Generationenübergreifende Gottesdienste gestalten

Download

 

Aspekte liturgischer Komposition, die die Aufmerksamkeit stärken

 

Dramaturgie:

Fremdes nach Vertrautem, Wiederholungen (z.B. KiGo-Liturgie, Taizee-Gesang), danach Fortschreitendes (EG-Strophenlied), Pausen machen, Bewegungen dann Ruhe, nach Redeteil eine Stille.

Textauswahl:

Liturgische Texte (Psalmen, Gebete, auch Lesungen) über viele Gottesdienste hinweg beibehalten. Und so aussuchen, dass sie alltagstauglich sind. Vielleicht auch auf Kärtchen drucken und als „Mitgebsel“ bereithalten, damit die guten Worte ins Leben der Großen und Kleinen einfließen können.

Raum:

Unsere Kirchen sind so gebaut, dass sie Distanz zu Gott inszenieren. Die Menschen möchten aber heute Nähe erleben. Darum diese Nähe Gottes inszenieren. Ermutigungen zum Kirchen-Umbau aussprechen.

Bänke sind 200-300 Jahre alt. Die Leute sollten ruhig/gehorsam sein. Dies Raumprogramm verändern, mit dem „wir sehen uns mal“ kontrastieren. Nicht immer nur die ausgelichteten Reihen. Polarität regiert: d.h. im Altarraum steht einer und da spielt die Musik. Aber im Kirchenschiff, da passiert nichts. Da sitzen die Leute und beten. P. sollte mal an die Seite gehen und von dort mit diesen beten und spüren: da ist Kraft versammelt, die aktiviert werden muss.

Geführt-Werden:

Gut ist, einfach mitzusprechen oder im Sprechen der anderen unterzugehen. Das Vor- und Nachsprechen mehr praktizieren
Psalmen und ihre Möglichkeiten neu entdecken. Ps singen (Bedarf!)

Bewegung:

Mit den Kindern kommt der Wunsch nach mehr Bewegung und Gesten. Dazu: lieber wenige und klare Gesten, kein Gehampel.
Kleine Bewegungen, z.B. Hin- und Her -Schwingen, sich wiegen, kreisen tut gut

Ein-Weihen:

Vor dem Gottesdienst Leute „einweihen“: sie unterstützen dann aus dem Kirchenschiff heraus, besonders bei Veränderungen. Auch Konfirmanden.
Leute direkt ansprechen und zur Beteiligung auffordern, nicht „wer will…?“, das löst Panik aus. Nicht nur Kinder was machen lassen, auch Erwachsene, denn das mach Spaß.

Beteiligung ermöglichen:

Auftritte inszenieren: etwas hereinbringen vor den Augen der anderen, Einziehen…

Singen:

Ganz oft und ganz viel. Unterschiedliche Lieder, auch mal (aber nicht immer!) aus dem Gesangbuch. Kleine Kinder brauchen kurze Lieder mit wenig Text, die öfter wiederholt werden. Unmusikalische Erwachsene auch.

Beten:

Viele wollen beten, haben aber keine Erfahrung mehr damit. Traditionelle Formulierungen sind eher abschreckend. Man kann auch ohne Worte beten, – mit dem Stein, der für alles steht, was uns bedrückt, und den wir zum Altar bringen; – mit der Handschale, in die wir alles legen, was uns bewegt, und die wir Gott hinhalten

Psalmen beten:

Fremde Sprache und doch eindrucksvoll. Normalerweise werden sie wechselseitig gelesen, das ist mit kleinen Kindern nicht sinnvoll. Aber mit einem Kehrvers, der von allen wiederholt wird, sind sie dabei. Oder mit einzelnen Worten und Satzteilen, die man immer wiederholt. Oder mit Psalmodieren: Zwei Töne im Quartabstand werden von allen gesummt, der Liturg singt den Psalm mit diesen Tönen. Klingt großartig.

Geschichten hören:

Was ursprünglich für Kinder gedacht ist, wird für Erwachsene immer faszinierender. Die Geschichten wieder hören, die sie noch vage aus ihrer Kindheit erinnern. Heute mit all der Lebenserfahrung anders hören. Die Dramatik neu spüren, den Zorn oder den Trost, die Erleichterung über Gottes Hilfe

Symbolhandlungen:

Wenn man im Kreis sitzen kann, dann lassen sich Bodenbilder legen. Sonst braucht man größere Aktionen
– wir flüstern, wichtige Botschaften werden geheimnisvoll weitergegeben
– wir trinken das Wasser der Befreiung (in vielen Wüstengeschichten) ,
– wir schmücken ein Symbol (z.B. die Krippe Heiligabend mit goldenen Sternen),
– wir laufen in einer kleinen Prozession durch die Kirche (z.B. der lange Weg nach Emmaus)

Segnen:

Wir sprechen den Segen gemeinsam,
wir segnen uns gegenseitig, Kinder die Eltern und umgekehrt,
wir machen Segensgesten, offene Arme und Hände.

Zu Mehreren segnen:

z.B. das GdTeam, drei Leute, mit erhobenen Armen. Segen ist der Schusshöhepunkt. Aaronitisch ist fremd und vertraut zugleich, irische ist vertrautere Sprache aber auch fremd.

 

Grundsätzlich gilt:

Entwicklung nicht vom gesprochenen Wort her (Moderation, Erklärungen).
Nicht immer Neues bieten wollen, eher etwas weglassen, weniger, aber intensiver und stimmig inszeniert.
Nicht Vertrautes mit Fremdem/Störrischen mischen oder Erwachsenes mit Kindlichem.

 

Generationenübergreifende Gottesdienste gestalten: Beispiele

Vor dem Beginn (z.B. Heiligabend, Einschulung, Konfirmation o.ä.)
Angesichts der Unruhe sind kaum die Glocken zu hören. Darum gibt es einen „Impuls zum Zuhören“ (Lektorin), d.h. Am Altar mit Handglocke (läutet und wartet ab,  bis es ruhig wird, das dauert etwas): Herzlich Willkommen in unserer Kirche! Der Heiligabendgottesdienst beginnt jetzt.

Eingangslied

Kinder sollen sich wieder finden mit ihrem Anfangslied, Erwachsene bringen das traditionelle EG-Lied mit hinein. Sie hören sich gegenseitig zu oder stimmen sogar ein.

Begrüßungslied der kleinen Kinder (evtl. im Altarraum im Kreis evtl. mit Bewegungen, Gitarrenbegleitung), anschließend: Begrüßungslied der Erwachsenen und großen Kinder (Orgel).

bei Gottesdiensten zu Festen des Kirchenjahres:

Ostern: EG 100, Erntedank EG 508,: E (Erwachsene)und grK (große Kinder) die Strophen, alle mit klK (kleine Kinder) singen den Refrain.
Oder: „Danke für diesen guten Morgen“, ganz leise beginnen und Lautstärke steigern. Danach kann dann was ganz leise kommen (Überraschungseffekt).

Eingangsvotum
„Im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen“ wird von allen gesprochen, aber freigestellt. Manche machen es, andere nicht. Das einführen, indem man es in freundliche Begrüßung einwebt und vorher Leute angesprochen hat, mitzutun.

Altar bauen
Die Altarkerzen stehen im Mittelgang hinten. Vater und Kind nehmen sich die beiden Kerzen und gehen weiter nach vorn, die Kerzen werden entzündet und auf die Leuchter gestellt. Das ist wie ein Auftritt, wie eine Vorführung.

Am Anfang des Gd eine „fette Stille“ einbauen, damit die Seele ankommen kann.

Gebet
Keine Angst vor „Vor- und Nachsprechen“: kurze Gebete Zeile für Zeile vorsprechen, und die Gottesdienstbesucher sprechen chorisch nach. „Kindergebetsschlule ist auch gut für Erwachsene. Händeschale- Gebet: „Ich lege hinein, was mir heute morgen vielleicht auf dem Herzen liegt“ – Zimbelton – Gebet – Amen (laut; und dabei Hände nach oben werfen, d.h. das Schwere zu Gott)

Psalm (z.B. Ps 36)
– Ps im EG aufschlagen. Leise lesen. Mit Aufmerksamkeit an einem Wort hängen bleiben, das in den Raum sprechen. Anschließend Quinte summen und Ps darauf singen
– mit Textkärtchen (vorher an Eingeweihte verteilt) Sprechen aus den Reihen oder aus dem Mittelgang

– Rap-Refrain (alle) „Herr, deine te reicht soweit der Himmel ist, und deine Wahrheit soweit die Wolken gehn“. Dazwischen Originalverse in Auswahl (einer). Wirkung: Das rhythmische Sprechen wirkt mitreißend, man kann sich schwer entziehen.
Bewegungen immer sparsam und stimmig: Hände auf der Brust, dann gehen Hände und Arme auseinander (Weite, Himmel, Gott). Öffnende Geste unterstützt Worte, macht erfahrbar, was die Aussage ist. Wichtig: innerer Bezug jeder Geste beim Vor-Beter. Weiteres Beispiel: Arme wie eine Kuppel über dem Kopf, leichte Drehung des Oberkörpers dazu, meditativ. (Kinderkirchenlied als Kehrvers ungeeignet)

Kyrie und Gloria
Liedruf: So, wie ich bin… so wie wir sind… (Vorsänger/-beter oder kleine Gruppe und Gemeinde im Wechsel. Dazwischen gesprochen: Manchmal bin ich ganz verzagt etc., Manchmal bin ich ganz stark etc. (Gut aus dem Mittelgang)

Lesung
Lektorin und Gemeinde: Zeile für Zeile wiederholt die Gemeinde, was die Lektorin vorliest z.B. die Weihnachtsgeschichte“ (Lk 2, 1-7), die Einsetzungsworte beim Abendmahl

Credo
Keine Angst vor dem alten, langen Glaubensbekenntnis. Den Großen sagen, dass sie es im Klappentext des EG finden, damit alle mitsprechen können. Die Kinder werden sehr beeindruckt sein, von dem Erlebnis des gemeinsamen Murmelns und Singsangs, der sich dabei in der Kirche ausbreitet.

Abendmahl
Gemeinsam Altar und Gaben vorbereiten und dann die Geschichte vom letzten Mahl Jesu erzählen. Mit den „heiligen Worten“ einsetzen und alle einladen. Es gibt: „Brot des Lebens und den Kelch des Heils“.

Fürbittgebet
Litanei mit Gesangszeile „Du bist ja bei mir“ (aus Psalm). Höhepunkt des Gd überschritten, nun Laufenlassen

Vor dem Schlussegen (trad.) beten alle gemeinsam:

Segensgebet
Wir geh´n nun heim.
Und wenn wir geh´n ,
geht Gottes Engel mit.
Unsichtbar hält er meine Hand,
behütet jeden Schritt. Amen

Segenshandlung mit Lied (im Gd mit Wenigen)
„In unserer Mitte/Auf dem Altar (darum ein Goldener Reifen) ist Gottes Platz, schön geschmückt. Dieser Goldreif ist Zeichen seines Glanzes, wie die Sonne, wie ein Heiligenschein. Und während wir nun singen, dürft ihr euch gegenseitig einhüllen in Gottes Glanz. Immer der Nachbar seinen Nachbarn. Wir singen das nächste Lied ganz oft, bis alle golden eingehüllt/gesegnet sind.“

Lied: „Ich hüll dich golden ein“

„Gott hat seinen Glanz auf deiner Seele hinterlassen. Gottes Glanz hüllt deine Seele ein. Und auch wenn ihr geht, nehmt ihr davon mit. AMEN“

Kinder und Eltern segnen einander (z.B. in einem Gd mit Taufen)
Gott sagt unhörbar: Du bist mein liebes Kind. Ich bin bei dir. Das ist ein Segen. Man kann Segen auch spüren. Zart spürt man eine Hand auf seinem Kopf. Wir können das ausprobieren, Eltern und Kinder: Hand auflegen, angucken oder Augen schließen und z.B. sagen: Fynn, Gott, sagt, du bist mein liebes Kind, ich bin bei dir. (Eltern segnen Kinder, Kinder ihre Eltern). Lauter kleine Segensgruppen sitzen in den Bänken.