nicht ausreicht (bei bedecktem Himmel und bei Dunkelheit). Schlichte, mit vier senkrechten Plexiglasflügeln versehene Milchglasleuchten, die das Weiss der Wände aufnehmen, und die im Abstand von eineinhalb Metern übereinander getürmt von der Decke herabreichen, betonen die Höhe des Raumes. Sechs dieser Pendelleuchten hängen, in einer auf die Altarwand hingeordneten Linie, über den rechten Bankreihen. Parallel dazu sind an der Nordwand zur Beleuchtung der linken Bankreihen in 2,5 Meter Höhe entsprechende Wandleuchten angebracht. Dies ist – bis auf das Licht in der Kanzeldecke – die einzige, vom Architekten vorgesehene Beleuchtung der Kirche. Die Leuchten sind von der Form her zeitlos schön und passen zur Schlichtheit der Kirche. Sie erfüllen ihren Zweck – für eine ausreichende Ausleuchtung der Bankreihen zu sorgen. Aber sie geben ein sehr diffuses Licht, das den Raum gleichmäßig und unterschiedslos erhellt. Dadurch verleihen sie dem Kirchraum – wenn das natürliche Licht fehlt, eine kalte und nackte, hallenartige, Atmosphäre. Vor einigen Jahren hat man das zu mildern versucht, indem die Leuchten dimmbar gemacht wurden. Das allein hat zwar bereits ein große positive Wirkung, erschwert es den Gottesdienstbesuchern dann jedoch, die Liedtexte im Gesangbuch zu entziffern.

Keinerlei künstliche Beleuchtung – wie gesagt, außer der Kanzelbeleuchtung – war ursprünglich im Altarraum vorgesehen. Das mag damit zusammenhängen, dass der Architekt bei seiner Planung nur die Lichtsituation Sonntagmorgen 10 Uhr im Auge gehabt hatte. Bei den Heiligabendgottesdiensten würde dann ja der Weihnachtsbaum durch seine Kerzen für Licht sorgen, und ansonsten waren wohl keine Abendveranstaltungen in der Kirche vorgesehen.

In der Praxis hat sich jedoch bald gezeigt, dass die Kirche nicht nur Sonntags morgens bespielt wird. Abendgottesdienste und regelmäßige Konzerte (eine sehr aktive Kirchenmusik sorgt dafür) und die unbefriedigende Lichtsituation an dunklen Sonntagvormittagen führten deshalb dazu, dass der Kirchenvorstand Anfang der 80er Jahre beschloß, an zwei den Altarraum überspannenden Deckenträgern in elf Meter Höhe jeweils drei Strahler anzubringen, die senkrecht nach unten gerichtet den Altaraum und die Altarwand ausleuchten und so auch einem im Altarraum singenden Chor genügend Licht geben. Dadurch ist der gesamte Altarbereich zwar hell, aber da die Strahler Baumarktqualität haben und kein gerichtetes Licht ausstrahlen, ist er in ein kaltes, konturenloses Licht getaucht, das zudem, da es senkrecht von oben kommt, das Gesicht des vor dem Altar agierenden Liturgen verschattet. Das Problem der schlechten Lichtverhältnisse im Altarraum wurde damit auf Kosten der geistlichen Ausstrahlung und der Erkennbarkeit der in diesem Raum sich bewegenden Liturgen, Lektoren, Solisten (bei Konzerten und Lesungen) gelöst.

Das ist die aktuelle Lichtsituation in der Auferstehungskirche. Latent unbefriedigend wurde sie bisher als quasi naturgegeben uind unveränderlich hingenommen.

 

3. Theologische Überlegungen zum Licht in der Auferstehungskirche

Der Architekt der Auferstehungskirche hat durch die die Altarwand beherrschende Rosette und das durch sie einfallende Licht bewußt eine Dynamik von Licht und Schatten inszeniert.

Diese Dynamik von Licht und Dunkel ist das Entscheidende auch an der biblischen Lichttheologie. Wenn die alttestamentlichen Psalmen Gottes Hilfe am Morgen feiern, dann haben sie die in der Überwindung der Finsternis durch das Licht sich vollziehende Errettung des Bedrängten vom Tode im Blick. Die Nacht als Herrschaftsraum des Todes, der chaotischen dunklen Mächte, der Dämonen, der wilden Tiere verliert ihre Macht und ihren Schrecken: “Den Abend lang währet das Weinen, aber des Morgens ist Freude” (Ps 30,6; s. auch Psalm 6; Jes, 17,14; 1. Mose 32 und andere Texte).

Die biblische Schöpfungstheologie hat als ihren Kern die Einsicht, dass die Schöpfung durch Gott immer wieder neu vor dem Einbruch des Chaos gesichert werden muß (s. John Levenson, Creation and the Persistence of Evil. The Jewish Drama of Divine Omnipotence, Princeton 1988). Die chaotischen Mächte, der Tod, das Dunkel sind zwar besiegt, aber noch nicht endgültig; sie begehren immer wieder auf. Der Tempel in Jerusalem als “Nabel der Welt”, als Ort, von dem die Schöpfung ihren Ausgang nimmt (Tempel als Paradies; Noahs Arche ihrem Bauplan nach als schwimmender Tempel) hat in diesem Drama eine grundlegende Bedeutung, denn es sind die Menschen, die durch die dort inszenierte Kommunikation mit Gott – durch Klage, Fürbitte und Lob – durch die Liturgie also, Gott dazu bewegen, die kosmische Ordnung immer wieder neu zu errichten und zu erhalten.

Der Sieg des Lichtes über die Finsternis ist prekär; Gott muß ihn immer wieder neu erringen. In der alttestamentlichen Schöpfungstheologie ist der Gegensatz zwischen Licht und Finsternis nicht gnostisch-dualistisch verstanden, als eine unüberbrückbare Diastase. Dieses Gegenüber ist vielmehr eine die ganze Schöpfung und den einzelnen Menschen als Mikrokosmos der Schöpfung durchziehende Dynamik. Luther hat sie anthropologisch in seinem simul iustus et peccator aufgenommen. So wie durch den Aufgang der Sonne die Ordnung der Welt wiederhergestellt wird, so muß der “alte Adam” jeden Morgen neu ersäuft werden. Gott ist nicht ein deus otiosus, der die Schöpfung in längst vergangener Zeit ins Leben gerufen und sie seitdem sich selbst überlassen hat. Er ist der deus praesens, der lebendige Gott, der durch Gebet, Klage und Lob, durch Fürbitte und Hymnen, durch die im Tempel gefeierte Liturgie immer wieder neu daran erinnert und dazu motiviert wird, die Mächte des Chaos – auch in mir selbst – in die Schranken zu weisen und dem Licht zum Sieg zu verhelfen. Der Mensch ist so ein existentiell eschatologisches, auf Hoffnung hin ausgestrecktes Wesen.

Diese zugleich kosmische und anthropologische Dynamik bestimmt m.E. als eine existentiale Konstante das religiöse Empfinden noch heute. Das Gefährdetsein durch Krankheit, durch unvorhersehbare Schicksalsschläge, das Gefühl, die Mächte des Chaos könnten auch ganz plötzlich in mein persönliches wie in das Leben der Gesellschaft einbrechen, bestimmt -trotz aller sozialen Sicherungssysteme und aller Errungenschaften von Medizin und Technik – die Erfahrung der Menschen im 21. Jh. noch immer, wenn auch vielleicht auf einem anderem Niveau als zu Zeiten des Alten Testaments.

Diese schöpfungstheologisch begründete spannungsreiche Dynamik von Licht und Finsternis spiegelt sich in der Geschichte des Kirchenbaus von Anfang an in der Ostung des Kirchgebäudes. So wie die Auferstehung Jesu nach dem frühesten Bericht im Markusevangelium vom Erzähler bewußt mit dem Sonnenaufgang korreliert ist (“Und sie kamen zum Grab am ersten Tag der Woche, sehr früh, als die Sonne aufging” Mk 16,2), so ist die aufgehende Sonne, deren Strahlen die Finsternis in der Kirche vertreiben, Zeichen der die Todesmächte überwindenden Kraft der Auferstehung. Dies ist ein dynamischer Geschehenszusammenhang, in dessen Verlauf sich das Licht gegen die Schatten und die Dunkelheit durchsetzt. Durch die Ostung des Kirchgebäudes wurde diese schöpfungstheologische Heilsperspektive erfahrbar gemacht.

Ein weiterer wichtiger theologischer Aspekt des Lichtes kommt für mich in Jochen Kleppers Adventslied zum Ausdruck. “Die Nacht ist vorgedrungen, der Tag ist nicht mehr fern.” Auch hier ist die schöpfungstheologisch begründete Spannung von Licht und Dunkel im Blick. Hinzu kommt hier aber noch ein weiterer Aspekt, nämlich die inkarnatorische Bewegung Gottes, der sich in Armut und Niedrigkeit hineinbegibt: “Gott will im Dunkel wohnen und hat es doch erhellt.” Gott ist nicht nur der kämpferische Überwinder der Finsternis, so wie die aufgehende Sonne die Nacht vertreibt, sondern der, der sich selbst erniedrigt und sich in die Finsternis hineinbegibt und sie gerade so – durch die Macht der Ohnmacht – besiegt / erhellt.

Für mich hat der Architekt der Auferstehungskirche auch dieser in der Inkarntionstheolgie begründeten, ganz anders gelagerten Spannung von Licht und Dunkelheit eindrucksvoll Gestalt verliehen. Altar und Kreuz liegen im Schatten (im Dunkel); darüber erstrahlt hell die Rosette.

Bei einer Verbesserung der Situation des künstlichen Lichts in der Auferstehungskirche ist diese architektonisch Gestalt gewordene Theologie also unbedingt im Blick zu behalten.

Wie ist der Altar so zu beleuchten, dass sinnfällig wird, dass Gott das Dunkel erhellt – also so, dass das Dunkel dabei durchaus noch sichtbar und erfahrbar bleibt?

 

4. Anstösse zur Veränderung der Lichtsituation

Die bisherige unbefriedigende Lösung, den Altarraum durch Baumarktstrahler in ein kaltes diffuses und konturenloses Licht zu tauchen, sorgt für Helligkeit. Aber das ist eine Helligkeit, die die in der Architektur angelegte Dynamik von Licht und Schatten aufhebt und so eine kalte, nackte, spannungslose, ja geradezu “gnadenlose” Stimmung schafft.

Das Problem mit Licht im allgemeinen ist allerdings, dass es meistens nur unbewußt wahrgenommen wird. Die Gottesdienstbesucher können meist nicht klar benennen, warum sie sich in einer Kirche unwohl und ungeborgen fühlen, warum sie das Kirchgebäude langweilig und trist finden. Dass dies nicht immer an der Art der dort gefeierten Gottesdienste liegt, sondern dass sich Form/Raum und Inhalt gegenseitig beeinflussen, bleibt ein diffuses, eher unbewußtes Gefühl. Dazu kommt der Gewöhnungseffekt. Nach einer Weile stumpft man ab und kann sich gar nicht mehr vorstellen, dass der Kirchraum sich auch in einer anderen Atmosphäre präsentieren könnte.

Nun, ein Problembewußtsein war da. Das zeigt die Anbringung der Baustrahler und der Dimmfunktion bei den Pendelleuchten und das Unbehagen bei Abendveranstaltungen mit Solisten, deren Gesichter nicht zu erkennen sind. Der Anstoß, grundlegend etwas zu verändern, kam allerdings von außen – durch die Langezeitfortbildung Gottesdienst, bei der ja erklärtermaßen nicht nur die Person des Liturgen, sondern auch der Raum, in dem er agiert, im Blickpunkt stand.

Um nicht den gleichen Fehler wie in den 80er Jahren zu machen und in Heimwerker-Manier für Ver(schlimm)besserung zu sorgen, entschloss sich der Gottesdienstausschuss, einen Lichtplaner zu beauftragen, Vorschläge für eine bessere Ausleuchtung der Kirche auszuarbeiten.

Damit begann zunächst die Suche nach einem geeigneten Lichtplaner. Ligthing Design, Lichtingenieur ist ein eigener Berufsstand. Es gibt zwei große Lichtplanerbüros in Deutschland, die sich insbesondere mit der Beleuchtung von Kirchen befassen (Kreuz und Kreuz in Stuttgart und Walter Bamberger in Erlangen). Durch Internetrecherche auf den entsprechenden Homepages (www.kreuzundkreuz.de; www.ibbamberger.de) und die Sichtung von Referenzobjekten konnte ich mir zudem schon einen ersten Eindruck über den Kostenrahmen verschaffen, der für professionelle Lichtplanung und -ausführung zu veranschlagen wäre (ab ca. € 25.000,00).

Diese Zahlen hielten uns dennoch nicht davon ab, uns von einem Lichtplaner zunächst noch unverbindlich Vorschläge präsentieren zu lassen. Durch Empfehlung eines Kirchenvorstehers, der mit diesem Büro gute Erfahrungen bei der Beleuchtung eines Bürogebäudes gemacht hatte, entschieden wir uns, nicht auf eines der auf Kirchen spezialisierten Büros in Süddeutschland zuzugehen, sondern vor Ort in Hamburg den Kontakt herzustellen.

Thomas Notholt von Notholt Lighting Design (www.notholt.de) war gleich bereit, zu einem ersten Vor-Ort-Termin nach Großhansdorf zu kommen, um den Kirchraum und im Gespräch mit Pastoren, Diakonin und Kirchenmusiker die Wünsche, Erfordernisse und Defizite zu erkunden. Zwei Wochen später präsentierte er dann seine Ideen in der Kirche dem erweiterten Gottesdienstausschuss.

Notholt hat zwar bisher kaum Erfahrung mit der Beleuchtung von sakralen Gebäuden, überzeugte uns jedoch mit dem Argument, dass seine Erfahrungen und die anderen Perspektiven, die er durch die Beleuchtung von Hotels, Restaurants, Museen und anderen öffentlichen Gebäuden gewonnen hat, keine Einschränkung darstellen, sondern sich durchaus bereichernd auch für den Umgang mit einem Sakralbau auswirken könnten. Der Gottesdienstausschuss zeigte sich durchaus experimentierfreudig und offen für neue Ideen.

 

5.Das Beleuchtungskonzept von Notholt Lighting Design

Von seiner Philosophie her arbeitet Notholt nach dem Grundsatz, daß die Leuchtmittel soweit wie möglich unsichtbar sein sollen; Aufgabe der Beleuchtung ist es vielmehr, die Architektur in Szene zu setzen. Damit ging es von vornherein nicht darum, neue Lampen für den Kirchraum zu entwerfen. Sein Konzept sieht vielmehr vor, die alten Pendel- und Wandleuchten zu erhalten, sie jedoch dauerhaft herunterzudimmen bzw. mit Leuchtkörpern mit sehr niedriger Wattzahl auszustatten. Sie wirken dann im dunklen Raum wie leuchtende Sterne.

Für die Ausleuchtung der Bankreihen sieht er 20 sehr hochwertige Strahler vor, die, an den Deckenträgern so angebracht, dass sie von unten nicht sichtbar sind, gerichtetes Licht fokussiert in die Bankreihen werfen, dadurch das Holz der Bänke hervorheben und gewährleisten, dass die Gottesdienstbesucher im Gesangbuch lesen können. Als weitere Massnahme, um den Raum zu inszenieren, schlägt Notholt vor, die Holzdecke in elf Meter Höhe auszuleuchten. Die Wärme dieses Materials würde so zur Geltung gebracht und auf den ganzen Raum rückwirken und ihn in einem anderen Licht erscheinen lassen.

Für den Altarraum schließlich schlägt Notholt 12 bzw 18 sehr hochwertige Strahler vor, die, an den Deckenträgern festinstalliert, durch gerichtetes Licht verschiedene Lichtsituationen ermöglichen:

1. eine liturgische Lichtsituation, die Altar, Lesepult und Kanzel ausleuchtet.

2. eine Konzert-Lichtsituation, die Chor, Orchester und Solisten zur Geltung bringt.

3. eine Lesungs-Lichtsituation, die das Lesepult und den dort agierenden Leser hervorhebt.

4. eine Krippenspiel- und Theatersituation, die das Geschehen auf der im Altarraum aufgebauten Bühne beleuchtet.

Ergänzend schlägt er vor, die Altarwand unterhalb der Rosette durch auf dem Boden verlegte LED-Profile von unten so anzustrahlen, dass die Konturen der geklinkerten Wand in Licht- und Schattenspiel hervortreten. Insbesondere die Demonstration dieser Maßnahme zeigte, wie fundamental Licht die Wirkung eines Raumes verändern kann.

Eine weitere Idee ist, das Taufbecken, das etwas abseits und verloren im Seitenschiff steht und an dem deshalb nur selten Taufen stattfinden – meist finden sie mit einem beweglichen Taufbecken im Altarraum statt – ganz konturiert von oben zu beleuchten und ihm dadurch seine ihm gebührende Bedeutung zu verschaffen.

Ein weiterer Punkt ist die Beleuchtung der Eingänge zur Kirche. Der Haupteingang und der Turmeingang werden zur Zeit durch halbwegs verdeckt angebrachte Neonröhren erhellt. Die über den Portalen liegenden Friese (Einzug der Tiere in die Arche bzw. Jesu Einzug in Jerusalem) liegen damit im Dunkeln. Durch eine LED-Beleuchtung wäre es möglich, die Eingänge so zu beleuchten, dass nicht nur das auf die Türen hin gestuft zurücktretende Mauerwerk im Spiel von Licht und Schatten erscheint, sondern auch die über den Türen liegenden Reliefs ausgeleuchtet werden. Dadurch würde die Kirche insbesondere in der dunklen Jahreszeit, in der die meisten Abendgottesdienste stattfinden, einladend wirken und eine dezente Anziehungskraft ausstrahlen.

Der Gottesdienstausschuss war von diesen Vorschlägen sehr angetan und wollte sie am liebsten alle in die Tat umsetzen.

Auch bei der Präsentation der Vorschläge im Kirchenvorstand war die Mehrheit sehr aufgeschlossen für ein Veränderung der gegenwärtigen Situation. Abschreckend und ernüchternd wirkte allerdings die vorgelegte Kostenschätzung. Für die Komplettlösung veranschlagte Notholt € 41.800,00, zuzüglich Mehrwertsteuer, die Kosten für Lichtsteuerung und Leitungsverlegung noch nicht mit eingerechnet.

Der Kirchenvorstand beschloss deshalb auf seiner Dezembersitzung, durch Herrn Notholt prüfen zu lassen, ob eine umfassende Lösung auch für brutto € 40.000,00 inklusive aller Nebenkosten machbar wäre bzw. was damit an Abstrichen verbunden wäre. Auf der Grundlage eines solchen Konzeptes sollte dann konkret entschieden werden.

Im Februar legte Notholt dann ein Konzept vor, das mit etwas weniger hochwertigen Leuchten und einem festen Budget von € 40.000 eine umfassende Lösung der Beleuchtungssituation in der Auferstehungskirche vorsieht.

 

6. Finanzierung des Projektes

Damit begann die Diskussion, auf die ein solches Projekt zwangsläufig zuläuft: die Diskussion ums Geld. Wie sollen wir das bezahlen? Aber vor allem: Wie sollen wir nach außen vertreten, dass wir soviel Geld für eine derartige Maßnahme ausgeben, zumal in der Gemeinde in weiteres Großprojekt, der Orgelneubau, ansteht? Und zumal die Wirtschaftskrise einen spürbaren Rückgang der Kirchensteuereinnahmen erwarten lässt?

Bald wurde uns klar, dass das Projekt Beleuchtung keines ist, für das man schnell Spenden einwerben kann. Licht sieht man nicht. Man setzt es einfach voraus. Und dass Licht so teuer ist, versteht keiner. Andererseits waren wir überzeugt, dass die Gottesdienstbesucher die Veränderung sehr wohl wahrnehmen und positiv auf sie reagieren würden – aber eben erst, nachdem sie geschehen wäre. Vorher kann sich niemand so recht vorstellen, wie durch eine solche Maßnahme eine grundlegende atmosphärische Veränderung geschieht.

Im Kirchenvorstand herrschte bei allem Wohlwollen dem Projekt gegenüber eine gewisse Unschlüssigkeit und Ratlosigkeit. Schliesslich entstand die Idee eines Zwei-Stufen-Konzepts. In einem ersten Schritt werden die vordringlichen Maßnahmen (Altarraum) und einige “eye-catcher” umgesetzt (Taufbecken, Kanzel, Rückwand Altarraum), in einem weiteren Schritt dann – nachdem die ersten Maßnahmen auf positive Resonanz gestoßen sind und den Wunsch nach “mehr davon” ausgelöst haben – die Umsetzung des Gesamtkonzepts, die dann auf Spendenbasis finanziert werden würde. So könnte die Kirchengemeinde eine Anschubfinanzierung leisten und, optimistisch gerechnet, etwa 40% der Kosten durch Spenden aufgebracht werden.

Für ein derartiges Zwei-Stufen-Konzept schlug Notholt vor, die gesamte Verkabelung bereits in den ersten Schritt mit hineinzunehmen. Dann wäre es möglich, die Leuchten des zweiten Schrittes je nach Spendenstand peu à peu anzubringen.

Aber auch jetzt noch wollte der Kirchenvorstand noch einmal sorgfältig den Stand der Rücklagen und die in den kommenden Jahren notwendig werdenden anderen Investitionen prüfen und erst auf der Grundlage eine Entscheidung treffen.

Zugute kam dem Projekt letztendlich neben der Eigendynamik, die solch eine Idee gewinnt, wenn sie über einen längeren Zeitraum und in regelmäßigen Abständen die Köpfe beschäftigt, eine wohl absehbar letzte Kicrhensteuersonderausschüttung und die Einsicht, dass in den nächsten Jahren, bei zurückgehendem Kirchensteueraufkommen, eine solche, letztlich von allen als notwendig erachtete, Investition nicht mehr realisierbar wäre. Nach dem Motto: lieber jetzt umsetzen und dann jeden Sonntag sich daran freuen. Dann ist es das Geld wert.

 

7. Fazit und Ausblick

Auf seiner Mai-Sitzung hat der Kirchenvorstand beschlossen, die für die erste Stufe geplanten Maßnahmen inklusive der Verkabelung für das Gesamtprojekt umzusetzen. Mit Beginn der dunklen Jahreszeit werden wir so die Gottesdienste und Konzerte in der Auferstehungskirche in einem neuen Licht erleben.

Von der ersten Idee bis zur Umsetzung wird dann gerade einmal ein Jahr vergangen sein. Die Umsetzung des Gesamtkonzeptes wird dann natürlich noch länger dauern und ist u.a. abhängig von der Resonanz, auf die das neue Licht bei den Gemeindemitgliedern stößt und ihrer Bereitschaft, sich für dieses Projekt zu engagieren. Aber der Anstoß ist gegeben. Und ich bin gespannt, welche Reaktionen die verwandelte Atmosphäre bei den Gottesdienstbesuchern auslösen wird und wie sich die Veränderung des Raumes auf den Charakter des Gottesdienstes selbst auswirken wird.

 

8. Zur weiteren Orientierung

 

Liturgie und Licht. Eine Orientierungshilfe, hg. vom Deutschen liturgischen Institut, Trier 2006 (dort auch weiterführende Literatur)

 

www.kreuzundkreuz.de (mit vielen Referenzobjekten

 

www.ibbamberger.de

 

www.notholt.de