Beispiel aus der Kirchengemeinde St. Markus Hoheluft in Hamburg: eine tägliche „leibhaftige“ Gebetszeit von 12 bis 12.30 Uhr und am Sonntag von 10 bis 11 Uhr einen „Stellvertretenden“ Gottesdienst. Die Gestaltung der Gebetszeit und des Gottesdienstes liegt bei der/dem einen jeweiligen Liturg*in.

Das liturgische Team wechselt sich tägIich ab. In St. Markus Hamburg-Hoheluft umfasst das Team die pastores, die Diakonin und die Kirchenmusikerin.

Ankündigung: „Stellvertretendes  Mittags-Gebet“ in Zeiten des Corona-Virus

Montag bis Sonnabend von 12 bis 12.30 Uhr

Verbunden bleiben wir im Gebet. Seien Sie mit Herz und Seele von Zuhause dabei. Teilen Sie uns mit, für wen oder was wir beten mögen!

Jeden Mittag von 12 bis 12.30 Uhr betet eine/einer stellvertretend „leibhaftig“ in der St. Markus Kirche. Die Kirchentür bleibt zwar verschlossen, doch was Sie bewegt, bringen wir vor Gott.

Teilen Sie es uns mit!

Ab sofort können Sie Ihre Anliegen schriftlich (hier Adresse angeben) oder uns per Mail (hier Mailadresse angeben, z.B. betenfuer@……) zusenden. Die Anonymität bleibt gewahrt.

Es ist Zeit, Gott um Beistand, Trost, Kraft oder Hoffnung zu bitten oder einfach offene Fragen, Ohnmacht, Wut loszuwerden.

 

„Stellvertretender“ Gottesdienst in Zeiten des Corona-Virus

Sonntag von 10 bis 11 Uhr

Verbunden bleiben wir im Gebet. Seien Sie mit Herz und Seele von Zuhause dabei. Teilen Sie uns mit, für wen oder was wir beten mögen!

Am Sonntag um 10 Uhr feiert eine/einer stellvertretend „leibhaftig“ für Sie. Ein Gottesdienst mit Fürbitte. Die Kirchentür bleibt verschlossen. Verbunden sind wir in geistlicher Gemeinschaft.

Es ist Zeit, Gott um Beistand, Trost, Kraft oder Hoffnung zu bitten oder einfach offene Fragen, Ohnmacht, Wut loszuwerden.

Ab sofort können Sie Ihre Anliegen schriftlich in den Gemeindebriefkasten werfen oder uns per Mail (hier Mailadresse angeben, z.B. betenfuer@……) zusenden. Die Anonymität bleibt gewahrt.

 

Eine Gestaltungsidee für das Mittagsgebet:

  • als Liturg*in erkennbar (Talar, Gitarre unterm Arm, o.ä.) in die Kirche gehen.
  • Die Kirchentür hinter sich verschließen.
  • Mit dem dreiminütigen Glockengeläut um 12 Uhr an den Altar treten.
  • Die Altarkerzen entzünden.
  • Stille. Viel Ruhe und Zeit. Die Verlangsamung wirkt.
  • Klangschale.
  • Einen Psalm hörbar beten.
  • Klangschale.
  • Stille
  • Gebetsanliegen hörbar sprechen – eher eine Zeile. Mit  „Kyrie eleison“ antworten (frei improvisieren oder eine vertraute Melodie singen). Das vielfach wiederholen. So entsteht eine Fürbittenlitanei mit Bitt-und Dankgebeten (die Gebete frei sprechen bzw. die übermittelten Gebetsanliegen aufnehmen)
  • Ein Passionslied singen (z.B. „Holz auf Jesu Schulter“). Singend vom Altar aus die Kirche durchschreiten. Mit der letzten Strophe wieder am Altar ankommen.
  • Eine biblische Lesung (evtl. des kommenden Sonntags) hörbar lesen
  • Stille
  • Die erste Strophe des Passionsliedes (s.o.) singen
  • Vater Unser (um 12.28 Uhr erklingt die VaterUnser-Glocke)
  • Segen

.     Kerzen löschen

(Anja Blös, Gottesdienstinstitut Nordkirche)

Andacht zur Einkehr und um sich an verschiedenen Orten miteinander zu verbinden

  • Gebet (gleicher Text an jedem Tag – eine*r betet für sich oder alle, die in Wohnung/Haus sind beten gemeinsam laut)

Gott. Ich bin hier.

Und Du bist hier.

Ich bete zu Dir.

Und weiß: Ich bin verbunden.

Mit Dir.

Mit anderen, die zu Dir beten.

Genau jetzt.

Ich bin hier.

Und Du bist hier.

Das genügt.

Und ich bringe Dir alles, was ist.

Stille

Höre auf mein/unser Gebet.

Amen

Weitere Ideen:

  • Bibeltext des Tages
  • Lied des Tages oder ein anderes vertrautes Lied (Text lesen oder in Hausgemeinschaft miteinander singen)
  • Verkündigungsimpuls (Text lesen oder eine*r in der Hausgemeinschaft liest vor)
  • Vertiefung, passend zum Tag: Impuls zum Weitertragen in die Welt (z.B.: Hoffnungssteine bemalen und „aussetzen“ (#ostersteine), siehe u.a. hier: https://www.kirche-hamburg.de/nachrichten/details/ostersteine-zeichen-der-hoffnung.html ) (Emilia Handke, Kirche im Dialog – Nordkirche)
  • oder Botschaften gegen die Furcht schreiben / malen (#mutinfarbe) und in der Welt aufhängen, siehe u.a. hier: https://sebastiants.de/mut-fuer-die-fastenzeit)
  • Fürbitten:

Gott. Wir sind verbunden. Als Menschen mit Menschen. Als Glaubende miteinander. Als Glaubende und Menschen mit Dir. Wir bringen Dir unsere Gedanken, unser Danken und unser Sorgen. Heute. Stille

Wir denken an alle, die wir lieben. Stille.

Wir denken an alle, die in diesen Zeiten noch einsamer sind. Stille.

Wir denken an alle Kranken. Und an alle Kranken in Krankenhäusern, die keinen Besuch haben können. Stille.

Wir denken an alle, die helfen. Sie setzen sich und ihre Kraft und ihre Gaben ein füreinander. Stille.

Gott. Wir sind Deine Menschen. Wir sind miteinander verbunden. Atmen die Luft Deiner Schöpfung. Beten zu Dir in allem, was ist. Beten zu Dir mit den Worten, die uns im Herzen wohnen:

  • Vater Unser
  • Segen

Hände öffnen und laut sprechen:

Gott segne uns und behüte uns.

Gott lasse sein Angesicht leuchten über uns und sei uns gnädig.

Gott erhebe sein Angesicht auf uns und gebe uns Frieden. Amen

(Elisabeth Rabe-Winnen, Zentrum für Gottesdienst und Kirchenmusik Michaeliskloster, Hildesheim)

Einige Gedanken vorweg

Menschen suchen Zuflucht in Kirchen, wenn es eng wird – das war immer schon so. Doch in diesen Wochen sind die bergenden, manchmal etwas muffigen, aber doch irgendwie Trost gebenden Räume geschlossen. Gottesdienst und Vergewisserung in der Gemeinschaft funktionieren nicht mehr wie gewohnt. Neue und andere Wege müssen her. Viele gehen online, feiern Gottesdienst virtuell, allein vor dem Bildschirm und doch verbunden. Das ist gut so! Aber es kann auch noch anders gehen.

Draußen unter freiem Himmel Gottesdienst feiern – das geht noch immer. In Corona-Zeiten nicht in großer Gemeinschaft, aber zu zweit mit dem Partner, der Partnerin oder in der Familie. Oder auch – das besonders im Moment!!! –  allein. Und das Schöne daran: Der Hund darf auch mit dabei sein.

Entstanden ist eine kleine Liturgie für einen Spaziergang, inspiriert durch die Sieben Schritte des Gemeindeaufbau-Projektes „Spiritualität im Alltag“ und durch Impulse aus der keltisch-christlichen Spiritualität. Die keltische Kirche in Irland und Schottland feierte ihre Gottesdienste in alter Zeit nicht in Kirchen, sondern rund um die in den Himmel aufragenden Sonnenkreuze. Evangelium – frohe Botschaft begegnet uns in dieser Tradition nicht nur in den Worten der Bibel, sondern ebenso in Gottes guter Schöpfung.

 

Sich einfinden

Sucht euch für den Beginn einen guten und ruhigen Ort, unter einen Baum, an einem Bachlauf, einer Weggabelung, einer Schutzhütte, am Strand.

Verständigt euch über den Weg, den ihr gemeinsam gehen wollt, damit euch diese Frage nicht später beschäftigen muss.

Werdet miteinander still und stimmt euch ein auf euren gemeinsamen Weg. Wenn ihr mögt, schließt für einen Augenblick die Augen. Nehmt die Erde wahr, die unter euren Füßen ist. Nehmt die Geräusche wahr, die da sind. Lauscht der „Musik zum Anfang“, dem Gesang der Vögel, dem Plätschern des Wassers.

Einer /eine spricht ein Gebet:

Gott, Schöpfer der Welt,

öffne unsere Augen, um deine Gegenwart zu sehen,

unsere Seelen, um deine Gegenwart zu fühlen,

unsere Herzen, um deine Gegenwart zu lieben,

hier in deiner Schöpfung

und einst in deiner Ewigkeit.

Amen.

 

Sich verbinden

Mache dich/Macht euch nun gemeinsam auf den Weg. Teilt im Gehen miteinander, wie ihr heute an diesem Tag unterwegs seid. Einer spricht und eine hört zu, fragt vielleicht nach, kommentiert aber nicht. Wenn du allein unterwegs bist, hör dir selbst gut zu – das tun wir viel zu selten. Wenn ausgesprochen ist, was gesagt werden soll, schenkt einander oder euch selbst diesen kleinen großen Zuspruch: „Mit und in allem was ist: Gott schaut dich (mich) liebevoll an.“

 

Ein fremder Gast auf dem Weg

Lest miteinander einen Bibeltext, z.B. den Predigttext des Sonntags Laetare  (22. März 2020):

Freuet euch mit Jerusalem und seid fröhlich über die Stadt, alle, die ihr sie lieb habt! Freuet euch mit ihr, alle, die ihr über sie traurig gewesen seid. Denn nun dürft ihr saugen und euch satt trinken an den Brüsten ihres Trostes; denn nun dürft ihr reichlich trinken und euch erfreuen an ihrer vollen Mutterbrust. Denn so spricht der HERR: Siehe, ich breite aus bei ihr den Frieden wie einen Strom und den Reichtum der Völker wie einen überströmenden Bach. Da werdet ihr saugen, auf dem Arm wird man euch tragen und auf den Knien euch liebkosen. Ich will euch trösten, wie einen seine Mutter tröstet; ja, ihr sollt an Jerusalem getröstet werden. Ihr werdet’s sehen und euer Herz wird sich freuen, und euer Gebein soll grünen wie Gras. (Jesaja 66,10-14)

 

Nehmt im Gehen die Predigt der Schöpfung wahr – gern im Austausch miteinander.

Laetare! Freue dich – das ist die Überschrift dieses Sonntags und der Aufruf des Predigttextes. Der Text erzählt von Fülle und vom mütterlichen Trost Gottes. Bilder der Fürsorge und des Überflusses prägen die Worte Jesajas.

Macht euch/Mache dich auf die Suche nach Spuren dieser Fülle auf eurem Weg. Entdeckt gemeinsam im achtsamen Wahrnehmen die Spuren der Fürsorge Gottes in der Schöpfung: Neben noch kahlen Bäumen werdet ihr vielleicht Bäume und  Büsche entdecken, die schon in voller Blüte stehen. Zwischen vertrocknetem Gras vom Vorjahr wachsen frische, grüne Halme. Wenn ihr im Wald unterwegs seid, haltet Ausschau nach Buschwindröschen und anderen Frühblühern. Vielleicht trefft ihr auf eine Herde von Schafen mit ihren Lämmern. Nehmt die Gerüche wahr – berührt behutsam tastend die vollen Knospen der Bäume. Legt euer Ohr an die Rinde eines glatten Baumstammes (z.B. Buche) – wenn es ganz still ist, könnt ihr jetzt im März (und nur im März) das Rauschen seiner Lebenssäfte hören. Vielleicht ist die Luft noch so kühl, dass ihr mit Mütze und Schal unterwegs seid – doch wenn die Sonne scheint, dann haltet eure Gesichter für ein paar Augenblicke in die wärmenden Strahlen und spürt den Unterschied.

 

Antwort geben

Tauscht euch aus, was ihr von euren Entdeckungen mit in euren Alltag nehmen möchtet/Gehe in dich: Was stärkt und tröstet mich? Erwächst daraus ein konkretes Vorhaben für die nächste Woche?

Wenn ihr mögt/wenn du magst oder mit Kindern unterwegs seid, gestaltet vielleicht gemeinsam ein Mandala – aus Naturmaterialien, die ihr auf eurem Weg gefunden habt. Wenn ihr euch niederbeugt, vielleicht sogar hinkniet, um euer Mandala zu gestalten, kommt ihr der Erde näher als sonst, nehmt noch einmal besonders Verbindung auf zum Heiligen in allem, das wächst, neigt euer Haupt vor dem Geheimnis des Lebens, dem Tröster der Welt.

 

Bevor ihr euren Weg beendet, könnt ihr Gott um Trost für die Menschen in dieser verunsicherten Welt bitten. Wenn ihr mögt, nennt dabei konkrete Namen von Menschen, an die ihr besonders denkt:

 

Wohin wir uns auch wenden, mütterlicher Gott,

erblicken wir dein Angesicht,

finden Spuren deiner Sorge für diese Welt.

Wir bitten dich:

Tröste wie eine Mutter alle, die sich in diesen Tagen um einen kranken Menschen sorgen….

Tröste alle, die sich in diesen Tagen einsam und allein fühlen…

Tröste alle, die sich in diesen Tagen um ihre materielle Sicherheit sorgen….

Lass uns stark sein mit einander und für einander,

achtsam und besonnen,

verbunden mit dir und allem, was lebt.

Amen.

 

Wenn ihr es im Herzen habt, sprecht miteinander das Vater Unser.

 

Segen erbitten

 

Bittet Gott um seinen Segen für den Weg und die Zeit, die vor euch liegt.

 

Segne uns, Gott,

die Erde unter unseren Füßen,

segne uns, Gott,

den Weg, auf dem wir gehen,

segne uns, Gott,

das, was wir so sehr wünschen.

Du, der du ewig bist,

segne uns unsere Rast.

 

Segne uns,

worauf sich unser Glaube richtet.

Segne uns,

worauf sich unsere Liebe richtet.

Segne uns,

worauf sich unsere Hoffnung richtet.

Gott des Lebens,

segne uns den Blick unserer Augen und Herzen.

Amen

 

Diese Segensbitte ist angelehnt an ein Pilger-Gebet aus der Carmina Gadelica, einer Ende des 19. Jahrhunderts entstandenen Sammlung von gälisch-sprachigen Gebeten aus Schottland(Carmina Gadelica, Hymns and Incantations, ed. by C.J. Moore, Edinburgh 1992).

Beendet euren Spaziergang so wie es jetzt gerade passt – im Schweigen oder im Austausch über das gemeinsam Erlebte.

(Claudia Süssenbach, Gemeindedienst der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Norddeutschland)

(L: Liturg, A: Alle, E1-E4 Einzelne)

„Der Vorschlag folgt weitgehend der Struktur des sonntäglichen Predigtgottesdienstes. Sie ist als Ganzes komponiert, dennoch können einzelne Teile ausgetauscht oder gelöscht werden. Statt einer Lesepredigt teilen die Anwesenden ihre Gedanken miteinander nach einer Variante des bekannten „Bibel-Teilens“, das vielfach in Haus- und Bibelkreisen eine vertraute Weise ist, sich einem Bibeltext persönlich zu nähern“, sagt OKR Dr. Frank Zeeb aus der Landeskirche Württenberg. Zurzeit sind die Kirchen ganz geschlossen, dann „funktioniert“ eine solche Liturgie auch gut zuhause, in der Familie, zu zweit oder dritt/viert.

Liturgie

L: Im Namen Gottes, des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.
A: Amen.
L: Unsere Hilfe steht im Namen des Herrn.
A: Der Himmel und Erde gemacht hat.
L: Liebe Schwestern und Brüder, heute ist der … Sonntag der Passionszeit, …

In diesen Zeiten ist es das Beste für unsere Stadt und unser Land, nicht in großen Gruppen und der gottesdienstliche Gemeinde zusammenzukommen, denn dadurch könnte großer Schaden entstehen. So grüße ich Sie / Euch mit dem Wochenspruch für den heutigen Tag: …

Wir sind gewiss, dass Gottes Reich mitten unter uns ist, wenn wir miteinander in seinem Namen zusammenkommen.

Lied: EG 432: Gott gab uns Atem, damit wir leben.
Psalm

Eingangsgebet: (nach VELKD.de)
E1: Du Gott des Lebens, Jesus Christus,
du rufst uns und wir wollen dir nachfolgen.
A: Du rufst uns, aber wir sind unsicher.
Du rufst uns, aber wir fürchten uns.
E2: Ungewissheit und Angst erfüllen unsere Gedanken.
A: Wir sind in Sorge.
E3: Wir sorgen uns um unsere Lieben.
A: Wir vertrauen sie deiner Fürsorge an.
Behüte und bewahre sie.
E4: Wir vertrauen uns deiner Fürsorge an.
Behüte uns und bewahre uns.
Kyrie eleison – Herr, erbarme dich
E1: Krankheit bedroht die Schwachen.
E2: Wir vertrauen die Kranken deiner Fürsorge an.
Behüte und bewahre sie.
E3: Wir bitten für die Sterbenden –
A: in unserer Nähe und in aller Welt.
Behüte sie und erbarme dich.
E1: Wir danken dir für alle,
die in Krankenhäusern, Laboren und Ämtern arbeiten
und sich um das Wohl aller mühen.
A: Behüte und leite sie und erbarme dich.
Kyrie eleison – Herr, erbarme dich.
E2: Der Krieg in Syrien endet nicht.
Wir hören von den Flüchtlingen,
Sie wollen der Gewalt entkommen.
A: Behüte und bewahre sie.
E3: Wir hören von den Kindern in Lagern und auf der Flucht.
Sie werden für fremde Machtinteressen benutzt.
A: Wir wissen, dass unser Mitleid nicht genügt.
Behüte und bewahre sie.
E4: Wir hoffen auf das Ende der Gewalt.
Leite die Mächtigen.
Kyrie eleison – Herr, erbarme dich
L: Du Gott des Lebens, Jesus Christus,
du rufst uns und wir wollen dir nachfolgen.
Hilf deiner Gemeinde,
mache ihren Mut größer als ihre Furcht,
tröste sie in Angst,
begeistere sie,
erfülle sie mit Liebe
damit sie deine Liebe weitergibt.
A: Du rufst uns und wir danken dir
für den Mut, für den Trost und für deine Liebe.
Heute und alle Tage.
Amen.
L: Wir beten weiter in der Stille, miteinander und Füreinander

Lied: EG 391: Jesu geh voran.

Predigttext des Sonntags …
(Der Predigttext wird nach der Methode: „Bibel Teilen“ in sieben Schritten gemeinsam erschlossen)

  1. Wir öffnen uns für Gott im Gebet
    Herr, du unser Gott, öffne unsere Herzen und unseren Sinn für dein Wort. Wir wollen hören, rede du. Was du uns sagen willst, das lass uns aufmerksam wahrnehmen. In all unserer Sorge, tröste uns. Gib uns ein festes Herz, das uns gewiss macht in der Hoffnung auf dich. Gib uns ein waches Auge, dass wir nicht nur geistlich aufschauen und vor allem nicht zurückschauen, sondern den Nächsten und seine Not sehen. Und gib uns eine sichere Hand, dass wir in den kommenden Tagen das rechte Tun, besonnen und mit Augenmaß. Das bitten wir durch Jesus Christus, deinen lieben Sohn, unseren Herrn.
  2. Eine/r liest den Predigttext
    3. Verweilen und Vertiefen
    Der Text wird erneut – langsam – gelesen. Jeder und jede wird eingeladen, mitzulesen und an den Stellen, die ihm besonders naheliegen, besonders zu betonen. In einer dritten Lesung gelingt es oft, einen emotionalen Klangteppich zu weben, bei dem die Gefühle (Ablehnung, Zweifel, Angst, Freude …) wie in einer Symphonie zusammenklingen.
  3. Schweigen (ca. 3-5 Minuten)
    Die Teilnehmenden besinnen sich, jeder und jede für sich, was der Text jede/m einzelnen sagen will. Sie lassen sich darauf ein, dass nicht alles unmittelbar einsichtig ist. Sie suchen nach Anknüpfungspunkten in ihrem Leben und besinnen sich darauf, was sich in der kommenden Woche von diesem Text her in ihrem Alltag nahelegt.
  4. Mitteilen
    Wer mag, kann den anderen die eigenen Gedanken mitteilen. Manchen Gruppen hilft es, mit einer Murmel oder einem Stein zu arbeiten: Wer den Stein hat, hat das Wort. Wer fertig ist, legt ihn wieder in die Mitte. Wer reden mag, nimmt den Stein. Wichtig ist, dass es in dieser Phase nicht um Diskussion geht, sondern darum, zu hören, was der Text ausgelöst hat. Deshalb wird hier nicht kommentiert.
  5. Austauschen
    Wir suchen im Gespräch nach der Bedeutung des Textes. Meist ergibt sich aus der Mitteilungsphase ein Gespräch und Themen von allein. Wenn nicht, könnten Leitfragen hilfreich sein:

Lied: z.B. EG 395 (Vertraut den neuen Wegen), oder: EG 395 Wohl denen, die da wandeln oder: EG 299: Aus tiefer Not
Fürbittengebet (nach evangelisches-brevier.de) :
L
: Gott, du hast Himmel und Erde gemacht durch dein Wort. Dein Wort ist Fleisch geworden :
Jesus, dein Sohn, der als Licht scheint in aller Finsternis. Wir bitten dich: Gib uns seinen Geist, dass
wir dieses Licht und weiter verbreiten in dunkler Zeit.
Licht sehen. Wir rufen:
A: Herr, erbarme dich!
L: Lass es hell werden, in uns und in aller Welt. Wo Angst quält, wecke Hoffnung; wo Trauer lähmt,
wecke Freude; wo Hass herrscht, wecke gewinnende Güte, auch durch uns. Wir rufen:
A: Herr, erbarme dich!
L: Wir vereinen uns mit allen, die heute zusammenkommen , um dich anzurufen und deine
Nähe zu feiern. Sei auch denen nahe, die dich nicht suchen und nicht nach deinem Willen fragen.
Gehe ihnen nach in deiner Liebe und rufe sie auf den Weg zum Leben. Wir rufen:
A: Herr, erbarme dich!
L: Gemeinsam beten wir. Vater unser …
L: Segen: Der Herr segne uns und behüte uns // der Herr lasse sein Angesicht leuchten über uns
und sei uns gnädig. // Der Herr erhebe sein Angesicht auf uns, und schenke uns Frieden.
A: Amen.

(OKR Dr. Frank Zeeb , Fachstelle Gottesdienst, Landeskirche Württenberg)

Pilgern durch die Jahreszeiten am 29.03.2020 mit Psalm 23

 

Anfangsimpuls beim Aufbruch

 

Ich bin da.

Gott ist da.

Das genügt.

 

 

Lied: „Befiehl du deine Wege“ (Evangelisches Gesangbuch 361, 1+2)

 

Befiehl du deine Wege
und was dein Herze kränkt
der allertreusten Pflege
des, der den Himmel lenkt.
Der Wolken Luft und Winden
gibt Wege, Lauf und Bahn
der wird auch Wege finden,
da dein Fuß gehen kann.

Dem Herren musst du trauen,
wenn dir’s soll wohlergehn;
auf sein Werk musst du schauen,
wenn dein Werk soll bestehn.
Mit Sorgen und mit Grämen
und mit selbsteigner Pein
lässt Gott sich gar nichts nehmen:
es muss erbeten sein.

 

 

Ich stehe am Anfang meines heutigern Wegs.

Wieder mache ich mich am Morgen auf.

Ich will wieder unterwegs wahrnehmen, was um mich herum ist.

Ich will mit offenen Sinnen in diesen Tag gehen.

Den Gesang der Vögel hören.

Den Wind und die Sonne auf der Haut spüren.

Die frischen Farben um mich herum sehen.

Spüren, dass ich am Leben bin – so wie all das Leben ringsum mich herum.

 

 

Der dritte Weg in Zeiten von Corona ist das.

Was anfangs noch neu und ungewohnt war, ist mittlerweile vertrauter.

Viel Zuhause sein, wenig Kontakte.

Mein Leben ist auf seine Basis reduziert.

 

Neben manch anderem beschäftigen mich die Fragen:

Wie lange wird das wohl so gehen?

Wie lange müssen wir das aushalten?

Wie lang wird also dieser Weg sein, den wir vor uns haben?

Und was wird mich und die anderen auf diesem Weg erwarten?

 

Momentan gibt es für all diese Frage keine Antworten, keine Prognosen.

Wir „fahren auf Sicht“.

Das gilt es auszuhalten.

 

In dieser Zeit habe ich nun den Tag begonnen mit: „Befiehl du deine Wege“.

Dieser Empfehlung von Paul Gerhard will ich heute folgen.

Er hat das geschrieben wenige Jahre, nachdem der 30jährige Krieg zu Ende gegangen ist – eine schier endlose Zeit der Entbehrungen und des Leids für die Völker Europas.

Doch Paul Gerhard ist von dieser Erfahrung nicht abgestumpft worden.

Sein Lied ist – wie so viele andere Lieder von ihm – eine einzige Einübung in Vertrauen.

„Der Wolken Luft und Winden / gibt Wege, Lauf und Bahn /

der wird auch Wege finden, / da dein Fuß gehen kann.“

 

Von diesem Vertrauen möchte ich mich heute anstecken lassen…

 

Dazu passt der Psalm, mit dem wir jetzt schon seit drei Wochen unterwegs sind.

Auch er ist ja ein solches Vertrauenslied.

Wieder will ich mir zu Beginn diese altvertrauten Worte neu in mein Ohr bringen.

 

Psalmgebet

Der Herr ist mein Hirte,
mir wird nichts mangeln.
Er weidet mich auf einer grünen Aue
und führet mich zum frischen Wasser.
Er erquicket meine Seele.
Er führet mich auf rechter Straße
um seines Namens willen.
Und ob ich schon wanderte im finstern Tal,
fürchte ich kein Unglück;
denn du bist bei mir,
dein Stecken und Stab trösten mich.
Du bereitest vor mir einen Tisch
im Angesicht meiner Feinde.
Du salbest mein Haupt mit Öl
und schenkest mir voll ein.
Gutes und Barmherzigkeit
werden mir folgen mein Leben lang,
und ich werde bleiben
im Hause des Herrn immerdar.

Dieses alte Gebet werde ich heute wieder mit auf meinen Weg nehmen.

Wieder will ich diese Worte in mir bewegen und sie mir zur Nahrung werden lassen.

So wie zu allen Zeiten Menschen Zuflucht genommen haben zu diesen Worten.

Vielleicht helfen sie mir ja, mit meinen offenen Fragen besser klarzukommen…

 

 

Bevor ich mich aufmache, sende ich den anderen, die heute auch unterwegs sind, einen Gruß.

Durch Kilometer getrennt, doch durch den Geist verbunden sind wir.

Eine Gemeinschaft, die zusammen auf der Suche ist.

Eine Gemeinschaft, die erfahren hat, dass manches sich klärt, wenn man sich erstmal aufmacht, wenn man nicht in der Starre verharrt, sondern in Bewegung kommt.

Schön, dass ich Euch heute an meiner Seite weiß!

Ich wünsche Euch, dass Ihr einen guten Weg habt!

 

 

[Ich starte also und gehe wieder erst einmal ein ganzes Stück.

Ich sehe mich um, ich atme durch, ich nehme wahr, was um mich herum ist.

 

 

 

Nachdem ich so erstmal in den Tritt gekommen bin, gehe ich dann irgendwann einen Teil des Wegs ganz bewusst im Schweigen.]

 

 

Impuls unterwegs für den Weg im Schweigen

 

In dieser Schweigezeit will ich wieder einen Abschnitt aus dem Psalm besonders in den Blick nehmen.

 

Er führet mich auf rechter Straße

um seines Namens willen.

 

Ein schönes Bild ist das:

Ich werde geführt!

Ich brauche mir also keine Gedanken zu machen, wo es langgeht.

Ich kann mich ganz dem anvertrauen, der mir den Weg zeigt.

 

Und das ist ja – wenn ich zum Anfang des Psalms zurückdenke – jemand, der Gutes mit mir vorhat.

Ein Hirte ist das, dem mein Wohlergehen am Herzen liegt, der mich versorgt und mich erfrischt.

Ich kann mich ihm also ganz anvertrauen.

 

Doch genau da fangen die Probleme für mich an!

Denn so sehr ich diese Vorstellung eines Hirten, der mich führt, auch mag – wenn ich damit ernst machen will, fordert mich das ganz schön heraus!

Denn: Wer sich führen lassen will, muss loslassen lernen.

Wenn ich mich führen lassen will, muss ich also akzeptieren, dass ich nicht alles selbst in der Hand habe.

Dann gehe ich den Weg, so wie er kommt.

Ich nehme ihn erst einmal an.

Ich gehe einfach, ohne ständig die Richtung zu hinterfragen.

Ich fange nicht an jeder Weggabelung an zu diskutieren, ob es in die andere Richtung nicht vielleicht besser wäre.

 

Das mag naiv klingen.

Schafe sind ja auch nicht wirklich berühmt für ihr eigenständiges Denken…

Doch vielleicht liegt in dieser Akzeptanz ein Schlüssel, um bewältigen zu können, was der Weg mir abverlangt.

Denn ich verbrauche so meine Energie nicht damit, es selbst immer noch besser wissen zu wollen, sondern habe meine ganze Kraft zur Verfügung, um zu gehen.

 

 

Diese Akzeptanz zu lernen, ist aber – wie gesagt – kein Kinderspiel, sondern eine mühsame Aufgabe für die meisten Erwachsenen.

Denn es bleiben natürlich die Zweifel.

Es bleiben Fragen.

Es bleiben Einwände.

Das ist menschlich.

 

 

Die innere Auseinandersetzung, die versucht, diese Zweifel und Bedenken nicht einfach zu verdrängen, sich ihnen aber zugleich auch nicht kampflos zu ergeben, hat Dietrich Bonhoeffer vor 77 Jahren in einem Gebet für seine Mitgefangenen in der Gestapo-Haft so in Worte gefasst:

 

In mir ist es finster, aber bei dir ist Licht
ich bin einsam, aber du verlässt mich nicht
ich bin kleinmütig, aber bei dir ist Hilfe
ich bin unruhig, aber bei dir ist Frieden
in mir ist Bitterkeit, aber bei dir ist Geduld
ich verstehe deine Wege nicht,
aber du weißt den rechten Weg für mich.

 

Die inneren Widerstände werden hier nicht einfach weggedrückt.

Sie werden wahrgenommen und gelten gelassen.

Alle Zweifel kommen noch einmal machtvoll zusammen in dem Satz:

„Ich verstehe deine Wege nicht“.

Aber dann werden sie entmachtet durch die Zuflucht ins Vertrauen.

„Aber du weißt den rechten Weg für mich.“

Die Corona-Krise lässt in mir in der Gegenwart immer wieder solche Fragen, Zweifel und Widerstände hochkommen.

Nicht nur die Frage, ob wir in Deutschland im Umgang mit der Pandemie den richtigen Weg eingeschlagen haben.

Sondern auch die Fragen, was mit meinen Eltern und meiner Familie sein wird, wohin das alles führt und wofür das alles gut sein soll.

Und auch da stehe ich mit keiner anderen Antwort da als dieser:

„Ich verstehe deine Wege nicht,
aber du weißt den rechten Weg für mich.“

 

 

Und dieser rechte Weg heißt in der hebräischen Sprache des Urtextes,

„der Weg der Gerechtigkeit“.

So will ich versuchen meinen Weg zu gehen in diesen Krisenzeiten:

Als einen Weg, der mir gerecht wird,

auf dem ich nicht plötzlich anfange, nur noch an mich und meine Essensreserven zu denken,

sondern auch diejenigen in den Blick zu bekommen, die von dieser Krise noch viel mehr betroffen sind als ich.

So hat es eine aus unser Pilgergemeinschaft nach einem unser letzten Wege ausgedrückt:

„Mir geht es ja eigentlich im Moment noch ganz gut.

Es mangelt mir an nichts.

Aber was ist denn mit den anderen?“

 

Was ist mit den Menschen, die gegenwärtig an der EU-Außengrenze festsitzen?

Was ist mit denen, die jetzt schon krank sind oder die sich um einen Angehörigen sorgen?

Was ist mit denjenigen, die Angst um ihre wirtschaftliche Existenz haben?

 

Bei allen Fragen, Zweifeln und Ängsten, die ich zunächst einmal für mich persönlich habe, will ich versuchen, diese anderen nicht aus dem Blick zu verlieren.

Ich möchte versuchen zu helfen, wo es mir möglich ist.

Ich möchte den Gedanken der Solidarität im Kopf behalten.

Ich bete für diejenigen, die ganz anders betroffen sind als ich.

Denn nichts Anderes ist der Weg der Gerechtigkeit:

Gerechtigkeit gilt eben niemals nur für einen Menschen allein sondern hat immer die Gemeinschaft im Blick.

 

Merkwürdig, dass mir dazu ausgerechnet in diesen Tagen ein Lesezeichen mit einem Satz von Anne Frank wieder in die Hände gefallen ist:

„Wie wundervoll ist es doch, dass niemand von uns auch nur eine Minute warten muss, um anzufangen, die Welt allmählich zu verändern!“

 

Von solchen Mut machenden Bewegungen nehme ich momentan ganz viele wahr:

Nachbarschaftshilfe blüht auf.

In Online-Konzerten spielen in den sozialen Netzwerken ganze Orchester im Homeoffice miteinander.

Ideen, um Freiberufler zu unterstützen, werden geboren.

 

Auch das ist ein Teil der Wahrheit auf unserem Weg durch die Krise.

Nicht nur meine Fragen, Zweifeln und Sorgen.

Sondern auch Dinge, die mich schmunzeln lassen.

Kleine Video-Clips, die mich anrühren.

Initiativen, die das Ganze im Blick behalten.

Menschen, die sich stark machen für andere, die ihre Kreativität ausschöpfen, um andere aufzubauen.

 

 

So gehe ich heute in den Weg im Schweigen:

Mit diesem Satz im Kopf:

 

Er führet mich auf rechter Straße

um seines Namens willen.

 

Ich weiß nicht, wohin das alles führt.

Aber das muss ich gerade auch nicht wissen.

Doch ich will gehen im Vertrauen, dass ich behütet bin

und dass der Weg der Gerechtigkeit zum Leben führt.

 

Wer mag, kann vor dem Aufbruch in den Schweigezeit noch zwei weitere Strophen von „Befiel du deine Wege“ singen (Evangelisches Gesangbuch 361, 4+6)

 

Weg hast du allerwegen,
an Mitteln fehlt dir’s nicht;
dein Tun ist lauter Segen,
dein Gang ist lauter Licht.
Dein Werk kann niemand hindern,
dein Arbeit darf nicht ruhn,
wenn du, was deinen Kindern
ersprießlich ist, willst tun.

HOFF, o du arme Seele,
hoff und sei unverzagt!
Gott wird dich aus der Höhle,
da dich der Kummer plagt,
mit großen Gnaden rücken;
erwarte nur die Zeit,
so wirst du schon erblicken
die Sonn der schönsten Freud.

 

 

 

Wenn Ihr Euch mit diesem Impuls auf den Weg macht,

segne Euch der Gott des Lebens, der Liebe und des Friedens.

 

Möge der Weg Dir freundlich entgegenkommen!

Mögest Du einen festen Boden unter Deinen Füßen spüren!

Mögen Gedanken an andere Menschen Dein Herz erwärmen!

Mögest Du gute Idee haben!

Mögest Du getröstet sein!

Möge das Vertrauen in Dir stark werden!

 

 

 

 

 

 

Betet, wenn ihr mögt, am Ende der Schweigezeit ein Vaterunser und/oder singt das Lied vom Beginn noch einmal!

 

Vater unser im Himmel
Geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich
und die Kraft und die Herrlichkeit
in Ewigkeit.

Amen.

Pilgern durch die Jahreszeiten am 05.04.2020 mit Psalm 23

 

 Anfangsimpuls beim Aufbruch

 

Ich bin da.

Gott ist da.

Das genügt.

 

Lied: „Dich rühmt der Morgen“ (Text: Jörg Zink, nach der Melodie von „In dir ist Freude“ Evangelisches Gesangbuch 398)

 

Dich rühmt der Morgen. Leise, verborgen

singt die Schöpfung dir, Gott, ihr Lied.

Es will erklingen in allen Dingen

und in allem, was heut geschieht.

Du füllst mit Freude der Erde Weite,

gehst zum Geleite an unsrer Seite,

bist wie der Tau um uns, wie Luft und Wind.

Sonnen erfüllen dir deinen Willen;

sie gehn und preisen mit ihren Kreisen

der Weisheit Überfluss, aus dem sie sind.

 

Du hast das Leben allen gegeben,

gib uns heute dein gutes Wort.

So geht dein Segen auf unsern Wegen,

bis die Sonne sinkt, mit uns fort.

Du bist der Anfang, dem wir vertrauen,

du bist das Ende, auf das wir schauen.

Was immer kommen mag, du bist uns nah.

Wir aber gehen von dir gesehen,

in dir geborgen durch Nacht und Morgen

und singen ewig dir: Halleluja!

Wieder ein neuer Sonntag.

Wieder ein neuer Weg für mich durch die Natur.

Darum bin ich heute wieder hier draußen:

Weil ich das spüren will, was da in dem Lied anklingt:

„Die Schöpfung singt Gott ihr Lied“, heißt es da.

Und das möchte ich heute erleben:

Im Vogelgesang, im Grün der Knospen, in den Farben der Blumen, in der Frische des Windes, in der Wärme der Sonne, in der Bewegung des Wassers, im Zug der Wolken, in den Spuren der Tiere – diesen immerwährenden Schöpfungsgesang, der so kraftvoll ist.

Und so vollkommen unbeeindruckt von dem, was mich beschäftigt…

 

Und ich will einstimmen in diesen Gesang.

Ich will mich anstecken lassen von der Energie, die ich in all diesem Leben ringsum spüre.

Genau wie die Bäume und Tiere, wie das Wasser und das Licht bin auch ich ein Teil dieser Schöpfung und mit jedem Atemzug, mit meinen Lebensäußerungen, mit meinen Bewegungen und meinen Gedanken trage auch ich zu diesem immerwährenden Lied der Schöpfung bei.

So will ich heute in den Tag gehen…

 

 

Auch das zweite Leitmotiv, das mich bisher auf meinen Pilgerwegen beschäftigt hat, klingt da bereits in diesem Liedtext von Jörg Zink an:

„Du gehst zum Geleite an unsrer Seite“, habe ich da in der ersten Strophe gesungen und „Wir aber gehen von dir gesehen, in dir geborgen durch Nacht uns Morgen“, in der zweiten Strophe.

 

Es ist das gleiche Bild wie in dem 23. Psalm, mit dem ich nun schon seit ein paar Wochen auf meinen Pilgerwegen unterwegs bin:

Gott als verlässlicher Begleiter.

Als Hirte, der mit auf dem Weg ist.

Ja, mehr noch: Der auf mich achtgibt und mich versorgt mit dem, was ich brauche.

Der dafür Sorge trägt, dass ich meine Kraftreserven immer wieder auffüllen kann und der meinen Weg in eine gute Richtung lenkt, wenn ich mich von ihm leiten lasse.

 

 

 

Wieder will ich die Worte dieses alten Gebets zunächst einmal neu laut werden lassen:

 

Psalmgebet

Der Herr ist mein Hirte,
mir wird nichts mangeln.
Er weidet mich auf einer grünen Aue
und führet mich zum frischen Wasser.
Er erquicket meine Seele.
Er führet mich auf rechter Straße
um seines Namens willen.
Und ob ich schon wanderte im finstern Tal,
fürchte ich kein Unglück;
denn du bist bei mir,
dein Stecken und Stab trösten mich.
Du bereitest vor mir einen Tisch
im Angesicht meiner Feinde.
Du salbest mein Haupt mit Öl
und schenkest mir voll ein.
Gutes und Barmherzigkeit
werden mir folgen mein Leben lang,
und ich werde bleiben
im Hause des Herrn immerdar.

 

 

Mit diesem Psalm im Kopf und im Herzen mache ich mich jetzt wieder auf.

Dieser Psalm kann dabei mein Beitrag zum Schöpfungsgesang sein.

Ich will diese Worte wieder in mir wirken lassen und sie mir so neu vertraut machen.

Ich möchte diese Worte in Verbindung bringen mit dem, was ich um mich herum wahrnehme, und mit dem, was an Gedanken und Gefühlen in mir ist.

 

 

Dabei weiß ich, dass nicht nur ich das gerade tue.

Da sind auch noch die anderen, die mit diesem Psalm unterwegs sind, die heute ebenfalls ihre Erlebnisse und Gedanken mit diesen alten Worten der Bibel verweben.

Mit ihnen bin ich verbunden durch das Lied der Schöpfung, das an allen Orten gleichzeitig gesungen wird, und durch das Band der Gemeinschaft, das der Geist Gottes zwischen uns knüpft, egal an welchem Ort wir auch sind.

Ich denke an Euch und freue mich, Euch heute wieder an meiner Seite zu wissen!

Möge es auch für Euch ein guter Tag, ein guter Weg sein!

 

 

 

 

 

 

 

[Ich starte also und gehe wieder erst einmal ein ganzes Stück.

Ich sehe mich um, ich atme durch, ich nehme wahr, was um mich herum ist.

 

 

 

Nachdem ich so erstmal in den Tritt gekommen bin, gehe ich dann irgendwann einen Teil des Wegs ganz bewusst im Schweigen.]

 

Impuls unterwegs für den Weg im Schweigen

 

„Was immer kommen mag, du bist uns nah.“

Diese Liedzeile klingt noch in mir nach.

Und sie steht in einer Verbindung zu dem Vers des 23. Psalms, der heute besonders in den Fokus rückt:

 

Und ob ich schon wanderte im finstern Tal,
fürchte ich kein Unglück;
denn du bist bei mir,
dein Stecken und Stab trösten mich.

 

Zunächst ist da die nüchterne Erkenntnis, dass solche finsteren Täler offensichtlich zu jedem Leben dazugehören.

Auch wenn ich noch so sehr glaube und mein Leben noch so gottgefällig führe, bleiben mir diese finsteren Täler nicht erspart.

Nicht einmal im 23. Psalm, dessen Tonfall insgesamt so positiv und vertrauensvoll ist, wird diese dunkle Seite des Lebens ausgeblendet.

„I beg your pardon! I never promised you a rosegarden“ („Tut mir leid! Ich habe Dir nie einen Rosengarten versprochen…“

Wie in diesem alten Schlager klingt in dem Psalm die dunkle Dimension des Lebens an und so wird deutlich:

Es gibt auch im Glauben kein Versprechen, dass immer alles problemlos läuft.

 

 

Heute ist Palmsonntag.

Und so verbindet sich mein Blick auf den Psalm auch mit der Geschichte dieses Tages.

Ich denke an Jesus, der an diesem Tag in Jerusalem eingezogen ist.

Da ist so viel Aufbruch und so viel Hoffnung in dieser Geschichte von seinem Einzug – ähnlich, wie ich es auch in die Natur ringsum sehen kann an den Knospen der Bäume und Blüten der Frühblüher.

 

Doch auch das finstere Tal hat sich da beim Einzug in Jerusalem vielleicht schon abgezeichnet.

Die schweren Tage, die Jesus bevorstehen…

Nicht einmal eine Woche später wird er einen anderen Psalm sprechen: „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“ (Ps. 22).

Auch das kann zu finsteren Tälern dazugehören:

Dass ich mich in solchen Zeiten von allen guten Geistern verlassen fühle und ich mir gottverlassen vorkomme.

Dann kann es sein, dass sich die Last in solchen Worten Bahn bricht.

So kommt das Schwere zu Wort.

Es gerät in der Frage aber auch in Kontakt mit dem, bei dem diese Last gut aufgehoben ist.

Der Lehrer unseres Glaubens hat uns so auch gezeigt, was wir in unseren finsteren Tälern in solchen Momenten der Einsamkeit tun können…

 

 

Ich denke an die verschiedenen Durststrecken, die mir das Leben bisher zugemutet hat.

Wie die meisten Menschen habe ich schon solche schwierigen Zeiten erlebt, durch die ich durchmusste.

Lebensphasen, in denen mir das Leben viel abverlangt hat, und ich nicht so recht wusste, wie es weitergehen soll.

 

Momentan erleben wir dieses finstere Tal, durch das wir durchmüssen, nicht nur individuell sondern kollektiv – in den Familien und Gemeinschaften, zu denen wir gehören, aber auch als Nation und als Weltgemeinschaft.

Es gab in meinem bisherigen Leben noch keine Situation wie diese, in der diese Erfahrung des finsteren Tals die Menschen so umfassend betraf.

 

 

Was hat mir in meinen bisherigen „finsteren Tälern“ Kraft gegeben?

Was waren Ressourcen für mich in solchen Phasen?

Was hat mich gestärkt?

Es waren einerseits tröstende Worte von anderen Menschen.

Menschen, die sich mir zugewandt haben und sich meine Sorgen angehört haben.

So können wir in der Gegenwart einander zu Seelsorgern werden:

Andere anrufen, ehrlich fragen: „Wie geht es dir?“ und der Antwort Raum geben, zuhören, im Gespräch sein, mich selbst aussprechen.

In solcher Solidarität kann das „finstere Tal“ ein bisschen was von seiner Dunkelheit verlieren…

 

Neben solchen Menschen, die mir zugehört haben, war es bei meinen bisherigen „finsteren Tälern“ aber auch ganz konkrete praktische Hilfe, die mir geholfen hat.

So bedeutet auch das Wort „trösten“ im hebräischen Wortlaut des Psalms Text ein ganz handfestes Kümmern – so wie eine Mutter oder ein Vater im Idealfall ihrem Kind nicht nur zuhören sondern auch ein Pflaster zur Hand haben oder ein Butterbrot für die Seele schmieren.

Auch das kann in der Gegenwart eine Möglichkeit sein, mit dem „finsteren Tal“ umzugehen:

Öfter die Frage stellen: „Was kann ich für dich tun?“ – vom Blumenstrauß vor der Tür über die Postkarte bis zum Einkaufsservice.

Und andersherum zu fragen: „Was brauche ich?“ Und sich nicht zu scheuen, Hilfe in Anspruch zu nehmen.

Wo Menschen einander zu Helfern werden, tun sie, was in ihrer Macht steht, um Krisen gemeinsam zu meistern.

Eine gute Erfahrung für alle Beteiligten!

 

Nicht zuletzt haben mir in meinen „finsteren Tälern“ auch biblische Worte Trost und Hilfe gegeben.

Wann immer mich in solchen Zeiten Sätze aus der Bibel getroffen haben…

Wenn ich also diese Worte, die aus einer ganz anderen Zeit stammen, so gelesen habe, dass sie zu mir gesagt sind – jetzt und hier in diesem Moment, hat es mir gut getan.

Das ist unverfügbar.

Das kann man nicht „machen“.

Doch es passiert – Gott sei Dank – immer wieder.

Und ich kann mich, wenn es passiert, darauf einlassen…

 

 

Wenn ich nun in den Weg im Schweigen gehe, will ich an die „finsteren Täler“ denken, die ich auf meinem bisherigen Lebensweg gemeistert habe.

Ich möchte mich erinnern, was mir geholfen hat, durch meine „finsteren Täler“ durchzukommen.

Ich möchte für allen Trost und alle Hilfe danken, die ich in diesen Zeiten erfahren habe.

 

Und ich möchte mich für die Zeit, in der ich jetzt bin, dieses Beistands vergewissern, der mir von Gott zukommt.

„Was immer kommen mag, du bist uns nah.“

Ich gehe im Schweigen und versuche, diesem Vertrauen in mir Raum zu geben:

„Ich fürchte kein Unglück.

Denn du bist bei mir, dein Stecken und Stab trösten mich!“

 

 

Wer mag, kann vor dem Aufbruch in die Schweigezeit noch ein weiteres Lied mit einem Text von Jörg Zink singen: „Ich traue Gott, was soll ich sorgen?“. Es folgt der Melodie des Abendliedes „Der Tag, mein Gott, ist nun vergangen“ aus dem Gesangbuch (Evangelisches Gesangbuch 266).

 

Ich traue Gott, was soll ich sorgen?

Er sagt, er habe auf mich acht.

Ich bin in seinem Schutz geborgen.

Mein Schicksal ist mir zugedacht.

 

Er gibt den Geist mir und das Leben,

der Erde Kraft, des Himmels Tau.

So geh ich – von ihm selbst umgeben –

den Weg, dem ich mich anvertrau.

Und wenn einmal die Schatten fallen

und find ich keinen sichern Stand,

so weiß ich doch: Ich bin mit allen,

die leiden, fest in seiner Hand.

 

So will ich bis ans Ende wandern

bis ich die offene Türe find.

Der Tisch lädt ein, mich und die andern,

die dort mit mir zu Hause sind.

 

Was also soll ich ängstlich sorgen?

Ich traue ihm, dass er mich sieht!

Ich bin in ihm an jedem Morgen

und rühme ihn mit meinem Lied.

 

 

 

 

 

Wenn Ihr Euch mit diesem Impuls auf den Weg macht,

segne Euch der Gott des Lebens, der Liebe und des Friedens!

 

Möge der Weg Dir freundlich entgegenkommen!

Mögest Du die Verbundenheit mit den anderen spüren!

Mögest Du gnädig auf Deinen bisherigen Weg blicken und zuversichtlich auf Deinen zukünftigen!

Möge Dankbarkeit Dir ein warmes Gefühl geben!

Möge Vertrauen in Dir wachsen!

 

 

 

 

 

Betet, wenn ihr mögt, am Ende der Schweigezeit ein Vaterunser und/oder singt eines der Lieder noch einmal!

 

Vater unser im Himmel
Geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich
und die Kraft und die Herrlichkeit
in Ewigkeit.

Amen.(Frank Karpa,,Nordkirche)

Jesus sagt: „Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen.“

Wenn der Gottesdienst in der Kirche ausfällt, dann könnt Ihr zu Hause mit Euren Kindern Gottesdienst feiern. So habt Ihr eine besondere Zeit. Gott wird dabei sein.

Sucht mit Euren Kindern einen schönen Ort aus und macht es Euch gemütlich. Um die besondere Zeit vom „normalen“ gemeinsamen Spielen und Erzählen zu unterscheiden, könnt Ihr den Ort gestalten: Legt Kissen aus, auf denen Ihr sitzen möchtet. Bereitet einen „Altar“ auf einem Tisch, einer Kiste oder einem Tuch auf dem Fußboden vor. Schmückt den Tisch mit Blumen. Stellt eine brennende Kerze dazu. Das Licht erinnert, dass Gott unser Licht ist und bei dieser Feier dabei ist. Legt eine Bibel dazu. Darin stehen all die Geschichten von Gott und den Menschen. Wir können sie erzählen und hören. Stellt ein Kreuz dazu als Zeichen, dass Gott zu uns in die Welt gekommen ist und den Tod besiegt hat.

(Es können echte Blumen oder welche aus Lego sein. Das Kreuz kann aus Löffeln oder Bauklötzen gelegt werden, wenn gerade kein Kreuz zur Hand ist. Alles ist erlaubt. Die Kinder werden schon etwas Passendes finden. Bei der Kerze natürlich die üblichen Sicherheitsvorkehrungen beachten!)

  • Anfangen: Zu Beginn könnt Ihr eine Glocke läuten und ein Lied singen oder von der CD spielen.
  • Gottesdienst beginnen: Eine/r sagt: Wir sind zusammen und feiern Gottesdienst. Wir Menschen und Gott. Alle sagen gemeinsam:
  • Bibel: Jemand erzählt eine Bibelgeschichte oder liest sie vor. Zum Beispiel vom Einzug nach Jerusalem (Lukasevangelium Kapitel 19, Verse 28-40) oder eine andere, die Euch gefällt.
  • Vertiefung: Dann kann jeder und jede etwas kneten oder malen oder aus Bauklötzen bauen. Anschließend schaut Ihr Euch an, was alle gestaltet haben. Achtung: Alles ist richtig und wird wertschätzend betrachtet! Wer mag, erzählt sich noch gegenseitig, was das Schönste an der Geschichte war oder was Euch nicht so gut gefallen hat.
  • Lied: Singt ein Lied zusammen, dass Ihr aus dem Kindergottesdienst kennt.
  • Gebet: Dann könnt Ihr beten. Sprecht ruhig frei für was Ihr beten möchtet. Oder baut oder knetet etwas, dass Ihr Gott erzählen/zeigen möchtet. Oder betet das Vater Unser. /nd/oder einer/eine betet:

Gott, du bist in die Welt gekommen, um mit uns unsere Wege zu gehen.

Die unheimlichen, dunklen Wege und die schönen, hellen Wege. Danke, dass wir nie alleine sind. Du bist da.

Alle sagen gemeinsam: Amen.

Am Ende könnt Ihr noch ein Lied singen. Dann sagt Ihr Euch gegenseitig: Gott will Dich segnen und Du sollst ein Segen sein. Amen.

(Antoinette Lühmann. Fachstelle Kindergottesdienst in der Nordkirche.)

  • Kigo für Zuhause DIY (zum Thema vom letzten Sonntag); Fachstelle Kindergottesdienst Hessen Nassau

http://kindergottesdienst-ekd.de/GeschichtenzeitamSonntag-22.Mrz2020.pdf