Bestattung eines ungeborenen Kindes

 

  1. Ich würde rhetorisch in den Textteilen eher die Frage- als die Aussage-Form wählen. Also eher fragen: Wie können wir das verstehen? als zu sagen: Wir können das nicht verstehen? Und: wie sollen wir ertragen, dass…. als: Wir können nicht ertragen, dass… Niemand erwartet , glaube ich, Antworten, aber dass gefragt, auch gehadert werden darf, ist entlastend. Dabei sind die Menschen, die da zusammen kommen, durchaus verschieden in ihrer Betroffenheit und man ist manchmal überrascht, dass für manche dieser Tod einen Sinn, eine Bedeutung hat. Ich meine damit
  2. dass in den geprägten liturgisch-rituellen Teilen und in den Liedern durchaus objektivierende Gedanken, starke Glaubensaussagen, das vertraute „Dennoch“ anklingen dürfen. Das bewahrt einen davor, die Dinge zu (trauer-)psychologisch anzugehen, also zu viel verstehen und aufbereiten zu wollen, wennŽs theologisch und existentiell schon so schwierig ist. Also nicht zu viel Mühe um ein Verständnis für die Eltern und damit nicht eine zu große, erdrückende, wohltuende Distanz raubende Nähe, sondern ein Gottesdienst, in dem das Kind Gott anvertraut wird und die Eltern „adieu“ sagen können. Das ist sehr viel. Mehr ist aber auch gar nicht gemeint. Schon gar nicht ist die Pastorin dafür verantwortlich, eine Lösung zu finden oder die richtigen Worte… Weniges reicht.

 

Zwei Texte, die mir spontan einfallen, nicht um sie zu zitieren, sondern um sich vielleicht von ihnen anregen zu lassen zu eigenen Gedanken:

Bonhoeffer, Gebet für Mitgefangene:

„Gott, zu dir rufe ich. Hilf mir beten und meine Gedanken sammeln zu dir; ich kann es nicht allein. In mir ist es finster, aber bei dir ist das Licht; ich bin einsam, aber du verläßt mich nicht; ich bin kleinmütig, aber bei dir ist die Hilfe; ich bin unruhig, aber bei dir ist der Friede; in mir ist Bitterkeit, aber bei dir ist die Geduld; ich verstehe deine Wege nicht, aber du weißt den Weg für mich…“

 

Und R.M.Rilke in „Briefe an einen jungen Dichter“:

„Ich bitte Sie, Geduld zu haben gegen alles Ungelöste in Ihrem Herzen und zu versuchen, die Fragen selbst lieb zu haben wie verschlossene Stuben und wie Bücher, die in einer sehr fremden Sprache geschrieben sind. Forschen Sie jetzt nicht nach den Antworten, die Ihnen nicht gegeben werden können, weil Sie sie nicht leben könnten. Leben Sie jetzt die Fragen. Vielleicht leben Sie dann allmählich, ohne es zu merken, eines fernen Tages in die Antworten hinein ….“

 

Zum Ritus:

Das Kind hat es fertiggebracht aus zwei Leuten Eltern zu machen, auch wenn es nicht aus dem Bauch herauskam.

Seine Kraft in den kurzen Monaten ist also nicht klein, und es ist ein Mensch. Daher Bestattung mit allem, was zur Bestattung gehört.

Nicht stören an ‚unkirchlich’ usw.. Wir machen im Prinzip unseren Ritus, und was sie davon verstehen verstehen sie, der Rest geht in die Träume ein oder daneben.

Ggf. behutsame Abschiedsgesten, das Berühren des Sarges, Schmuck, Lichter, Blumen und Blüten

 

Anfang:

Raum sichern (wo ist das?), also schön gestalten, Kerzen anzünden lassen (Schale mit Sand mitbringen mit einer Kerze, an der Kerzen anzünden lassen auch für die Menschen, die noch im Raum sein sollten).

Miteinander sitzen.

Beginn Im Namen Gottes, des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes

Ihnen was singen (Psalm oder Choralstrophe, die du liebst).

 

Mitte

Erinnerungen an die Zeit der Schwangerschaft.

Hoffnungen nicht aufgeben, sondern vertagen.

Dann aber auch das Kind hergeben.

Text lesen.

 

Aussegnung des toten Kindes. Wenns geht stehst du dabei zwischen Eltern und Kind, damit die Trennung deutlich wird.

 

Segen (ggf. mit Handauflegung für die Eltern)