Formen der Austeilung des Abendmahls

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Eine Sammlung von Möglichkeiten und Regeln

Viele Gemeinden, Pastorinnen und Pastoren schlagen sich herum mit Details um das

Abendmahl.  Zum Teil werden hochkomplizierte Systeme erdacht (an graden Monaten Saft,

bei Vollmond Einzelkelche usw.), um auch ja allen gerecht zu werden.  Dann macht es in

Gemeinden mit mehreren Pastorinnen und Pastoren noch einmal jedeR anders.  Das führt zu immer

dabei war, nach 2-3 Monaten – schon wieder vergessen hat.

Grundsätzlich ist auch durch eine noch geschickte Austeilungsform nicht die verbreitete

Scheu vor dem Abendmahl abzubauen.  Das geschieht nur, wenn Abendmahl

selbstverständlicher und wöchentlich gefeiert wird.  Dann regeln sich auch die

Austeilungsformen von selbst, weil sie bekannt und vertraut werden.  Geläufigkeit ist das

Zauberwort für eine beruhigte Einstellung zum Abendmahl und zu seiner Form.

Trotzdem sollen die Grundformen, Abendmahl auszuteilen einladend und verständlich sein.

Für alle Formen, die man einführt oder ändert, gilt: Nie nach dem ersten Eindruck für immer entscheiden,

sondern Formen mindestens 10 Abendmahlsfeiern lang ausprobieren, dann

Bilanz und ggfs Änderung.  Nur was sich selbstverständlich einschleift, hat Bestand.

Wenn es bei der Austeilung klemmt, das ruhig und in normalem Ton (nicht flüsternd) in

normaler Lautstärke ansprechen und gleich einen Vorschlag zur Abhilfe geben.

 

           A. BROT:

Ist selten ein Problem.  Ein paar Regeln gibt es aber doch:

Kein krümeliges Brot nehmen, auch nicht zu trockenes, sonst endloses Kauen und Schlucken.

Brotlaibe vorschneiden, wenn man sie ganz auf dem Teller herumreicht, damit man sich

seinen Teil besser abreißen kann.  Sonst besser gleich Stücke schneiden.  Die Teller nicht zu vollfüllen.

Werden kleine Oblaten verwendet, braucht man für die Einsetzung eine Schau-Oblate

(ca 1 5-20 cm Durchmesser), die sichtbar gebrochen werden kann.  Kleine Oblaten eignen sich aus einsichtigen Gründen für das Brechen nicht.

Überschüssiges Brot wird am Ausgang, im Kirchencafe oder unter die Mitwirkenden beim Gottesdienst verteilt, es wird nicht achtlos weggeworfen.

Heruntergefallenes Brot wird aus Achtung vor der Konsekrationshandlung und aus Klarheit

dem Symbol gegenüber sofort aufgehoben und auf den Altar gelegt.  Später kann man es mit dem überschüssigen Wein draußen zur Erde geben, woher bekanntlich alles genommen.  Nicht ins Klo oder in den Mülleimer.  Selbst wer sich durch die Konsekration nicht gebunden fühlt, sollte doch Respekt vor den Gepflogenheiten und Empfindungen in der Ökumene haben.

 

         B. KELCH

         1 . Weitergeben

Bei der Brotausteilung am besten immer nur den Teller mit dem Brot herumreichen.  Wer sich nimmt, nimmt vom Teller und gibt auch nur den Teller weiter.  Gibt man einander Brotstücke oder Oblaten vom Teller in die Hand, dann entsteht meist Verwirrung, wer wem welches Brotstückchen wann gibt – und wann man selbst ißt.

Wein geht normal herum.

Pastorinnen und Pastoren stellen sich zum Empfang mit in den Kreis, nachdem sie die Gefäße

in Umlauf gesetzt haben.  Die Menschen bringen Gefäße selbständig zum Altar zurück, damit sie an einen selbstverständlichen Umgang mit den Abendmahlsgeräten und dem Altar gewöhnt werden.

Man kann mehrere Tücher (mit oder ohne Alkohol) in den Kreis geben, die dann von den

Kommunikanten selbständig zum Reinigen benutzt und evtl auch weitergegeben werden, wenn der Kelch bei ihnen ist.

 

         2. Austeilung in Einzelkelchen

… hat prinzipiell immer einen eher vereinzelnden Charakter.

Taugt nie zum Weitergeben in der Runde.

Ist am hygienischsten.

Meines Wissens die beste Lösung bei der Verwendung von Einzelkelchen:

Die kleinen Kelche stehen leer griffbereit an der Schwelle zum Altarraum bzw vorn im Mittelgang, wo man sowieso vorbeigeht.  Wer Wein im Einzelkelch wünscht, erhält ihn dann in seinem Gefäß am Altar, in der Runde der Kommunikanten aus einem großen Kelch mit Gieß-Tülle (der auch konsekriert wurde) und trinkt den kleinen Kelch gleich aus. (Wenn alle gleichzeitig trinken, erinnert es an Trinkgelage – dieser Gestus ist gesellschaftlich also vergeben.) Auf dem Rückweg bringt man seinen Kelche wieder zum Ständer im Mittelgang (evtl 2. Ebene unter der Ebene mit den frischen Kelchen).

Pastorln lässt sich selbst auch einschenken.  Keine Selbstbedienung des Klerus beim

Abendmahl.  Alle bekommen von außen, aus der einen Mitte.

Hier wird das Symbol des einen Kelches, der einen Quelle gewahrt, aus der alle trinken, selbst

wenn sie ihr eigenes Gefäß mitbringen.

Diese Lösung funktioniert auch bei einer Wandelkommunion – es müssen nur genug Einzelkelche vorhanden sein

 

         3. Gemeinschaftskelch – ausgeteilt

Austeilung von einem oder mehreren.  Kelch weiterdrehen bei jedem Wechsel.  Kelchwechsel nach je 4-5 Kommunikanten.  Kelch nie leerer als 1/3-Füllung werden lassen, sonst keine Kontrolle des Flüssigkeitsspiegels mehr möglich, wenn jemand den Kelch an den Mund geführt haben will.  Möchte  das jemand, dann ist es ratsam, links neben ihn treten (mit dem linken Bein), damit man von der Seite her das ordnungsgemäße Trinken sichern kann.

Wird der Kelch übergeben, dann  in Griffhöhe, damit klar wird, dass der Empfangende ihn greifen soll.

Pastorln stellt sich ans Ende der Reihe der Kommunikanten und bittet die letzte Person, ihr

selbst Abendmahl zu reichen.  Dies vielleicht vorher absprechen.  Wenn spontan, dann Person im Kreis wählen, die ob dieses Ansinnens nicht gleich ohnmächtig wird.

 

            4. Wandelkommunion

Erst ab 100 Kommunikanten zu empfehlen.

Besser noch einen großen Kreis in der ganzen Kirche versuchen. Das geht, wenn man ihn nicht perfekt und ‚glatt’ haben will. Man steht u.U. etwas versetzt. Manchmal geht es dann beim Abendmahl zu wie im Leben: Etwas ungerade. Alle, die es schon tun, finden es nicht schlimm.

Wenn Wandelkommunion, dann an jeder der Ausgabestellen mit je 3 Personen: Zuerst und vorn steht die Person, die Brot ausgibt.  Dahinter in 2 m Abstand 2 Personen, die je einen Kelch tragen und Wein ausgeben.  Also ein Dreieck, vorn das Brot. Wer sein Brot empfangen hat, isst es auf und holt sich 3 Schritte weiter links oder rechts  Wein oder behält das Brot und taucht.

Dann über die Seitengänge, -schiffe wieder zurück zum Platz, notfalls durch den Gang,

durch den man gekommen ist.  Wird nur im Altarraum ausgegeben, kann man je ein

solches ,Dreieck‘ aus drei Personen an die beiden Seiten des Altars stellen.

Austeilende geben einander anschließend nach ihrem eigenen Modus.

 

            C. Mischformen

1.Wandelkommunion und Einzelkelch (oder Gemeinschaftskelch, der

zugeteilt wird).

Damit die Ausgabe in den Teilrunden, die zum Altar kommen, den ‚Tischen’, nicht so

lange dauert, können die, die bereits Brot und Wein bekommen haben, einfach gleich

wieder weggehen und damit ihren Platz am Altar freimachen.  Den besetzt dann jemand

neues mit kleinem Kelch in der Hand oder bereit für Gemeinschaftskelch oder Tauchen.

So fließt die Teilnahme am Altar, die Gesamt-Austeilungszeit wird kürzer, aber man

verweilt länger als bei der Wandelkommunion, die von manchen wie eine Serienabfertigung empfunden wird.

 

2. Gemeinschaftskelch und Einzelkelch

Einfach zu vereinbaren: Wer mit dem kleinen Kelch kommt, erhält Wein aus dem Gieß-Kelch, wer nichts in der Hand hat, trinkt aus dem Gemeinschaftskelch, und wer das Brot, die Oblate in der Hand hält, will tauchen (in den Gemeinschaftskelch ). Bedingung: Zuteilung aus der Mitte – Weitergeben wegen der Lücken nicht möglich,

 

            3. Gemeinschaftskelch und Tauchkelch

Erst geht der Gemeinschaftskelch herum.  Wer seine Oblate, das Brot in der Hand behält,

wartet auf den als zweites kreisenden Tauchkelch und taucht.

Hier ist die Reihenfolge wichtig: Brot/Oblate behalten, wenn man tauchen will.

Sind die Oblaten getaucht und verzehrt, sieht man nicht mehr, wer was wollte.

Verschütteter Wein wird – wie beim Brot – aus Respekt vor Handlung, Symbol und Person sofort aufgewischt mit einem immer auf dem Altar bereitliegenden weißen Tuch.  Nicht so tun, als wäre nichts geschehen.  Dann spaltet sich die Aufmerksamkeit: Man sieht die Scherben und die Flüssigkeit und ist damit beschäftigt.  Gleichzeitig kann sich niemand recht auf den Fortgang des Abendmahls besinnen. Ein tröstendes Wort wie „das kann mir genauso passieren – es ist nichts verloren.“ kann helfen.

 

Hinweise aus dem Ergänzungsband zum neuen Gottesdienstbuch:

Gestaltung der Abendmahlsausteilung

Verschiedene Formen der Abendmahlsausteilung sind möglich. Sie können unterschiedliche Aspekte des Abendmahls verdeutlichen und betonen:

  1. Zur Kommunion am Altar (Abendmahlstisch) verlassen die Abendmahlsgäste ihren Platz und begeben sich nach vorn.

a)             Halbkreis: Der Empfang in Gruppen, die vor dem Altar einen Halbkreis bilden, betont die im Abendmahl gestiftete und immer neu bestärkte Gemeinschaft unter den Abendmahlsgästen. Sie können Brot und Wein in der Gruppe weiterreichen.

b)             Tischrunde: Treten die Gruppen so nahe an den Altar heran, dass sie ihn wie eine Tischrunde umgeben, so kommt die Tischgemeinschaft besonders zum Ausdruck, zu der Christus als Gastgeber seine Tischgäste untereinander verbindet. Bei dieser Form der Austeilung steht der/die Austeilende hinter dem Altar. Dieser muss entsprechend gestaltet und hergerichtet sein. Brot und Wein werden in der Tischrunde weitergereicht.

2.  Tischabendmahl: Wenn es die räumlichen Verhältnisse gestatten, kann die Gemeinde zum Abendmahl aus den Bänken heraustreten und sich in einer Prozession in einen besonderen Raum (Chorraum, Seitenbau der Kirche) begeben, wo sie an zur Abendmahlsfeier vorbereiteten Tischen Platz nimmt. So kommt der Mahlcharakter des Abendmahls besonders zur Geltung. Der Schlussteil des Gottesdienstes kann dann wieder als Auszug (mit Station zum Schluss-Segen vor dem Altar) ge­staltet werden.

3.  Bankkommunion: Eine größere Zahl von Helfern/Helferinnen kann Brot und Wein vom Altar her zur Gemeinde bringen, die in diesem Fall an ihren Plätzen verbleibt. Auch zu behinderten und gebrechlichen Abendmahlsgästen werden Brot und Wein gebracht. Diese Form kann an die messianischen Speisungsgeschichten des Neuen Testaments erinnern. Andererseits besteht hier die Gefahr, dass sich jemand zur Kommunion genötigt fühlen könnte.

4.  Austeilung an mehreren Tischen: Für größere Teilnehmerzahlen kann es erforderlich werden, das Abendmahl an mehreren Tischen auszuteilen.

5.  Man kann auch so verfahren, dass die Abendmahlsgäste auf der linken Altarseite das Brot ausgeteilt bekommen, danach um den Altar herumgehen und auf der rechten Seite aus dem Kelch trinken. Nach dem Empfang von Brot und Wein gehen sie sogleich an ihre Plätze zurück (Wandelkommunion). Dabei kommt besonders zum Ausdruck, dass die Gemeinde auf dem Wege Stärkung erfährt.

6.  Einzelkelche: Der gemeinsame Kelch ist Bestandteil des biblischen Zeugnisses von der Einsetzung des Abendmahles. Aus ihm zu trinken, entspricht evangelischer Abendmahlsfrömmigkeit. Seit einiger Zeit werden in einer Reihe von Gemeinden zur Austeilung Einzelkelche verwendet. Maßgeblich hierfür sind vor allem ästhetische und hygienische Bedenken gegenüber dem Gemeinschaftskelch. Einzelkelche können die persönliche Zueignung im Abendmahl zeichenhaft unterstreichen. Durch den Gemeinschaftskelch (oft sind davon mehrere in abwechselndem Gebrauch) wird dagegen Abendmahlsgemeinschaft betont („Trinket alle daraus!“).
Zweifellos muss beim Gemeinschaftskelch eine hygienisch einwandfreie Handhabung viel sorgfältiger bedacht werden als in der Vergangenheit. In manchen Kirchen hat der Kelch die Gestalt eines Gießkelches. Aus ihm werden bei der Austeilung kleine Einzelkelche gefüllt. Die Abendmahlsgäste trinken sie nach dem Eingießen sogleich aus. Auf diese Weise kommt zum Ausdruck, dass alle an dem einen Kelch Anteil haben. Trinken die Kommunikanten ihren Einzelkelch nicht unmittelbar nach dem Eingießen, entsteht allzu leicht eine Atmosphäre wie bei einem gesellschaftlichen Empfang. Einzelkelche müssen auf alle Fälle so gestaltet sein, dass sie keine Assoziation mit für Spirituosen bestimmten Gläsern aufkommen lassen.

7.  In einigen Gemeinden wird neuerdings aus der Jahrhunderte alten Praxis der Krankenkommunion die sogenannte Intinctio auch im Gemeindegottesdienst übernommen: Die Oblate bzw. das Brot wird bei der Austeilung in den Kelch getaucht; eine besondere Kelchkommunion entfällt dann. Auch hierfür ist offenbar das Interesse an größtmöglicher Hygiene bestimmend. Anders als bei der Krankenkommunion besteht im Gemeindegottesdienst freilich in aller Regel kein zwingender Anlass, das Trinken als Teil der Kommunion aufzugeben, das schließlich konstitutives Element der Einsetzung durch Christus ist („Trinket alle daraus!“).

 

Bei der Wahl der Austeilungsform sind auch die räumlichen Gegebenheiten zu berück­sichtigen. Vielfach ist es auch möglich, für eine gewünschte Austeilungsform die Einrichtung des gottesdiens­tlichen Raumes entsprechend zu verändern.

Gesten der Ehrerbietung beim Empfang von Brot und Wein, z.B. das Knien, können Zeichen der Demut und Ehrfurcht angesichts des im Sakrament gegenwärtigen Herrn sein.

 

  Thomas Hirsch-Hüffell, Rahlstedter Str.223

22143 Hamburg, 040. 677 18 30