Gottesdienst selber machen

Anleitung zu einer Übung für einen „Gottesdienst sofort“

 

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Gottesdienst selber machen

für alle gilt: Konzentrieren Sie sich auf den Ablauf in seiner einfachen Form und verzetteln Sie sich bitte nicht in Grundsatz-Debatten.

 

Aufgaben Ablauf-Gruppe:

  • Es geht darum, einen Gottesdienst hier und jetzt mit den und für die Menschen zu planen, die da sind.
  • Dafür einen Ort wählen (draußen ? Kirche ? Wo in der Kirche ? anderer Raum ?)

(Abendmahlsgruppe wählt eigenen Ort, Textgruppe eventuell auch – Absprache !)

  • Wie fängt es an ? Wollen Sie den gewohnten Ablauf oder umstellen ?
  • Wer führt durch den Ablauf ? (eine/r, mehrere)
  • Welche Lieder ? (die wählen, die man auch singen kann)

Wer stimmt sie an ? Das vorher vereinbaren.

  • Ablauf bestimmen vom Start bis zum Beginn des Textteils (Absprache mit Textgruppe),
  • Beginn und Ende des Abendmahlsteils – dafür die Übergabe und den Zeitpunkt des Abendmahls besprechen mit der Abendmahlsgruppe
  • den Schluß gestalten (Segen usw)
  • 10 min am Schluß einplanen für Herrichtung Raum, Absprachen usw

 

 

 

 

Aufgaben Abendmahlsgruppe:

Es geht darum, einen Gottesdienst hier und jetzt mit den und für die Menschen zu planen, die da sind.

Wo soll Abendmahl stattfinden ? Am gleichen Ort wie der sonstige Gottesdienst ?- Absprache mit Ablaufgruppe!

  • An welcher Stelle des Gottesdienstes Übernahme von der Ablaufgruppe ? Wann Übergabe zum Segensteil ?
  • Brot,Wein,Saft,Kelch(e) bereitstellen – kann man das Brot ohne Schwierigkeiten brechen und/oder verteilen ?
  • Gibt es Gebete – wer spricht was ?
  • Einsetzungsworte – wer, wie (gemeinsam ? – sie stehen im EG 806.5)
  • welche Lieder sollen gesungen werden ?
  • Wie stehen, gehen, sitzen, liegen wir ?
  • Wie ist die Art der Austeilung ?
  • Soll es ein richtiges Essen zusammen mit dem Abendmahl geben?
  • mind. 10 Minuten einplanen vor Beginn des Gottesdienstes für die Herrichtung des Ortes, der Elemente sowie Absprachen mit der Ablaufgruppe

 

 

Aufgaben Textgruppe:

  • wenn Sie den Text selbst wählen, tun Sie es entschlossen und rasch, sonst ist die Zeit verbraucht fürs Wählen
  • Grundidee: Den Text erst für sich und dann im Gottesdienst für die anderen zugänglich machen.
  • Nicht unbedingt predigen, das tut der Pastor, die Pastorin sowieso immer. Evtl kurze ‚Fährten’ auslegen, Collagen, Theater, Fishbowl, Debatte, Aufstellungen … .
  • Eventuell Gespräch in Kürze wiederholen, das Vorbereitungsgruppe schon geführt hat – in das andere einsteigen lassen, ggfs. durch Fragen Aspekte des Textes angehen.
  • Eventuell lebende Figuren aus dem Text stellen und sprechen lassen – undsoweiter
  • Sie müssen keine Auslegung abliefern – alle wissen etwas beizutragen – wenn man sie mitreden lässt. Dafür können Sie z.B. eine Gesprächsanregung geben und ermuntern mitzureden.
  • 15 Minuten gegen Ende der Besprechung einplanen für die Planung der Form, in der Sie den Text und Ihr Erarbeitetes einbringen wollen im Gottesdienst !

 

 

 

Diesen Zettel können alle TeilnehmerInnen bekommen zum Planen des Gottesdienstes

Einführung

„Gottesdienst ist Begegnung zwischen Welten – Himmel und Erde. Dies Geschehen hat einen Anfang und einen Schluss. Gott ist längst da. Der Himmel steht offen. Wir brauchen nur eine Zeit, um uns zu öffnen.

Deshalb vorn viel Annäherung, behutsam, langsam, manchmal drängend (wenn man z.B. viel auf dem Herzen hat, das Gott hören soll). Wenn wir eintreten, erinnern wir die Taufe – ‚Im Namen des Gottes, des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.‘ Wir halten Stille am Anfang und zeigen Gott, wie wir da sind, wir beten in den Psalmen mit Worten, die wir nicht selbst erfunden haben und können auf Dauer vielleicht mit diesem Sprachschatz Eigenes verbinden wie mit guten Gedichten. Wir rufen Gott im Kyrie, wie Kinder die Eltern rufen, und hören dabei manchmal auch die Tiere und Wälder mitschreien, die keine eigene Stimme haben. Im Gloria erinnern wir, dass Gott immer schon angekommen ist.

Am Schluss werden wir gesegnet und sind nicht mehr ganz dieselben wie zuvor. Wir gehen anders als wir gekommen sind. Das ist in jeder Begegnung so, die einigermaßen gelingt.

In der Mitte hören und sprechen wir, damit unser Geist angeregt wird und nicht auf der Stelle tritt. Wir hören aus dem Tagebuch der Menschen, die mit Gott lange vor uns gelebt haben. Wir sprechen nach, wozu sie sich bekannt haben, finden vielleicht auch eigene Worte dafür. Wir tauschen aus, wie wir Bibel verstehen, oder eineR tut das für uns alle in der Predigt. Dem ganzen Wortteil liegt die Vermutung zugrunde, in den alten Texten und Geschichten stecke eine Wahrheit, die über die Jahrhunderte nicht verfällt. Wie in der Begegnung mit einem weisen, aber vielleicht eigentümlichen Menschen versuchen wir (ihm bzw. der Bibel) gewogen zu bleiben, selbst wenn er Unverständliches spricht – weil wir ahnen oder gehört haben, er habe im Kern etwas Lebendiges und Wichtiges zu sagen. Wenn sich biblischer Text also sperrig gibt, werden wir ihn nicht gleich abwerfen, sondern nach seinem Lebensgehalt fragen, bis es ‚funkt‘. Wenn nicht, wird es andere biblische Texte geben, die mehr und unmittelbarer zu uns sprechen.

Die zweite Hälfte der Mitte ist die Nahrung für die Gemeinschaft und den Weg, zusammen oder allein. Das Mahl Jesu. Die evangelische Kirche hat lange mit dieser sinnlichsten unserer gottesdienstlichen Handlungen nichts anfangen können. Es zählte die fromme Innerlichkeit und die Gesinnung.

Abendmahl war gegen Sünde, und die wurde 2 Mal jährlich verzehrt, indem man zum Abendmahl ging – das reichte. Dann haben sich die vergessenen Bedeutungen des Mahls wieder zu Wort gemeldet: Gemeinschaft, Nahrung zum Leben, Einverleibung des Göttlichen, Wegzehrung und Verwandlung des Menschen aus Christus. Deshalb feiern wir wieder öfter Abendmahl und suchen nach Worten, Gesängen und Gestaltungen, die – neben aller Ehrfurcht – auch Freude und Fest aufkommen lassen. Und wir feiern es so oft wie möglich. Zu Hause nähren wir uns ja auch regelmäßig, weil wir von Worten allein nicht satt werden.

Wenn wir jetzt miteinander Gottesdienst planen – jede Gruppe etwas anders –, dann mit diesem Bewusstsein Begegnung zu gestalten, die nach ihren eigenen Gesetzen verläuft. Lasst uns versuchen, den Raum dafür zu öffnen, nicht alles vorher zu wissen und zu bestimmen. Schon gut überlegen, was aufeinander folgt. Aber wenn Dinge nicht so gelingen wie wir wollen, wird vielleicht Besseres geschehen. Planen Sie also nicht alles nur ‚ganz richtig‘ in dem guten Willen keinen Fehler zu machen. Sondern planen Sie ein kleines Fest, das Lücken lässt für die Gaben und Einfälle der Menschen, die hier sind. Gottesdienst ist keine Kasernenübung. Vielleicht nistet sich unerwartet ein anderes Licht ein an den Stellen, wo wir nicht alles schon vorher wussten.“

Die Gruppe teilt sich in drei Kleingruppen. Ich stelle die drei Gruppen vor:

  • Die erste Gruppe plant den Verlauf, also, wie es losgeht, wo der Gottesdienst beginnt, wo er fortgesetzt wird, wo und wie er aufhört, wie der Übergang zum Textteil geschieht, wie der Übergang zum Abendmahl.
  • Die zweite Gruppe plant den Verkündigungsteil:Text, Auslegung und Bekenntnis. Sie schaut den vorgegebenen Text (z.B. das Evangelium vom kommenden Sonntag) an, spricht darüber, bedenkt, wie er sinnvoll in die Runde gebracht wird, (hält eine Predigt, wenn es sein muss,) regt einen Austausch unter den Anwesenden an oder ein Spiel oder oder oder.

Es befinden sich kompetente Menschen im Raum, die zur Auslegung eines Bibeltextes Entscheidendes beitragen können – so lindert sich evtl. der Predigt-Druck oder hebt sich auf.

  • Die dritte Gruppe plant, wo und wann das Abendmahl stattfindet, in welcher Form, wer wie betet, die Einsetzungsworte spricht usw. Hier ist zu klären, ob es der Gruppe genügt, wenn Pastorin oder Pastor anwesend ist oder ob sie wünscht, dass er oder sie die Einsetzung spricht.

 

Nach einem Stimmungstest („Wer würde gern in welche Gruppe gehen?“) entscheiden sich die TeilnehmerInnen entsprechend und erhalten das Papier mit den genauen Anweisungen für ihre Arbeit.

 

Anweisungen für die Gruppenarbeit: M 2

 

Planung

 

Man plant im gleichen Raum, jedenfalls in der Nähe der anderen, damit spontaner Kontakt möglich ist. Eine Person wird gewählt, die mit den anderen Gruppen Kontakt aufnimmt, wenn Übergänge und Orte miteinander abgestimmt werden müssen. Eine Zeit für den Beginn des Gottesdienstes wird ausgegeben: Als Vorbereitungszeit genügen 50 Minuten. In der Regel gebe ich etwas Zeit zu (10 Min.), aber erst dann, wenn sie auch gebraucht wird.

Nach 30 Min. gehe ich herum und erfrage den Stand, kläre Strittiges und ermuntere penetrant zur Konkretion:

Viele Menschen wollen am ersten Abend gleich alle Welträtsel lösen, andere wollen auf keinen Fall etwas falsch machen. Manche fragen immer „Wie wollen wir es machen?“ statt zu sagen „Ich schlage vor, es so zu machen“. Ermutigen Sie die TeilnehmerInnen zu evtl. voreiligen, aber konkreten Vorschlägen. Später müssen sie das auch können, wenn sie miteinander planen. Wer es besser weiß, wird schon Einspruch erheben. Ich ermuntere zum ernsthaften und dabei spielerischen Umgang mit der Materie. Jetzt ist Zeit, etwas auszuprobieren.

Ich erinnere daran, dass auch der Ort für den Gottesdienst hergerichtet werden muss, dass die Textauslegung eine Methode braucht, die andere einbezieht, dass Brot und Wein bereitgestellt werden müssen. Ich lasse mich nicht irritieren, wenn wegen des Zeitmangels gestöhnt wird. Etliche wollen Perfektion, wenn sie vor andere treten – genau das behindert oft ihr Engagement. Im Zeitmangel liegt Sinn: Die TeilnehmerInnen können nicht jede Einzelheit planen und müssen sich auf das besinnen, was sie wirklich wollen. Das reicht. Und wenn zusammenkommt, was sie auf die Schnelle geplant haben, sind alle erstaunt, welche Fülle entsteht.

Gegen Ende dränge ich auf Einhaltung des Gottesdienst-Beginns, helfe, wenn noch etwas gerichtet werden muss, greife aber inhaltlich nicht ein, selbst wenn mir etwas merkwürdig erscheint. Die Leute sollen Gottesdienst „selber machen“ und merken, dass sie das im Ansatz schon können. Wenn die Leitung ständig hilft, ist es nicht mehr das „Werk der Leute“ (eine Übersetzung des Wortes „Leiturgia“). Was geklemmt und geklappt hat, wird hinterher besprochen.

Vorher weise ich darauf hin, dass die TeilnehmerInnen während des Feierns auch auf ihre eigenen Regungen achten: wo sie gut dabei sind, was ihnen unverständlich erscheint, wo sie aufmerken, wo Ärger oder Irritation in der Luft liegen. Also nicht nur Feiern, sondern sich selbst ein wenig beim Feiern zuschauen. Darin zeigt sich bereits die Übungsmethode des Spiels.

 

Gottesdienst

 

Nun wird der Gottesdienst gefeiert. Alle leiten, nur die Kurs-Leitung nicht. Dadurch ist bereits beim ersten Baustein des Lehrgangs klar, was das Neue und Entscheidende ist.

 

Austausch – Verabredungen

Nach dem Ablauf eine kleine Pause (5 Min.), dann Gespräch mit ersten assoziativen Eindrücken (5 Min.), dann ein kleiner Durchgang durch einzelne Teile des Gottesdienstes, die besonders gelungen sind (15-30 Min.). Nicht stehen bleiben oder herumreiten auf verrutschten Einzelheiten. Grobe sinnverletzende Fehler sind zu benennen (Abendmahl mit Chips statt Brot o.Ä.), auf gute Ideen, methodische Lichtblicke, gute Übergänge, klare Anweisungen, gute Entscheidungen, dichte Momente sollte hingewiesen werden (auch wenn sie manchmal gar nicht intendiert wurden, aber vielleicht Geistes Gegenwart zuzuschreiben sind – auch beim Üben können ja mal Engel durch den Raum gehen). Ermutigen, loben, dabei auch Fragwürdiges benennen … Hier ist die Leitung gefragt, ein Vorbild im wachen und ehrlichen Lob zu sein.

Zum Schluss werden die Verabredungen fürs nächste Mal getroffen: wann wir uns treffen, was evtl. mitzubringen ist, was wir unbedingt beachten sollten …

 

In der Regel entsteht an diesem ersten Abend Freude über die Ressourcen, die fast ohne Vorbereitung vorhanden sind. Man muss sofort das tun, was auch später gefragt ist: Zusammenarbeiten und eine Liturgie zum Teil erstellen. Dabei werden unter der Hand Arbeitsstile sichtbar, Führungsqualitäten, Wachheit im Ausführen, man erfährt von religiösen Vorlieben und reibt sich aneinander. Man erstellt ein Ergebnis, das sich eigentlich immer sehen lassen kann und ist an einem Teil beteiligt. Dadurch sind die TeilnehmerInnen in der Regel innerlich ganz anders engagiert – auch dann, wenn sie nicht „dran“ sind. Es wird schließlich deutlich, was Gemeinde mitbringt in den Raum der Gestaltung von Gottesdienst: Kenntnisse, Erinnerungen an Gelungenes werden herausgekramt, Sehnsüchte nach anderem – all das erscheint beim ersten Abend. Dadurch kann er zur Ouvertüre für das Ganze werden.