Hinweise zur Osternacht

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Die Feier der Osternacht am frühen Morgen

Ein paar Erfahrungswerte, die in keiner Agende stehen, aber für Atmosphäre und Dramaturgie von Bedeutung sind:

 

  1. Ich erlebe, dass etliche Gemeinden am Tisch planen und dann flugs fast ohne Probe in die Osternacht einsteigen. Das hat sich als Falle erwiesen. Kein Mensch lernt Tanzen durch Sitzen und Reden.
  2. Wo z.B. die Dunkelheit Teil der Inszenierung sein soll, muß sie auch als Faktor eingerechnet werden. Man kann dann nicht einfach schnell Licht machen, nur damit die Leute ihren Platz finden oder weil jemand sein Ringbuch verlegt hat oder den Platz für seine Lesung sucht. Dann ist der Effekt dahin. Auch sonst gibt es – speziell am Anfang der Osternacht – eine Reihe selbst für Profis ungewohnter Abläufe, die man besser vorher probt, gern schon im Dunkeln. Da alles nur einmal im Jahr geschieht, lohnt es sich, durch Übung die Praxis aufzufrischen.
  3. Wenn die Leute im Dunkeln kommen, sollte es wirklich dunkel sein in der Kirche. Wenn Sie ‚Dunkel’ inszenieren, dann müssen Sie konsequent sein. Daher empfiehlt es sich, den Gottesdienstbeginn ca. 30-40 min vor den amtlichen Sonnenaufgang zu legen (so nicht um Mitternacht gefeiert wird). HelferInnen (mindestens 7) geleiten die Gemeinde zu noch freien Plätzen. Dabei benutzen sie Taschenlampen, die vorn mit rotem Transparentpapier verkleidet sind. Jedes Gemeindeglied bekommt eine (unangezündete) Kerze mit Tropfenfang.
  4. Es empfiehlt sich, die (alttestamentlichen) Lesungen (nicht mehr als drei) im Dunkeln vor allem anderen zu lesen, gewissermaßen aus dem ‚Off’, und zwar ohne Kerzen, ohne grelle Taschenlampen, sondern mit Rotlicht (s.o.). Also nicht nach dem Exultet – wie oft empfohlen. Der Spannungsbogen fällt in sich zusammen, wenn alle schon (ggfs mit brennenden Kerzen) dasitzen und dann ewiglang vorgelesen wird. Bei der Auswahl dieser Lesungen müssen Sie bedenken, dass manche Gründonnerstag und Karfreitag gar nicht in der Kirche waren. Vielleicht lässt sich von den Lesungen dieser Tage etwas aufnehmen, um den ganzen Weg der Karwoche und des Triduums anzudeuten. Diese Lesungen dienen der Vorbereitung der Gemeinde (‚Bereitung’). Ein Gebet kann hinzukommen. Nach und vor jeder Lesung beten ist zu viel Rede. Lassen Sie lieber eine echte Minute Pause in der Dunkelheit zwischen den Lesungen, dann kommt jedeR auf eigene Gedanken. Wir müssen ihnen nicht alles vorbeten, was sie empfinden sollen. Die Stille wirkt unter Umständen eindrücklicher und gehört zur persönlichen Bereitung (s. Vorbereitungsgebet im normalen Gottesdienst). Halten Sie sich zurück mit Erklärungen im Dunkeln.
  5. Wenn vor der Kirche eine brennende Fackel steht oder ein Osterfeuer, kann daraus ein Holz zum Entzünden der Osterkerze verwendet werden. Nehmen Sie ein Feuerzeug, so banalisieren Sie diesen Akt des Anzündens und entfremden ihn von seinem natürlichen Ursprung. Dann können Sie auch eine elektrische Flamme verwenden oder mit dem Bunsenbrenner einziehen.
  6. Wenn die Osterkerze hereingetragen wird, singt TrägerIn das ‚Lumen Christi’- Christ, unser Licht. Lassen Sie das am besten je dreimal singen und dreimal beantworten an den drei Haltepunkten, dann hat die Gemeinde Zeit sich einzusingen und die Sängerin auch. Außerdem dehnt es das knappe Geschehen auf ein die Seele erwärmendes Maß. Dieser Einzug ist zusammen mit dem Exultet der Kern der Lichtfeier. Nehmen Sie sich also Zeit dafür.
    Dieser Einzug muß geübt werden. Auch die Tonhöhe am Anfang.
  7. Dann hören alle dem Exultet zu. Manche Gemeinden haben das rausgeworfen, weil darin Unverständliches gesungen wird. Mir graut vor einer Kirche, in der ich alles verstehe. Hören Sie dem alten sich aufschwingenden Gesang zu und dämmern Sie sich ins Osterlicht hinein. Sie verstehen ja auch nicht, warum man Sie küßt. Trotzdem ist es schön und sinnvoll.
  8. Danach bekommen alle Licht von den 7 HelferInnen. Auch die Altarkerzen. Halten Sie ein paar feuchte Handtücher bereit für die seltenen, aber möglichen Haar- und Pelzbrände und seien Sie bereit, solche Zwischenfälle mit etwas Humor zu nehmen.
  9. Schließen Sie nicht aus, das in der Osternacht gelacht werden könnte. Die Sitte des Witzelns in dieser Nacht kehrt wieder.
  10. Nach der Lichtfeier folgt die Tauffeier. Da die Gemeinde nun schon mindestens 20 Minuten untätig sitzt, empfehle ich etwas Bewegung. Wenn Sie ein Taufgedächtnis feiern, dann bitten Sie die Menschen nach vorn ans Taufbecken, wo jedeR, die mag, ein Kreuz mit dem Taufwasser in die Hand gezeichnet bekommt, als Erinnerung an oder als Vorgeschmack auf die Taufe. Das kann nach den üblichen Taufen geschehen.
  11. Wenn das Evangelium gesungen oder gelesen wird, kann das gern in der Mitte der Gemeinde geschehen. Jesus ist ja auch nicht nur oben und vorne geblieben, sondern hat sich mitten unter die Menschen begeben. So auch das Evangelium. Neben dem Lektor steht jemand mit einer Kerze zum Leuchten.
  12. Wenn Sie Fürbitte einplanen, halten Sie mal als Profi den Mund und lassen die Leute (die Sie darauf vorbereitet haben) beten – vom Platz aus. Sie werden staunen über die Dichte, die diese Art des Betens haben kann.
  13. Wenn die Gemeinde singt, soll sie wirklich strahlende Lieder schmettern dürfen. Die Orgel schweigt bis zum ‚Christ ist erstanden’ nach dem Evangelium.
  14. Wo ein Friedhof um die Kirche herum liegt, sollte der Gang zu den Gräbern nun nicht fehlen. Dafür muß man sich warm anziehen. Kerzen werden mitgenommen und auf die Gräber gestellt. Es gibt eine Lesung und ein Lied draußen.
    Gibt es keinen Friedhof, so wird die Kirche umrundet mit kräftigen Liedern und Kerzen, linksherum dreimal.
  15. Wenn man wieder in die Kirche kommt, ist der Tisch gedeckt für das Mahl.

 

Die Logik der Osternacht ist in den verschiedenen Entwürfen und Überlieferungen nicht ganz eindeutig zu ermitteln.

Lichtfeier, Tauffeier mit Evangelium und Mahl sind im Wesentlichen die drei Teile. Eine Predigt muß nicht, kann aber – so sie sich auf ein der Tageszeit entsprechendes Maß beschränkt – für die Täuflinge und deren Anhang sinnvoll sein.

Besonders der Anfang ist neu für viele Zelebrierende und die Gemeinde – daher ist hier Sorgfalt angebracht. Später im Verlauf kennt man sich eher aus.

 

Grundsätzlich eignet sich der anbrechende Morgen für diese Feier besser als die Mitternacht. Das Licht dämmert zu den Fenstern herein, die Vögel beginnen ihre Musik, und alles erwacht, wenn man beim Evangelium angekommen ist. Diese Inszenierung der Natur ist – besonders wenn man dann rausgeht – schwer zu überbieten.

 

Lassen Sie die Feier nicht zur Vorführung verkommen.

Die Gemeinde soll sich bewegen dürfen und mittun durch Gesang und Responsorien.

  • Bei der Taufe kann sie z.B. gefragt werden, ob sie bereit ist, die Täuflinge in die Gemeinde aufnehmen und je nach Kräften und Möglichkeit begleiten will. Antwort: ‚Ja’ von allen  (ohne ‚Gottes Hilfe’ – das wäre zu dramatisch). Zu Frage und Antwort steht die Gemeinde auf. Wir können nicht die Eingliederung der Getauften in die Christenheit betonen und die Gemeinde ungefragt lassen.
  • Wenn Sie ein wenig ‚zaubern’ mögen, lassen Sie die Namen der Täuflinge im Chor 2-3 mal auf Zeichen von der ganzen Gemeinde laut rufen, danach 3 sec Stille. So ‚schmeckt’ die Gemeinde den Namen, und die Betroffenen spüren, wie sie aufgenommen werden von allen.
  • Früher war es üblich, die Gemeinde mit dem in der Osternacht geweihten Taufwasser zu besprengen – mit einem Zweig oder mit der Hand. Dafür sagt PastorIn einen Satz vorweg und geht stumm Wasser spritzend durch die Reihen.
  • Bei der Taufe kann die ganze Gemeinde in ‚einer Wolke der Zeugen’ um die Taufe stehen. Dafür muß die dann aufstehen und hinkommen. Das tut sie gern, wenn man es selbstverständlich ankündigt. Dabei darf sie sich ruhig drängeln und eng stehen. Das ist in der Osternacht selbst für Norddeutsche schön.
  •  Oder man verlegt die Taufe in die Mitte der Gemeinde, wo es ein ambulantes Taufbecken gibt – oder wo zwei Menschen (Paten ?) eine Taufschale halten
  • Prozessionen zu einer einfachen Melodie beleben (z.B. am Ende nach dem Segen).

 

Wenn Die Kirche Platz bietet, lohnt es sich, das Osterfrühstück darin zu halten, im Seitenschiff oder wo immer.

 

Ihr

Thomas Hirsch-Hüffell

 

Thomas Hirsch-Hüffell . gottesdienst institut nordelbien . Bei der Christuskirche 5 . 20259 Hamburg . fax 040.43180393 . tel thh 43273-715, tel ug 43273-816 . ug@gottesdienstinstitut-nek.de . thh@gottesdienstinstitut-nek.de