Abschied im Sterbehaus („Aussegnung“)

Es segne dich Gott, der Vater,

der dich nach seinem Bild geschaffen hat.

Es segne dich Gott, der Sohn,

der dich durch sein Leiden und Sterben erlöst hat.

Es segne dich Gott, der Heilige Geist,

der dich ins Leben gerufen und geheiligt hat.

Gott, Vater, Sohn und Heiliger Geist

Geleite dich durch das Dunkel des Todes in sein Licht.

Er sei dir gnädig im Gericht

Und gebe Dir Frieden und ewiges Leben.

(8.Jahrhundert)

 

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Hinweise zur Gestaltung

  1. Es geht darum, sicher, leise, entschieden, zurückhaltend, eindeutig, sanft, liebevoll einen Raum zu schaffen, in dem Menschen Abschied nehmen können. Es geht darum, Menschen liebevoll an die Hand zu nehmen und zu leiten, ohne alles festzulegen. Es geht um leise Töne.
  2. Sie kommen als Seelsorgerin, die liturgisch handelt. Ziehen Sie zur liturgischen Handlung unbedingt einen Talar an. Damit machen Sie Anfang und Ende der liturgischen Handlung deutlich. Das hilft Ihnen und anderen. Und es schützt Sie vor zu viel Nähe.
  3. Erarbeiten Sie sich eine Form, in der Sie sich zuhause fühlen. Die Situation braucht große Offenheit für Dinge, die dann doch anders laufen, Improvisationsgeschick, große Zugewandtheit und Nähe. Das können Sie nur leisten, wenn die Form, die sie feiern „Ihre“ ist.
  4. Erarbeiten Sie diese Form für die Schublade. Wenn Sie sie brauchen, haben sie keine Zeit, sich vorzubereiten. Vielleicht liegen in der Schublade auch fertige Liederzettel – ohne festen Ablauf aber mit einzelnen Elementen – für die „Gemeinde“. Ein Gesangbuch ist in dieser Situation schnell eine Überforderung.
  5. Machen Sie wenig Worte. Ein Lied, ein Psalm, vielleicht ein einzelner Bibelvers, Vaterunser, eine Aussegnungs- oder Abschiedshandlung, vielleicht ein freies Gebet, Stille – das reicht.
  6. Für Ostertexte und Auferstehungsverse ist es noch zu früh.
  7. Nehmen Sie eine kleine Decke / große Serviette mit, eine Kerze die Sie im Haus lassen können, vielleicht ein kleines Kreuz oder einen Engel. Und wenn es dann doch keinen Platz gibt für diese Dinge, dann macht das auch nichts.
  8. Wenn niemand singen mag: Singen sie vor. Und sagen Sie das auch so. Das entlastet.
  9. Seien Sie darauf vorbereitet, überrumpelt zu werden. Vielleicht zerrt man sie, kaum dass Sie durch die Tür sind, ins Sterbezimmer. Wenn möglich, verlangsamen Sie die Situation, wenn das für Ihre Präsenz nötig ist. Vielleicht können Sie darum bitten, einen Moment mit dem/der Gestorbenen allein zu sein. Oder Sie bitten um einen Ort, in dem Sie sich alleine umziehen können, damit Sie noch einmal einen Moment für sich haben.
  10. Lassen Sie sich von drängelnden Bestattern nicht unter Druck setzen. Manchmal sind dazu klare Worte notwendig.
  11. Haben Sie keine Hemmungen, nach einem anstrengenden Abschied den Konfirmanden­unterricht abzusagen. Menschen, mit denen sie verabredet waren, dürfen Sie warten lassen. Sie haben dafür guten Grund.
  12. Denken Sie bei der Vorbereitung der Beerdigung daran, was Sie schon getan haben. Wenn Sie einmal ausgesegnet haben, dann vertrauen sie darauf, dass das reicht, wiederholen Sie die Handlung nicht in der Beerdigung. Wenn Sie in der Beerdigung auf einen gestalteten Abschied nicht verzichten wollen, weil jetzt andere Menschen da sind, dann gestalten Sie ihn in deutlicher Unterscheidung vom Abschied im Trauerhaus.
  13. Rechtliches (Angaben für Mecklenburg-Vorpommern. Die Regelungen in den Bundesländern sind unterschiedlich): Wenn ein Mensch stirbt, muss unverzüglich ein Arzt gerufen werden um die Leichenschau durchzuführen. Dazu sind Ärzte verpflichtet. Wird zuerst ein Notarzt gerufen, so kann er sich auf die Feststellung des Todes beschränken und die Leichenschau einem anderen Arzt überlassen. Die Leichenschau muss innerhalb von acht Stunden nach Aufforderung stattfinden. Solange bleibt die Leiche in der Regel am Sterbeort (außer bei Unfällen und anderen besonderen Umständen.) Da bei der Leichenschau – wenn sie den rechtlichen Bestimmungen gemäß durchgeführt wird – der Gestorbene entkleidet und von allen Seiten gründlich untersucht wird, die Leiche also für die Angehörigen unmittelbar erfahrbar „in Unruhe“ gebracht wird, sollte der Abschied / die Aussegnung erst nach der Leichenschau stattfinden.

Die Leiche darf bis zu 36 Stunden im Haus bleiben, es sei denn, besondere hygienische Gründe sprechen dagegen. Es besteht keine Verpflichtung, sofort einen Bestatter zu benachrichtigen.

Leichen dürfen (außer bei Unfällen) nur in Leichenwagen transportiert werden.

 

Konstanze Helmers

Ev. Luth. Kirchgemeinde Conow conow@kirchenkreis-parchim.de