Der Eingangsteil im Gottesdienst – eine Übung zum Verstehen und Gestalten

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Teil 2 des Reihe von Treffen (Material dazu im Anhang des Buches)

 

Die Liturgie der Eröffnung und Anrufung erleben und verstehen

 

Die Eingangsliturgie ist eine ausgetretene Spur im Gelände des Gottesdienstes. Hier gibt es wenig Phantasie, vielfach ist es nur ‚das da vor der Predigt’. Andernorts gibt es erste Ansätze, diesen Teil ernst zu nehmen, Aufmerksamkeit für Heiligkeit oder Annäherung daran zu ermöglichen und so für die Lebensqualität des Gottesdienstes zu nutzen.

Wort- und Segensteil sind den Menschen vertrauter. Hier gibt es inzwischen auch mehr Ausformungen und Experimente. Eingangsteil und Abendmahl fristen – was Verständnis und schlüssige Gestaltung angeht – oft immer noch ein Kümmerdasein.

Der zweite Baustein steht auch noch am Anfang dieser 6er-Reihe von Treffen. Daher handelt er auch vom Anfang des Gottesdienstes und will zeigen, wie die Liturgie der Eröffnung und Anrufung Menschen öffnen kann, wie sie Geistes Gegenwart ermöglicht und den Empfang von Wort/Inspiration und Mahl vorbereitet. Gottesdienst ist eigentlich im ganzen eine Form sich steigernder und vertiefender geistlicher Wachsamkeit für die Anwesenheit Gottes. Gott ist da. Gott lässt sich nicht herbeibeten oder –zwingen, sondern ‚taucht auf’  oder ‚weht’ , wann der Geist will und kann. Dafür können sich Menschen vorbereiten und präsent sein. Dass wir mit unserer ganzen Figur auch da sind, das ist die Kunst. Dazu kann (ohne Erfolgsgarantie) Liturgie  verhelfen. Es reicht, wenn an einer Stelle des Gottesdienstes bei den Mittuenden das Empfinden von Geistes Gegenwart entsteht – dann wird in der Regel alles andere davon eingefärbt. Selber gestalten erfordert eine neue Präsenz – daher erleben viele Menschen die Liturgie überhaupt erst inniger, wenn sie sie selbst vorbereiten und führen.

 

Hier ist die Leitung gefordert, den TeilnehmerInnen durch eine erfahrungsorientierte Einheit – in einer Mischung aus Vortrag und Ausprobieren – diesen  Teil des Gottesdienstes nahe zu bringen.

 

Der Ablauf:

5 min Eingangsritual der Gruppe

45-60 min Einführung in den Sinn der Eingangsliturgie mit schrittweiser Bewegung in der Kirche vom Eingang nach vorn – entsprechend der Liturgie der Eröffnung

5 min Pause

10 min Erläuterung der Varianten A1, A2, A3 aus dem Gottesdienstbuch

30 min Gruppenarbeit: Erarbeitung eigener Entwürfe zu den drei Varianten

30 min Präsentation der Ergebnisse – je nach Zeit als realer Vollzug der Liturgie (mindestens einer) oder als Bericht

 

 

Wenn ich ein kleines Eingangsritual  für alle Treffen wähle, zeige ich damit im Vollzug, wie ein Ritual entsteht und wirkt.

Ich gebe z.B. einen kleinen Bronze-Engel herum. Wer ihn in der Hand hält, erzählt kurz das Beeindruckenste vom Tag; danach ein Lied, das später jedes Mal auswendig wiederkehrt.

Im Gottesdienst übernehmen wir fertige Symbole – zu Beginn eines solchen Kurses sind wir frei, etwas selber zu erfinden und zu erfahren, wie es im Lauf der Zeit wirkt.

 

Wer in den Sinn der Eingangsliturgie einführt, sollte sie selbst ansatzweise durchdrungen haben. Dafür will das folgende Skript eine Hilfe sein. Es wird dargestellt, wie ein Vortrag zu den Schritten der Liturgie verbunden sein kann mit räumlicher Annäherung (also Ansprache an Verstand, Gefühl und Körper).

Die Eingangsliturgie wird hier als ‚Annäherungsliturgie’ verstanden, die in unseren ‚Wegekirchen’ (s Grafik Seite 14) den Anlauf zu Wort und Sakrament prägt und vergleichbar ist mit dem Weg in eine Kirche vom Eingang bis in die Mitte. Unter ‚Wegekirchen’ verstehe ich solche, die einen Weg von hinten nach vorn nahe legen, also die meisten gradlinig angeordneten Kirchen mit graden Bank- oder Stuhlreihen.

Wer für die ersten Worte im Gottesdienst (Begrüßung und liturgische Eröffnung) Anregungen sucht, findet sie im Materialteil unter der Nr. 2.

 

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Kirche (Prozessions- oder Wege-Architektur) und Bänke in frontaler Anordnung

 

 

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Kirche (Prozessions- oder Wege-Architektur) und Bänke in frontaler Anordnung.

Die liturgischen Teile sind der Architektur zugeordnet: Introitus am Eingang, Eingangsliturgie als Liturgie der Annäherung, Wort vor den Stufen (Graduale), Mahl am Altar, Segen in der Wendung nach draußen

 

 

I. Einführung in den Sinn der Eingangsliturgie:

Wir gehen vor den Ausgang der Kirche, die Glocken werden angeschaltet. Zuhören. Dann die Mischtonlage erfassen, zwischen den Tönen als Summen zu hören, mitsummen. Diesen Klangteppich wahrnehmen. Glocken aus.

Ich beginne draußen vor der Kirche mit  einem Hinweis:

“Die Glocken führen äußerlich und innerlich in die Kirche:

Äußerlich, indem sie diesen sinnvollsten Lärm unserer Kultur ins Land schicken und uns hergeleiten auf einem Teppich aus Klang, der Bedeutung hat.

Innerlich führen sie, indem sie die Erinnerungen der Menschen unmerklich und direkt anregen – an religiöses Erleben mit Kirche, welches auch immer (Hochzeiten, Bestattung usw).

Also eine Art Klangspur, die uns unterlegt und in uns hinterlegt ist.”

 

 

Dann eintreten, die Schwelle in die Kirche bewusst überschreiten – in den anderen Raum, hinein in den Vorraum, manchmal Paradies genannt, die Schleuse. Nicht mehr beim Kaffee, noch nicht in der Kirche. Meist steht hier Gerümpel, kaum Anregung  durch Klarheit oder Farbe oder eine Installation, die mich innehalten lässt, eher ein karg dargereichtes Gesangbuch. Hier ließe sich bewusst innehalten, bedenken, was man vom Weg mitbringt, wohin es geht. Ein Zwischenzustand für alle GottesdienstbesucherInnen, der nach etwas Gestaltung des Raumes ruft.

Dieser Raum ‚schreit’ meist nach Gestaltung. Hier könnte z.B. ein Springbrunnen stehen, eine menschengroße, brennende Kerze, ein Vorhang, etwas, das innehalten lässt und zeigt, dass es nun – im Doppelsinn –  in einen anderen Raum geht.

Wenn dort begrüßt wird, dann von Menschen, die vom Erstkontakt mit Menschen auch etwas verstehen.

 

Dann geht es über die Schwelle in den Hauptraum der Kirche. Ich habe die TeilnehmerInnen angewiesen, sich nach dem Eintritt in den Raum in die beiden letzten Reihen der Kirche zu setzen. Sie sollen die Schwelle langsam und bewusst überschreiten. Ich stehe kurz nach dem Übergang mit einer Wasser- oder Taufschale und zeichne mit dem Wasser ein Kreuz in die geöffnete Hand der Ankommenden: “Im Namen Gottes, des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes.” – “Amen.”. Erinnerung an die Taufe und den Eintritt in die Kirche – beim aktuellen Eintritt in die Kirche. In anderer Bewandtnis hier sein, unter neuen Einfluss geraten. Oder man denkt dazu, was man will.

Die Menschen sitzen in den hinteren Reihen der Kirche.

Ich beginne mit einer Einführung:

“So wie wir uns in die Kirche hinein bewegt haben, so führt die Liturgie in den Gottesdienst. Wir sitzen jetzt räumlich an der Stelle, an der in der Liturgie das Vorbereitungsgebet folgt.

Wir sind in den anderen Raum eingetreten mit Ankunft, Orgelvorspiel und Stille. Wir sind am Anfang des Gottesdienstes erinnert worden an den Anfang unseres Christseins, die Taufe. Daher bei den Katholiken die kleinen Tauferinnerungs-Becken am Eingang, daher hier das Kreuz in die Hand mit Wasser, daher die Nennung des Gottesnamens, der auch bei der Taufe klingt. Wir gehören nicht nur uns selbst, sondern sind Gottes Kinder.

Zu dieser liturgischen Formel, die wir nie wirklich verstehen, die aber wirkt, wenn sie gesprochen wird, kommt ein Votum derer, die Gottesdienst leiten. Z.B. ‚Unsere Hilfe steht im Namen Gottes’ – alle: ‚der Himmel und Erde gemacht hat.’ – ein Psalmwort, im Wechsel gesprochen. Hierhin gehört auch der erste liturgische Gruß: ‚Gott sei mit euch’ z.B., den alle beantworten ‚und mit dir’ oder ‚und mit deinem Geist’ – damit die Gemeinde denen den Segen zurückgrüßend zuspricht, die Gottesdienst halten. Eine Art gegenseitiger Kraftzuspruch also. Evtl. folgen knappe Ansagen, aber keine Abkündigungen.”

 

Wir singen einen Choral, z.B. EG 440, All Morgen, ich erläutere den Prozessions-Schritt, der in dem Rhythmus des Liedes steckt, wir gehen im Takt des Liedes ein paar Schritte im Mittelgang. Dann singen wir zum Vergleich EG 455, Morgenlicht leuchtet, deuten den Tanz im 3er-Schritt an und gehen dieser anderen Art von Morgenlied nach, unterscheiden kurz in der Reflexion die beiden Sing-Stile. Ich weise darauf hin, dass man mit verschiedenen Musikrichtungen verschiedene Stimmungen anregen kann – je nach Anlaß. Hier ist Zusammenarbeit mit der Kirchenmusik wichtig und eine agilere Singkultur als bisher.

 

“Nun folgt das Vorbereitungsgebet. Es eröffnet eine Reihe von Rufen und Gebeten (Vorbereitungsgebet, Psalm, Kyrie, Gloria, Tagesgebet), die alle der Annäherung dienen – an das Heilige, an die Gottesbegegnung, für die Gegenwart des Geistes. Wir sind nicht einfach bereit, wenn wir kommen. Eigentlich geht es die ganze Zeit des Gottesdienstes um die Öffnung des Menschen für Gott. Der ist ja anwesend, nur wir sind dafür nicht von selbst bereit. Es geht also immer wieder um ‚Bereitung’, um Übung zur Bereitschaft für Gott.

Beim Vorbereitungsgebet zeigen wir Gott, was wir mitbringen: Unruhe, Müdigkeit, innere Abwesenheit, Glück, unseren Körper mit seinen Regungen, Gleichgültigkeit, Verfehlung – was immer. Ich leite nun gleich probehalber ein solches Gebet ein, und Sie gehen einen Moment lang in der Stille dem nach, was Sie gerade bewegt. Egal, was es ist. Es kann auch nichts sein. Alles kann man Gott ‚hinhalten’. So entsteht vielleicht mehr Beziehung.

Wir pflegen diese Sitte übrigens auch im normalen Umgang: Kommen wir zu Freunden zum Essen, stehen wir erst im Flur, ziehen vielleicht die Schuhe aus, erzählen noch vom schreienden Kind zuhaus, das zu verlassen uns schwer fiel, bitten darum, noch einmal anrufen zu dürfen, ob alles gut ist – zeigen also, was uns noch bewegt, damit wir anschließend präsent sind für die Gastgeber, ihre ‚Botschaft’ und das Essen. Halten wir unsere Regungen zurück, so können sie uns den ganzen Abend beeinträchtigen, weil wir dauernd nach Haus denken. Indem wir in jeder Phase der Begegnung präsent sind, zuerst in Annäherung, dann im Hören, dann in Begegnung und Austausch, werden wir geführt und erfahren den Ur-Rhythmus göttlichen und menschlichen Lebens.”

 

Text für die Einleitung ins Vorbereitungsgebet (Beispiel): “Gott ist da. Laßt uns Gott zeigen, was uns jetzt bewegt. Was immer es ist, Ruhe, Interesse, Fragen, Mühen oder Schuld – alles kann ich hinhalten. Vielleicht wird es verwandelt im Lauf der Zeit. Laßt uns das in der Stille tun.”

STILLE (2 min) – ich setze mich hin wie alle  – in die gleiche Richtung – und vollziehe mit, was ich empfohlen habe.

Ich stehe auf und beginne ein Abschluß-Gebet als Beispiel:

“Barmherziger Gott, der du uns Vater und Mutter bist, wir kommen zu dir wie wir sind. Wir bitten dich: Überwinde, was trennt durch dein liebendes Wort. Wandle uns durch deine Gegenwart. Du hast dich unserer angenommen und bist unter uns in Jesus Christus.”

Alle: Amen.

 

Kurze Reflexion über diese Übung (5 min).

Ich mache einfach vor, was denkbar wäre, damit eine Anschauung entsteht. Danach folgt kurze Reflexion über die Wirkung, die so etwas hat (“Wie empfinden Sie die Möglichkeit, im Gottesdienst in der Stille vor Gott dazusein ?”). Wir zerreden nichts, wir nehmen wahr.

 

Weiter weise ich hin auf die Seiten im Evangelischen Gottesdienstbuch (S 493ff), wo geprägte Vorbereitungsgebete zu finden sind. Ich empfehle ausdrücklich die Form zu wählen, die den Menschen eine eigene Besinnung in der Stille erlaubt. Das stellvertretende Gebet anstatt der Stille hat nicht die gleiche Offenheit für das Persönliche zu Beginn einer geprägten Liturgie, auch wenn es hier gute Formulierungen gibt. Für spezielle Buß- und Beichtrituale im Gottesdienst liegen im Materialteil (Nr. 8) Formulierungen bei.

 

Nächster Schritt: Der Psalm

Ich bitte die Anwesenden, sich 1-2 Bankreihen weiter vorn hinzusetzen.

“Ein neuer Schritt in der Eingangs-Liturgie: Der Psalm. Er formuliert, was Menschen empfinden und zu Gott bringen. Eine weitere Annäherung.”

Ich leite an, den Psalm 118 (EG) miteinander zu sprechen, alle chorisch oder im Wechsel. Wir tun das.

Es folgt kurze Reflexion (3 min) über die Möglichkeit, gemeinsam den Psalm zu sprechen sowie über den Stil und die Empfindungen dabei.

Dabei äußern sich Menschen oft unzufrieden über die Schwierigkeit, chorisch zu sprechen, die Zeilenanfänge zu finden und über die Monotonie des gemeinsamen Sprechens.

Gelobt wird die Möglichkeit, durch den Abdruck im EG gemeinsam Psalmen beten zu können.

 

Ich leite nun an, den gleichen Psalm 118 in anderer Form zu sprechen und zu singen. Dabei gebe ich die Variante aus, die im Materialteil unter Nr. 3, Psalm-Ausführungen, zu finden ist. Wir stehen dabei. Diese Form erfordert auch etwas Konzentration, aber sie versucht Dynamik zu realisieren, die dem Psalm angemessen ist, und mit der Form des Sprechgesangs wird emotional eine andere Dimension angesprochen.

Ausprobieren und kurze Reflexion dazu (2 min).

 

 

Ich erläutere:

“In Vorbereitungsgebet und Psalm kann jeder Mensch seine eigenen Befindlichkeiten betend zum Himmel halten. Im Vorbereitungsgebet eher ganz persönlich und unhörbar für die anderen, vielleicht auch mit Betonung der Trennung/Sünde, im Psalm dann ausdrücklich. Psalmen nehmen gewissermaßen in geronnener Form Regungen auf, die Menschen haben, wenn sie leben – im Psalm 118 z.B. das Gefühl, auf der Gewinnerseite und bei Gott zu sein. Damit ermöglichen sie in der Gemeinschaft Gefühlsausdruck und kollektives Gebet, das nicht peinlich ist und von anderen geteilt werden kann. Damit man merkt, welche Gemütszustände in den Psalmen angeregt werden, ist es sinnvoll,

– sie öfter zu wiederholen, damit sich einprägt, was sie meinen,

– sie in der Form (Gesang, Chor, chorisches Sprechen usw) dem Inhalt gemäß zu gestalten, damit auch das Gemüt erfährt, was im Text enthalten ist.

 

Bisher singt oft der Chor den Psalm, ein einzelner Mensch betet ihn, oder die Gemeinde spricht ihn chorisch. Es gibt noch mehr Formen, die auch einfach zu realisieren sind. Ein Beispiel haben wir eben erlebt. Wenn Sie mit Selbermachen dran sind, ist das ein spannendes Feld für die eigene Kreativität.”

 

Nächster Schritt: Das Kyrie eleison

Ich bitte alle noch zwei Bank-, Sitzreihen weiter nach vorn.

“In Vorbereitungsgebet und Psalm kann jeder Mensch sich und seine eigenen Befindlichkeiten herausbeten und zum Himmel halten.

Im Kyrie-Ruf  betet er auch, aber er schaut eher von sich weg zu Gott hin. Er ruft nach Gott, wie ein Kind nach Papa und Mama ruft. Er ruft wiederholt, weil Mama und Gott selten sofort erscheinen. Er ruft ‚Gott (Herr), erbarme dich’, das ist die Übersetzung von ‚Kyrie eleison’. Er tut das, weil es in der Zeit der Annäherung an Gott nicht immer klar ist, wie es ausgeht: Wird es eine Wiedersehen geben ? Komme ich mit meinen Fragen an und vor ? Wird es gut werden, wenn wir uns begegnen ?

Gott ist fern, jedenfalls nicht ad hoc verfügbar. Man muss schon rufen – wie ein Kind. Vielleicht tut es uns gut, wieder einen Moment wie Kinder rufen zu dürfen. Sonst sind wir immer so erwachsen und antworten. Hier können wir einfach rufen nach Gott. Das bedingt aber, dass man es auch eine Weile lang tut. Unser ‚Straßburger Kyrie’ ist kurz. Es ist vorbei, eh es begonnen hat. Wie wenn ein Kind nur einmal ruft und sich dann zufrieden gibt. Singen wir es einmal.”

Wir singen das Kyrie in der Form der Agende 1, z.B. EG 178.2.

“Dies Kyrie ist wie ein Rahmen ohne Bild. In dieser Form wird gar nicht deutlich, was es meint. Man kann die drei Teile z.B. mit Zwischen-Gebeten versetzen, die deutlicher werden lassen, um was es hier geht (s. Gottesdienstbuch 91): Um gemeinsames Rufen nach Gott und die Ausrichtung.

Man kann auch einfach unser ganzes 3teiliges Kyrie wie immer, aber mehrmals, 2-3mal singen und dazwischen etwas beten und sich dann zum Gloria ‚hinüberbeten’. Ein Beispiel: (s. Materialteil Nr. 3).”

Wir probieren das Straßburger Kyrie oder ein anderes verdreifacht mit Zwischentexten.

“Wie ist diese Form für Sie ?” – folgt kurzer Austausch (3 min).

 

Nächster Schritt: Gloria in excelsis Deo

Ich bitte alle wiederum 2 Sitz-, Bankreihen nach vorn.

“Die Phase der Annäherung kommt nun zum Ende.

In Vorbereitungsgebet und Psalm das eigene betend nennen, im Kyrie nach Gott rufen, gewissermaßen mit dem Gestus zu Gott hin von uns weg.

Im Lob erinnern und vergegenwärtigen wir nun noch etwas dichter am Heiligen, was uns Gutes vom Himmel entgegengekommen ist und entgegenkommt.

Auf unser Rufen gab es Antwort, unser Bitten hatte eine Reaktion, wenngleich nicht immer die, die wir erhofften, aber vielleicht eine bessere.

In Jesus Christus  ist die Antwort überhaupt gekommen und unter uns.

Lob ist Jubel, der einen Menschen über sich selbst hinaus hebt. Die Ursprungs-Regung war vielleicht einmal ein Juchzen, ein Himmels-Schrei, ein Lachen ohne Grenzen. Das ist geronnen zu einer Form: ‚Halleluja’, ‚Ehre sei Gott in der Höhe’ oder ‚Gloria’. Es ist darin auch das Staunen enthalten und die alte Ehrfurcht, die etwas von der Größe Gottes und der Schöpfung weiß.

Das Lob setzt an der Stelle der Liturgie ein, wo alles Fragen und ‚Näherungs-Beten’ sich zuende dreht. Es symbolisiert den Einklang nach der Zeit der Entfernung. Aber auch im Gloria ist immer noch der archaische Abstand zu spüren, den wir Gott zu empfinden. Das muss kein Widerspruch zum Einklang sein. Alle Mystiker haben im Lob Abständigkeit und Einklang in bezug auf Gott zugleich empfunden.

 

Wenn wir ‚Allein Gott in der Höh’ sei Ehr’’ singen, dann auch wieder so kurz, dass von dieser Ursprungsregung fast nichts mehr spürbar ist.

Nehmen wir nur diese Strophe selbst und singen sie einmal in dem Dreiviertel-Walzer-Takt, in dem sie geschrieben ist:”

Ich bitte alle, sich unterzuhaken und zu schunkeln (zuerst nach links), und stimme an: ‚Allein Gott in der Höh’.

“Das ist nur ein kleiner Hinweis darauf, wie verhalten wir sonst loben. Vieles im EG ist deutlich lebhafter komponiert als wir es singen. Selbst wenn Sie stehend nur einmal alle drei Strophen dieses Liedes singen, spüren Sie bereits, was Lob sein kann. Aber es gibt noch eine Menge andere Lieder und ‚Schlager’, die sich dafür eignen. Warum eigentlich nicht mehrere lebendige Lob-Lieder nacheinander singen, wenn Lob an der Reihe ist ? Warum nicht Dankgebete oder Dank-und Lob-Psalmen oder Verse dazwischen ? Taize hat hier auch einiges zu bieten. Auch hier darf die Phantasie losgebunden werden (s. Materialteil).”

 

Nächster Schritt: Tagesgebet

Noch eine Reihe weiter nach vorn rücken.

“Das Tagesgebet fasst zusammen, was in der Eingangsliturgie dran war. Es nimmt den Anlaß des Tages auf, es ist keine Predigt und es ist kurz.

Früher wurde es von der Salutatio, dem wechselseitigen Gruß, vorbereitet, die steht jetzt am Anfang und vor dem Abendmahl.

Wenn im Kyrie oder im Lob-Teil genug zum Anlass oder Thema des Tages gesagt ist, dann kann das Tagesgebet auch wegfallen.

Wir werden später sehen, wie das Gottesdienstbuch überhaupt empfiehlt, im Eingangsteil Entscheidungen zu treffen, also nicht alle Teile auszuformen, sondern entweder mehr Psalm und dann kein Kyrie, oder Lob, in dem der Psalm enthalten ist usw.. Also Schwerpunkte setzen, nicht immer nur Teile addieren, sonst quillt alles so auf.

Damit sitzen wir nun hier in unserer Kirche an der Stelle, wo wir durch eine gediegene Annäherung freier sind für Gottes Wort und Mahl sowie dessen Inspiration.

Später werden wir uns noch weiter dem Ort annähern, an dem wir in unseren Wegekirchen das Heilige ansiedeln, dem Altar – beim Abendmahl.”

 

5 min Pause

Kurze Reaktionsmöglichkeit der TeilnehmerInnen auf diese Einheit (5 min) (Frage dazu: “Was ist mir aufgefallen oder aufgegangen ?”).

II. Eigene Umsetzung anhand des Gottesdienstbuches:

Es folgt der 2. Teil des Abends: Die TeilnehmerInnen  setzen das Erfahrene und Gehörte sofort um und gestalten eine eigene Eingangsliturgie mithilfe der traditionellen liturgischen Teile.

Ich erläutere das Schema des Gottesdienstbuches auf Seite 40 (10 min), gebe evtl. noch ein Beispiel und Seitenzahlen, wo man Anregungen findet, zeige, wie die Varianten jeweils einen Schwerpunkt betonen und dafür die anderen Teile zurücktreten.

Ausformungen dazu sind im Materialteil Nr. 3 angedeutet.

 

Es werden drei Gruppen zu den Teilen A1 (Psalm), A2 (Kyrie) und A3 (Lob/Gloria) gebildet. Man arbeitet los, gestaltet Varianten zu den herkömmlichen Formen von Psalm oder Kyrie oder Lob/Gloria (30 min). Jede Gruppe erstellt einen kompletten Ablauf des Eingangsteils selber, incl. der ersten Worte. (Wenn die Zeit fehlt, dann genügt vorerst die Gestaltung einer Variante des jeweiligen Schwerpunktes (Psalm, Kyrie, Gloria), den Rest denkt man sich oder schildert ihn beschreibend.)

 

Dann wird im Plenum gezeigt, was erarbeitet wurde. Vielleicht reicht die Zeit nur dafür, ein Ergebnis real zu vollziehen, die anderen werden einfach als Bericht angedeutet.

Wer die Variante nicht mitgestaltet hat, spielt Gemeinde und lässt sich führen. Wenn alles fertig ist, folgt eine Reflexion von 10 min, die den Regeln der Besprechung am ersten Abend (nach dem Spontan-Gottesdienst) folgt: Lob, Beeindruckendes nennen, Klarheit der Leitung betrachten usw..