Abkündigung und Kollekte, Empfehlungen für den Gottesdienst sinnvoller Ort und Vollzug im Gottesdienst

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Abkündigungen und Kollektensammlung.

Hinweise zur Gestaltung im Gottesdienst

1. Zusammenhang mit dem ganzen Gottesdienst

 

Abkündigungen und Kollektensammlung werden meist nicht als Teile der gottesdienstlichen Feier empfunden, sondern eher als Unterbrechung der geistlichen Vertiefung, manchmal auch als Störung. Die Haltung entspringt einer rituellen Innerlichkeit. Ich möchte mit den Belangen der Welt nicht behelligt werden, wenn ich mich meinem Gott zuwende – schon gar nicht mit schmutzigem Geld. Das zeigt wiederum eine seltsame Haltung zum Geld. Das ist ja an sich nicht dreckig, sondern sein Gebrauch macht es hilfreich oder zerstörerisch. Kirche hat wie mit allen Dingen der Welt auch mit dem Geld so zu handeln, dass es dem Leben dienst. Das tut sie, wenn sie es nicht abspaltet, sondern hinein nimmt in ihre Mitte, auch im Gottesdienst, seinen Zweck bedenkt, darüber betet und es so einsetzt wie das Evangelium es zeigt. Nur so verwandelt sich die Haltung der Menschen dazu.

 

Abkündigungen hatten vor der Zeit der Zeitungen und Medien eine andere Bedeutung. Sie galten als derjenige Ort im Gottesdienst, an dem wichtige Termine, Anliegen oder Ereignisse, die letztlich die ganze Gemeinde betreffen, öffentlich gemacht wurden.

Heute wiederholen die Abkündigungen oft nur, was sowieso schon irgendwo verzeichnet ist. Trotzdem stellen sie im Gottesdienst aktuell – mitten in die Besinnung aufs Wesentliche hinein – Anliegen vor, die vom Wesentlichen, der Gegenwart Gottes in Wort und Sakrament, betroffen sein sollen. Ein Fest im Ort z.B., an dem die Kirche aus ihrem Fundus heraus einen Akzent setzt oder das Ergebnis einer wichtigen Sitzung. Auch Namen und Gruppen, die sich mit Ereignissen verbinden, können in den Zusammenhang zu dem gehören, was uns Christen wesentlich ist – die Kasualien (vor allem Taufe, Trauung, Beerdigung) sowieso, aber z. B. auch der Abschied eines langgedienten Kirchenvorstehers oder ein Bürgerbegehren, das die Gemeinde mit betrifft.

 

Kollektenzwecke wiederum können auf andere Welten hinweisen, die aus unserer hinaus in globales christliches Leben führen – wenn sie es anschaulich tun. Unsere eigene Provinz ist nicht die Welt. Viele Christen leben noch so wie es die ersten Christen taten, sie leiden ähnliche Entbehrungen. Wir in Deutschland dagegen haben vieles von dem geschafft, was das Evangelium einmal verheißen hat: Anerkennung der Person und ihres unbedingten Wertes, Essen für alle, Freiheit der Gesinnung usw.. Die Gleichzeitigkeit der Ungleichzeitigkeit ist aber wichtig: In anderen Zonen kämpft jemand um einen Platz an der Schule, während wir aussuchen können zwischen 12 Privatschulen in der Stadt. Das wach zu halten ist auch Aufgabe des Gottesdienstes und darin der Kollekte.

 

Wer Abkündigungen nicht ähnlich sorgfältig vorbereitet wie z.B. die Gebete im Gottesdienst, wird der Zettelwirtschaft des Moments ausgeliefert sein und schnell Belanglosigkeiten daherreden. Demgegenüber ist es wichtig, den Zusammenhang zu dem zu bedenken, was uns im Gottesdienst sonst bedeutsam ist; dies ist von entscheidender Bedeutung für die Frage, ob die Abkündigungen als Störung oder als integrativer Teil empfunden werden.

 

Im Gottesdienst Geld zu sammeln, ist jedenfalls eine lange Tradition. Sie integriert das Handeln ins Hören, auch wenn es die immer gleiche Form hat und Menschen nur unspezifisch zur Aktion anleitet, die aus dem Evangelium folgt. Predigt und Evangelium wollen ja wirken. „Wann wird man an unseren Vorgärten und Handelsbeziehungen erkennen, dass wir Kinder Gottes sind?“ fragt D. Sölle. Über die Münzen und Scheine werden Großprojekte der Kirche auf Erden ermöglicht, und die kleine Gabe findet sich weltweit wieder. Das lernt, wer den Kollektenbeutel oder -korb im Gottesdienst und nicht danach bedient. (Etliche Gemeinden sammeln inzwischen an beiden Orten.)

 

 

2. Gestaltung im Gottesdienst

 

Abkündigungen haben verschiedene Anliegen:

 

2.1 Statistische Nachrichten und Serientermine

Das sind z. B. Kollektenergebnisse sowie regelmäßige Kreise und Gruppen. Immer mehr Gemeinden veröffentlichen diese Informationen schriftlich als Aushang oder auf einem Blatt als Beigabe (auf der Rückseite der Predigttext der Woche und ein schöner Spruch). Man kann sie mitnehmen und sich dadurch besser merken. Die mündlichen Abkündigungen selbst fallen dann straffer aus.

Der Wunsch, die Gemeinde in der Vielfalt ihrer Aktivitäten zu zeigen, wirkt oft aufdringlich und rückt die Abkündigungen in die Nähe matter Selbstdarstellung. Allenfalls in Urlaubs- oder City-Kirchen, die jeweils andere Menschen im Gottesdienst vorfinden, kann es sinnvoll sein, den Betrieb der Woche anzusagen.

 

2.2 Kasualien

Die Namen und Anlässe sind am besten direkt vor der Fürbitte aufgehoben.

 

Die Ansage leitet über ins Gebet für die Benannten und weiteres.

 

So verhindert man die oftmals recht formelhaften und unangepassten Kurzgebete mitten in den Ansagen (z.B. bei Trauernden). Sie wirken oft wie eine Karikatur von Gebet oder als Pflichtakt und werden durch die nachfolgenden Nachrichten sofort wieder relativiert oder zumindest in ihrer kommunikativen Funktion eingeschränkt. Das Gebet für die Menschen ist aber das Beste, was wir tun können für die Welt. Das erfordert etwas Liebe auch in der Form. Eingepfercht zwischen die Nachricht verrät die Form des Gebets, dass wir es nicht ernst meinen.

 

Menschen-Schicksale und Fürbitte sind inhaltlich und formal im Gottesdienst eine Einheit. In der Fürbitte nehmen wir uns Zeit für Schicksale und Verhältnisse. Wir geben uns nicht zufrieden mit den Nachrichten, mit denen wir ohnehin nicht zurechtkommen in ihrer Fülle. Wir zeigen unsere Begrenztheit, indem wir unsere Kraftlosigkeit an Gott überweisen. Diese öffentliche Darstellung der Ohnmacht im Gebet ist eine der stärksten Züge der Christen. Sie zeigen sich bedürftig und begrenzt. Das braucht Zeit und Raum, sonst wirkt es nicht.

2.3 Ereignisse

 

Die Ansage des aktuellen Kollektenzwecks ist eine mündliche Mitteilung, die auch etwas Werbung intendiert –

die Ansage besonderer Ereignisse der Gemeinde und ihres Umfeldes, die Aufmerksamkeit brauchen und etwas Wesentliches wollen ebenso.

 

Manchmal ist eine Ansage zum Verlauf des Abendmahls nötig.

 

Dies unter 2.3 Benannte ist in der Stelle sinnvoll aufgehoben, die wir traditionell für die Abkündigungen reserviert haben: Nach der Predigt hat der Gottesdienst eine offene Zeit. Es ist vieles gesagt, man kann ausruhen. Eine Musik spielt oder wir singen. Dann die Abkündigung von Ereignissen und Kollektenzweck. Danach die Kollekte mit Lied. Diese alte Folge ist bislang unüberboten.

 

Oder dieserart Abkündigungen liegen direkt vor dem Sendungsteil.

 

Die Abkündigungen zu Beginn des Gottesdienstes (damit sie dann erledigt sind) zeigen den Leuten, die Stille und Konzentration suchen, dass es in der Kirche genauso weitergeht wie es zuhause aufgehört hat: mit Nachrichten. Deswegen sind sie nicht gekommen.

 

Alte rhetorische Regel dabei: Man bringt nicht mehr als 3 Impulse hintereinander bei den HörerInnen zur Geltung. Alles darüber verfällt der Amnesie.

 

Also empfiehlt sich auch hier: auswählen, ordnen und wissen, was man redet.

 

Fazit:

 

  • Bewusste Vorbereitung der Inhalte von Abkündigungen ermöglicht Integration von Ansage, Wort und Sakrament.
  • Entflechtung der Gattungen innerhalb der Abkündigungen schafft Ordnung und angemessene Aufmerksamkeit.
  • Qualität macht Arbeit.

 

Hinweise:

 

Siehe Gottesdienstbuch, S. 48, Abs. 4 (Abkündigungen von Terminen im Sendungsteil, vgl. auch S. 34, Sp.2, Abs.2),

 

auf S. 43, Abs. 4 (Ankündigung des Dankopfers),

 

S. 44, Abs. 1 (Abkündigung insb. von Kasualien nach dem Dankopfergebet oder direkt in den Fürbitten)