Hinweise für die Liturgie der Taufe

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Die Taufhandlung im bzw auf den Namen des dreieinigen Gottes selbst ist der Höhepunkt der Liturgie. Damit das spürbar wird, sollte Pastorin bzw. Pastor diesen Vorgang auch wirklich herausheben bzw nicht relativieren.

Herausheben kann z.B. heißen:

  • Nach der Taufhandlung und dem Segen für den Täufling eine kleine Stille zu setzen: „Lasst uns nun einen Moment still sein und Gott danken für seine Gegenwart.“ – Alle schweigen und bleiben da, wo sie gerade sind.
  • Alle stehen zur Taufhandlung auf.

Nicht relativieren kann z.B. heißen:

  • Die liturgische Sprache und die Gesten für sich stehen lassen und nicht durch Umgangssprache („Süß sieht er aus!“ oder „Na, da guckste aber.“ usw) zu verflachen. Das soll charmant wirken und passt zum Entertainment-Gemüse der Zeit, aber nicht zum Kern des Taufakts. Menschen sind auch dankbar und berührt, wenn sie streng in eine andere Welt geführt werden, die sich nicht kennen. Nette Sprüche kennen sie genug. Die passen evtl in die Predigt, aber nicht zur Liturgie.
  • Nach der Taufe wischen manche Pastorinnen und Pastoren das Wasser sofort mit einem Tuch selbst ab. Das Auge des Betrachters unterscheidet aber nicht zwischen der liturgisch bedeutsamen Geste mit Wasser, Kreuzeszeichen und Segen einerseits und dem hygienischen Akt des Wischens andererseits. Das Auge sieht: Pastorin setzt etwas Wichtiges und wischt es gleich wieder weg. Das ist ein kleines, aber entscheidendes Detail. Also nicht wegwischen, was man eben mit viel Aufwand gesetzt hat. Die Hygiene besorgen die Verwandten.
  • Zur Handlung selbst passen am Taufbecken noch 1-2 andere Handlungen, mehr nicht. Mehr Handlung an diesem Ort relativiert das Zentrum der Taufe immer mehr. Also z.B. Taufhandlung incl. Segen und Kerzenübergabe – Segnung der Eltern und Paten dann woanders, z.B. vor dem Altar, Fürbitte extra.

Viele Sprüche und Handlungen der Leitenden resultieren aus einer Verlegenheit darüber, wie die Übergänge zu gestalten sind. Statt die Spannung zu halten oder gar durch eine Stille zu steigern, wischen sie sie weg mit Jovialität oder Ratlosigkeit („Äh, was kam jetzt noch mal? Ach ja, die Patenscheine!“) – das wirkt leider dilettantisch und gar nicht charmant.

De Papierkram gehört nicht zur Taufhandlung. Diese Unterlagen können nach der Taufe überreicht werden.

Taufen und Wasser wegwischen – genauer bedacht

Fürsorge als Sakrament, Fürsorge als Teil des Sakraments finde ich einen wesentlichen Gedanken . Brigitte Enzner-Propst Z.B. plädiert seit längerem dafür alltägliche Vollzüge in den heiligen Handlungen oder als heilige Handlung auch in der Kirche zu vollziehen. Ich verstehe das. Im Abendmahl z.B. oder bei einem Segen ist es leicht möglich, sich ununterbrochen in fürsorglicher Weise zuzuwenden. Ich habe auch einen Koch am Altar erlebt, der uns nährte und fand das beeindruckend und gar nicht abwegig.

Die Taufe fügt aber Menschen was zu. Sie verletzt sie auch. Sie symbolisiert auch biografisch möglichen Untergang, aus dem man erneuert aufsteht. Und wir führen die Taufe aus. Das heißt, wir muten in der pastoralen Rolle einem Menschen zu, sich ins zerstörende und heilende Wasser absenken zu lassen. Aus der Nummer kommt man auch nicht raus. Das Beträufeln ist eine freundliche Minimalform dieses Aktes. Man kann die fast schon als Form der Fürsorge deuten. Aber selbst das soll dann nicht so deutlich werden – also schnell wieder weggewischt. Manchmal kommt mir das Ganze vor wie general-entschärft zugunsten bürgerlicher Anständigkeit. Daher meine wüsten Beschimpfungen oben ;-). Und ich kann mir denken, dass es für Frauen etwas schwieriger ist, einem Baby die Brutalität der Taufe zuzumuten. Ausgerechnet die Pastorin soll Mutters Kind rituell und real dreimal unter Wasser und wieder hoch halten. Das ist wohl für alle schwieriger Tobak. Und dann sind es meist Kirchenferne, die man nicht vergraulen will. Manche KollegInnen schildern entsprechend ihren Konflikt: Man möchte als Person und Pastorin weiter gemocht werden.

Das heißt – so wie wir taufen ist das Gefährliche daran nahezu unkenntlich geworden. Und jeden Verdacht der Kindesmißhandlung möchte man dann auch gleich final wieder abwischen. Als Teil einer Segnung oder auch als Salbung nach der Taufhandlung finde ich den heilenden Impuls gut aufgehoben sich ausführlich zuzuwenden. Ich werde keinen fürsorglichen Gestus in die Härte des Taufaktes direkt einführen. Ich kann nicht mit der gleichen Handlung unter Wasser drücken, heraufholen und sofort trösten, sondern erst nur runter und rauf, Pause, und dann weiteres. Wer Ganzkörpertaufen erlebt hat, sieht meist, dass andere Tauf-Begleiter den Getauften in Empfang nehmen und versorgen. Ich habe und werde also immer die Paten bitten oder die Eltern, für die erste ‚Wundbehandlung‘ selber einzustehen. Das schliesst nicht aus, dass ich mich bei der Segnung oder Salbung rituell voll und ganz zuwende. Nur alles zu seiner Zeit.

Der Segen für die Betroffenen

Manche segnen nur Mutter und Kind (obwohl der Vater anwesend ist), manche segnen nur die heilige Kleinfamilie. Das betont ein Idyll, das vermutlich überholt ist und auch von Kirche nicht so isoliert gemeint ist. Wenn wir (oft mit viel Mühe) Paten und Patinnen geworben haben, dann sollen sie zusammen mit der ganzen Familie auch einen eigenen Segen bekommen. Entweder als Kleingruppe kollektiv oder mit Handauflegung einzeln.

 

www.gottesdienstinstitut-nordkirche.de