Gottesdienste in dieser Zeit

GOTTESDIENST ZUM SCHULANFANG

 

Einschulung 2020

Hoch hinaus und nach den Sternen greifen…

Vorbemerkung: Die Kirchengemeinderäte haben staatliche Auflagen und Empfehlungen der Kirche an die örtlichen Gegebenheiten angepasst und als Richtlinien umgesetzt. Falls nicht gemeinsam gesungen werden darf, sollte in keinem Fall auf Musik verzichtet werden. Denkbar ist eine kleine Gruppe, die von Instrumenten begleitet, mit Abstand zueinander und den Gottesdienstbesucherinnen, stellvertretend singt. Dann werden die Lieder nicht auf den Liederzettel gedruckt. Wenn das Wetter es zulässt, kann der Gottesdienst draußen (vor der Kirche, auf dem Schulhof, im Park oder Wald) gefeiert werden. Es muss trotzdem genügend Abstand zwischen den Stühlen und Bänken gelassen werden. Wir hoffen, dass es weitere Lockerungen geben wird und Lieder und Kinderstimmen nach dem Sommer wieder frei und laut erklingen können! Alles andere: kurz und knackig, liebevoll und mit Abstand!

 

Glocken

Musik

Begrüßung

Im 147. Psalm heißt es: „Gott heilt, die zerbrochenen Herzens sind, und verbindet ihre Wunden.

Gott zählt die Sterne und nennt sie alle mit Namen. Unser Gott ist groß und von großer Kraft,

und unermesslich ist Gottes Weisheit.“

Wir sind zusammen gekommen, um Gottesdienst zu feiern. Gott wollen wir um Segen bitten – für alle, die heute ihren großen Tag haben und für alle, die die Kinder begleiten. Wir wollen zusammen singen, eine Geschichte hören und all das vor Gott bringen, was uns auf dem Herzen liegt. Wir sind da und Gott ist auch da. Amen.

Lied

Du bist da, wo Menschen lieben (Kindergesangbuch 147, Menschenskinderlieder 42)

Schalengebet

Ich möchte euch bitten, mit den Händen eine Schale zu formen. Wer mag, schließt die Augen. Wir stellen uns vor, dass wir in diese Schale alle Gedanken hineinlegen, die Gott sehen und hören soll. Alles, was wir heute Morgen Schönes und Nicht-so-Schönes erlebt haben. Das Fröhliche. Die Aufregung. Die Freude. Das Lachen. Auch wenn wir ein bisschen Angst haben oder uns geärgert haben – alle Gedanken und Gefühle, die wir mitbringen, können wir in die Schale legen und Gott zeigen. Stellt euch vor, wie ihr alles in eure Schale legt. (ein Moment Stille)

Dann schließt die Hände vorsichtig und dreht die Fingerspitzen nach oben.

Gott, das alles haben wir mitgebracht. Zu dir dürfen wir kommen, so wie wir sind. Mit Ärger und Freude, mit Angst und Mut. Alles siehst du und schaust uns freundlich an. Danke, dass du da bist. Amen. (Die Finger werden behutsam geöffnet und die Gedanken freigelassen).

 

Geschichte

Es wird die Geschichte vom Turmbau zu Babel erzählt. Sie steht im ersten Buch der Bibel: 1. Buch Mose (Genesis) Kapitel 11, Verse 1-9.

Vor langer Zeit lebten alle Menschen zusammen. Sie sprachen die gleiche Sprache und lebten nah beieinander. Sie wollten sich nicht an den unterschiedlichen Orten der Welt verteilen. Sie wollten zusammen in einer großen Stadt leben. Also bauten sie eine große Stadt. Ein Haus nach dem anderen. Aber irgendwann dachten sie sich, es wäre noch schöner, wenn sie im Himmel leben könnten. Sie begannen, einen Turm zu bauen. Gemeinsam legten sie Stein auf Stein. Der Turm wurde immer größer und größer. Er überragte die kleinen Häuser und dann die großen Häuser und dann reichte er fast bis zu den Wolken.

„Bald haben wir die Wolken erreicht“, rief einer dem anderen zu. „Baut schneller! Baut höher!“

Gott hörte, wie die Menschen Geländer bauten und Holz zusammen zimmerten und dann schnaufend die Steine hochschleppten und aufeinander setzten. Alle halfen mit. Die Männer und die Frauen und die Kinder. Sie riefen sich zu: „Schaut nach oben! Bald haben wir es geschafft! Bald können wir in den wunderbaren weißen Wolken wohnen und auf ihnen spazieren gehen.“

„Ich habe die Erde geschaffen, damit ihr einen wunderbaren Ort zum Wohnen habt“, sagte Gott. „Die Wolken sollen euch Schatten geben, wenn die Sonne zu sehr brennt. Sie sollen euch das Wasser bringen, wenn die Pflanzen durstig sind. Aber hier könnt doch nicht in den Wolken wohnen. Hier wachsen keine Pflanzen, hier ist kein Boden, der euch trägt.“

Aber die Menschen hatten Gott gar nicht gehört. Denn sie schnauften und hämmerten und bauten an ihrem Turm. Immer weiter.

„Hört doch auf mich! Die Erde ist wunderbar für Euch geschaffen.“, rief Gott. Aber niemand hörte Gottes Worte.

Sie bauten und machten sehr viel Krach dabei. Und sie erzählten einander Geschichten von der großen Sintflut. Damals hatte Noah eine Arche gebaut. So wurde die ganze Familie gerettet. Wenn sie jetzt aber einen Turm hätten. Dann könnte ihnen nichts passieren. Auch nicht, wenn Gott ihnen vor der nächsten Sintflut nicht rechtzeitig Bescheid sagte. Und so bauten sie immer höher und höher.

„Nein“, rief Gott. „Das habe ich doch versprochen! Es wird keine Sintflut mehr geben. Ich habe da wohl etwas überreagiert.“

Aber die Menschen bauten weiter und hörten Gottes Worte nicht.

„Baut schneller! Baut höher!“, riefen sie immer wieder. Ihre Gesichter waren verschwitzt. Ihre Hände waren voller Blasen und Schürfwunden. Die Menschen wurden müde und trieben sich immer weiter an. Und dann geschah es. Ein Mädchen war von dem langen Weg nach oben so müde geworden, dass es mit seinem Arm voller Steine beinahe den ganzen Turm hinunter gestürzt wäre.

„Gott sei Dank!“, riefen die einen. „Da haben wir Glück gehabt“, sagten die anderen. Alle klopften dem Mädchen auf die Schulter. Dann bauten sie weiter.

Aber Gott sprach ein Machtwort. Gott wollte keine Sintflut mehr schicken. Auf keinen Fall! Das hatte Gott ja versprochen. Aber Gott wollte auch nicht dabei zusehen, wie der große Turm wichtiger wurde als das Leben eines einzelnen Menschen. Nein, dabei wollte Gott nicht zusehen.

Da sauste der Heilige Geist wie ein Wind durch die Köpfe und Herzen der Menschen. Und plötzlich sprachen sie alle unterschiedliche Sprachen und verstanden einander nicht mehr.

„Gib mir den Stein“, rief einer. Und eine andere gab ihm ein Stück Holz. Denn sie sprach jetzt eine andere Sprache. Da schauten sich die Menschen ratlos an. Und dann schauten sie an dem Turm herunter und staunten, wie weit sie sehen konnten.

„Seht, die herrlichen Berge“, riefen die einen. „Dort lässt es sich doch bestimmt hervorragend wohnen!“

„Ach, wie schön“, riefen andere. „Da glitzert das blaue Meer. Wie glücklich wäre ich, wenn ich jeden Tag am Meer sein könnte.“

„Da sind herrliche grüne Wiesen und Felder. Da würden sich meine Tiere wohl fühlen und könnten jeden Tag frisches Gras fressen.“

Und so redeten die Menschen durcheinander von den Bäumen und den Feldern und dem Meer und den Bergen. Aber sie verstanden einander gar nicht. Sie gingen in unterschiedliche Richtungen, um ein neues Leben anzufangen.

„Huch“, sagte der Heilige Geist. „Das wollte ich doch nicht. Jetzt laufen sie alle auseinander.“

„Das macht nichts“, sagte Gott. „Nun können sie die Schönheit dieser Erde entdecken. Und irgendwann werden sie zusammen kommen und einander davon erzählen.“

Lied

Guter Gott, dankeschön (Kindergesangbuch 5, Menschenskinderlieder 51)

Ansprache

Wer von Euch ist schon mal richtig hoch in einen Baum geklettert? Hebt mal eine Hand. (Vielleicht brauchen die Eltern an dieser Stelle die Erlaubnis, dass sie mitmachen dürfen J) Wer von Euch wollte schon mal bis zu den Wolken weiterklettern? Hebt mal die Hand. Wer ist schon mal aus einem Baum oder von einem Klettergerüst gefallen und hat sich wehgetan? Hebt mal einen Fuß. Wer ist trotzdem wieder losgeklettert? Hebt mal den anderen Fuß.

Wer hat schon einmal geträumt, dass er oder sie fliegen konnte? Hebt mal beide Hände. Und wer hat heute morgen ein bisschen Bauchschmerzen, weil heute der erste Schultag ist? Hebt mal den kleinen Finger. Und wer freut sich auf diesen Tag und will, dass es endlich losgeht? Hebt mal beide Hände.

 

Ich glaube, dass die Geschichte vom Turmbau zu Babel in der Bibel steht, um uns daran zu erinnern, dass es wunderbar ist, nach den Sternen zu greifen und davon zu träumen, ganz viel zu erreichen und immer weiterzukommen. Höher zu klettern. Sogar zu fliegen. Aber wenn wir nicht aufeinander Acht geben und uns nicht mehr über das freuen, was wir schon haben, dann wird es gefährlich. Dann „verlieren wir den Boden unter den Füßen“, wie es ein geflügeltes Wort in unserer Sprache ist.

Deshalb bitte ich euch: bleibt auf eurem Platz und schaut euch mal um. Wen könnt ihr alles sehen? Machen die Menschen, die ihr seht, ein besorgtes oder ein fröhliches Gesicht? Und wenn ihr aufsteht? Wen seht ihr dann?

Und jetzt könnt ihr nach den Sternen greifen. Streckt euch mal so hoch ihr könnt. Greift nach den Sternen! Lernt alles, was Ihr unter die Finger bekommt! Und schaut mal zwischendurch nach links und rechts, ob es allen noch gut geht, die mit Euch unterwegs sind. Amen

 

Segen für die Schulkinder

Liebe Schulkinder, wo möchtet Ihr den Segen Gottes spüren? Auf den Händen? Auf dem Kopf? Auf den Schultern? Probiert es mal mit Euren Eltern aus und allen, die Euch heute begleiten. Lasst Euch die Hände auf den Kopf, die Schultern, die Hände legen. Wo gefällt es Euch am besten? (Warten, bis alle sich sortiert haben und es wieder ruhig wird. Gegebenenfalls die Kinder noch einmal ermutigen, diese Entscheidung zu treffen und zu kommunizieren.) Ich spreche vor und bitte Euch, den Segen für Eure Kinder nachzusprechen: Gott ist bei Dir. (   ) Bei jedem Schritt auf Deinem Weg (   ) Gott schickt dir Menschen, die dich begleiten (   ) Gott schenkt Dir den Mut, nach den Sternen zu greifen. (   ) Gott ist immer bei Dir. (   ) Alle sagen gemeinsam: Amen.

Gott segnet nicht nur die Schulkinder. Sondern auch alle, die heute mit ihnen unterwegs sind. Deshalb sagt Euch nun gegenseitig: Gott will Dich segnen und Du sollst ein Segen sein. Amen.

Musik und Auszug

 

Es ist sehr beliebt, den Kindern eine kleine Erinnerung an den Gottesdienst mitzugeben. Dazu eignen sich besonders Reflektoren für den Schulranzen, die man auch als Stern oder Engel bekommt. Es gibt auch Schlüsselanhänger in Form von Bauklötzen oder Legosteinen, die sich für diesen Gottesdienst als Geschenk eignen. Bitte die Geschenke an einem Platz austeilen, wo es kein Gedränge geben kann und Maske und Stoffhandschuhe tragen. Sicher ist sicher.

(Antoinette Lühmann. Fachstelle Kindergottesdienst in der Nordkirche. www.kindergottesdienst.nordkirche.de und www.gottesdienstinstitut-nordkirche.de)

 

SEGEN ZUM SCHULANFANG

 

Ein neues Schuljahr liegt vor Euch. / Der Start in das Schulleben liegt vor Euch.

 

Gott segne euch.

Seid beschützt vor harten Herzen.

 

Gott segne euch.

Seid beschützt vor Unrecht in Worten und Taten.

 

Gott segne euch.

Seid beschützt, wenn Dinge euch schwerfallen

und ihr nicht alles gleich versteht oder nicht könnt, was von euch erwartet wird.

 

Seid beschützt von Gottes Liebe,

wie von der Liebe der Mutter und

seid aufgehoben wie in der Liebe des Vaters,

seid gehalten wie von einem Freund

und in die Arme genommen wie von einer Freundin.

 

Gott segne Euch.

Geht fröhlich und mit Zuversicht euren Weg

hinein dieses neue Schuljahr.

Ihr seid nicht allein.

 

Gott segne euch.

Ihr seid beschützt,

denn Ihr seid Gottes Kinder.

 

(Friederike Jaeger, Gottesdienstinstitut Nordkirche)

Gestaltungs-Ideen für Sonntagsgottesdienste in Corona-Zeiten

Welche besonderen Schätze gibt es vor Ort?

Einen besonderen Vorplatz, einen Park nebenan, einen schönen Vorraum, viele kreative Ehrenamtliche, einen superguten Kirchenmusiker, Musiker, Künstler und andere Kreative in der Gemeinde, einen wunderbaren Kirchraum…???

Es gilt die Erlaubnis, mit den Schätzen vor Ort und mit der Liturgie frei und kreativ umzugehen!

Ohne Gemeindegesang ist eine verkürzte Form angemessen, sonst wird es zu wortlastig.

Wenn die Beteiligung bei Singen wegfällt, gilt es zudem, andere Beteiligungsformen zu stärken

 

Glocken

Vorspiel

warum nicht das Vorspiel auf den Vorplatz verlegen. Eine Trompete, eine Geige, drei Menschen aus dem Posaunenchor

Begrüßung

vor der Tür oder am Portal – zu zweit

Hinweis auf Sicherheitsabstand und das Eingangsgebet, das schriftlich ausgedruckt auf dem Willkommenstisch liegt (mit kleiner Gebetsliturgie), neben dem Desinfektionsmittel und ggf selbst genähten Atemschutzmasken, die für einen guten Zweck verkauft werden.

Herzlich willkommen

Bis alle da sind, gibt es Musik zum Hören, Zeit zum stillen Beten.

 

Choral von Menschen aus dem Chor bei großer Empore

Eingangsliturgie

 

eine Lesung und Impuls

Chance, z.B. nachbarschaftliche Themen aus der Gemeinde aufzugreifen

oder brennende gesellschaftliche Fragen

Gespräch mit Jugendlichen, Mitarbeitern, Krankenschwester, Pflegedienstleitung, Heimleitung, Menschen in wirtschaftlichen Krisen…

Was bewegt unsere Gemeinde, unsere Nachbarschaft?

Welche Fragen gilt es aufzugreifen und mit christlicher Haltung zu verbinden?

 

Musik und Zeit, das Gehörte im Herzen zu bewegen

Fragen und Gebete aufzuschreiben

 

Stimmen aus der Gemeinde

 

Musik kurz

 

Fürbitte

Vater Unser

Segen

 

Im Anschluss die Möglichkeit, Kerzen anzuzünden

Fürbittkarten schreiben und an die Wäscheleine hängen

Gespräch im Abstand

 

Musik, die zum Verweilen einlädt/ Musik vielleicht noch vor der Tür

Melanie Kirschstein, Kirche der Stille, Hamburg-Altona

.

 

“Gottesdienst to go”  oder “Segen in Tüten”

 

Eine hübsche Idee für Pflegeheime oder zum Auslegen in offenen Kirchen,

auch für ausfallende Kinder- oder Familienkirchen.

Für Flaneure zum Mitnehmen oder zum Verteilen in der Gemeinde.

Dazu eigenen sich einfache Butterbrottüten, die bedruckt oder beschrieben werden können.

Inhalt je nach Anlass: Teelicht, Bibeltext, Meditationsbildchen, Symbol, Segenswort, Rezept, Bastelanleitung…

Man kann die Tüten im Pflegeheim verteilen lassen, in der offenen Kirche auslegen, an ältere Menschen verteilen, die nicht mehr rausgehen…

Melanie Kirschstein, Nordkirche

Was mich hält?

Von Halt und Haltung in stürmischer Zeit

 

EIN MEDITATVER ABENDGOTTESDIENST

 

Begrüßung vor der Kirche

Vor der Kirche ist der Tisch gedeckt mit Blumen, Masken, Handdesinfektionsmittel,

Ablauf und Gebeten (s.u.)/Bei Regen im Vorraum/ in der Kirche Stühle mit Sicherheitsabstand

 

Persönlich begrüßen, Handdesinfektion

Maske, Eingangsgebet in die Hand

Einladung, in der Kirche einen Platz zu finden/ Bitte um Abstandswahrung

 

Musik und Gesang von der Empore, evtl. zweiter Musiker im Raum

 

Ablauf

 

Klangschale

Lied von der Empore: Am Abend steigt unser Gebet

Begrüßung

Gebet

Kyrie – von der Empore

 

Stille

 

Kyrie von der Empore

 

Lesung Mat 14,22 ff Jesus kommt über das Wasser

Impuls

Angst und Vertrauen

Was hält mich

wo zwei oder drei…

wir halten einander

 

Lied von der Empore

 

Meditation Angst und Vertrauen

 

Lied von der Empore

 

Abkündigungen

Masken Kollekte – Masken werden für einen guten Zweck verkauft s. Hoffnungsprojekte

 

Fürbitte

Vater Unser

Segen

 

Musik

Kerzengebet

Sterne zum Mitnehmen in der Mitte

Meditatives Rausgehen nacheinander in Stille

Texte

 

 

Eingangsgebet zum Ausdrucken und Verteilen am Eingang

 

 

Willkommen

Finde Deinen Platz

Lass Dich nieder

Wenn Du magst, nutze folgende Anregungen

 

Komm an, in diesem Raum und bei Dir

 

Lass Wurzeln in den Boden wachsen – gründe Dich

 

Lass den Atem fließen – spüre den Rhythmus

lass alles, was war, mit dem Ausatmen in die Erde fließen

schöpfe Neues beim Einatmen

 

Spüre den Innenraum deines Körpers

 

Was war

Was mich beschwert

Was mich beglückt

Lege ich zurück

In deine Hand

 

Was werden soll

Empfange ich aus Deiner Hand

 

Jetzt schenke mir

dass ich da sein kann

wie ich bin

angesehen

und beschützt

in der Stille

im heiligen Raum

 

 

Lesung nach Matthäus 14, 22ff

 

Jesus drängte die Jünger, ins Boot zu steigen und an das andere Ufer vorauszufahren. Inzwischen wollte er die Leute nach Hause schicken. 23 Nachdem er sie weggeschickt hatte, stieg er auf einen Berg, um für sich allein zu beten. Als es Abend wurde, war er allein dort. 24 Das Boot aber war schon weit vom Land entfernt und wurde von den Wellen hin und her geworfen; denn sie hatten Gegenwind. 25 In der vierten Nachtwache kam er zu ihnen; er ging auf dem See.

26 Als ihn die Jünger über den See kommen sahen, erschraken sie, weil sie meinten, es sei ein Gespenst, und sie schrien vor Angst. 27 Doch sogleich sprach Jesus zu ihnen und sagte: Habt Vertrauen, ich bin es; fürchtet euch nicht! 28 Petrus erwiderte ihm und sagte: Herr, wenn du es bist, so befiehl, dass ich auf dem Wasser zu dir komme! 29 Jesus sagte: Komm! Da stieg Petrus aus dem Boot und kam über das Wasser zu Jesus. 30 Als er aber den heftigen Wind bemerkte, bekam er Angst. Und als er begann unterzugehen, schrie er: Herr, rette mich! 31 Jesus streckte sofort die Hand aus, ergriff ihn und sagte zu ihm: Du Kleingläubiger, warum hast du gezweifelt? 32 Und als sie ins Boot gestiegen waren, legte sich der Wind. 33 Die Jünger im Boot aber fielen vor Jesus nieder und sagten: Wahrhaftig, Gottes Sohn bist du.

 

 

 

Meditation Angst und Vertrauen

 

Gründe dich, lass Wurzeln in den Boden wachsen

richte dich auf, fühl dich mit dem Himmel verbunden

 

lege die Hände, Handflächen nach oben geöffnet, auf deine Oberschenkel

 

und er nahm seine Hand

lege in die rechte Hand etwas, das dir Halt gibt

etwas, dass dir Vertrauen und Sichergeit gibt

ein Mensch, Natur, Musik, ein Blick, ein Ort, ein Tier…

erinnere dich an diese Situation

al Du dich sicher und gut gefühlt hast

nimm dieses Gefühl in dich auf

 

nun geh mit deiner Aufmerksamkeit zur anderen Hand

lege etwas hinein, dass dir Angst macht

spüre die Angst, halte sie in der Hand

 

wenn sie zu viel zu schwer wird

kehre zurück auf die Seite des Vertrauens

 

wandere hin und her mit deiner Aufmerksamkeit

halte die Angst

wandere zurück zum Vertrauen

 

und spüre, dass du gut gegründet bist

aufgerichtet zwischen Himmel und Erde

spüre deinen Körperinnenraum

lege die Vertrauenshand um die andere

kehre ein in den Raum des Vertrauens

 

Melanie Kirschstein, Nordkirche

Gedankensplitter zu Gottesdiensten ohne Gemeindegesang

Wenn die Menschen Masken tragen (müssen), können sie nicht singen, weil die Masken dann feucht werden und man durch sie dann noch schwerer atmen kann.

Ohne Masken singen geht auch nicht, solange der berechtigte Verdacht besteht, dass sich die Viren über die Luft weit verbreiten.

Deshalb wird es eine Zeitlang Andachten und Gottesdienste ohne Gemeindegesang, d.h. auch ohne Wechselgesänge geben.

Auch chorisches Sprechen ist mit Masken schwierig, es wird wohl eher ein kollektives Murmeln werden.

Was heißt: Zwei zentrale Aktivitäten der Gemeinde entfallen.

 

Was nicht heißt, dass wir nicht gemeinsam Gottesdienste und Andachten feiern können.

 

Natürlich können Menschen nicht nur Singen und Sprechen, sondern auch

Summen und Murmeln

(wir freuen uns über die ersten Erfahrungsberichte über gesummte Liturgien)

Klatschen, Schnipsen und Stampfen

Ihre Körper als Trommel benutzen (Bodypercussion)

Aufstehen und sich hinsetzen

Die Augen öffnen und schließen

Mit-Lesen

In der Stille beten

Bilder betrachten

Filme angucken

Etwas in der Hand halten und spüren

Etwas kneten oder aufschreiben oder falten

Kerzen anzünden und halten oder zum Altar bringen

Etwas laut vorlesen (eine für alle) – natürlich mit Abstand

Stellvertretend für alle Beten

 

Darüber hinaus bietet die klassische Kirchenmusik und ihre popularmusikalische Schwester unendliche Möglichkeiten, Menschen zu erfreuen und zu beglücken.

Wo es keine live-Kirchenmusik mehr gibt, hilft auch eine Musik aus der Box über die Runden.

Oder das gemeinsame Summen, über das einer vielleicht den Psalm spricht.

(Liturgischer) Sologesang weit entfernt von der Gemeinde (ca. 4 Meter) oder von einer Orgelempore sind virologisch möglich.

 

Vielleicht werden die Gottesdienste ohne Gemeindegesang und in den meisten Fällen auch ohne Abendmahl in Coronazeiten kürzer sein, vielleicht werden sie meditativer sein, vielleicht lösen sie sich von traditionellen Formen, weil die liturgischen Wechselgesänge gesummt auf die Dauer nicht tragen, vielleicht beteiligen sich mehr Menschen mit kleinen Beiträgen, vielleicht lernen wir die kirchenmusikalischen Möglichkeiten ganz neu kennen und schätzen, vielleicht gehen wir viel öfter an die frische Luft und lassen Bäume, Wiesen und Seen unser Gotteshaus sein, vielleicht gibt es weiter digitale Angebote, die Menschen erreichen und trösten, vielleicht verknüpfen wir unsere Gottesdienste mit einer Gebetspraxis im Alltag, vielleicht wirken sie hinein in eine  Praxis von Nachbarschaftshilfe und Basisseelsorge,  vielleicht sind wir auch manchmal genervt und angestrengt, aber wir werden in Gottes Namen so oder so zusammenkommen, seufzen und feiern, hören und beten und hoffentlich gestärkt und hoffnungsvoll auseinander gehen. Und ab und zu herzlich lachen. Über all unsere Bemühungen und manches Scheitern. Im Vertrauen, dass Gott all unsere liturgischen Wege und Irrwege freundlich begleitet.

Katharina Gralla, Gottesdienstinstitut Nordkirche

Gottesdienste konkret

HIMMELFAHRT – PFINGSTEN – TRINITATIS

Schwelle – Verwandlung – Weite

Ein Weg für Einzelne, Gruppen und Gemeinden

 

Gottesdienste sind wieder möglich, aber unter erschwerten Bedingungen. Es ist wahrscheinlich nicht jedermanns Sache, ohne Singen, mit Mund-Nasen-Schutz und großem Abstand Gottesdienst in der üblichen Weise zu feiern.

Aber es gibt etwas zu feiern!

Himmelfahrt, Pfingsten, Trinitatis – drei Feste, die zugegebenermaßen nicht dieselbe Popularität genießen wie Weihnachten und Ostern. Und doch verbirgt sich auch in ihnen ein großer Schatz. Vielleicht ergibt sich ja gerade jetzt, durch die verlangsamte „Corona-Zeit“ die Chance, diesen drei Festen noch einmal ganz neu und intensiv zu begegnen.

Für jedes der drei Feste gibt es eine Einheit mit Gestaltungshinweisen, Hinführungen und Impulsen.

Es ist möglich, damit für sich alleine diese ca. drei Wochen zu gehen.

Dann ist es gut, im Laufe der jeweiligen Woche die eigene Zeit dafür zu finden – eine halbe Stunde am Stück, kürzere Zeiten über die Tage verteilt oder jeden Tag eingefügt in Rituale, die eh gewohnt sind. Die Beschäftigung mit den Festen bietet die Gelegenheit, den eigenen Weg zu finden.

Die Annäherung an Himmelfahrt, Pfingsten und Trinitatis kann aber auch eine Gelegenheit sein, sich mit (einem) anderen Menschen – Freundinnen oder Freunde, eine Gemeindegruppe, die sich im Moment nicht treffen kann etc. – zusammen zu tun und gemeinsam diesen Weg zu gehen. Dann trifft man sich einmal in der Woche, entweder persönlich, wenn das inzwischen erlaubt sein sollte, oder per Telefon oder Video-Meeting und tauscht Gedanken, Erlebnisse, Fragen und Anregungen aus.

Vielleicht könnte diese Vorlage auch als Experiment für eine erweiterte Gottesdienstform dienen. Dann könnten die Impulse im Gottesdienst aufgenommen und die Übungen den Gemeindegliedern als Möglichkeit, in der Woche damit weiterzugehen als Angebot mitgegeben werden.

Eine weitergehende Variante bestünde darin, am darauf folgenden Gottesdienst einen Zeitraum zu schaffen, indem sich die Menschen in kleinen Gesprächsgruppen über die gemachten Erfahrungen austauschen können. Kommen andere Menschen dazu, könnten sie leicht ins Geschehen miteinbezogen werden, denn alle haben etwas erfahren, das es wert ist, geteilt zu werden. Menschen, die sich in der Gottesdienstzeit nicht so gerne mit anderen austauschen, hätten die Möglichkeit, sich mithilfe der Vorlage, eigenständig Gedanken zu machen und in gemeinsamen Gebets- und Meditationszeiten mit den anderen verbunden zu sein.

Klingt fremd? – Ja, das ist es! Aber diese ungewöhnlichen Zeiten bergen ja vielleicht die Chance, ungewöhnliche Wege zu gehen und zu sehen, was dann geschieht.

 

 

 


 

  1. Himmelfahrt – SCHWELLE

 

HIMMELFAHRT

Himmelfahrt – ein seltsames Fest. Selbst viele Christen und Christinnen können nicht viel damit anfangen. Aber vielleicht gibt es ja doch etwas zu entdecken, was unser Herz, unseren Glauben, unser Leben beleben, erweitern und vertiefen kann.

 

SICH BEREIT MACHEN

Suche einen Ort auf, an dem Du ungestört bist.

Richte Dich so ein, dass es Dir hilft, zur Ruhe zu kommen.

Vielleicht magst Du eine Kerze anzünden. Dich bewusst von ihrem Licht bescheinen zu lassen, kann Dir helfen, Dich für die Gegenwart Gottes zu öffnen.

 

 

GEBET ZU BEGINN

Ich sitze vor Dir, Gott.

Aufrecht und entspannt.

In diesem Augenblick

lasse ich alle meine Pläne,

Sorgen und Ängste los.

Ich lege sie in Deine Hände.

Gott, ich warte auf Dich.

Du kommst auf mich zu.

Du bist in mir, durchflutest mich mit Deinem Geist.

Du bist der Grund meines Seins.

Öffne mich

für Deine Gegenwart,

damit ich immer tiefer erfahre,

wer Du bist

und was Du von mir willst.

Amen.                                                               nach Dag Hammarskjöld

 

 

MICH EINFINDEN

Nimm Dir Zeit, Dich zu sammeln und Deinen Körper wahrzunehmen:

Du sitzt aufgerichtet, aber möglichst entspannt.

Schließe Deine Augen.

Stell beide Füße auf den Boden,

spüre den Kontakt zum Boden, zur Sitzfläche.

Spüre in deine Aufrichtung.

Spüre, wie Du jetzt da bist, von der Fußsohle bis zum Scheitel.

Es gibt jetzt nichts weiter zu tun oder festzuhalten.

Lass Dir dafür Zeit…

Lausche nach draußen – was nimmst Du wahr?

Lausche in den Raum …

Lausche in deinen Innenraum – wie bin ich jetzt da? Wie bin ich gestimmt?

Nimm Deinen Atem wahr. So wie er jetzt kommt und geht. Ausatmen. Einatmen…

Vertraue Dich mit jedem Ausatem noch ein wenig mehr dem tragenden Grund an.

Auch Seufzen ist manchmal gut.

Verweile so einige Minuten im Schweigen.

Lausche dahin, wo es ganz still ist.

Nach einer Weile schließe diese Übung ab.

Kehre mit Deiner Aufmerksamkeit zurück an Deinen Ort, öffne behutsam die Augen.

Vielleicht willst Du Dich leicht bewegen oder strecken.

 

 

BIBELTEXT UND IMPULSE

Jesus stellte sich den Aposteln nach seinem Leiden durch viele Beweise als lebendig dar, indem er vierzig Tage hindurch erschien und vom Reich Gottes sprach. Und während er mit ihnen zusammenkam, wies er sie an, sich nicht von Jerusalem zu entfernen, sondern darauf zu warten, was vom Vater verheißen ist: „davon habt ihr von mir gehört, dass Johannes mit Wasser taufte, ihr aber mit heiliger Geistkraft getauft werdet nicht lange nach diesen Tagen. Ihr werdet Kraft empfangen, wenn die heilige Geistkraft über euch kommt, und werdet meine Zeugen sein in Jerusalem und in ganz Judäa und Samarien und bis ans Ende der Erde.“

Als er das gesagt hatte, wurde er vor ihren Augen emporgehoben, und eine Wolke nahm ihn auf und entzog ihn ihren Augen.

Und als sie noch in den Himmel starrten, standen da zwei Gestalten in weißen Gewändern bei ihnen, die sagten: „Ihr Leute aus Galiläa, was steht ihr da und blickt zum Himmel? Dieser Jesus ist euch entzogen und zum Himmel hinaufgenommen worden. Wie ihr ihn zum Himmel gehen gesehen habt, so wird er kommen.

Apg 1, 3-5+8-11, Bibel in gerechter Sprache

 

 

  1. ANNÄHERUNG – Himmel

 „Himmel“ ist von jeher ein Bild/Symbol für die überwältigende Güte und Unergründlichkeit Gottes (Deine Güte reicht, soweit der Himmel ist, und deine Wahrheit, soweit die Wolken gehen. Ps 36,5). Er steht aber auch für unsere Sehnsucht – wir wollen „in den Himmel kommen“, d.h. ganz nah bei Gott sein. Himmel (engl.: heaven) meint also keinen geographischen Ort, nicht die Atmosphäre unserer Erde (engl.: sky), sondern  einen Zustand, eine Seinsweise, eine Qualität. Himmel, im Sinne von heaven, beschreibt die Erfahrung der Gegenwart Gottes in unserer Welt. Himmel ist da, wo sich Gottes Wirklichkeit und unser Leben treffen, wo wir mit Gott in Berührung kommen, wo Gottes Liebe ist.

Gott ist nicht, wo der Himmel ist; wo Gott ist, da ist Himmel.

 

 

ÜBERSETZUNG INS LEBEN

Betrachte den Himmel. Vielleicht gibt es die Gelegenheit, dich draußen auf eine Decke zu legen und in den Himmel zu sehen.

Was „erzählt“ Dir der Himmel?

Welche Gefühle entstehen in Dir?

„Ich fühle mich wie im Himmel“ – wann ist oder war das? Was ist dann da?

„Ich fühle mich Gott ganz nah“ – wann ist oder war das?

 

  1. ANNÄHERUNG – Wolke

Wenn Jesus „emporgehoben“ und von einer Wolke aufgenommen wird, dann ist die Wolke nicht sozusagen der Aufzug, sondern sie ist – wie oft in der Bibel – ein Symbol für Gottes unmittelbare, aber verborgene, verbergende Anwesenheit.[1]

Das Symbol der Wolke ist ein Ausdruck dafür, dass Gott nahe und zugleich unerreichbar ist; da und doch nicht zu greifen/zu haben.

Wenn Jesus nun in eine Wolke aufgenommen wird, trifft auf ihn dasselbe zu. Auch wenn er ein historischer Mensch war – scheinbar zu greifen, zu wissen – macht die Wolke deutlich, dass er unergründlich und unfassbar bleibt.

Und trifft das nicht eigentlich auf uns alle zu?

Wir meinen, einen Menschen (oder uns selbst) zu kennen – und stellen doch immer wieder fest, dass wir im Grunde nichts wissen. Das kann erschrecken, weil wir immer wieder nicht wissen, woran ich nun eigentlich bin. Und doch ist es die Grundlage jeder lebendigen Beziehung – ich suche dich, ich bin neugierig, ich sehne mich nach dir – ich kann dich nicht haben, aber dich immer wieder neu entdecken.

 

ÜBERSETZUNG INS LEBEN

Betrachte die Wolken und ihr Spiel. Was „erzählen“ sie Dir?

„Ich gehe im Nebel“ – wann ist oder war das so? Welche Gefühle, Erfahrungen sind damit verbunden?

Sitzen in der Stille:

Bilder, Gedanken, Vorstellungen ziehen lassen (sie hinzugeben) – das ist die wesentliche Haltung, um in die Stille, ins Hören, in den unmittelbaren Kontakt mit dem, was jetzt ist, zu kommen.

Finde dich noch einmal ein (s.o.).

Verweile im Schweigen.

Wenn Gedanken, Gefühle kommen – was immer deine Aufmerksamkeit fesselt – lass sie liebevoll ziehen. Bleibe gespannt auf das, was sich immer jetzt und immer neu zeigt.

Probiere dasselbe in der Begegnung mit (einem) Menschen aus: Begegne ihm/ihr bewusst in der Haltung des Nicht-Wissens, des liebevollen Interesses. Lass Dich überraschen.

 

 

  1. ANNÄHERUNG – Himmelfahrt

Der biblische Text versucht in bildlicher Sprache etwas zu sagen, was kaum sagbar ist. Dazu werden die Worte „emporgehoben“, „entzogen“, „zum Himmel hinaufgenommen“ benutzt.

Die Bilder und Worte versuchen wie in allen anderen Auferstehungsgeschichten auszudrücken, dass Jesus nun nicht mehr Mensch unter Menschen ist, sondern uns auf einer anderen Ebene begegnet. Sie versuchen, die Verwandlung zu beschreiben, die sich mit Jesus und mit seinen Jüngern und Jüngerinnen vollzogen hat.

D.h. an Himmelfahrt feiern wir nicht, dass Jesus „weggeht“, sondern uns in Wirklichkeit viel näher kommt als er das als geschichtlicher Mensch je gekonnt hätte. Denn, wenn er in den „Himmel“ fährt, heißt das doch, dass er nun Raum und Zeit enthoben ist. Er ist jetzt überall – überall wo Himmel ist, wo Gott ist. Er ist immer da, wo sich Himmel oder das Reich Gottes ereignet. Er ist nun nicht mehr nur ein geschichtlicher Mensch, an den wir erinnert werden, sondern ist unmittelbar da, in unseren Herzen, in unseren Gedanken, in unseren Taten, in unserem Reden, in unseren Nächsten an unserer Seite.

Himmelfahrt ist damit einen Art „Schwellenfest“ – es markiert den Übergang von Zeit- und Ortsgebundenheit zu einer anderen Präsenz (Weite) und von der Außenorientierung nach innen (Nähe).

Manche sagen auch, es sei ein Fest des Erwachsenwerdens im Glauben. Als Erwachsene oder Heranwachsende orientieren wir uns zunehmend nicht mehr nur an anderen Menschen oder äußeren Geboten, die uns sagen, was wir zu tun oder zu lassen haben. Unser eigenes Urteil, das Wissen unseres Herzens, die Stimme des Geistes in uns gewinnt mehr und mehr an Bedeutung, durchdringt uns immer mehr.

„Ich will euch ein neues Herz geben und euer Inneres mit neuer Geistkraft erfüllen.

Das steinerne Herz will ich aus eurem Körper herausnehmen und euch ein fleischernes Herz geben. Meine Geistkraft will ich in eure Mitte geben und euch zu Menschen machen, die meinen Bestimmungen folgen und mein Recht bewahren und verwirklichen“ heißt es schon bei Ezechiel (Ez 36,26-27)

Himmelfahrt ist damit ein Fest der Nähe Gottes. Gott kommt/ist uns ganz nah. „Er“ ist uns nicht nur ein Gegenüber, das wir im Gebet ansprechen können, sondern auch anwesend in unserem Inneren.

Himmelfahrt ist auch ein Fest der Ermutigung: Trau dich, auf deine innere Stimme zu hören. Lausche darauf, werde hellhörig, empfänglich für das, was dein Herz, was Christus, der „in euren Herzen wohnt“ (Eph. 3,17), dir im Tiefsten sagt.

 

ÜBERSETZUNG INS LEBEN

Wo und wann erfahre ich Gottes Nähe? Nimm Deine Erfahrungen ernst – frag nicht danach, was andere sagen oder meinen.

Was hilft mir, zu mir zu kommen, „mich zu hören“? Nimm Dich darin ernst, nimm Dir dafür immer wieder Zeit.

 

 

GEBET ZUM ABSCHLUSS

Beschließe Deine Text-Begegnung mit einem Gebet. Sprich aus, was Dich jetzt beschäftigt, was Dir noch nachgeht, was Dich berührt hat. Danke für das, was Du wahrgenommen hast.

Vielleicht magst Du auch mit diesen Worten beten:

Gott, ich danke Dir für diese Zeit in Deiner Gegenwart.

Ich danke Dir für alles, was sich mir gezeigt hat.

Ich halte es Dir hin.

Lass es mir und Deiner Welt zum Segen werden. Amen.

Oder

Du, der über uns ist,

Du, der einer von uns ist.

Du, der ist – auch in uns:

Dass alle dich sehen – auch in mir,

dass ich den Weg bereite für dich,

dass ich danke für alles, was mir widerfuhr,

dass ich dabei nicht vergesse der anderen Not.

Behalte mich in deiner Liebe,

so wie du willst, dass andere bleiben in der meinen.

Möchte sich alles in meinem Wesen zu deiner Ehre wenden,

und möchte ich nie verzweifeln,

denn ich bin in deiner Hand,

und alle Kraft und Güte sind in dir.                                                               Dag Hammarskjöld

 

 

WEITERGEHEN

Vielleicht magst du dich von dem Lied: Gott ist gegenwärtig, Ev. Gesangbuch Nr. 165 begleiten lassen. Darin z.B. die Strophe:

Luft, die alles füllet, drin wir immer schweben, aller Dinge Grund und Leben,

Meer ohn Grund und Ende, Wunder aller Wunder: ich senk mich in dich hinunter.

Ich in dir, du in mir, lass mich ganz verschwinden, dich nur sehn und finden.


 

  1. PFINGSTEN – VERWANDLUNG

 

PFINGSTEN – GOTTES GEIST IN UNSEREM LEBEN

Im Johannes-Evangelium (Kapitel 14 und 16) verspricht Jesus in seinen  Abschiedsreden den Jüngerinnen und Jüngern, sie nicht allein zu lassen. Gott wird seinen Heiligen Geist senden. In diesem  „Geist der Wahrheit“ kommt Christus selbst. Es ist der Geist des Lebens, der lebendig macht und uns erkennen lässt, dass Christus in Gott ist und in uns.

Daran erinnert das Pfingstfest – ja, es lädt ein, uns immer wieder dieser Erfahrung zu öffnen und uns von Geist Gottes, dem Geist des Lebens verwandeln und neu erfüllen zu lassen.

 

 

SICH BEREIT MACHEN

Suche einen Ort auf, an dem Du ungestört bist.

Richte Dich so ein, dass es Dir hilft, zur Ruhe zu kommen.

Vielleicht magst Du eine Kerze anzünden. Dich bewusst von ihrem Licht bescheinen zu lassen, kann Dir helfen, Dich für die Gegenwart Gottes zu öffnen.

 

 

GEBET ZU BEGINN

Ich sitze vor Dir, Gott.

Aufrecht und entspannt.

In diesem Augenblick

lasse ich alle meine Pläne,

Sorgen und Ängste los.

Ich lege sie in Deine Hände.

Gott, ich warte auf Dich.

Du kommst auf mich zu.

Du bist in mir, durchflutest mich mit Deinem Geist.

Du bist der Grund meines Seins.

Öffne mich

für Deine Gegenwart,

damit ich immer tiefer erfahre,

wer Du bist

und was Du von mir willst.

Amen.                                                               nach Dag Hammarskjöld

 

 

MICH EINFINDEN

Nimm Dir Zeit, Dich zu sammeln und Deinen Körper wahrzunehmen:

Du sitzt aufgerichtet, aber möglichst entspannt.

Schließe Deine Augen.

Stell beide Füße auf den Boden,

spüre den Kontakt zum Boden, zur Sitzfläche.

Spüre in deine Aufrichtung.

Spüre, wie Du jetzt da bist, von der Fußsohle bis zum Scheitel.

Es gibt jetzt nichts weiter zu tun oder festzuhalten.

Lass Dir dafür Zeit…

Lausche nach draußen – was nimmst Du wahr?

Lausche in den Raum …

Lausche in deinen Innenraum – wie bin ich jetzt da? Wie bin ich gestimmt?

Nimm Deinen Atem wahr. So wie er jetzt kommt und geht. Ausatmen. Einatmen…

Vertraue Dich mit jedem Ausatem noch ein wenig mehr dem tragenden Grund an.

Auch Seufzen ist manchmal gut.

Verweile so einige Minuten im Schweigen.

Lausche dahin, wo es ganz still ist.

Nach einer Weile schließe diese Übung ab.

Kehre mit Deiner Aufmerksamkeit zurück an Deinen Ort, öffne behutsam die Augen.

Vielleicht willst Du Dich leicht bewegen oder strecken.

 

BIBELTEXTE UND IMPULSE

Das Judentum feiert 50 Tage[2] nach Pessach das Fest Schawuot – das Wochenfest. Es ist ein Erntefest und erinnert auch an den Empfang der Gebote am Berg Sinai.

An diesem Tag erlebte die kleine, verstörte und verschreckte Schar der Jüngerinnen und Jünger, was Jesus ihnen vor seinem Tod und seiner Auferstehung verheißen hatte:

Gottes Heiliger Geist wird kommen und sie in neuer Weise mit Kraft und Vertrauen erfüllen.

Diese Erfahrung wird im Joh.- Evangelium und in der Apostelgeschichte auf sehr unterschiedliche Weise erzählt und eröffnet so ganz verschiedene Dimensionen:

Es war am Abend jenes ersten Tages der neuen Woche. Die Jünger hatten solche Angst vor den Juden (jüdischen Behörden), dass sie die Türen des Raumes, in dem sie beisammen waren, verschlossen hielten.

Mit einem Mal kam Jesus, trat in ihre Mitte und grüßte sie mit den Worten:

»Friede sei mit euch!«

Dann zeigte er ihnen seine verwundeten Hände und seine Seite.

Als die Jünger den Herrn sahen, wurden sie froh.

»Friede sei mit euch!«, sagte Jesus noch einmal zu ihnen.

»Wie der Vater mich gesandt hat, so sende ich jetzt euch.«

Und er hauchte sie an und sagte: »Empfangt den Heiligen Geist!«

Johannes-Evangelium 20, 19-22

 

Schließlich kam das Pfingstfest. Auch an diesem Tag waren sie alle wieder am selben Ort versammelt. Plötzlich setzte vom Himmel her ein Rauschen ein wie von einem gewaltigen Sturm; das ganze Haus, in dem sie sich befanden, war von diesem Brausen erfüllt.

Gleichzeitig sahen sie so etwas wie Flammenzungen, die sich verteilten und sich auf jeden Einzelnen von ihnen niederließen. Alle wurden mit dem Heiligen Geist erfüllt, und sie begannen, in fremden Sprachen zu reden; jeder sprach so, wie der Geist es ihm eingab.

Wegen des Pfingstfestes hielten sich damals fromme Juden aus aller Welt in Jerusalem auf.  Als nun jenes mächtige Brausen vom Himmel einsetzte, strömten sie in Scharen zusammen. Sie waren zutiefst verwirrt, denn jeder hörte die Apostel und die, die bei ihnen waren, in seiner eigenen Sprache reden. Fassungslos riefen sie: »Sind das nicht alles Galiläer, die hier reden? Wie kommt es dann, dass jeder von uns sie in seiner Muttersprache reden hört?  (…)  Und wir alle hören sie in unseren eigenen Sprachen von den wunderbaren Dingen reden, die Gott getan hat!« Alle waren außer sich vor Staunen. »Was hat das zu bedeuten?«, fragte einer den anderen, aber keiner hatte eine Erklärung dafür.                

Apostelgeschichte 2, 1-12

  1. ANNÄHERUNG – Gottes Geist findet uns und befreit von Angst

Angst ist die Kraft in uns, die uns am stärksten vom Leben trennt.

Die Geschichte der Jünger und Jüngerinnen im Joh. Evangelium, die ihr Haus und die Türen aus Angst verschlossen hatten, steht sinnbildlich auch für unsere ängstlich verschlossenen Herzen und Seelen. Das Evangelium erzählt aber, dass Jesus Christus diese Verschlossenheit überwindet und einen Weg zu uns findet.

 

Der Hauch Gottes

In der Schöpfungsgeschichte (Gen. 2)  haucht Gott den von ihm aus Erde (Adama) geformten Erdling (den Adam) an. Dadurch wird dieser, so heißt es, „eine lebendige Seele“.

Wenn der auferstandene Christus uns anhaucht, so ist das wie eine Neuschöpfung. Wir werden je und je neu lebendig gemacht.

Neu werden heißt auch, frei sein von allem, was uns in Ängste und Sorgen bindet. Pfingsten lädt uns ein, uns in jedem Moment neu von Gottes Geist befreien und erschaffen zu lassen.

 

ÜBERSETZUNG INS LEBEN

Unser Atem – Atem Gottes.

Unser Atem ist grundlegend und kann uns sehr viel von Gott „erzählen“ und erfahrbar machen.

  • Wir atmen (aktiv) und es geschieht uns: Aktiv tun und mir Dinge auch geschehen lassen, ist eine Weise, im guten Einklang mit dem Leben zu leben – präsent und lebendig.
  • Man kann nicht auf Vorrat atmen: unser Atem geschieht immer jetzt. Wir sind dauernd davon abhängig. Jede Sekunde wird uns unser Atem, unser Leben geschenkt. So bleiben wir in einer dauernden lebendigen Verbundenheit mit Gott, dem Geber des Atems.
  • Der Atem verbindet Innen und Außen und verbindet uns mit allem, was ist: Wir alle haben Anteil an demselben Atemraum. Über den Atem sind wir mit allen Menschen und mit der Natur unmittelbar verbunden. Religion (re-ligere) bedeutet sich zurückzubinden – die Verbundenheit zur Schöpferkraft und allen Geschöpfen spüren und leben.
  • JHWH – der Name Gottes: in der jüdischen Tradition darf der Name Gottes aus Ehrfurcht und um Gott nicht in der eigenen Vorstellungswelt festzulegen, nicht ausgesprochen werden. Für den Namen Gottes werden die 4 Buchstaben JHWH als Platzhalter geschrieben. Tatsächlich kann der Name Gottes nicht ausgesprochen, sondern nur geatmet werden! Wahrscheinlich ist der Gottesname nur eine Versprachlichung des Atemlauts.[3] Mit jedem Aus- und Einatmen „sprechen“ wir also den Namen Gottes aus, jeder Atemzug ist ein Gebet.

Einfach da sein, mich von Gottes Geist finden lassen.

Setzte Dich still hin, nimm Deinen Atem wahr – wie er kommt, wie er geht, wie es Dich atmet. Bei jedem Ausatmen überlasse ich mich und alle meine Sorge und Angst Gottes liebender Gegenwart.

Bei jedem Einatmen nehme ich den befreienden Geist Gottes in mich auf und lasse mich immer mehr davon erfüllen.

Einatmen:

Ich nehme den Geist Gottes neu in mich auf, den Geist des Lebens, der Freiheit.

Ausatmen:

Ich lasse alle Angst und Sorge mit meinem Atem aus mir heraus zu Gott fließen.

Jeder Atemzug ein Gebet.

 

Die Wunden

Der Auferstandene zeigt den Seinen zuerst seine Wunden.

Daran wird deutlich: man kann gleichzeitig verwundet und auferstanden sein. Und tatsächlich sind wir immer beides, Verwundete und Auferstandene.[4] Jesus lädt uns damit ein, unsere Wunden – die es zwangsläufig gibt -, da sein und sehen zu lassen. Sie sind kein Grund, uns zu schämen oder uns vom Heil auszuschließen oder ausgeschlossen zu fühlen. Vielmehr ist der Kontakt zu Schmerz und Leid ein guter Weg zu mehr Mitgefühl und Verstehen.

Meine Wunden und Schmerzen dürfen sein.

Ich gebe ihnen Raum, lasse sie (mich) sehen.

Ich halte sie ins Licht Gottes.

 

 

  1. ANNÄHERUNG – Feuer und Sturm – vom Heiligen Geist belebt und erfüllt werden

Zugegeben, es gibt mindestens zwei Bedürfnisse in unserem Herzen:

Zum einen möchten wir in unserm Leben klar das „Steuer in der Hand“ haben. Wir wollen Sicherheit, Kontrolle – es soll überschaubar und kalkulierbar zugehen und auch möglichst angenehm sein. Es ist immer wieder schön, in der Komfort-Zone zu sein. Sie hat etwas Verlockendes!

Und dann gibt es noch den ganz anderen Wunsch: Die Sehnsucht, es möge uns etwas so treffen, im Tiefsten so berühren, dass wir wirklich erschüttert sind, dass es uns zu völlig neuen Erfahrungen führt, die uns unbekannte Dimensionen eröffnen.

In der Apostelgeschichte hat das Pfingstereignis etwas mit dem zweiten Wunsch zu tun:

Rauschender Sturm, der alles durchweht; Feuerflammen, die sich auf jeden Einzelnen setzen, jede und jeden mit Begeisterung anstecken; erfüllt werden mit dem Heiligen Geist, ausgelassene Freude und Begeisterung, die sich sicher auch einen leibhaftigen Ausdruck in Worten, Gesang und Tanz verschaffen…

Pfingsten ist die immer neue Einladung, uns diesem vitalisierenden, belebenden Geist Gottes auszusetzen. Es ist die Einladung, uns lebendig machen zu lassen.

Der Heilige Geist ist wie Sturm, Feuer und  verwandelnde Kraft.

Wie sieht unser Leben aus, wenn uns dieser Geist bewegt?

Alte Fesseln lösen sich, ausgetretene Wege werden verlassen. (Sprach-)Barrieren verschwinden. Wir brechen auf, wagen Neues …

Alles beginnt damit, unsere Sehnsucht zu spüren und zu sprechen:

Komm, Heiliger Geist!   

Alles andere können wir getrost Gott überlassen.

 

ÜBERSETZUNG INS LEBEN

Einladung zu einem „Feuer-Tag“

– Nimm heute vor allem Feuer in all seinen Dimensionen wahr:

Zünde eine Kerze an und nimm dir Zeit, sie zu betrachten. Was erzählt sie dir?

Nimm die Wärme der Sonne (oder ihre Abwesenheit) wahr – Temperaturunterschiede …

– Nimm verschiedene Energiezustände in dir wahr: müde – wach, ruhig – erregt, schwach/ erschöpft – kraftvoll/energiegeladen.

Spiele damit:  Was gibt Dir Energie?

  • Nimm bewusst wahr: wie geht es mir vor dem Duschen, wie danach?
  • Atme eine Weile kräftig – was verändert sich?
  • Jogge oder renne ein bisschen auf der Stelle oder tanze zu rhythmischer Musik.
  • Wie geht es mir im Haus, wie draußen?

 

– Frage Dich: Was bewegt mich in der Tiefe?

Was begeistert mich? Was lässt mich brennen?

Was brennt mir auf der Seele?

Was entflammt mein Herz?

Wie kann ich meinem ,,inneren Feuer“ Ausdruck geben? Bin ich bereit, dafür                  Risiken  einzugehen?

 

 

WEITERGEHEN

Singen und tanzen

Die Bitte „Komm, Heiliger Geist“ singen – wieder und wieder. Die verschiedenen Gesangbücher sind voll davon.

Hier ist eines:

Komm, Heilger Geist, mit deiner Kraft, / die uns verbindet und Leben schafft.[5]  (Kehrvers)

  1. Wie das Feuer sich verbreitet / und die Dunkelheit erhellt, /

so soll uns dein Geist ergreifen, / umgestalten unsre Welt. Kehrvers

  1. Wie der Sturm so unaufhaltsam, / dring in unser Leben ein. /

Nur wenn wir uns nicht verschließen, / können wir deine Kirche sein. Kehrvers

  1. Schenke uns von deiner Liebe, / die vertraut und die vergibt. /

Alle sprechen eine Sprache, / wenn ein Mensch den andern liebt. Kehrvers

Wenn Du magst, dann bewege Dich, finde Gesten und tanze dazu.

 

Tanze zu Deiner Lieblingsmusik. Lass Dich beschwingen, befeuern, beleben!

Oder vielleicht hierzu: Let’s get loud[6] oder Dirty Jazz[7]


 

  1. TRINITATIS – WEITE

 

TRINITATIS – drei Wege in das Geheimnis Gottes

Im Zentrum dieses Festes oder Gedenktages steht das dreifaltige Geheimnis Gottes. In unserer Tradition sprechen wir von Gott als dem Ursprung und Grund der  Schöpfung („der Vater“), aber auch von seinem menschlichen Antlitz in Jesus Christus („der Sohn“). In ihm ist Gott uns Menschen in allem gleich geworden – bis in den Tod hinein. Und schließlich sprechen wir von der beständigen belebenden Gegenwart Gottes im Leben der Menschen und in allem, was geschieht („der Heilige Geist“). Leider sind die Begriffe/Bilder „Vater, Sohn, Heiliger Geist“ für viele inzwischen zu leeren Formeln geworden und machen den Zugang zu Gott schwer und eng. Und doch legen sie eine gute Fährte. In dem dreifachen Zugang zu Gott liegt eine eröffnende Tiefe und Weite. Im Folgenden laden wir ein, das, was damit ursprünglich ausgedrückt werden wollte, neu zu entdecken.

Gott ist Einheit und Vielfalt in einem – und auf vielfältige Weise will Gott uns begegnen.

 

 

SICH BEREIT MACHEN

Suche einen Ort auf, an dem Du ungestört bist.

Richte Dich so ein, dass es Dir hilft, zur Ruhe zu kommen.

Vielleicht magst Du eine Kerze anzünden. Dich bewusst von ihrem Licht bescheinen zu lassen, kann Dir helfen, Dich für die Gegenwart Gottes zu öffnen.

 

 

GEBET ZU BEGINN

Ich sitze vor Dir, Gott.

Aufrecht und entspannt.

In diesem Augenblick

lasse ich alle meine Pläne,

Sorgen und Ängste los.

Ich lege sie in Deine Hände.

Gott, ich warte auf Dich.

Du kommst auf mich zu.

Du bist in mir, durchflutest mich mit Deinem Geist.

Du bist der Grund meines Seins.

Öffne mich

für Deine Gegenwart,

damit ich immer tiefer erfahre,

wer Du bist

und was Du von mir willst.

Amen.                                                               nach Dag Hammarskjöld

 

 

MICH EINFINDEN

Nimm Dir Zeit, Dich zu sammeln und Deinen Körper wahrzunehmen:

Du sitzt aufgerichtet, aber möglichst entspannt.

Schließe Deine Augen.

Stell beide Füße auf den Boden,

spüre den Kontakt zum Boden, zur Sitzfläche.

Spüre in deine Aufrichtung.

Spüre, wie Du jetzt da bist, von der Fußsohle bis zum Scheitel.

Es gibt jetzt nichts weiter zu tun oder festzuhalten.

Lass Dir dafür Zeit…

Lausche nach draußen – was nimmst Du wahr?

Lausche in den Raum …

Lausche in deinen Innenraum – wie bin ich jetzt da? Wie bin ich gestimmt?

Nimm Deinen Atem wahr. So wie er jetzt kommt und geht. Ausatmen. Einatmen…

Vertraue Dich mit jedem Ausatem noch ein wenig mehr dem tragenden Grund an.

Auch Seufzen ist manchmal gut.

Verweile so einige Minuten im Schweigen.

Lausche dahin, wo es ganz still ist.

Nach einer Weile schließe diese Übung ab.

Kehre mit Deiner Aufmerksamkeit zurück an Deinen Ort, öffne behutsam die Augen.

Vielleicht willst Du Dich leicht bewegen oder strecken.

 

 

BIBELTEXT UND IMPULSE

Die Rede des Paulus auf dem Areopag in Athen:

Bürger von Athen! Ich habe mich mit eigenen Augen davon überzeugen können, dass ihr außergewöhnlich religiöse Leute seid. Als ich nämlich durch die Straßen eurer Stadt ging und mir eure Heiligtümer ansah, stieß ich auf einen Altar mit der Inschrift:

Für einen unbekannten Gott‹.

Ihr verehrt also ein göttliches Wesen, ohne es zu kennen. Nun, gerade diese euch unbekannte Gottheit  verkünde ich euch.

Meine Botschaft handelt von dem Gott, der die ganze Welt mit allem, was darin ist, geschaffen hat. Er, der Herr über Himmel und Erde, wohnt nicht in Tempeln, die von Menschen erbaut wurden. Er ist auch nicht darauf angewiesen, dass wir Menschen ihm dienen. Nicht er ist von uns abhängig, sondern wir von ihm. Er ist es, der uns allen das Leben und die Luft zum Atmen gibt und uns mit allem versorgt, was wir zum Leben brauchen.

(…)

Mit allem, was Gott  tat, wollte er die Menschen dazu bringen, nach ihm zu fragen;

er wollte, dass sie – wenn irgend möglich – in Kontakt mit ihm kommen und ihn finden.

Er ist ja für keinen von uns in unerreichbarer Ferne.

Denn in Gott, dessen Gegenwart alles durchdringt, leben wir, bestehen wir und sind wir.

Oder, wie es einige eurer eigenen Dichter ausgedrückt haben: ›Gott ist es, von dem wir abstammen‹.

Apg 17, 22-28, Neue Genfer Übersetzung

 

 

DREI WEGE DER ANNÄHERUNG AN DAS GEHEIMNIS GOTTES

Paulus weist uns in seiner Rede drei Wege in das Geheimnis Gottes:

 

  1. WEG: Gott – das große Geheimnis des Lebens, der Grund des Seins

Wir leben in einer Zeit, in der immer weniger Menschen die Bilder und Lehren der jüdisch-christlichen Überlieferungen und Traditionen kennen. Viele der alten Bilder und Symbole erscheinen fremd und unzugänglich. Aber die Sehnsucht und Unruhe in unseren Seelen, die Frage nach dem, „was die Welt im Innersten zusammenhält“, ist weiter lebendig.

Doch dort, wo wir vom Wunder der Natur, des Lebens, der Schöpfung, berührt sind, da berühren wir mit unserem Staunen den geheimnisvollen göttlichen Ursprung des Lebens.

Gott begegnet uns als „Schöpfer“ oder besser als „dauernde Schöpferkraft“ in nicht personaler Weise, sondern als Grund, Ursprung – das Leben selbst – in allen Dingen, in der Schöpfung, in uns. Man könnte auch sagen: alles was ist, ist Ausdruck dieser Schöpferkraft – ist Ausdruck, Entfaltung Gottes. (In diesem Sinne ist Gott „Vater“, also „Geber“ des Lebens)

Wir können also wie Paulus sagen: in und mit diesem großen Geheimnis berühren wir Gott.

Denn: Gott, das ist der Ursprung von Himmel und Erde,

dieser wohnt nicht in Tempeln, die von  Menschen erbaut wurden.

Gott ist auch nicht darauf angewiesen, dass wir Menschen ihm dienen.

Nicht Gott ist von uns abhängig, sondern wir von ihm.

Gott ist es, der uns allen das Leben und die Luft zum Atmen gibt und uns mit allem versorgt, was wir zum Leben brauchen.

Es ist der Gott-größer-als-alles; der/die/das, worin wir leben, bestehen, uns bewegen und sind. Oder wie Luther es ausdrückte: in Gott leben, weben und sind wir.

Dies immer wieder zu erspüren und zu vergegenwärtigen – das ist der erste Weg zum Geheimnis Gottes.

 

ÜBERSETZUNG INS LEBEN

Gehe spazieren und nimm dabei bewusst wahr: was sehe ich, was rieche ich, was höre ich, was spüren ich? Nimm wahr, was dich anspricht – es ist die Schöpferkraft Gottes, die Dir hier nahekommen kann.

Übungsweg zum Geheimnis Gottes – Gott größer als alles:

In der Stille  – vielleicht liegend – spüre den Grund unter Dir und spüre, er verweist auf den EINEN GRUND, der alles trägt.

 

 

  1. WEG: Gott uns ganz nah

Es gibt Menschen, denen der erste Weg zu unpersönlich, zu distanziert und kühl erscheint. Paulus erinnert aber auch: „Gott ist nicht fern von einem jeden von uns“.

Wir können Gott nicht sehen, wie wir einander sehen – aber im Kolosser-Brief 1,15 heißt es, dass Jesus Christus das Abbild (griechisch: die Ikone) des unsichtbaren Gottes ist. Oder anders ausgedrückt:

Gott hat uns in Jesus Christus sein menschenfreundliches Angesicht zugewandt.

Das ist der nahe Gott, DU, „Gott-mit-uns“. In seinem Weg des Abstiegs und Aufstiegs, von Geburt, Tod und Auferstehung bildet sich auch unser Weg ab (Phil. 2,5 ff).

Es ist der Weg der Verwandlung, der uns zeigt, woher wir kommen, und dass wir zurückkehren in Gottes unmittelbare Gegenwart und Gott schauen werden von Angesicht zu Angesicht.

An Jesus können wir also sehen, was für uns alle gilt: Wir leben ein menschliches Leben mit Geburt und Tod, mit Freuden und Ängsten, aber in allem sind wir immer umgeben („leben und weben und sind wir“), in Kontakt, geborgen in Gott. Diese unaufgebbare Nähe und Gegenwart Gottes wird in dem Begriff „Christus“ ausgedrückt.

In „Christus“ ist Gott uns immer ganz nahe: „Siehe, ich bin bei euch alle Tage…!“ (Mt. 28.)

 

ÜBERSETZUNG INS LEBEN

Wenn Du unterwegs bist und auf Menschen triffst, versuche sie einmal anzuschauen und Dir dabei zu sagen: Auch du bist ein Ausdruck Gottes! Was passiert dann? Ändert sich Deine Wahrnehmung?

Übungsweg zum Geheimnis Gottes – Gott, uns ganz nah:

Körperübung:

Stelle Dich bewusst hin – spüre den Boden unter Deinen Füßen.

Atme tief ein und aus oder seufze.

Spüre, dass der Boden Dich trägt.

Dann spüre bewusst den Raum um Dich – den Raum vor Dir, den Raum hinter Dir, den Raum an deiner rechten Seite, den Raum links, den Raum über Dir.

Nimm den Kontakt Deiner Haut zu dem Raum um Dich wahr.

In der Stille sprich: „Von allen Seiten umgibst Du mich, mein Gott /Christus / Heiland …“

 

 

  1. WEG: Gott in uns entdecken

Im letzten Satz spricht Paulus einen dritten Aspekt an – ein weiterer Zugang zum Geheimnis Gottes: „Gott ist es, von dem wir abstammen“ – oder anders übersetzt:

Wir selbst sind nach Gottes Art“.

In Gott ist unser Ursprung, mehr noch: wir sind seine Ebenbilder.

Aus Gott stammen wir und wir dürfen uns deshalb Kinder Gottes nennen.

Das aber heißt auch, dass wir Gott selbst in uns tragen und wir auch Teil haben an dem Geheimnis Gottes in uns. Wir sind Teil dieses göttlichen Geheimnisses.

Dies klingt für manch einen ganz ungewohnt. Aber an vielen Stellen in seinen Briefen versucht Paulus uns dieses Geheimnis nahe zu bringen:

„Wir sind Tempel des Heiligen Geistes“ – 1. Kor. 6, 19

„Christus in uns“ – das ist unser eigentlicher Wesenskern – Galater 2,20

Die berühmte Mystikerin Teresa von Avila  beschreibt diese Erfahrung in einem Vers, in dem Gott zur Seele spricht:

„Und Seele, suche mich in dir – und Seele, suche dich in mir!“

Wir sind also eingeladen, uns selbst und einander in dieser göttlichen Würde anzuschauen.

Das wird unser Verhältnis zu uns selbst und zu einander mehr und mehr verwandeln.

 

ÜBERSETZUNG INS LEBEN

Schau in den Spiegel. Sieh Dich liebevoll an.

Sag Dir selbst: Ich bin Ausdruck Gottes, Gott lebt in, mit und durch mich.

Was geschieht?

Übungsweg zum Geheimnis Gottes – Gott in uns:

In der Stille sprich verbunden mit Deinem Atem: „Ich in Dir  – Du in mir!“

 

 

Wie gut, dass es im Vers 26. heißt:

Gott selbst sorgt dafür, dass „(wir) Gott suchen sollen, ob (wir) ihn wohl fühlen und finden könnten; und fürwahr, Gott ist nicht ferne von einem jeden unter uns.“

Ja, Gott hat uns schon gefunden, darauf dürfen wir auf unserer Suche vertrauen und können uns immer wieder neu den verschiedenen Wegen öffnen, die in das tiefe und weite Geheimnis seiner Gegenwart führen.

 

 

GEBET ZUM ABSCHLUSS

Beschließe Deine Text-Begegnung mit einem Gebet. Sprich aus, was Dich jetzt beschäftigt, was Dir noch nachgeht, was Dich berührt hat. Danke für das, was Du wahrgenommen hast.

Vielleicht magst Du auch mit diesen Worten beten:

 

Gott, ich danke Dir für diese Zeit in Deiner Gegenwart.

Ich danke Dir für alles, was sich mir gezeigt hat.

Ich halte es Dir hin.

Lass es mir und Deiner Welt zum Segen werden.

Amen.

Oder

Du, der über uns ist,

du, der einer von uns ist.

Du, der ist – auch in uns:

Dass alle dich sehen – auch in mir,

dass ich den Weg bereite für dich,

dass ich danke für alles, was mir widerfuhr,

dass ich dabei nicht vergesse der anderen Not.

Behalte mich in deiner Liebe,

so wie du willst, dass andere bleiben in der meinen.

Möchte sich alles in meinem Wesen zu deiner Ehre wenden,

und möchte ich nie verzweifeln,

denn ich bin in deiner Hand,

und alle Kraft und Güte sind in dir.

Dag Hammarskjöld

 

 

WEITERGEHEN

Die drei Feste liegen hinter dir.

Halte fest, was Dir besonders kostbar geworden ist.

Versuche, das eine oder andere in Deinem Alltag zu bewahren.

 

„Friede sei mit euch“

 

 

 

 

 

 

Magdalene Hellstern-Hummel und Frank Puckelwald

Gemeindedienst / Mai 2020

[1] Die Wolke, die vor den Israeliten herzog, als sie flohen 2. Mose 13,21

Oft wird gesagt, dass Gott in einer Wolke nahe kommt oder durch eine Wolke redet. Vgl. 2. Mose 16,10/19,9/34,5, Ps 99,7 etc.

Ein sehr bekanntes Buch – Anleitung zum kontemplativen Gebet aus dem Mittelalter heißt nicht ohne Grund „Die Wolke des

Nichtwissens“.

[2] griechisch: pentecoste hemera: fünfzig Tage – daraus entwickelte sich der Begriff „Pfingsten“

[3] Vgl.  Richard Rohr: Pure Präsenz. Sehen lernen wie Mystiker, 7. Aufl. 2016, Claudius Verlag München,  S. 27f.

[4] Richard Rohr: Alles trägt den einen Namen. Die Wiederentdeckung des universalen Christus, Gütersloh 2019, S. 141 + 143.

[5] Melodie und Gesang zu hören bei  https://www.youtube.com/watch?v=865R4N4ILas

[6] Zu hören bei https://youtube.be/Pu1tldLYKE

[7] Zu hören bei https://youtube.be/ZOM_bCSOtVU

Jesus sagt: „Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen.“

Wenn der Gottesdienst in der Kirche ausfällt, dann könnt Ihr zu Hause mit Euren Kindern Gottesdienst feiern. So habt Ihr eine besondere Zeit. Gott wird dabei sein.

Sucht mit Euren Kindern einen schönen Ort aus und macht es Euch gemütlich. Um die besondere Zeit vom „normalen“ gemeinsamen Spielen und Erzählen zu unterscheiden, könnt Ihr den Ort gestalten: Legt Kissen aus, auf denen Ihr sitzen möchtet. Bereitet einen „Altar“ auf einem Tisch, einer Kiste oder einem Tuch auf dem Fußboden vor. Schmückt den Tisch mit Blumen. Stellt eine brennende Kerze dazu. Das Licht erinnert, dass Gott unser Licht ist und bei dieser Feier dabei ist. Legt eine Bibel dazu. Darin stehen all die Geschichten von Gott und den Menschen. Wir können sie erzählen und hören. Stellt ein Kreuz dazu als Zeichen, dass Gott zu uns in die Welt gekommen ist und den Tod besiegt hat.

(Es können echte Blumen oder welche aus Lego sein. Das Kreuz kann aus Löffeln oder Bauklötzen gelegt werden, wenn gerade kein Kreuz zur Hand ist. Alles ist erlaubt. Die Kinder werden schon etwas Passendes finden. Bei der Kerze natürlich die üblichen Sicherheitsvorkehrungen beachten!)

  • Anfangen: Zu Beginn könnt Ihr eine Glocke läuten und ein Lied singen oder von der CD spielen.
  • Gottesdienst beginnen: Eine/r sagt: Wir sind zusammen und feiern Gottesdienst. Wir Menschen und Gott. Alle sagen gemeinsam:
  • Bibel: Jemand erzählt eine Bibelgeschichte oder liest sie vor. Zum Beispiel vom Einzug nach Jerusalem (Lukasevangelium Kapitel 19, Verse 28-40) oder eine andere, die Euch gefällt.
  • Vertiefung: Dann kann jeder und jede etwas kneten oder malen oder aus Bauklötzen bauen. Anschließend schaut Ihr Euch an, was alle gestaltet haben. Achtung: Alles ist richtig und wird wertschätzend betrachtet! Wer mag, erzählt sich noch gegenseitig, was das Schönste an der Geschichte war oder was Euch nicht so gut gefallen hat.
  • Lied: Singt ein Lied zusammen, dass Ihr aus dem Kindergottesdienst kennt.
  • Gebet: Dann könnt Ihr beten. Sprecht ruhig frei für was Ihr beten möchtet. Oder baut oder knetet etwas, dass Ihr Gott erzählen/zeigen möchtet. Oder betet das Vater Unser. /nd/oder einer/eine betet:

Gott, du bist in die Welt gekommen, um mit uns unsere Wege zu gehen.

Die unheimlichen, dunklen Wege und die schönen, hellen Wege. Danke, dass wir nie alleine sind. Du bist da.

Alle sagen gemeinsam: Amen.

Am Ende könnt Ihr noch ein Lied singen. Dann sagt Ihr Euch gegenseitig: Gott will Dich segnen und Du sollst ein Segen sein. Amen.

(Antoinette Lühmann. Fachstelle Kindergottesdienst in der Nordkirche.)