Beichte, einzeln

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„Die heimliche Beichte will ich von niemandem nehmen lassen und wollte sie nicht uni der ganzen Welt Schätze geben, denn ich weiß, was Stärke und Trost sie mir gegeben hat. Ich wäre längst vom Teufel überwunden und abgewürgt worden, wenn mich diese Beichte nicht erhalten hätte“

Martin Luther

 

„Ein Katholik hat die Beichte, um sich von seinem Geheimnis zu erholen, eine großartige Einrichtung; er kniet nieder und bricht sein Schweigen, ohne sich den Menschen auszuliefern, und nachher erhebt er sich, tritt wieder seine Rolle unter den Menschen an, erlöst von dem unseligen Verlangen, von Menschen erkannt zu werden. Ich habe bloß meinen Hund, er schweigt wie ein Priester, und bei den ersten Menschenhäusern streichle ich ihn … und wir nehmen einander wieder an die Leine. „

Max Frisch

 

Über die Beichte

ABLAUF

Zum Menschsein gehört die Erfahrung von Sünde und schuldhafter Verstrickung. Mit „Sünde“ meint die Bibel nicht in erster Linie menschliche Verfehlung oder ein individuelles Schuldgefühl; und erst recht nicht ist Sündigen „zu viel Schokolade essen“. Sünde bedeutet vielmehr: getrennt sein, sich abgeschnitten fühlen von Gott, der Quelle des Lebens (‚Sund‘ heißt ‚Graben‘ – daher das Wort ‚Sünde‘). Sünde drückt sich dann auch aus als Beziehungsstörung: im Blick auf mich selbst, das Verhältnis zum Mitmenschen und zur Schöpfung.

Beichte wird hier als Form der Versöhnung verstanden. Ein Mensch findet zu Gott, zu sich, zu den anderen und zur Welt zurück, wenn er sich der Zuwendung Gottes neu erinnert. Im Licht der Liebe Gottes ist es möglich, auch die Gräben und Verstrickungen meines Lebens zu benennen.

Im Vollzug der Versöhnung spricht ein Mensch zu Gott in das Ohr eines anderen Menschen. Insofern ist Beichte eine Form des Gebets. Der Hörende begleitet dies Gebet durch Fragen und Unterstützung. Er oder sie spricht im Namen Gottes Segen oder Freispruch zu, wenn das gewünscht ist. Beichte mit Freispruch („Absolution“) ist dann sinnvoll, wenn eine Verstrickung oder eine Schuld im Leben des Menschen auftaucht, die aus eigener Kraft nicht zu lösen ist.

Alles, was hier gesagt wird, unterliegt dem Beichtgeheimnis. Der Hörende darf mit niemandem darüber reden (selbst vor Gericht nicht), und er wird Sie nie wieder auf das Gesagte ansprechen. Er ist nur Zeuge für das, was Sie Gott in der Beichte sagen wollen. Sie können in der Beichte etwas aussprechen, womit Sie sich seit langem quälen und was schwer auf Ihnen lastet, Sie können aber auch über das reden, was Sie im Alltag hindert, ein Leben zu führen, das Ihrer würdig ist und Gott gefällt.

 

Votum

Jesus sagte zu seinen Jüngern: Nehmet hin den Heiligen Geist! Welchen ihr die Sünden erlasset, denen sind sie erlassen; und welchen ihr sie behaltet, denen sind sie behalten Johannes 20,22b-23

 

Psalm 139

Herr, du erforschest mich und kennest mich. Ich sitze oder stehe auf, so weißt du es;

du verstehst meine Gedanken von ferne. Ich gehe oder liege, so bist du um mich und siehst alle meine Wege.

Denn siehe, es ist kein Wort auf meiner Zunge, das du, Gott, nicht schon wüßtest.

Erforsche mich, Gott, und erkenne mein Herz; prüfe mich und erkenne, wie ich’s meine. Und siehe, ob ich auf bösem Wege bin,

und leite mich auf ewigem Wege.

 

Gebet

Gott, du nimmst uns so, wie wir sind, das gibt uns den Mut, ehrlich zu sein, vor uns selbst und vor dir. So treten wir vor dein Angesicht, um dir zu sagen, was uns belastet: unsere Sorge, unsere Schuld, unsere Angst.

Gott, der du uns Vater und Mutter bist, öffne du unser Herz, Dir möchten wir hinhalten, was uns bewegt.

Wir wissen nicht, was wir sagen sollen und sind doch voller Sehnsucht nach Klarheit. Hilf uns beim Sprechen und Hören.

Amen

 

(Beicht-) Gespräch

 

Gebet und Segnung (mit Handauflegung, dazu erheben sich beide) oder:

 

Einladung zur Beichte

Bei Wunsch nach Absolution / Freispruch

Frage: Ist Dir von Herzen leid, was du gebeichtet hast?

Antwort: Ja, es ist mir von Herzen leid!

Frage: Erbittest Du die Vergebung deiner Schuld?

Antwort: ja, darum bitte ich?

Frage: Glaubst du, daß die Vergebung, die ich dir zuspreche, Gottes Vergebung ist, so antworte: ‚Ja.‘

Antwort: Ja.

Absolution (mit Handauflegung):

Wie Jesus die Seinen beauftragt hat, Sünden zu vergeben, so handle ich gemäß seiner Weisung an dir: Im Namen Gottes, des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes – Dir ist alle deine Schuld vergeben, die bewußte und die unbewußte.

Die Last der Vergangenheit ist abgetan.

Gott setzt heute in deinem Leben einen neuen Anfang. Du bist frei.

Gebet, Vaterunser und Segnung