UNTER FREIEM HIMMEL

Virologisch ist frische Luft eine feine Sache.

Mit überschaubaren Gruppen, dem gebotenem Abstand und Masken sind Gottesdienste, Andachten, Taufen und Trauungen unter freiem Himmel sicher eine gute Sommeralternative in coronischen Zeiten.

Bei guter Vorbereitung ist damit zu rechnen, dass die Menschen ziemlich beglückt nach Hause gehen, weil viele Menschen das Feiern mit Blick und Weite sehr schätzen.

Damit Freiluftgottesdienste auch gelingen, hier einige Hinweise aus der Praxis.

Vorbereitungszeit

Einen Gottesdienst unter freiem Himmel vorzubereiten ist deutlich mehr Arbeit als in einer Kirche, die doppelte bis dreifache Zeit ist durchaus realistisch.

Wahl des Ortes

Am einfachsten sind Gottesdienste in der Nähe von Kirche und Gemeindehaus auf gemeindeeigenen Grundstücken oder auf Privatgrundstücken von Gemeindegliedern (Gärten, Bauernhöfe, Betriebe) zu realisieren,

weil man Stühle und Bänke und andere Materialien nicht so weit schleppen muss

weil alle den Ort finden (Adresse)

weil man keine Genehmigung einholen muss.

weil man bei Regen oft unter ein Dach schlüpfen kann.

Naturnahe attraktive Orte mit Blick auf Seen, Flüsse oder Meere, Lichtungen und Hügel bieten oft mehr fürs Auge und die Sinne und ziehen auch spontane BesucherInnen an.

Aber der Aufwand ist deutlich höher:

Das Material muss weiter transportiert werden.

Der Ort muss gut beschrieben und ausgeschildert sein (Öffentlichkeitsarbeit!)

Der Gottesdienst muss von der Kommune genehmigt werden.

Das gilt auch für Gottesdienste auf Spielplätzen, Straßenkreuzungen, Parkplätzen o.ä.

Sitzordnung

Es lohnt sich, zu überlegen, welche Form von Gemeinschaft und Stimmung entstehen soll und dann zu experimentieren, wo und wie und worauf die Menschen sitzen sollen und wohin sich der Gottesdienst ausrichtet: Auf Christus mitten unter uns (Kreisform), auf ein fernes Heil (frontale Aufstellung z.B. mit einem Altar im Fluchtpunkt), oder eine Aufstellung, die beides ermöglicht (Halbkeis, Oval). Alles ist erlaubt, aber alles hat seine eigene Wirkung. Insofern es ist gut, sich vorher konzeptionelle Gedanken zu machen.

Gestaltung

Gottesdienste unter freiem Himmel, leben stark von der Atmosphäre vor Ort.

Deshalb kann man durchaus stärker als in der Kirche auf Musik und auch auf Stille setzen. Kürzere Wortanteile kommen der geringeren Aufmerksamkeitsspanne draußen entgegen.

Akustik

            Klar, die Leute sollten etwas hören, deshalb sind zwei akustische Fragen zentral:

Gibt es akustische Konkurrenz?

(Die gilt es auszuschalten, was ggf. Absprachen vor Ort erfordert.)

Welche Verstärkung braucht es?

Wenn man öfters raus gehen will, lohnt die Anschaffung einer kleinen Box mit Ständer und zwei Eingängen, das reicht für zwei Mikrophone bzw. ein Mikrophon und ein Instrument (Gitarre, E-Piano). In meiner Arbeit hat sich sehr bewährt: Bose S1 Pro System mit einem Roadworx Speaker stand 2, dazu ein Mikrophon der Mittelklasse, z.B. Shure SM58S mit Kabel z.B. the sssnake SM10 BK und Ständer z.B. Millenium MS 2005 und ein Windschutz, Gesamtkosten ca. 850 Euro, ggf. braucht es noch Verlängerungskabel.

Das reicht für einen schönen Sound für bis zu 150 Leute, auch bei Wind, wiegt nur sechs Kilo und läuft mit Akku viele, viele Stunden. (es braucht also keine Steckdose, sehr praktisch!). Die Bedienung ist wirklich einfach und schnell und auch für technisch wenig begabte Menschen zu begreifen. Natürlich gibt es in dieser Preis- und Qualitätsklasse auch andere Firmen und Produkte, aber die Eckdaten dieser Geräte sind vielleicht ein guter Hinweis, um in eine sinnvolle Anlage für Gottesdienste an der frischen Luft zu investieren, wenn die Stimme – auch wegen des Abstandsgebotes –  nicht reicht.

Wer Kabelmikros nicht mag, kann natürlich auch in funkgesteuerte Headsets investieren, in dem Wissen, dass das alles ein bisschen aufwändiger wird und auch störanfälliger. Wer mehr Instrumente anschließen will, braucht ein kleines Mischpult, z.B. Yamaha MG12, ca. 300 Euro plus Kabel, das ist dann für die technisch unbegabte Fraktion u.U. schon ein wenig nervig.

Katharina Gralla, Gottesdienstinstitut Nordkirche 4-2020

SPAZIERGANG MIT DEN PERLEN DES GLAUBENS – AUCH OHNE PERLEN MÖGLICH

 

Ein gemeinsamer Weg mit den Perlen des Glaubens, angeleitet für eine kleine bis mittelgroße Gruppe.

Bevor es losgeht, muss die Leitung einen Spazierweg gefunden haben, der gute Ort für die einzelnen Stationen bietet. Zwei bis vier Kilometer, mehr sollten es nicht sein. 

Wem die Perlen des Glaubens nicht vertraut sind, kann die Stationen auch ohne Perlen gehen. Es sind Lebensthemen und Lebensfragen, die auch unabhängig von den Perlen funktionieren.

Auf Abstand und Hygieneregeln ist jederzeit zu achten.

 

START mit der Gottes-Perle

Einladung für einen Spaziergang, mit den Perlen des Glaubens/zu Lebensthemen und Lebensfragen, mal jeder für sich, mal im Austausch mit anderen. Wenn die Glocke läutet, halten wir einen Moment inne und es gibt einen kleinen Impuls zum Nachdenken, manchmal auch eine Übung, die alle so mitmachen können, wie es gut für sie ist. An einer Stelle werden wir auch eine kleine Pause machen, um uns auszuruhen und gegenseitig zu stärken.

Versucht jetzt, ganz bei euch selbst zu sein, euren eigenen Weg zu gehen und dabei ein Teil dieser wunderschönen Natur zu werden. Gott ist da, er ist wie das Licht der Sonne und Schönheit des Frühlings, Er ist uns ganz nahe auf dem Weg wie Jesus, der als Auferstandener unsichtbar mitgeht. Und Gott ist auch spürbar bei jedem Atemzug, den wir tun, Wind-Geist-Leben und lebendig in unserer Gemeinschaft, die vom Heiligen Geist zusammengehalten und getragen wird.

Evtl. ein Lied singen

Lasst uns jetzt losgehen. Lasst los, was noch auf euch lastet, geht einen neuen Weg.

10 min. im Schweigen gehen

  1. STATION – Blick aufs Wasser

Ich-Perle und Tauf-Perle

Wer bin ich? Woher komme ich? Wohin gehe ich? Was macht mich aus? – Hand aufs Herz, meine Lebendigkeit spüren

Blick aufs Wasser: Aus dem Wasser bin ich geboren. Wasser kann gefährlich sein und schön wie jetzt

Erinnerung an meine Taufe: Hingehen und sich zeichnen mit dem Wasserkreuz oder: sich gegenseitig ein Wasserkreuz aufmalen auf Stirn oder Hand und sagen: „Du bist getauft auf den Namen Gottes des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes“

5 min. Weitergehen und dabei meinen eigenen Namen und seine Bedeutung meditieren

  1. STATION – Blick auf den Boden

Perle der Wüste

Wer bin ich? Wie stehe ich im Leben? Was gibt mir Stand und Halt, wenn der Wind weht?

Ich gehöre zu Gott. „Du stellst meine Füße auf einen weiten Raum.“ (Ps 31, 9).

Boden unter den Füßen spüren, wanken, einen festen Stand im Sand finden – Bewußtes Weitergehen, Schritt für Schritt setzen, danach eine Zeitlang Pilgerschritt gehen

5 min. im Pilgerschritt

  1. STATION – Blick in den Himmel

Perle der Gelassenheit

Was brauche ich zum Leben? Und was kann ich auch lassen? Was möchte ich loslassen?

Übung Hände zur Faust und dann bewußt öffnen.

„Seht die Vögel unter dem Himmel an, sie säen nicht, sie ernten nicht, sie sammeln nicht in die Scheune, und euer himmlischer Vater ernährt sie doch!“ (Mt 6, 26)

Übung guter Platz, Wachsen wie ein Baum, in dem Vögel nisten können

… der ist wie ein Baum, gepflanzt an den Wasserbächen (Ps 1)

10 min. Weitergehen im Schweigen mit der Frage: Wo und wann blühe ich auf?

 

  1. STATION –  Blick in die Runde, nicht alleine sein

mit den Perlen der Liebe unterwegs

Übung: Um die Wette laufen für eine kleine Strecke. Dann stehenbleiben, Herzklopfen spüren

Was bringt mich in Bewegung? Äußerlich und innerlich? Wann spüre ich mein Herzklopfen besonders dolle? Ärger und Wut, Verliebtsein, Freude …

Sich zu zwei zusammentun und einander „Herzklopfengeschichten“ erzählen.

10 min. weitergehen

  1. STATION – Pause und Stärkung in der Gemeinschaft für den weiteren Weg

Perlen der Geheimnisse als ein Bild für Gemeinschaft und die Geheimnisse des Glaubens, die wir teilen wie Wasser und Brot und Erzählen

„Sie blieben aber beständig in der Apostellehre und in der Gemeinschaft und im Brotbrechen und im Gebet (Apg 2,42)

 

  1. STATION – Blick ins Dunkel und ins Licht

Perle der Nacht und der Auferstehung

Entweder: Schwarze Perle meditieren, Abklopfübung, alles Luft und Wasser überlassen

Danach sich neu ausrichten, aufrichten, als „freier Mensch“ weitergehen

(Alternativ Weitergehen bis zu einer Stelle, wo Bäume stehen. Sich einen Baum aussuchen und eine Dunkelerfahrung erzählen.

  1. STATION – Abschlußrunde, aber ohne Reden

Goldene Perle und der Segen

„Wir sind am Ziel unseres Strandspazierganges angekommen. In unserem Perlenband steht die goldene Perle am Anfang und am Ende. Die Gottesperle fragt uns, wer unser Leben zusammenhält. Gott sagt von sich:„Ich bin das A und das O, der Anfang und das Ende.“ (Offb 21,6)

Einen Kreis miteinander bilden. Entweder einen großen, oder zwei mit Kindern innen und Erwachsenen außen. Segen weitergeben.

Lied: „Du bist ewig“

Das Gold erinnert an die Herrlichkeit und Weisheit Gottes. Der christliche Glaube möchte Mut machen für den Weg, der vor Dir liegt. Du gehst ihn nicht alleine. Gott geht mit Dir.“

Schluss, kein weiterer Austausch

Pastorin Dr. Kirstin Faupel-Drevs, Nordkirche, www.doppelfisch.de

Ideen und Materialien für Offene Kirchen

Kirchen sind Räume für die Seele. Auch Menschen, die lange nicht mehr Mitglied der Kirche sind, besuchen Kirchen, zünden Kerzen an, kommen zur Ruhe und ahnen vielleicht etwas von jener Kraft, die wir Gott nennen. In Sorgen erfüllten Zeiten brauchen wir solche Schutzräume.  Sie erinnern an Trost und Hoffnung, an Kraft, die nicht aus uns selbst kommen muss.

Die Größe unserer Kirchen ermöglicht es, Menschen diesen Raum zu geben und trotzdem den Abstand zu wahren.

Kirche macht sich auf

  • Die Öffnung der Kirche wird mit dem Hoffnungsläuten verbunden.
  • Musiker vor der offenen Kirche laden hörbar ein.
  • Seifenblasen vor die Kirche stellen, Straßenmalkreiden für Kinder
  • Fürbitten an der Wäscheleine
  • Gottesdienste to go im Marmeladenglas oder in der Brottüte
  • Musiker spielen regelmäßig vor der Kirche bei einladend offenem Portal.
  • Kirchenmusiker spielen während der offenen Kirche.

Herzlich willkommen!

Gestalten Sie einen Begrüßungstisch: Blumen, ein Gebet, eine kurze Anleitung zur Meditation, Segenskärtchen, Andachten zum Mitnehmen – und Desinfektionsmittel.

Schriftentisch mit Informationen aus der Gemeinde, der Kommune, Hilfsangeboten, geistlicher Literatur. Weniger ist oft mehr. Eine übersichtliche Anordnung erhöht die Attraktivität.

Eine Reihe von modern designten Mitnehmkärtchen mit Gebetstexten und Bibelversen sowie Segensbändchen können Sie beim Gemeindedienst der Nordkirche bestellen. https://www.gemeindedienst-nordkirche.de/aktuelles/shop/ Auch beim Gottesdienstinstitut der Bayerischen Landeskirche https://shop.gottesdienstinstitut.org/und-vieles-mehr/materialien-fuer-die-offene-kirche.html gibt es ansprechendes Material.

Angebote im Kirchraum:

  • Eine Fürbittenwand.
    Auf einem Tisch davor Karten und Stifte, Nadeln und Desinfektionsmittel
  • Möglichkeit zum Anzünden einer Kerze evtl. kombiniert mit der Möglichkeit, Gebete auf Kärtchen zu schreiben.
  • Möglichkeit, Steine an einem Ort/ auf dem Altar abzulegen als Symbol für das Schwere
  • Möglichkeit für einen Eintrag in ein Buch – was bewegt (Klage – Dank etc.)
  • Ein solches Anliegenbuch kann auch beim Gemeindedienst der Nordkirche (s.o.) bestellt werden.
  • Möglichkeit mit Stiften und Wachsmalkreiden kreativ zu werden.
  • Je nach Räumlichkeit Möglichkeit, sich auf den Boden/Matten zu legen und das Kirchendach oder die Kirchenfenster zu betrachten, Sofa und Sessel in Seitenkapellen
  • Möglichkeit, Bilder einer Wanderausstellung oder von lokalen KünstlerInnen zu betrachten. de und der kirchliche Kunstdienst der Nordkirche sind bei der Realisierung hilfreich. https://hb1.nordkirche.de/institutionen/kirchlicher-kunstdienst.html
  • Angebot zum Gespräch (in der nötigen Distanz und Mundschutz) und zur Seelsorge – gerade auch für Menschen, die allein leben und in der Gefahr sind zu „vereinsamen“.

Voraussetzungen

  • Eingangskontrolle (durch einen Menschen, der nicht einer Risikogruppe angehört)
  • Hygienespender / Desinfektionsmittel bzw. Hinweis auf ein Waschbecken mit warmem Wasser und Seife
  • möglicherweise getrennter Ein- und Ausgang
  • Ansprechperson in der Kirche
  • Klare Öffnungszeiten
  • Bekanntmachung
  • Dazu gibt es beim Gemeindedienst Plakate, Plexiglasschilder und Faltblätter („Tritt ein“ – Die Kirche ist offen“)

 

Für die Bestellung und für alle Fragen rund um „Offene Kirchen“ ist Ulrich Schmidt Ihr Ansprechpartner:

040 / 30 620 12 31 Mobil: 0172 / 414 59 47

ulrich.schmidt@gemeindedienst.nordkirche.de

„Kindergottesdienst in der Natur: „Du deckst mir einen Tisch!“

https://www.youtube.com/watch?v=3RVhdQq8MdI