Drei Kinder und ein Stern

Drei Kinder und ein Stern.

Textbuch nach Luise Rinser erarbeitet von Angelika Hüffell

 

Die Geschichte von den Heiligen 3 Königen, die kennt ja fast jedes Kind.

Aber es gibt auch eine Geschichte von den Kindern der Heiligen 3 Könige, und die geht so:

Da hatte ein Prinz im fernen Mesopotamien einst Unterricht bei seinem Hauslehrer.

Aber er war an diesem Tag überhaupt nicht bei der Sache,

starrte immerzu zum Fenster und verlas sich fürchterlich.

 

Ein wunderbarer, leuchtender Stern.

Er sah ihn –

sein Lehrer, der eigentlich für sein scharfes Auge berühmt war, sah ihn nicht.

 

Das ließ dem Prinzen keine Ruhe.

Er verschaffte sich Eintritt in den Thronsaal seines Vaters.

Er traf den König dabei an, wie er mit großem Fernrohr zum Fenster hinaus spähte.

Ja, er hatte den Stern entdeckt, wenn auch nicht mit bloßem Auge. Er war ganz aufgeregt und befahl seinen Dienern, zum Aufbruch für eine Reise zu rüsten.

Sein Sohn Melchior wollte mit.

Aber es half all sein Bitten und Drängeln nichts.

Sein Vater befahl ihm zu bleiben.

 

Wütend und traurig zugleich sah er durch’s Fenster der aufbrechenden Karawane nach.

 

Und plötzlich hatte er eine Idee:

Es folgte ein Entschluß, und schon war er im Stall bei seinem kleinen Kamel, dem er seinen Plan in’s Ohr flüsterte.

 

Wenig später, nachdem Fladenbrot, Datteln und getrocknetes Fleisch in den Packtaschen verstaut waren,

brachen sie auf, der kleine Melchior und sein Kamel.

 

Es war Nacht, aber der Stern leuchtete,

und Melchior folgte ihm.

Der Weg ging durch die Wüste – noch konnte er auch die Spuren der Karawane seines Vaters sehen.

 

Aber dann kam ein Sturm – das Reiten wurde immer schwerer. Da machte er Rast an einer Oase und verbrachte die 2. Nacht angekuschelt an sein Kamel.

Er aß etwas von seinen mitgebrachten Vorräten

und schlief dann ein.

 

Doch da – was war das ?

 

Er erwachte, weil sein Kamel unruhig geworden war und sah 2 glühende Kugeln, die sich langsam näherten.

Ein Löwe, das war klar.

Natürlich hatte er Angst – hätten wir doch alle gehabt in dieser Situation.

 

Aber der Stern leuchtete ganz ruhig über ihm,

und das Raubtier verzog sich.

 

Am Morgen ritt er weiter – folgte dem Stern.

 

Und so vergingen

noch ein Tag

und eine Nacht

und ein Tag.

 

Wieder schlief er in einer Oase.

 

Wieder wachte er mitten in der Nacht auf.

 

Da plätscherte doch was – da raschelte doch was.

Verdammt, das waren bestimmt Räuber, die sich im Hinterhalt versteckt hatten, um ihn zu überfallen.

 

Er stand vorsichtig auf – hielt sich aber hinter einem großen Kaktus verborgen. Da hörte er Stimmen:

„Doch bestimmt, da ist jemand. Da, nimm’ den Stein !“

Melchior duckte sich und ratschte sich dabei am Kaktus: „Aua !“.

Da standen sie auch schon vor ihm:

Ein Junge, ein Mädchen und dahinter ihre Tiere, ein Kamel und ein Pferd.

 

Ratlos starrten die drei sich an und schauten dann nach oben zum Stern und dann wieder zueinander.

Das Mädchen ließ den Stein sinken.

Aber nun glaubt mal nicht, daß sie sich gleich verstehen konnten Sie kamen nicht aus einem Land. Das konnte man schon daran sehen, daß das Mädchen eine dunkle Hautfarbe hatte – wie Schokolade. Sie hieß übrigens Kaspierina und kam aus Ägypten.

Und der Junge hieß Balthasar und kam aus Syrien.

Sie begannen ihre Unterhaltung mit Händen und Füßen und merkten bald, daß sie alle 3 dem gleichen Stern folgten. Und sie erzählten sich von ihren Vätern, die aufgebrochen waren einen neuen König zu besuchen und sie nicht hatten mitnehmen wollen.

Sie teilten Brot, erzählten sich ihre Erlebnisse  und schliefen darüber ein. In der Nacht hatten sie einen Traum:

Es erschien ihnen eine alte Frau, die ihnen sagte, sie sollten nur weiter dem Stern folgen und sich nach Südosten halten, dann kämen sie nach Israel, und dort könnten sie den neugeborenen König finden. Aber nicht im Palast, sondern in einer Höhle, in der die Schafe nächtigten.

Er sei nämlich ein besonderer König, einer, der Frieden brächte auf die Welt.

 

Am nächsten Morgen erzählten sie sich ihren Traum, wunderten sich sehr darüber, daß sie alle den gleichen gehabt hatten und brachen auf mit ihren Tieren.

 

Sie kamen in eine Stadt und fragten hier nach dem neugeborenen Prinzen. Aber die Leute waren mürrisch und sagten nix.

 

Da fiel ihnen eine Frau auf, die weinte und klagte;

und als sie sie fragten, erzählte sie, der König habe den Befehl erlassen, alle neugeborenen Jungen umzubringen, weil er gehört habe, ein neuer König sei geboren.

Und das dulde er nicht.

Da kamen Soldaten angesprengt,

die erkannten die drei als Kinder der Karawanen-Könige, die gerade vor einigen Tagen hier gewesen waren.

Sie nahmen die Kinder fest, um sie zum König Herodes zu bringen.

 

Herodes war wirklich ein Mann zum Fürchten.

 

Als die Kinder vor ihn geführt wurden, schrie er und tobte: „Umbringen, man soll alle umbringen !“.

Er war ganz außer sich.

Er verlangte von den Kindern, diesen neugeborenen König zu suchen und ihn zu bringen.

 

Kaspierina zwinkerte ihren beiden Freunden zu und sagte:

„Gut, wir werden es suchen.“

 

So waren die Kinder wieder frei.

Aber beim Hinausgehen sahen sie noch, wie der König große Tränen weinte.

Sie verlassen die Stadt und kommen in gebirgiges Land.

An einem Rastplatz entdeckt Melchior plötzlich im Sand ein Goldstück, es ist eine mesopotamische Münze. „Die ist von meinem Vater !“ schreit er und freut sich.

Nun blicken sich auch die beiden anderen um.

Und wirklich, Balthasar findet einen Knopf vom Mantel seines Vaters und Kaspierina ein feines blaues Tuch.

Mit einem Mal hatten sie große Sehnsucht nach ihren Vätern und sahen Spuren, die ihnen eine Richtung wiesen.

Aber der Stern leuchtete in anderer Richtung.

Was sollten sie nun tun ?

Kaspierina war schnell entschieden dem Stern zu folgen – zögernd willigten die Jungs ein.

Sie zogen also weiter.

 

Da kam ihnen ein Reiter entgegen, so einer, der die Nachrichten von Ort zu Ort trägt.

Er brachte eine Kunde: Herodes ist tot, er hat sich selbst umgebracht in seiner Wut.

Nun hatte es Kaspierina noch eiliger, den neugeborenen Friedenskönig zu finden, denn er mußt ja nun nicht mehr versteckt werden.

 

Da endlich.

Der Stern bleibt über einer Höhle stehen. Kaspierina tritt ein. Innen klingt es wie bei einem Aufbruch im Kindergarten. Es sind alles kleine Kinder, die sich hier versteckt halten.

Als unsere drei berichten davon, daß Herodes tot und die Gefahr gebannt sei, stürmen sie alle nach draußen.

 

Langsam kommen auch ein Mann und eine Frau nach vorne. Die Frau hat ein Baby im Arm.

Die Kinder sind ganz verdutzt: „Das ist also … „.

„Ja, da ist also … .“ sagt lächelnd die Mutter.

Die Kinder staunen.

Und Kaspierina ist gleich ganz besorgt, daß es nicht warm genug eingewickelt sei. Und sie nimmt das blaue Tuch, das sie gefunden hat und fragt Maria, ob sie es nicht verloren habe.

Maria nickt:

“Es war mal meines, aber ich brauche es nicht. Aber ich habe eine Bitte an Euch: Bringt diese Kinder zurück zu ihren Eltern. Und Ihr: Werdet Friedensfürsten wie dieses Kind. Hier, ich gebe Euch ein Zeichen mit: Jeder bekommt ein Stück von meinem blauen Tuch. Bindet es an einen Stab und tragt es vor Euch her als Eure Fahne, die Fahne des Friedenslandes.“

 

Regieanweisung:

ErzählerIn (kann, aber muß nicht sichtbar sein) führt durch die Geschichte mit dem Text.

 

Handlung wird

direkt natural von den Akteuren dargestellt

oder

als Schattenspiel – hier lassen sich mehr Verfremdungen und Impressionen einbauen; die Fantasie der BetrachterInnen wird anders angeregt

 

Musik begleitet die Handlung wie Filmmusik und unterstützt Stimmungen