Einführungs-Gottesdienste für evangelische Pastorinnen und Pastoren

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Einführungs-Gottesdienste für evangelische Pastorinnen und Pastoren sind selten unter 2 Stunden zu haben. Wenn die Liturgie lebendig ist, mag das hingehen. Aber meist addiert sie viele Sprechakte – versetzt mit Musik. Minimum sind 2 Predigten (Propst, Pröpstin und Pastorin, Pastor), dann gern noch Worte des Vorstandes und anderer Eminenzen –  im Gottesdienst. Da eine evangelische Predigt als Ausweis der Beredsamkeit und Klugheit der Sprechenden gilt, wird nicht an Grundsätzlichkeit gespart. Die Kirchenmusik muss sich im vollen Glanz präsentieren. Gebete müssen alles besprechen, was wichtig oder arm dran ist. Das Abendmahl gerät zu einer bisweilen skurrilen Warte-Schleife.

Besonders seltsam wird alles, wenn dies Zeremoniell zur erstmaligen Einführung ins Amt in einer Gemeinde und ein paar Jahre später zur Amtseinführung nach der PzA-Zeit fast genauso üppig wiederholt wird. Es drängt sich für manche Ehrenamtliche –  und das sagen sie auch – der Eindruck auf, die Geistlichkeit feiere sich selbst gern besonders ausgiebig.

Spricht man mit Beteiligten oder Betroffenen, betonen alle, dass sie diese Feiern oft selbst als langweilig und zäh empfinden. Aber man nimmt es wie eine Wetterfront, der man nicht ausweichen kann.

Es geht auch anders. Die zweite Einführung, die ins lebenslange bzw befristete Amt einer Pastorin, eines Pastors kann unscheinbar und einfach ausfallen. Eine kurze Handlung innerhalb eines normalen Gottesdienstes sollte selbstverständlich sein. Es ist eine interne Angelegenheit der Kirchenverwaltung. Der Amtsantritt in einer Gemeinde oder ins Amt überhaupt sind gewichtigere Anlässe, die auch etwas Aufwand rechtfertigen.

Abschiede können sich nach dem Gottesdienst oft reichlicher entfalten, weil nach dem geistlichen Teil die Form für die Menschen aus der Gemeinde freier wählbar ist. Also ist auch hier eine einfachere liturgische Form möglich.

 

Möglichkeiten der Vereinfachung bei der Amtseinführung/beim Abschied:

1. Das Abendmahl lässt sich

a.      als Wandelkommunion feiern, wenn mehr als 150 Menschen anwesend sind. Hinter jeder Brot-Austeilerin stehen zwei Kelch-Austeiler auf  1-2 Meter  Abstand. Das spart –  je nach Anzahl der Gäste –  10-30 Minuten Zeit. Und es erspart allen die Peinlichkeiten rund um die Koordination der Kreise, die sich schwer herstellen und auflösen. Hinter den Kommunizierenden warten meist dicht gedrängt weitere, die den Weggehenden im Weg stehen. All das wirkt oft unwürdig und unbeholfen.

b.  Ist die Kirche groß genug, kann man an mehreren Orten Abendmahl austeilen.

b.      Eine Mischform aus Wandelkommunion und Kreisen: Wer Brot und Wein bekommen hat, wird mit einem kurzen Segenswort entlassen, geht weg und macht sofort Platz für Nachrückende. Diese Form halbiert in der Regel die Zeit für die Austeilung.

2. Die Predigt sollte einer Person zustehen und  nicht zweien. Oder beide predigen im Dialog – max. 10 Minuten, das reicht! Oft predigen die Pröpste, Pröpstinnen länger als 10 min ad personam, dann PastorIn zu einem Text mindestens noch einmal so lang. Zwei geistliche Reden nacheinander erschlagen einander. Das weiß jeder. Warum ist nicht möglich, in 3 min (und wirklich nur 3) eine herzhafte Einführungsrede zu gestalten und dann dem Pastor die Predigtzeit zu lassen? Die VerfasserInnen von Morgenandachten im Radio können das z.B. gut. Oder die Pröpstin hat Schönes zu sagen zu Person und Evangelium –  und der Pastor schweigt. Er, sie hat ja noch ein paar Jahre Zeit Wichtiges zu sagen. Wieso muss er oder sie beim Start in den Beruf gleich vor allen beweisen, wie lang er reden kann? Wer will das wissen? Das riecht nach Selbstbestätigung und nach nichts anderem.

Mehr Reden sollten im Gottesdienst nicht vorkommen. Auch keine Grußworte. Es nervt immer – abgesehen von ein paar seltenen rhetorischen Talenten.