Joh 1, Wort und Kaschnitz

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Ein Gedicht   (Marie Luise Kaschnitz)

und     Joh 1

 

Wo kommen die Worte her?

Aus den Fugen wie Asseln,

Aus dem Maistrauch wie Blüten,

Aus dem Feuer wie Pfiffe,

 

Am Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott,

und Gott war das Wort.

 

Was mir zufällt, nehm ich.

Es zu kämmen gegen den Strich,

Es zu paaren widernatürlich,

Es nackt zu scheren,

In Lauge zu waschen

Mein Wort

 

Dasselbe war im Anfang bei Gott. Alle Dinge sind durch dasselbe gemacht, ohne dasselbe ist nichts gemacht, …

 

Meine Taube, mein Fremdling,

Von den Lippen zerrissen,

Vom Atem gestoßen,

In den Flugsand geschrieben

 

Und das Licht scheint in der Finsternis, und die Finsternis hat’s nicht begriffen.

 

 

Wo kommen die Worte her?

Was mir zufällt, nehm ich.

 

Zeile für Zeile,

Meine eigene Wüste.

Zeile für Zeile

Mein Paradies.

 

In ihm war das Leben, und das Leben war das Licht der Menschen.