Amrumer Krippenspiel von 2012

Die Kinder und Jugendlichen spielen, dazu gelesen wird der Text. Spärliche Verkleidungen. Hüte, Tücher, festgemacht mit Wäscheklammern. Evtl. eine Krone für den Kaiser und anderes Material.

Vorbereitung

Die Geschichte vorlesen. Fragen: Was sollte auf dieser Welt dringend besser werden?

Aufgabe: beim 2. Lesen hinhören: Was erscheint dir spielbar? Was würdest du gerne spielen?

  1. Lesen.

Gespräch: Welche Rolle kann ich mir vorstellen? Wen und was würde ich gerne spielen?

Einsammeln. Gemeinsam überlegen: Welche Rollen sind nicht besetzt? Was brauchen wir noch?

Wenn Rollen mehrfach besetzt sind: Was kannst du dir noch vorstellen zu spielen?

Wenn die Geschichte vollständig besetzt ist, Realisierung überlegen: Was spielt an welchem Platz? Dann: Verkleiden und Spielplätze einrichten.

 

Wenn alle so weit sind:

Frage: Bitte stell dich vor und sage, was du erleben möchtest. Vielleicht auch, was du dir wünschst (für den Fall, dass der Kaiser gestürzt werden soll, dürften die anderen dann mitmachen? Beim 1. Spiel kann es auch anders weitergehen. Meistens sind die Spieler_innen beim 1.Mal sehr artig.)

Jede und jeden anhören.

Regel: Wenn eine oder einer „Stop“ sagt, hört der oder diejenige auf, ihn oder sie zu belästigen.

 

Durchführung: Zum gesprochenen, gelesenen Wort spielen die Teilnehmer_innen. Sie selbst sagen nichts. Sie drücken sich nur durch ihre Körper aus. Das Lesen der Geschichte ist initiierend und begleitend zugleich. Die Lesende ist mit ihrer Aufmerksamkeit sehr bei den Spieler_innen.

 

Nach dem Spiel: alle setzen sich auf den Fußboden in einen Kreis. Z.T. noch verkleidet. Die Frage lautet: Was habe ich erlebt? Kommentare unerwünscht. Inhaltliche Fragen willkommen.

 

Generalprobe: Jede und jeder begibt sich in seine Rolle. Die Spielplätze werden neu in Besitz genommen und gestaltet (20 Min). Verabredungen: Jede jeder stellt sich an seinem und ihrem Spielplatz vor und sagt, was er oder sie darstellen möchte (10 Min). Spiel beginnt und endet mit einem Gong. Das wird am Heiligabend so nicht sein, ist jetzt aber nötig (20 Min). Nach dem Spiel: Kreis auf dem Fußboden: Was habe ich erlebt, was habe ich wahrgenommen, Runde. Was sollten wir am Heiligabend beachten oder anders machen? (20 Min)

 

Aus dieser Erfahrung heraus sollte die Geschichte dann nochmal redigiert werden.

Und hier ist sie.

  1.  Erwartung

Schon so lange haben Menschen gewartet, dass es mal eines Tages besser wird:

Was kann und sollte besser werden?

Wie sieht das dann aus?

(Besser in ihrem Miteinander, besser in ihrem Vertrauen zueinander, vor allem besser für alle die, die täglich mit dem Überleben beschäftigt waren.)

In einem kleinen Land, in Israel, lebten Juden. Sie hatten eine ganz eigene Religion. Für sie gab es nur einen Gott. Einen Gott in allem für alle.

Um sie herum lebten Völker, in denen wurden viele Götter und Göttinnen verehrt.

Und der Kaiser fand, er solle verehrt werden als oberster Gott. Er unterdrückte die vielen Völker und presste aus ihnen heraus, was er bekommen konnte. Seine Zöllner lagen an jeder x-beliebigen Wegkreuzung auf der Lauer, seine Soldaten waren überall im Land präsent.

Auch die Weisen seufzten. Und schauten in den Sternen nach, ob es sich nicht irgendwann bessern würde. Bis ein paar wenige Sternkundige am Himmel erkannten, dass es eine ganz eigentümliche Konstellation geben würde. Etwas Besonderes würde am Himmel erscheinen und auf der Erde passieren. Etwas nie da Gewesenes.

 

  1.  Zwangslage

In einem kleinen Ort auf dem Land lebten zwei Familien. In der einen Familie gab es einen Sohn, der war noch immer nicht verheiratet. In einer anderen Familie lebte ein junges Mädchen, gerade mal 14 / 15 Jahre alt. Die Eltern der beiden beschlossen, dass sie heiraten sollten. Maria, so hieß das Mädchen, hatte ein besonderes Erlebnis gehabt: Ein Engel, sagte sie, sei zu ihr gekommen und habe ihr gesagt, dass sie schwanger werden würde. Und dass das Kind, das sie gebären soll, ein Kind Gottes sei. Maria war furchtbar erschrocken. So jung sie war, sie war schwanger geworden, unverheiratet. Eine Schande für sie und ihre Familie. Und für Josef, so hieß ihr künftiger Mann, keine besondere Freude.

In dieser Zeit, als Maria schwanger war, gab es ein Gesetz aus Rom vom Kaiser: Jeder Mensch in seinem Reich soll an den Ort seiner Geburt gehen und sich dort in ein Register eintragen lassen. Damit der Kaiser weiß, wie viele Menschen in seinem Land leben. Damit er noch mehr aus den Leuten herauspressen kann.

Auch wenn Josef noch nicht offiziell mit Maria verheiratet war, musste er jetzt mit Maria zusammen losgehen. Zu Fuß. Viele Tage lang. Maria war bereits hochschwanger. Beide waren nicht besonders fröhlich. Und vor allem waren sie langsam. Und müde. Jedesmal wieder woanders schlafen, wie ungemütlich! Warm war es auch nicht. Sie mussten es schaffen, bis nach Bethlehem zu kommen. Dort sollte Josef sich, Maria und eventuell auch das Kind in das Register eintragen lassen.

 

  1. Bethlehem

Müde kommen Maria und Josef in Bethlehem an. Maria kann sich kaum auf den Beinen halten. Josef fragt in den Häusern, in den Herbergen, bei den Menschen: Kannst du mir ein Zimmer geben? Einen Raum, in dem wir schlafen können? Sieh doch, meine Frau ist schwanger. Sie soll sich ausruhen.

Einmal wird er abgewiesen: „Nein, wir haben keinen Platz.“ Zum Zweiten mal wird er abgewiesen: „Bei uns ist alles voll.“ Zum dritten Mal wird er abgewiesen: „Eine Schwangere? Was, so dick ist der Bauch? Nein danke, lieber nicht. Wer weiß, ob das gut geht.“ Beim letzten Haus hat der Hausbesitzer ein Einsehen. „Naja, einen Stall habe ich noch. Da stehen zwar 2 Tiere, ein Ochse und ein Esel. Aber die sind lieb. Wir schütten euch Stroh auf, dann habt ihr es weicher.“

Maria und Josef nehmen das Angebot dankend an. Für sie ist der Stall die Rettung. Sie fühlen sich wie in einem Palast.

Kaum wird es Nacht, kommen die Wehen. Maria gebiert das Kind. Ein Junge. „Jesus soll er heißen, hat der Engel gesagt. Wirst du ihn auch etwas liebhaben?“, sagt sie zu Josef. Aus dem, was die Bibel berichtet, ist zu erschließen, dass Josef das noch nicht so genau wusste. Er wusste nicht, ob er dieses Kind wirklich liebhaben wollte.

 

  1. Auf dem Feld: Hirten und Engel

Draußen, vor den Toren von Bethlehem, ist weites Feld: wenig zu knabbern für die Tiere, viel Geröll. Die Hirten müssen ständig umher ziehen. Dort, wo die Tiere zu fressen haben, bleiben die Hirtinnen und Hirten ein Weilchen. Hirten und Hirtinnen, das sind die Ärmsten der Armen. Kinder, die niemals zur Schule gehen. Die groß werden mit den Tieren und den Geschichten am Lagerfeuer.

In dieser Nacht der Geburt erscheint ein großes Licht am Himmel. Die Sterne leuchteten so hell, das ist besonders. Es scheint wie „nicht wirklich“ zu sein.

Einige Hirten sind noch wach. Sie sehen das Licht. Sie fürchten sich.

In dem Licht erscheint ein Engel: „Fürchtet euch nicht! Ich bringe euch große Freude! Ein Kind ist geboren heute Nacht. Es ist der Messias, unser Retter. Er wird die Welt erlösen!“

Die Hirten fürchten sich noch mehr. Aber sie hören auch gut hin. Deswegen verstehen sie, was der Engel noch sagt:

„Geht hin! Ihr werdet das Kind finden in einer Krippe, nur in Windeln gewickelt.“

Um den Engel herum sind plötzlich viele andere Engel zu sehen. Licht, Gesang, Engel – alles auf einmal. Die Hirten staunen.

Kinderchor: Engel singen

 

  1. Hirten gehen los

Die Erscheinung verschwindet. Die Hirten sind jetzt blitzwach. Sie wecken die, die die Erscheinung verschlafen haben. Alle zusammen gehen los. Das wollen sie sehen: den neu geborenen Erlöser, den Held, den Retter! Nichts wie hin.

Sie müssen etwas suchen. Sie beraten sich: „Wo ist eine Krippe, wo sind Tiere fest an einem Ort? Das muss ein Stall sein. Nicht wie bei uns auf dem Feld. Lass uns nach Bethlehem gehen. Ja, dort, seht ihr den Stern? Da muss es sein.“

Sie finden einen Stall. Sie finden mitten in der Nacht die Mutter, den Vater, das Kind. Das Kind liegt in der Krippe. Es ist in Tücher gehüllt, in Windeln gewickelt. Ein Neugeborenes, klein, zart und nackt.

Die Hirten geben, was sie haben. Sie sehen: die Leute hier sind genauso arm wie sie.

„Und wo ist nun der große Erlöser, der Retter, der Messias?“, fragen einige von ihnen. Im selben Moment wissen sie die Antwort: „Hier. Hier ist das Glück.“

Da ist das große Licht vom Himmel in die Herzen gefallen.

 

Lied: Kommet ihr Hirten (Heft Nr. 23)